07.01.2026        FORSCHUNG

Neues aus der Forschung

UKE startet Projekt zur Erhöhung der Sicherheit von Patient:innen mit Weglauftendenz | Studie bestätigt erhöhtes Tuberkuloserisiko nach Organtransplantationen in Europa | Studie zur Blutdrucktherapie während Operationen | Genetischer Fingerabdruck von Hirntumoren bei Kindern | Neue genetische Faktoren für die Aortenklappenstenose entdeckt | Weiterförderung von Forschungsgruppe mit UKE-Beteiligung durch Deutsche Forschungsgemeinschaft

UKE startet Projekt zur Erhöhung der Sicherheit von Patient:innen mit Weglauftendenz

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat ein Projekt gestartet, mit dem die Sicherheit von Patient:innen, die insbesondere aufgrund psychischer oder neurologischer Erkrankungen die Tendenz haben, sich leicht im Klinikum zu verirren oder aus diesem wegzulaufen, noch weiter verbessert werden soll. Konkret sollen auf einzelnen Stationen Ortungsarmbänder für Patient:innen getestet werden. Für die einzelnen Patient:innen wird zuvor, je nachdem wie hoch das Risiko des Ver- oder Weglaufens ist, eine individuelle Sicherheitszone festgelegt, in der sich die Patient:innen nach Einschätzung der Pflegefachpersonen sicher bewegen können und aus der sie allein auf ihr Zimmer zurückfinden. Erst wenn dieser individuell festgelegte Bereich verlassen wird, wird die zuständige Pflegefachperson über ein mobiles Endgerät informiert und sie kann die Patient:innen bei der Rückkehr aufs Zimmer unterstützen. Zugleich soll untersucht werden, für welche Patient:innengruppen sich die Armbänder überhaupt eignen; angedacht sind etwa Patient:innen mit demenziellen Erkrankungen oder Delir nach Operationen.

Die Direktion für Patienten- und Pflegemanagement des UKE möchte gemeinsam mit dem Geschäftsbereich Informationstechnologie und den externen Kooperationspartnern Cliniserve GmbH und Hypros GmbH einen interaktiven Prozess etablieren und zur Marktreife bringen, damit bei erfolgreicher Pilotierung im UKE auch andere Kliniken davon profitieren können. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des Innovationsprogramms für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über zwei Jahre mit insgesamt 600.000 Euro.

Kontakt für Rückfragen: Dr. Birgit Vogt , Direktion für Patienten- und Pflegemanagement

Studie bestätigt erhöhtes Tuberkuloserisiko nach Organtransplantationen in Europa

Empfänger:innen solider Organtransplantate, also aus festem Gewebe bestehende Organe wie Leber, Herz, Lunge oder Nieren, haben auch in Ländern mit eigentlich niedriger bis mittlerer Tuberkuloseinzidenz ein deutlich erhöhtes Tuberkuloserisiko. Wesentliche Ursache dafür sind unbehandelte latente Tuberkuloseinfektionen der Empfänger:innen. Aber auch Neuinfektionen spielen eine relevante Rolle. Das haben Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Forschungszentrums Borstel in einer europäischen Multicenter-Studie herausgefunden, die sie im Fachmagazin Journal of Infection veröffentlicht haben.

In der Studie stellten sie für Transplantierte verglichen mit der Allgemeinbevölkerung ein sechsmal höheres Risiko für Tuberkulose fest. In Südeuropa war die Tuberkuloseinzidenz sogar etwa neunmal höher als in Zentraleuropa. Zusätzlich hatten Patient:innen mit Migrationsgeschichte ein signifikant erhöhtes Erkrankungsrisiko. Zugleich fanden die Forschenden heraus, dass nur rund ein Drittel der Transplantierten vor der Transplantation auf eine latente Tuberkuloseinfektion untersucht worden war und lediglich jede zehnte Person eine präventive Therapie erhalten hatte.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit differenzierter, regional angepasster Strategien zur Prävention der Erkrankung“, sagt Erstautor Dr. Thomas Theo Brehm aus der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE.

Publikation: Lange, Brehm et al. Tuberculosis incidence in solid organ transplant recipients in Europe: A multicenter TBnet cohort study. Journal of Infection. 2025.

DOI: https://doi.org/10.1016/j.jinf.2025.106668

Kontakt für Rückfragen: Dr. Thomas Theo Brehm, I. Medizinische Klinik und Poliklinik, t.brehm@uke.de

Studie zur Blutdrucktherapie während Operationen

Ein während einer großen Operation unter Vollnarkose individuell angepasster Blutdruck kann Organkomplikationen oder das Versterben von Patient:innen nicht besser verhindern als eine routinemäßige Behandlung. Das ist das Ergebnis der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten (Projektnummer 445158321), multizentrischen, randomisiert-kontrollierten IMPROVE-multi-Studie unter Leitung von Wissenschaftler:innen aus der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Forschenden um Prof. Dr. Bernd Saugel und Priv.-Doz. Dr. Karim Kouz haben untersucht, wie hoch der Blutdruck während einer großen Operation unter Allgemeinanästhesie sein sollte, um eine adäquate Durchblutung der Organe zu gewährleisten und Organkomplikationen wie akutes Nierenversagen oder Durchblutungsstörungen des Herzens zu verhindern. Insbesondere wurde erforscht, ob die Anwendung individueller Blutdruckziele für einzelne Patient:innen besser ist als die gegenwärtige klinische Praxis – das heißt, den mittleren arteriellen Blutdruck grundsätzlich bei allen Patient:innen über 60 bis 65 mmHg zu halten. In die Studie wurden rund 1200 Hochrisikopatient:innen, die sich einem großen abdominalchirurgischen Eingriff unterziehen mussten, in 15 Universitätskliniken in Deutschland eingeschlossen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin JAMA veröffentlicht.

Publikation: Saugel et al. Individualized Perioperative Blood Pressure Management in Patients Undergoing Major Abdominal Surgery. JAMA. 2025.

DOI: https://doi.org/10.1001/jama.2025.17235

Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Bernd Christopher Saugel , Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie

Genetischer Fingerabdruck von Hirntumoren bei Kindern

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Forschungsinstituts Kinderkrebs-Zentrum Hamburg im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und des KiTZ Hopp-Kindertumorzentrums in Heidelberg hat einen umfassenden epigenetischen Atlas von Mausmodellen für kindliche Krebserkrankungen erstellt. Die Analyse der DNA-Methylierung – eine Art molekularer Fingerabdruck – zeigt, dass die Modelle ihren menschlichen Gegenstücken verblüffend ähnlich sind. Auch die Zusammensetzung der Immunzellen im Tumor stimmt zwischen Mausmodell und Mensch weitgehend überein. Die Forschenden erhoffen sich durch ihre Arbeit ein besseres Verständnis der Entstehung von Hirntumoren bei Kindern. Zudem können die Modelle für präklinische Studien eingesetzt und dadurch neue Therapien entwickelt werden. Kindliche Hirntumoren wie das pädiatrische hochgradige Gliom oder das Medulloblastom gehören zu den aggressivsten Krebserkrankungen im Kindesalter. Eine besondere Herausforderung ist ihre enorme Vielfalt, denn jeder Tumor ist molekular anders aufgebaut. Ihre Studienergebnisse haben die Wissenschaftler:innen im Fachmagazin Nature Genetics veröffentlicht. Die Studie wurde unter anderem vom Europäischen Forschungsrat und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Publikation: Schoof, M., Zheng, T., Sill, M. et al. Investigation of a global mouse methylome atlas reveals subtype-specific copy number alterations in pediatric cancer models. Nature Genetics. 2025.

DOI: https://doi.org/10.1038/s41588-025-02419-4

Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Ulrich Schüller , Institut für Neuropathololgie sowie Klinik und Poliklinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie

Neue genetische Faktoren für die Aortenklappenstenose entdeckt

Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) die genetischen Einflüsse auf die Funktion der Aortenklappe und deren Auswirkungen auf das Risiko einer Aortenstenose untersucht – und dadurch deutlich mehr genetische Risikofaktoren identifiziert als bisher bekannt waren. In der Studie haben die Forschenden präzise Messungen der Aortenklappenfunktion aus Magnetresonanztomografie (MRT)-Bildern von fast 60.000 Personen aus der UK Biobank, einer prospektiven Biobankstudie in Großbritannien, die anonymisierte biologische Proben und gesundheitsbezogene Daten von einer halben Million Menschen enthält, gewonnen und anschließend mit Blick auf genetische Faktoren ausgewertet. Durch die Kombination dieser Messungen mithilfe von KI fanden die Forschenden Hinweise, die einen möglichen Einfluss von Cholesterin und Lipoprotein(a) auf die Funktion der Aortenklappe belegen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Risiko für Aortenklappenstenosen bereits sehr früh in der Krankheitsgeschichte genetisch geprägt wird. Sie eröffnen zugleich neue Perspektiven für eine erfolgreiche Prävention und Behandlung“, sagt Erstautor Dr. Shinwan Kany aus der Klinik und Poliklinik für Kardiologie des UKE. Die Studie wurde im Fachmagazin Nature Genetics veröffentlicht. Bei der Aortenstenose handelt es sich um eine Verengung der Aortenklappenöffnung, die mit einer hohen Sterblichkeit verbunden ist und für die es keine medikamentöse Therapie gibt.

Publikation: Kany et al. Multitrait analyses identify genetic variants associated with aortic valve function and aortic stenosis risk. Nature Genetics. 2025.

DOI: https://doi.org/10.1038/s41588-025-02397-7

Kontakt für Rückfragen: Dr. Shinwan Kany , Klinik und Poliklinik für Kardiologie

Weiterförderung von Forschungsgruppe mit UKE-Beteiligung durch Deutsche Forschungsgemeinschaft

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Forschungsgruppe 5250 unter Beteiligung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) für weitere vier Jahre mit insgesamt 4,3 Millionen Euro, von denen rund 455.000 Euro direkt ans UKE gehen. Ziel der Forschungsgruppe ist es, eine ganzheitliche Lösung für die Herstellung, Charakterisierung und simulationsgestützte Auslegung von additiv gefertigten Implantaten für die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde zu entwickeln und zu validieren. Dabei sollen besonders die physiologischen Bedingungen der individuellen Knochensituation berücksichtig werden. Geleitet wird die Forschungsgruppe „Mechanismenbasierte Charakterisierung und Modellierung von permanenten und bioresorbierbaren Implantaten mit maßgeschneiderter Funktionalität auf Basis innovativer In-vivo-, In-vitro- und In-silico-Methoden“ von der Technischen Universität Dortmund. Im UKE ist die Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Sektion für regenerative orofaziale Medizin, daran beteiligt.

Kontakt für Rückfragen: Prof. Dr. Dr. Ralf Smeets , Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie


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