SOMA.GUT.2
Hintergrund
Das Reizdarmsyndrom (RDS) und Colitis ulcerosa (CU) sind chronische Darmerkrankungen mit unterschiedlichen pathophysiologischen Grundlagen, die jedoch ähnliche, belastende und anhaltende gastrointestinale Symptome aufweisen. Die Behandlungsmöglichkeiten für anhaltende gastrointestinale Symptome sind bei beiden Erkrankungen nach wie vor begrenzt, so berichten z.B. etwa 30% der Patient:innen mit CU auch während Remissionsphasen von anhaltenden gastrointestinalen Symptomen. Aktuelle biopsychosoziale Modelle gehen davon aus, dass neben krankheitsspezifischen Faktoren auch psychologische Mechanismen wie Symptomerwartungen und krankheitsbezogene Ängste zur Symptomaufrechterhaltung beitragen. Erste mechanismus-basierte Ansätze zeigen, dass diese Faktoren veränderbar sind; Effekte auf die gastrointestinalen Symptome treten jedoch möglicherweise verzögert auf und sind bislang begrenzt. Daher besteht Bedarf an gezielteren und stärker personalisierten Therapieansätzen.
Ergebnisse 1. Förderphase
In der ersten Förderphase wurde die dreiarmige randomisiert-kontrollierte SOMA.GUT-Studie mit N=240 Patient:innen mit RDS (n=114) und CU (n=126) durchgeführt. Verglichen wurden eine mechanismus-basierte Intervention zur gezielten Modifikation von Symptomerwartungen und krankheitsbezogenen Ängsten zusätzlich zur Standardversorgung, eine unspezifische supportive Intervention zur Kontrolle allgemeiner Therapieeffekte zusätzlich zur Standardversorgung sowie die alleinige Standardversorgung.
Die Ergebnisse zeigen:
- Verbesserungen bei krankheitsbezogenen Ängsten und Copingerwartungen nach 3 Monaten
- Hinweise auf verzögerte Effekte bei gastrointestinalen Symptomen nach 12 Monaten
- Hinweise auf mögliche Veränderungen des Darmmikrobioms unter der mechanismus-basierten Intervention
Befunde zeigen, dass relevante Mechanismen beeinflussbar sind, gleichzeitig aber eine gezieltere und intensivere Intervention erforderlich ist.
Ziele
Aufbauend darauf untersucht SOMA.GUT.2 eine weiterentwickelte, personalisierte und mechanismus-basierte Intervention zur Reduktion gastrointestinaler Symptome bei Patient:innen mit RDS oder CU. Die Intervention wird modular aufgebaut und hinsichtlich Intensität, Zielgrößen und individueller Anpassung optimiert. Neben Symptomerwartungen und krankheitsbezogenen Ängsten werden zusätzliche Faktoren wie Depressivität und symptombezogener Distress adressiert. Darüber hinaus sollen kurzfristige dynamische Zusammenhänge zwischen psychologischen Mechanismen und Symptomen sowie biologische Prozesse, insbesondere Veränderungen des Mikrobioms, untersucht werden.
Arbeitsprogramm
Die Studie wird als zweiarmige randomisiert-kontrollierte Studie mit 160 Patient:innen (jeweils n = 80 mit RDS oder CU) über 12 Monate durchgeführt. Die Teilnehmenden werden der Interventionsgruppe (GUT.ADAPT + Standardversorgung) oder der Kontrollgruppe (nur Standardversorgung) zugeteilt. Die Intervention umfasst ein modulares, individualisiertes Therapiesystem; abhängig von Belastung und Risikofaktoren erhalten Teilnehmende ein bis drei Module einer psychologischen Intervention. Eine Teilstichprobe nimmt an einer Single-Case-Studie teil, in der mittels Smartphone-Befragungen (Ecological Momentary Assessment) und Wearables kurzfristige Veränderungen von Symptomen und Mechanismen erfasst werden. Ergänzend werden biologische Proben analysiert, um Veränderungen des Mikrobioms im Verlauf der Intervention zu untersuchen. Diese Analysen werden durch experimentelle Studien mit patient:innenspezifischen gnotobiotischen Mausmodellen ergänzt, um die funktionelle Bedeutung beobachteter mikrobieller Veränderungen besser zu verstehen.
Erwartete Auswirkungen
SOMA.GUT.2 untersucht, ob eine personalisierte, mechanismus-basierte Intervention zu einer effizienten und frühen Reduktion gastrointestinaler Symptome beitragen kann. Zudem sollen Wechselwirkungen zwischen psychologischen Mechanismen, Symptomen und biologischen Prozessen besser verstanden werden.
In Zusammenarbeit mit weiteren Projekten von SOMACROSS.2 werden gemeinsame Mechanismen und Behandlungsmodule über Erkrankungen hinweg untersucht. Langfristig soll dies dazu beitragen,
- anhaltende somatische Symptome besser zu verstehen
- individuelle Krankheitsverläufe präziser zu erfassen und
- effektivere, personalisierte Behandlungsansätze für persistierende somatische Symptome zu entwickeln.