SOMA.STATS.2
Hintergrund
Das Ziel der ersten Förderphase der SOMACROSS-Forschungsgruppe 5211 war es, biomedizinische, psychosoziale und soziodemografische Faktoren zu identifizieren, die zu persistierenden somatischen Symptomen (PSS) bei verschiedenen Krankheiten und Syndromen beitragen. Während frühere Studien zahlreiche Risikofaktoren und Mechanismen suchten, waren diese meist krankheitsspezifisch und es fehlte eine umfassende, transdiagnostische Perspektive. Das Z-Projekt (SOMA.STATS) schloss diese Lücke durch den Vergleich transdiagnostischer und diagnose-spezifischer Prädiktoren mittels moderner statistischer Modelle wie der Strukturgleichungsmodellierung (SEM). Dafür waren hochwertige, harmonisierte Datensätze notwendig.
Ergebnisse 1. Förderphase
Am Ende der Förderperiode wurde eine gemeinsame Datenbank mit 1.343 Teilnehmern aus neun medizinischen Bedingungen sowie 62 gesunden Kontrollen aus P4 (SOMA.PRU) aufgebaut. Analysen zeigten sowohl transdiagnostische als auch krankheitsspezifische Prädiktoren für PSS. Es wurde ein Risikoscore entwickelt, um die Schwere der Symptome vorherzusagen und so eine frühzeitige Identifikation riskanter Patienten zu ermöglichen. Ergänzende Mediationsanalysen in P2 (SOMA.GUT) zeigten, dass die Veränderung dysfunktionaler Erwartungshaltungen und krankheitsbezogener Ängste langfristig gastrointestinalen Symptome mildern kann.
Ziele
Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird in der zweiten Förderphase, SOMACROSS.2, die Forschung von rein beobachtender auf interventionelle Ansätze ausgeweitet. Dabei sollen identifizierte Risikofaktoren und Vorhersagemodelle in neuen Kohorten validiert und Interventionsstrategien entwickelt werden, die modifizierbare Mechanismen wie Erwartungen, Angst, depressive Symptome sowie Vermeidung und Inaktivität gezielt ansprechen. Ziel ist es, evidenzbasierte, mechanismenorientierte Behandlungsansätze für PSS bei verschiedenen Erkrankungen zu etablieren.
Arbeitsprogramm
In SOMACROSS.2 werden Daten aus den Projekten P1 bis P5, die experimentelle Interventionsstudien durchführen, sowie aus P1 und P7, die Kohortenstudien sind, zentral in einer harmonisierten REDCap-Datenbank zusammengeführt. Die Erhebung erfolgt an mindestens drei Zeitpunkten, mit zusätzlichen Visiten in den Interventionsstudien nach 1, 2 und 3 Monaten. Grundlage der Interventionen sind die in der ersten Phase ermittelten Prädiktoren aus dem Bereich der kognitiv-perzeptiven und emotionalen Mechanismen. Hierzu zählen die 6-Monats-Erwartung zur Symptomschwere, krankheitsbezogene Ängste, symptombezogener Leidensdruck, somatosensorische Verstärkung, die Ausprägung von Depression und Angst sowie die körperliche Aktivität. Der zusammengeführte Datensatz ermöglicht es, die Wirksamkeit und die Wirkmechanismen der Interventionsansätze über verschiedene Beschwerdebilder hinweg zu untersuchen, transdiagnostische Modelle zu validieren und weiterzuentwickeln. Zudem werden mittels Ecological Momentary Assessment Analyseansätze genutzt, um die Wirkweise der Interventionen auf individueller Ebene zu erfassen, wobei das Z-Projekt methodisch unterstützt.
Erwartete Auswirkungen
In der zweiten Förderphase bleibt SOMA.STATS.2 die zentrale Plattform für Methodik und Integration der SOMACROSS.2-Forschung. Durch eine gemeinsame Datenbank und zentralisiertes Datenmanagement wird eine valide, vergleichbare Datenerhebung gesichert. Es sind Schulungen und laufende statistische Beratungen geplant, um hohe Standards bei den Analysen zu gewährleisten. Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten Phase wird SOMA.STATS.2 in vier Kernbereichen zu den Gesamtzielen von SOMACROSS.2 beitragen:
- 1. Validierung der Prädiktoren und SEM-Modelle anhand neuer Patientendaten, um deren Robustheit und Anwendbarkeit zu bestätigen.
- 2. Längsschnittliche Modellierung der Persistenz von Symptomen mithilfe fortschrittlicher longitudinaler Modelle (z.B. random intercept cross-lagged panel models und latent growth curve models), um die zeitlichen Zusammenhänge biologischer, psychischer und sozialer Mechanismen zu untersuchen.
- 3. Entwicklung und Evaluation eines Risikoscores auf Basis dieser Modelle, der eine frühzeitige Identifikation Personen mit einem hohen Risiko für persistierende Symptome ermöglicht.
- 4. Bewertung der Wirkmechanismen und Effekte der getesteten Interventionen, um transdiagnostische und krankheitsspezifische Module zu identifizieren und Interventionen zu optimieren.
Dieses Vorgehen soll methodische Konsistenz sichern und dazu beitragen empirisch fundierte, transdiagnostische Modelle und Behandlungsansätze für persistierende somatische Symptome zu entwickeln.