Abstractband - 2. Hamburger Symposium Versorgungsforschung und Public Health - Bedarfsgerechte Versorgung: Über-, Unter- und Fehlversorgung

Vorträge

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Theresa Klinger theresa-klinger25@gmx.de
    Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, Germany

    Einleitung

    Obwohl Leitlinien aufgrund von Nebenwirkungen eine kurzfristige Anwendung systemischer Glukokortikosteroide (SGCs) bei atopischer Dermatitis (AD) empfehlen, zeigen Studien eine häufige Überverordnung. Zur tatsächlichen Versorgungssituation liegen jedoch nur begrenzte Erkenntnisse vor. Ziel dieser Längsschnittanalyse war die Untersuchung von Verordnungspfaden in Daten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), um Prädiktoren potenziell nicht leitliniengerechter Versorgung zu identifizieren und Ansatzpunkte für eine sicherere, leitlinienorientierte Behandlung abzuleiten.

    Methoden

    Auf Basis von GKV-Routinedaten wurden Erwachsene (≥18 Jahre) mit AD und mindestens einer SGCs-Indexverschreibung im Jahr 2019 unter Berücksichtigung einer einjährigen Wash-out-Periode identifiziert (n=4.292; mittleres Alter 55,96 Jahre; 72,6% weiblich). Individuelle Behandlungsverläufe wurden als Zeitserien täglicher kumulativer SGCs-Dosen (DDDs) über drei Jahre abgebildet und mittels k-Medoids-Clustering (Partitioning Around Medoids) mit dynamischer Zeitverzerrungsdistanz (DTW) in homogene Mustergruppen eingeteilt. Prädiktoren der Clusterzugehörigkeit wurden mittels adjustierter logistischer Regression analysiert.

    Ergebnisse

    Das Cluster hoher SGCs-Intensität (Ø 407,1 Tage; mittlere DDD 777,5) war häufiger mit Off-Label-Verordnungen assoziiert (OR 1,06–1,21). Leitlinienkonforme systemische Therapien traten eher im Cluster mittlerer Intensität auf (Ø 391,1 Tage; mittlere DDD 206,83; OR 1,07; 95%-KI 1,02–1,13). Dermatolog*innen waren im Cluster niedriger SGCs-Intensität (Ø 182,2 Tage; mittlere DDD 40,8) häufiger an Erstverordnung und Folgebehandlung beteiligt, während Allgemeinmediziner*innen überwiegend in Clustern höherer Intensität dominierten.

    Diskussion und Ausblick

    Die Ergebnisse deuten auf Diskrepanzen zwischen leitlinienbasierter systemischer Versorgung und beobachteten Behandlungspfaden hin. Die Clusteranalyse longitudinaler Zeitreihen in GKV-Daten macht sowohl potenziell inadäquate als auch leitliniennahe Muster sichtbar und unterstreicht den Bedarf an stärker koordinierter, fachübergreifender Versorgung.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Anna Levke Brütt a.bruett@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Anna Katharina Reinhold anna.reinhold@uol.de
    Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Germany

    Einleitung

    Zwei von drei Personen, die die Diagnosekriterien für Depression erfüllen, nehmen keine professionelle Versorgung in Anspruch. Theoretische Modelle wie das „Behavioral Model of Health Services Use“ erklären Inanspruchnahme, berücksichtigen jedoch selten die Perspektive der Betroffenen. Da etablierte Merkmale wie Alter und Geschlecht das Verhalten nur begrenzt vorhersagen, untersuchte diese Studie, ob subjektive Faktoren – etwa Krankheits- und Behandlungsvorstellungen oder wahrgenommener Bedarf – zur Erklärung beitragen können. Außerdem wurde exploriert, wann subjektiver Bedarf zu Inanspruchnahme führt und wann nicht.

    Methoden

    Für die Untersuchung des Inanspruchnahmeverhaltens wurde eine prospektive, bevölkerungsrepräsentative Befragung (T0, T1 nach 12 Monaten) von USUMA mittels des ADM‐Dual‐Frame‐Ansatzes durchgeführt. Eingeschlossen wurden Personen, die im Screening mit dem PHQ-9 einen Wert ≥ 5 erzielten. Qualitative Interviews ergänzten die Daten. Neben deskriptiven und regressionsanalytischen Auswertungen der quantitativen Daten wurden die qualitativen Interviews mittels Grounded Theory analysiert, um Typen wahrgenommenen Bedarfs zu entwickeln.

    Ergebnisse

    Hierarchische logistische Regressionsanalysen zeigten, dass die Ergänzung des Modells um subjektiv wahrgenommene Charakteristika das Inanspruchnahmeverhalten besser erklärt (Nagelkerke R² = 0,466) als nur etablierte Merkmale (R² = 0,349). Die Wahrscheinlichkeit einer Inanspruchnahme stieg signifikant mit Geschlecht (OR=1,88), Depressionsdiagnose (OR=2,42), wahrgenommener Behandlungskontrolle (OR=1,12), wahrgenommenen Beschwerden (OR=1,20) und wahrgenommenem Behandlungsbedarf (OR=2,83). Die Auswertung der Interviews zeigte, dass eine fehlende Inanspruchnahme nicht automatisch Unterversorgung bedeuten muss, z. B. wenn Copingstrategien erlernt oder niedrigschwellige Hilfen genutzt wurden.

    Diskussion und Ausblick

    Insgesamt erscheint eine differenziertere Betrachtung von Versorgungsbedarfen erforderlich, die den wahrgenommenen Bedarf der Betroffenen stärker berücksichtigt. Um diese Perspektive in die Bedarfsplanung einzubeziehen, fehlt bislang jedoch ein reliables und valides Messinstrument, das wahrgenommene Bedarfe adäquat erfasst.

    Thema: Vom Falschen zu viel und vom Richtigen zu wenig – wie werden wir besser?

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Annemarie Schultz annemarie.schultz@bwfg.hamburg.de
    Free and Hanseatic City of Hamburg, Ministry of Science, Research and Equality, Hamburg Cancer Registry, Hamburg, Germany

    Josephine Küsel-Kanbach
    Bremen Cancer Registry, Leibniz Institute for Prevention Research and Epidemiology – BIPS, Bremen, Germany

    Henrik Kusche
    Free and Hanseatic City of Hamburg, Ministry of Science, Research and Equality, Hamburg Cancer Registry, Hamburg, Germany

    Sabine Luttmann
    Bremen Cancer Registry, Leibniz Institute for Prevention Research and Epidemiology – BIPS, Bremen, Germany

    Gerhard Gebauer
    Department of Gynecology, Asklepios Klinik Barmbek, Hamburg, Germany

    Silke Tribius
    Department of Radiation Oncology, Asklepios Tumorzentrum, Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg, Germany

    Florian Würschmidt
    Department of Radiation Oncology, Radiologische Allianz Hamburg, Hamburg, Germany

    Soo-Zin Kim-Wanner
    Hesse Cancer Registry, Hessian Office for Health and Care, Frankfurt, Germany

    Constanze Schneider
    Clinical-epidemiological Cancer Registry Brandenburg-Berlin, Cottbus, Germany

    Anne von Rüsten
    Clinical-epidemiological Cancer Registry Brandenburg-Berlin, Cottbus, Germany

    Katharina Rausch
    Saarland Cancer Registry, State Ministry of Labor, Social Affairs, Women and Health, Saarland, Saarbrücken, Germany

    Alexander Katalinic
    Institute of Social Medicine and Epidemiology, University of Lübeck, Lübeck, Germany

    Maria Elena Lacruz
    Cancer Registry Saxony‑Anhalt, Magdeburg, Germany

    Jaqueline Müller-Nordhorn
    Bavarian Cancer Registry, Munich, Germany

    Dominique Werner
    Cancer Registry North Rhine‑Westphalia, Bochum, Germany

    Frederik Peters
    Free and Hanseatic City of Hamburg, Ministry of Science, Research and Equality, Hamburg Cancer Registry, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Despite universal health care coverage and standardised guidelines, geographic variations in radiotherapy (RT) after breast-conserving surgery (BCS) remain poorly understood in Germany. We investigated RT utilisation across German districts and within major city states.

    Methoden

    We analysed clinical cancer registry data for women aged ≥18 years with early breast cancer (UICC IA–IIA) who underwent BCS (Jan 1, 2020–Dec 31, 2022) across 319 German districts and within Hamburg and Bremen. The primary outcome was RT within one year after BCS. We used generalised linear models and Cox regression to examine patient-, tumour-, and region-level associations.

    Ergebnisse

    Among 47 944 women in 319 German districts, RT rates varied substantially (overall 77·8%; range 36–98%). Hamburg showed lower rates with within-city variation (73·7%; range 59·8–85·5%), while Bremen demonstrated higher, more uniform rates (91·2%; range 88·8–96·0%). RT receipt was lower in women aged 18–39 years (IRR 0·89, 95% CI 0·85–0·92) and ≥80 years (IRR 0·80, 95% CI 0·77–0·82) compared with 50–54 years. RT rates were higher in Eastern Germany (IRR 1·15, 95% CI 1·08–1·22). Two-year survival was higher among women receiving RT (HR 0·53, 95% CI 0·42–0·67).

    Diskussion und Ausblick

    Substantial geographic variation in RT after BCS persists within Germany's universal health care system. Even geographically close metropolitan areas show markedly different treatment patterns. Geographic monitoring and targeted quality assurance are needed to ensure equitable access to postoperative RT.

    Thema: Bedarfsgerechte Versorgung – eine Utopie?

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Beke Hester b.hester@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Christine Blome c.blome@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Marielle Donie m.donie@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Katharina Hense k.hense@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Post-COVID (PC) bezeichnet ein von der WHO definiertes Krankheitsbild mit persistierenden oder neu auftretenden Symptomen ≥3 Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion, die nicht anderweitig erklärbar sind. Aufgrund fehlender kurativer Therapieansätze erfolgt die Behandlung überwiegend symptomorientiert, bislang jedoch ohne ein Instrument zur systematischen Erfassung individueller Behandlungsziele und des Therapienutzens.
    Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung eines Patient-Reported Outcome Measure (PROM), das Behandlungsziele und -nutzen von erwachsenen Patient:innen mit PC misst.

    Methoden

    Der Fragebogen wird auf Basis der Patient Benefit Index (PBI)-Methodologie entwickelt. Der PBI besteht aus zwei Teilen: Der Patient Needs Questionnaire (PNQ) erfasst die Wichtigkeit verschiedener Behandlungsziele zu Beginn der Behandlung, der Patient Benefit Questionnaire (PBQ) misst die Erreichung dieser Ziele zu einem späteren Zeitpunkt. Die Entwicklung erfolgt gemäß etablierter Fragebogenmethodologie auf Basis qualitativer Interviews (n≈40–50), qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz, eines Expert Panels sowie kognitiver Debriefing-Interviews (n≈10–20).

    Ergebnisse

    Bisher wurden n=17 Interviews durchgeführt; die Erhebungs- und Analysephase wird voraussichtlich bis Sommer 2026 abgeschlossen sein und Grundlage für eine erste Version des PBI-PoCO bilden. Erste Ergebnisse verdeutlichen die Heterogenität der individuellen Belastungen und Bedürfnisse. Die Befragten äußern den Wunsch nach einem auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen, interdisziplinären Behandlungsansatz unter Einbezug verschiedener ärztlicher und therapeutischer Fachrichtungen. Darüber hinaus wird eine verständnisvolle und validierende Kommunikation als zentraler Bestandteil der Behandlung hervorgehoben, sodass sich Patient:innen in ihrer Erkrankung ernst genommen fühlen.

    Diskussion und Ausblick

    Die bisherigen Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines patient:innenzentrierten PROM, um individuelle Behandlungsziele und wahrgenommenen Behandlungsnutzen systematisch abzubilden und eine bedarfsorientierte Versorgung von Patient:innen mit PC zu unterstützen.

    Thema: Bedarfsgerechte Versorgung – eine Utopie?

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Verena Paul v.paul@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Michaela Kuhlen michala.kuhlen@uk-augsburg.de
    Universitätsklinikum Augsburg, Augsburg, Germany

    Josephin Biermann josephin.biermann@med.uni-greifswald.de
    Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald, Germany

    Corinna Bergelt corinna.bergelt@med.uni-greifswald.de
    Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald, Germany

    Inhestern Laura l.inhestern@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Cancer predisposition syndromes (CPS) in children pose significant long-term psychosocial challenges for families. Despite increasing clinical awareness, empirical data on parental experiences remain limited. This study explores parents’ perspectives on psychosocial care, focusing on diagnostic experiences, communication with the child, feelings of guilt, responsibility, and coping with uncertainty.

    Methoden

    A qualitative design with semi-structured interviews is used. Parents of children with CPS are recruited, with a target sample of 25–30 participants based on theoretical saturation. To date, 15 interviews have been conducted and analyzed following Mayring’s qualitative content analysis. Topics include diagnostic experiences, parent-child communication, psychological burden, healthcare interactions, and perceived responsibilities.

    Ergebnisse

    Initial findings show that the diagnostic phase is highly distressing, often characterized by uncertainty and fragmented communication. Parents report difficulties explaining the condition and associated risks to their children in an age-appropriate way. Feelings of guilt, especially regarding genetic transmission, are common. Many parents experience a strong sense of responsibility for coordinating care and making medical decisions, often with limited professional guidance. Perceived gaps in healthcare providers’ knowledge can reduce trust and increase burden. However, positive experiences arise when professionals demonstrate transparency, commitment, and willingness to seek expertise. Overall, there is a clear need for structured psychosocial support and improved interdisciplinary communication.

    Diskussion und Ausblick

    Preliminary results highlight substantial psychosocial burdens among parents of children with CPS. They underscore the importance of integrated psychosocial care, clearer communication strategies, and enhanced professional expertise. Ongoing data collection will further refine these findings and inform targeted interventions.

    Thema: Bedarfsgerechte Versorgung – eine Utopie?

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Linda Völtzer linda.voeltzer@haw-hamburg.de
    Competence Center Gesundheit, Hochschule für Angewandte Hamburg, Hamburg, Germany

    Denise Kubat denise.kubat@med.ovgu.de
    Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) Med. Fakultät, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg, Germany

    Lasse Jenner-Nissen lasse.jenner-nissen@haw-hamburg.de
    Competence Center Gesundheit, Hochschule für Angewandte Hamburg, Hamburg, Germany

    Susanne Busch susanne.busch@haw-hamburg.de
    Competence Center Gesundheit, Hochschule für Angewandte Hamburg, Hamburg, Germany

    Enno Swart enno.swart@med.ovgu.de
    Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) Med. Fakultät, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg, Germany

    Einleitung

    Mit dem Präventionsgesetz übernehmen gesetzliche Krankenkassen eine zentrale Rolle mit Leistungen in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und Suchtprävention zur Gesundheitsförderung und Prävention mit Satzungsleistungen als zusätzliche, kassenindividuelle Angebote dar. Trotz des Anspruchs einer soziallagenorientierten Ausrichtung ist wenig darüber bekannt, in welchem Umfang diese Angebote unterschiedliche Bevölkerungsgruppen erreichen. Im Kontext des Präventionsdilemmas stellt sich die Frage, wie Inanspruchnahme über verschiedene Datenquellen sichtbar gemacht und soziallagenspezifisch interpretiert werden kann.

    Methoden

    Dafür wurden drei komplementäre Datenquellen des Projekts ‚Gesunde Quartiere 2.0‘ herangezogen: 1) Routinedaten der Krankenkassen zu entsprechenden Abrechnungen, 2) eine standardisierte Versichertenbefragung (n = 2763) zur Inanspruchnahme, Bekanntheit und soziallagenbezogenen Merkmalen sowie 3) eine Straßenbefragung (n = 149) zur subjektiven Wahrnehmung/Nutzung von Satzungsleistungen. Die Integration erlaubt Vergleiche zwischen subjektiver und dokumentierter Nutzung gemäß kleinräumigem Sozialmonitoring.

    Ergebnisse

    Die Befragungen zeigen eine deutlich höhere selbstberichtete Inanspruchnahme (26 % bzw. 14 %) als die Routinedaten (2,4 %). Es findet sich ein sozialer Gradient: Frauen nutzen Angebote häufiger, während Personen zwischen 18 und 45 Jahren seltener teilnehmen. Eine zentrale Limitation liegt in der begrifflichen Unschärfe „Satzungsleistungen“ aus Sicht der Versicherten, die zu Überschätzungen der selbstberichteten Inanspruchnahme und Abweichungen gegenüber Routinedaten führen kann.

    Diskussion und Ausblick

    Die Diskrepanzen verweisen auf: a) Methodische Unterschiede - Befragungen erfassen subjektive Wahrnehmungen und unterrepräsentieren häufig bestimmte Bevölkerungsgruppen, während Routinedaten nur abrechnungsfähige Fälle und keine informellen /nicht zertifizierten quartiersbezogenen Angebote abbilden. b) Unterschiede in der Versorgungspraxis – Hinweise auf Unterinanspruchnahme insbesondere in niedrigeren Statusgruppen, Dokumentationslücken oder die Nutzung nicht‑satzungsbezogener Angebote. Damit besteht das Risiko, dass soziallagenorientierte gesetzliche Zielsetzungen nur unvollständig erreicht werden und eine Unterversorgung fortbesteht.

    Thema: Bedarfsgerechte Versorgung – eine Utopie?

ePosterwalk I: 12:10 - 13:00 Uhr

Gruppe eins - Versorgung und Public Health

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Mirja Baumgart mi.baumgart@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Laura Lüdtke l.luedtke@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Josefine Schulze
    Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Sophie Dohmeyer
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Albert Nienhaus albert.nienhaus@bgw-online.de
    Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Hamburg, Germany

    Martin Härter m.haerter@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen waren während der SARS-CoV-2-Pandemie als Behandelnde und überproportional häufig Erkrankte besonders gefordert. Auch sechs Jahre nach Beginn der Pandemie leidet ein Teil von ihnen an Spätfolgen ihrer SARS-CoV-2-Infektion, dem Post-COVID-Syndrom (PCS). Neben dem Fehlen einer kurativen Behandlung weisen Ergebnisse einer Studie mit Hausärzt:innen auf Unsicherheiten der Behandelnden seitens Diagnostik und Behandlung als Gründe für heterogene Behandlungserfahrungen von PCS-Betroffenen hin. Die Versorgungswege und -erfahrungen von PCS-Betroffenen sind bisher nicht systematisch erfasst worden. Ein Ziel der BMG-geförderten SCOPE-CARE-Studie (FKZ:2524FSB024) ist die Erhebung der Versorgungssituation von PCS-betroffenen Gesundheitsfachkräften.

    Methoden

    Eine Kohorte 2.436 PCS-betroffener Gesundheitsfachkräfte wurde 2025 deutschlandweit befragt. Interessierte Teilnehmende konnten sich freiwillig für eine Interviewteilnahme melden. Von September 2025 bis Februar 2026 wurden teilstrukturierte Interviews mit einer Stichprobe von 50 Personen zu Symptomverlauf, Lebensqualität, Versorgungswegen und Versorgungserfahrungen durchgeführt. Die Interviews werden mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet.

    Ergebnisse

    Erste Analysen zeigen, dass die meisten Betroffenen zunächst Hausärzt:innen aufsuchten. Häufige Überweisungen erfolgten an Kardiologie, Pneumologie und Neurologie. Von Betroffenen beschriebene Hürden bei der Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen waren mangelndes Fachwissen von Behandelnden zu PCS, lange Wartezeiten auf Facharzttermine sowie das Gefühl nicht ernst genommen zu werden. Es bestand ein Bedürfnis nach koordinierter Versorgung sowie einem Angebot an spezialisierten Post-COVID-Anlaufstellen. Die Behandlungsqualität von Rehabilitationsmaßnahmen wurde heterogen eingeschätzt.

    Diskussion und Ausblick

    Die Ergebnisse deuten auf vielfältige Barrieren bei der bedarfsgerechten Versorgung von PCS-betroffenen Gesundheitsfachkräften hin. Eine Validierung dieser Erkenntnisse erfolgt durch quantitative Befragung der Gesamtkohorte. Hieraus können Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungssituation abgeleitet werden, wie Schulungen von Behandelnden über PCS sowie zur Kommunikation mit Betroffenen.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Marie Frese ma.frese@uke.de
    Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Matthias Boldt matthias.boldt@hu.hamburg.de
    Hamburg Port Health Center (HPHC), Institut für Hygiene und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg (HU), Hamburg, Germany

    Lena Ehlers lena.ehlers@hu.hamburg.de
    Hamburg Port Health Center (HPHC), Institut für Hygiene und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg (HU), Hamburg, Germany

    Maria an der Heiden anderheidenma@rki.de
    Fachgebiet 31: ÖGD-Kontaktstelle | Krisenmanagement, Ausbruchsuntersuchungen und Trainingsprogramme, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Robert Koch-Institut, Berlin, Germany

    Scarlett Kleine-Kampmann scarlett.kleine-kampmann@hu.hamburg.de
    Hamburg Port Health Center (HPHC), Institut für Hygiene und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg (HU), Hamburg, Germany

    Juliane Seidel seidelj@rki.de
    Fachgebiet 31: ÖGD-Kontaktstelle | Krisenmanagement, Ausbruchsuntersuchungen und Trainingsprogramme, Abteilung für Infektionsepidemiologie, Robert Koch-Institut, Berlin, Germany

    Jette Zimmermann jette.zimmermann@hu.hamburg.de
    Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Jan Heidrich jan.heidrich@justiz.hamburg.de
    Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Volker Harth harth@uke.de
    Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Marcus Oldenburg marcus.oldenburg@justiz.hamburg.de
    Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Einleitung

    Häfen sind zentrale Schnittstellen des globalen Personen- und Warenverkehrs und spielen eine wichtige Rolle für Infektionsschutz und öffentliche Gesundheit. Hafenärztliche Dienste sind wesentlich für die Früherkennung und Bewältigung infektiologischer Gefahrenlagen. Ziel des Projekts „Gesunde Häfen, gemeinsam stark (GESA)“ war die Entwicklung praxisnaher und flexibel anpassbarer Instrumente zur Stärkung der Public-Health-Preparedness. Diese sollen eine strukturierte Bewertung infektiologischer Ereignisse, die interinstitutionelle Zusammenarbeit sowie die Erstellung und Weiterentwicklung lokaler Notfallpläne unterstützen.

    Methoden

    Zur Analyse bestehender Strukturen wurden in fünf großen norddeutschen Häfen leitfadengestützte Interviews mit relevanten Akteur:innen durchgeführt und vorhandene Notfallpläne systematisch ausgewertet. Die Ergebnisse wurden in Runden Tischen und Workshops reflektiert und zu einem übergreifenden Konzept mit standardisierten Prozessen für den Umgang mit infektiologischen Gefahrenlagen zusammengeführt. Ergänzend wurden Schulungsbedarfe identifiziert und in ein Curriculum überführt, das im Rahmen einer Pilotschulung mit Planspiel zur realitätsnahen Simulation eines infektiologischen Ereignisses erprobt wurde.

    Ergebnisse

    Es wurde ein übergreifendes Konzept mit standardisierten Best-Practice-Prozessen für den Umgang mit infektiologischen Gefahrenlagen an Häfen entwickelt. Zur Unterstützung der Implementierung entstand ein modulares Schulungsangebot mit Handbuch, anpassbaren Dokumenten und Standardarbeitsanweisungen, Schulungsvideo und E-Learning-Modul. Das Schulungskonzept kombiniert ein vorbereitendes E-Learning mit einer Präsenzschulung, in der die Abläufe im Rahmen eines Planspiels praktisch angewendet werden.

    Diskussion und Ausblick

    Die Ergebnisse zeigen das Potenzial standardisierter, zugleich kontextspezifisch anpassbarer Prozesse zur Stärkung der Public-Health-Preparedness im Umfeld internationaler Mobilität. Zur nachhaltigen Implementierung wurde das Schulungskonzept in den Veranstaltungskalender der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen aufgenommen und ist dort ab 2026 als Fortbildungsangebot verfügbar. Damit wird eine strukturelle Grundlage für kontinuierlichen Wissenstransfer und Kompetenzaufbau im Öffentlichen Gesundheitsdienst geschaffen.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Heike Hansen h.hansen@uke.de
    Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Tina Mallon t.mallon@uke.de
    Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Laura Rink laura.rink@uk-erlangen.de
    Allgemeinmedizinisches Institut, Uniklinikum Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen, Germany

    Maria Sebastião maria.sebastiao@uk-erlangen.de
    Allgemeinmedizinisches Institut, Uniklinikum Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen, Germany

    Lisette Warkentin lisette.warkentin@uk-erlangen.de
    Allgemeinmedizinisches Institut, Uniklinikum Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen, Germany

    Thomas Kühlein thomas.kuehlein@uk-erlangen.de
    Allgemeinmedizinisches Institut, Uniklinikum Erlangen, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen, Germany

    Dagmar Lühmann d.luehmann@uke.de
    Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Martin Scherer m.scherer@uke.de
    Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Bei Patient:innen mit dringlichem Behandlungsbedarf können Hausärzt:innen über den Hausarztvermittlungsfall (HAFA) schnellere Termine bei Gebietsärzt:innen ermöglichen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes zum HAFA wurden diese Aspekte untersucht. Ergebnisse vorangeganener Fokusgruppendiskussionen und einer quantitativen Fragebogenerhebung zeigen Herausforderungen bei der Umsetzung insbesondere in hausärztlichen Praxen. In diesem Teilprojekt wurde mit Hausärzt:innen, Gebietsärzt:innen und Medizinischen Fachangestellten (MFAs) über bisherige Ergebnisse sowie ableitende Ideen für ein Primärversorgungssystem diskutiert.

    Methoden

    Es wurden sechs gemischte Fokusgruppen mit Hausärzt:innen/Gebietsärzt:innen sowie zwei Fokusgruppen mit MFAs anhand eines semi-strukturierten Leitfadens durchgeführt. Die Gruppen wurden aufgezeichnet und anschließend transkribiert. Die Auswertung erfolgte mittels inhaltlich strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse durch zwei Mitarbeiterinnen mit Hilfe von MaxQda 2024.

    Ergebnisse

    Die Qualität der Dringlichkeitseinschätzung und die Kommunikationswege sind vielfältig und führen zu Unsicherheiten auf Behandler:innen- und Patient:innenseite. MFAs berichten von einer hohen Arbeitslast durch Terminkoordination, Abklärungen und Abrechnungsfragen bei den HAFAs. Bezüglich der Umgestaltung des HAFAs werden z.B. ein Triage-System für die Einstufung der Dringlichkeit und Eingrenzung des Zeitraums, Abschaffung von Doppelstrukturen, Zurücknehmen von monetären Anreizen, Aufklärung von Patient:innen sowie bessere Informationen für die Praxen gefordert. Hinsichtlich der Einführung des Primärversorgungssystems braucht es laut Teilnehmenden z.B. Schnittstellendefinitionen pro Fachgruppe, verstärkte Einbindung von Physician Assistants, flexible Lösungen für regionale Unterschiede sowie Sonderregelungen für chronisch erkrankte Patient:innen.

    Diskussion und Ausblick

    Der HAFA wird in der Praxis unterschiedlich genutzt, bedingt durch monetäre Anreize und unterschiedliche Versorgungsstrukturen. Es gibt viele Anregungen zur Umgestaltung aus der Praxis. Diese Erkenntnisse sollten bei Anpassungen im Gesundheitssystem und der Entwicklung des Primärversorgungssystems in Deutschland berücksichtigt werden.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Niklas Hoepffner niklas.hoepffner@stud.uke.uni-hamburg.de
    Allgemeinmedizin UKE, Hamburg, Germany

    Dagmar Lühmann d.luehmann@uke.de
    Allgemeinmedizin UKE, Hamburg, Germany

    Josefine Schulze j.schulze@uke.de
    Allgemeinmedizin UKE, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Im Rahmen der ESCAPE-Studie wurde für Patienten mit Herzinsuffizienz und psychischer Belastung ein Blended Collaborative Care-Modell (BCC) getestet, bei dem ein Team aus Fachärzten und nicht-ärztlichen Care Managern (CM) die hausärztliche Versorgung zusätzlich unterstützt. Dieses Forschungsvorhaben untersucht die Sicht der Hausärzte (HÄ) auf das BCC-Versorgungsmodell sowie förderliche und hinderliche Faktoren für die Zusammenarbeit von HÄ und CM.

    Methoden

    Alle an der Escape-Intervention teilnehmenden HÄ wurden eingeladen, in semi-strukturierten Leitfadeninterviews ihre Erfahrungen mit der Patientengruppe und dem BCC-Versorgungsmodell zu schildern. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltanalyse nach Kuckartz.

    Ergebnisse

    Die 13 befragten HÄ bewerteten die Intervention insgesamt positiv, insbesondere hinsichtlich der Zufriedenheit der Patienten mit der Versorgung. Bezüglich einer möglichen Entlastungsfunktion der CM für HÄ ergab sich ein gespaltenes Bild: CM wurden als zusätzlichen Gesprächspartner für Patienten angesehen, der die Terminlast des HÄ verringern und das Verständnis der Patienten für ihre Erkrankungen verbessern kann. Zudem können CM organisatorisch unterstützen, den Austausch zwischen Hausarzt und Fachärzten beschleunigen und ergänzende nicht-ärztliche Expertise bieten. Allerdings waren die Kommunikationswege zwischen Hausärzten und CM meist unklar, und es gab oftmals wenig Austausch. Auch wurde das Risiko einer Verunsicherung der Patienten durch widersprüchliche Kommunikation gesehen und die Möglichkeit einer weiteren Schnittstelle mit zusätzlicher Mehrarbeit für die HÄ.

    Diskussion und Ausblick

    Obwohl HÄ die Rolle der CMs schätzen, bestehen Unsicherheiten bezüglich des tatsächlichen Entlastungspotenzials. Eine stärkere Integration der CMs in die Hausarztpraxis könnte möglicherweise dazu beitragen, den beschriebenen Herausforderungen zu begegnen. Für eine erfolgreiche Implementierung des BCC-Modells sind klare Rollen- und Kompetenzzuweisungen sowie festgelegte Kommunikationswege unerlässlich.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Theresa Klinger t.klinger@uke.de
    Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, Germany

    Katharina Müller kat.mueller@uke.de
    Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, Germany

    Ricarda Graf r.graf@uke.de
    Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, Germany

    Matthias Augustin m.augustin@uke.de
    Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, Germany

    Kristina Hagemström k.hagenstroem@uke.de
    Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, Germany

    Einleitung

    Chronisches Handekzem (CHE) zählt zu den häufigsten arbeitsbedingten Hauterkrankungen und ist mit erheblicher Symptomlast sowie wirtschaftlichen Folgen verbunden. Eine frühzeitige, leitlinienbasierte Diagnostik und Therapie ist zentral. Ziel dieser retrospektiven Querschnittsstudie war es, Epidemiologie und reale Versorgung von Personen mit schwerem CHE in Deutschland zu beschreiben.

    Methoden

    Analysiert wurden zwei 40%-Stichproben anonymisierter Routinedaten der DAK-Gesundheit (2016–2020: n=2.885.984; 2018–2022: n=3.117.144). Alitretinoin-Verordnungen (ATC D11AH04) in Kombination mit einer Ekzemdiagnose (ICD-10-GM L20–L30) nach 365-tägiger Auswaschphase dienten als Proxy für die Prävalenz schweren CHE. Versorgungspfade wurden vor und nach der Alitretinoin-Verordnung beschrieben. Komorbiditäten wurden mittels bivariater logistischer Regression unter Adjustierung für Alter und Geschlecht untersucht.

    Ergebnisse

    Zwischen 2016 und 2022 blieb die jährliche Zahl der Personen mit Alitretinoin-Verordnung und schwerem CHE stabil (9,35–9,97/100.000). Im Jahr 2022 lag das Durchschnittsalter bei 57,2 Jahren; 58,7% waren weiblich. Die höchste Prävalenz zeigte sich bei Erwachsenen im Alter von 35–65+ Jahren. Vor Beginn der Alitretinoin-Therapie erhielten 67% topische Glukokortikosteroide und 24% systemische Glukokortikosteroide; nach Therapieeinleitung nahmen diese Verordnungen ab (52% bzw. 10%). Die Alitretinoin-Behandlungsdauer sank über Folgequartale (1 Quartal: 38%; 5 Quartale: 13%). Im Indexquartal erfolgten 85% der Verordnungen durch Dermatolog*innen, die den Großteil der definierten Tagesdosen verantworteten. Die stärksten Komorbiditätsassoziationen fanden sich bei chronischen Hauterkrankungen (Psoriasis OR 17,98; 95%-KI 13,18–24,54; Urtikaria OR 7,28; 3,72–14,22; Rosazea OR 3,47; 1,84–6,56).

    Diskussion und Ausblick

    Die Versorgungssituation bei schwerer CHE entspricht überwiegend nationalen Leitlinien und deutet auf eine konsistente Umsetzung in der Praxis hin.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Thomas Kloppe t.kloppe@uke.de
    UKE, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Germany

    Britta Tetzlaff britta.tetzlaff@hs-hannover.de
    UKE, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Germany

    Thomas Zimmermann t.zimmermann@uke.de
    UKE, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Germany

    Nuray Can nuray.can@aol.com
    Can Medica, Hamburg, Germany

    Anke Dünwald duenwald.anke@hamburger-arbeit.de
    hamburger arbeit GmbH, Hamburg, Germany

    Christine Schroth christine-schroth@web.de
    Hausärztliche Praxis, Hamburg, Germany

    Jana Husemann jana.husemann@haev-hamburg.de
    Hausärztinnen- und Hausärzteverband Hamburg e.V., Hamburg, Germany

    Tobias Münster muenster.tobias@hamburger-arbeit.de
    hamburger arbeit GmbH, Hamburg, Germany

    Claudia Mews c.mews@uke.de
    UKE, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Gesundheitliche und soziale Probleme treten häufig gemeinsam auf und beeinflussen sich gegenseitig. Hausärzt:innen sind vertrauensvolle Ansprechpartner, in Praxen werden soziale Anliegen thematisiert, doch es fehlen oft Ressourcen und Fachkenntnisse, um diese angemessen zu bearbeiten.
    Das Pilotprojekt zur Sozialberatung in hausärztlichen Praxen in Hamburg verfolgt das Ziel, eine Schnittstelle zwischen medizinischer und sozialer Versorgung direkt in der Praxis zu schaffen. Durch niedrigschwellige, direkte Beratung sollen Vermittlungshemmnisse abgebaut werden.

    Methoden

    Das Projekt wurde vom Hamburger Hausärzteverband, dem Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, der Ärztekammer Hamburg und dem öffentlichen sozialen Träger hamburger arbeit entwickelt. Zielgruppe waren in Hamburg lebende Menschen im erwerbsfähigen Alter mit sozialen Problemen. Im 2. Halbjahr 2024 wurde es in sechs Praxen umgesetzt. Die Evaluation basierte auf Routinedokumentation, einer Patient:innenbefragung und einem Abschlussworkshop.

    Ergebnisse

    Insgesamt wurden 229 Termine mit 156 Personen durchgeführt; 47 Fragebögen wurden ausgewertet. Themenschwerpunkte waren Unterstützung bei Anträgen, Wohnraum-, Finanzen und Arbeitssuche. Patient:innen bewerteten das Angebot positiv, die Verständigung wurde als barrierefrei empfunden. Die Beratung erleichterte den Praxisalltag der Hausärzt:innen und stärkte die Vernetzung im Sozialraum.

    Diskussion und Ausblick

    Die Integration sozialer Beratung in hausärztliche Praxen ist eine effektive Möglichkeit, soziale Probleme zu adressieren. Die hohe Akzeptanz unterstreicht die Bedeutung einer solchen Schnittstelle. Herausforderungen sind Wegezeiten und Räumlichkeiten.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Berit Lieske b.lieske@uke.de
    UKE, Poliklinik für Parodontologie, Präventive Zahnmedizin und Zahnerhaltung, Hamburg, Germany

    Merle Ebinghaus m.ebinghaus@uke.de
    UKE, Poliklinik für Parodontologie, Präventive Zahnmedizin und Zahnerhaltung, Hamburg, Germany

    Birgit-Christiane Zyriax b.zyriax@uke.de
    UKE, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, Germany

    Christopher Kofahl kofahl@uke.de
    UKE, Institut für Medizinische Soziologie, Hamburg, Germany

    Ghazal Aarabi g.aarabi@uke.de
    UKE, Poliklinik für Parodontologie, Präventive Zahnmedizin und Zahnerhaltung, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Im Rahmen des Projektes „Gesunde Zähne für alle“ wurde eine Bedarfsanalyse zur Mundgesundheitskompetenz und Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen sowie Schwangeren mit und ohne Migrationsgeschichte durchgeführt. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer Schulungs-App.

    Methoden

    Es wurden n=22 semi-strukturierte, leitfadenorientierte Interviews mit Expert:innen durchgeführt. Verschiedene Berufsgruppen, die mit den Zielgruppen in Kontakt stehen, wurden mit einer Maximum-Variation-Sampling Strategie rekrutiert. Neun Interviews legten den Fokus auf Kinder und Jugendliche, vier auf Schwangere, während neun Interviews beide Zielgruppen thematisierten. Die Transkripte werden deduktiv-induktiv mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz in MAXQDA systematisch ausgewertet.

    Ergebnisse

    Die Interviews bildeten diverse berufliche Perspektiven ab, mit Expert:innen aus der (Kinder-)Zahnheilkunde, Migrationsforschung, Sozialpädagogik und Präventionsarbeit, sowie Hebammen und Frauenärzt:innen. Die vorläufigen Analysen zeigen, dass Expert:innen den Stellenwert der Mundgesundheit im Zusammenhang mit unterschiedlicher Gesundheitssozialisation hervorheben. Zudem wurden spezifische Zugangsbarrieren bei Menschen mit Migrationsgeschichte und niedrigerem sozioökonomischen Status wahrgenommen. Laut Expert:innen ist die frühzeitige Präventionsarbeit in Kitas und Schulen sowie die Etablierung richtiger Mundhygienegewohnheiten für Kinder besonders relevant. Unter Jugendlichen spielt die Ästhetik zusätzlich eine zunehmende Rolle. Bei den Schwangeren wurden Zahnfleischprobleme und Zahnarztbesuche während der Schwangerschaft, die Mundhygiene ihres (Klein)Kindes und der Stellenwert von Milchzähnen hervorgehoben. Das Thema Ernährung, insbesondere der Verzehr zuckerhaltiger Lebensmittel, wurde in beiden Zielgruppen thematisiert. Bezüglich der App-Entwicklung sollte insbesondere auf eine kultursensible und zielgruppengerechte Gestaltung geachtet werden. Eine laienverständliche Sprache, Gamification-Elemente, visuelle Unterstützung, positiv-motivierende Formulierungen und multilinguale Inhalte können zur Wissensvermittlung beitragen.

    Diskussion und Ausblick

    Als Teil des Mixed-Method Projektdesigns tragen die Ergebnisse der qualitativen Studie zur Entwicklung der App bei.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Felix Alexander Neumann fe.neumann@uke.de
    Hebammenwissenschaft – Versorgungsforschung & Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Leonie Jaß l.jass@uke.de
    Hebammenwissenschaft – Versorgungsforschung & Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Julia Heiter j.heiter@uke.de
    Hebammenwissenschaft – Versorgungsforschung & Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany
    Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Caroline Johanna Agricola c.agricola@uke.de
    Hebammenwissenschaft – Versorgungsforschung & Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Birgit-Christiane Zyriax b.zyriax@uke.de
    Hebammenwissenschaft – Versorgungsforschung & Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Im Jahr 2023 kamen in Deutschland ca. 8 % der lebendgeborenen Kinder als Frühgeborene zur Welt. Während der stationären und ambulanten Versorgung von Frühgeborenen ist die neue Lebenssituation der Eltern häufig durch hohe Belastungen geprägt, welche die physische und psychische Gesundheit der Mütter belasten und die Schonung im Wochenbett erschweren. Das „HEAR-Projekt“ untersucht die Gesundheit und Bedarfe dieser Eltern, um ein bedarfsgerechtes Versorgungskonzept zu entwickeln. Ziel dieses Beitrags ist die Darstellung zentraler Erkenntnisse zur Hebammenversorgung der betroffenen Frauen.

    Methoden

    Im Rahmen des Innovationsfonds-geförderten Projekts „HEAR“ wurde eine Online-Umfrage mit Eltern Frühgeborener durchgeführt (N=1.515). Der Fragebogen umfasste mitunter Instrumente zur Mutter-Kind-Bindung, Wohlbefinden der Mütter sowie selbstentwickelte Items zu Hebammenversorgung, Stillen und Rückbildungskursen. Ergänzend wurden 60-90 minütige semi-strukturierte Interviews mit N=18 Expert:innen durchgeführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse in einem deduktiv-induktiven Ansatz ausgewertet.

    Ergebnisse

    Erste Ergebnisse zeigen, dass ein relevanter Anteil der Mütter stationär (29,0 %) und ambulant (8,2 %) keine Versorgung postpartal durch eine Hebamme erhalten hat. Zudem nahmen lediglich 67,1 % einen Rückbildungskurs wahr. Hierfür zeigte sich im Regressionsmodell die ambulante Hebammenversorgung postpartal als positiver Prädiktor für eine Teilnahme (Exp(B) = 5,59; p < .001). Unterstützt werden die quantitativen Daten durch Ergebnisse der Interviews mit Expert:innen zu elterlichen Bedarfen hinsichtlich Bindung und Stillen bzw. Ernährung des Kindes.

    Diskussion und Ausblick

    Die Ergebnisse verweisen einerseits auf bestehende Versorgungslücken, andererseits jedoch auch auf die Bedeutung einer angemessenen Hebammenversorgung für Mütter Frühgeborener. Zudem werden unterschiedliche Ausgangslagen und Bedarfe sichtbar, die in der Hebammenversorgung berücksichtigt werden sollten, um eine individualisierte und niedrigschwellige Unterstützung ermöglichen zu können.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Valeriia Dobler valeriia.dobler@haw-hamburg.de
    HAW Hamburg, Hamburg, Germany

    Maximilian Christopeit m.christopeit@uke.de
    Center for Oncology, II. Medical Clinic and Polyclinic, University Medical Centre Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Frederik Peters frederik.peters@bwfg.hamburg.de
    Free and Hanseatic City of Hamburg, Ministry of Science, Research and Equality, Hamburg Cancer Registry, Hamburg, Germany

    Annemarie Schultz annemarie.schultz@bwfg.hamburg.de
    Free and Hanseatic City of Hamburg, Ministry of Science, Research and Equality, Hamburg Cancer Registry, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Hamburg and Hong Kong are comparable high-income port cities with well-developed healthcare systems, yet show differences in cancer epidemiology. While holding one of the world's highest life expectancies, Hong Kong records lower age-standardised cancer incidence and mortality rates than Hamburg — an opportunity for bidirectional learning.

    Methoden

    This 12-month project, funded by the Hamburger Krebsgesellschaft (started March 2026), conducts a comparative analysis of population-based registry data from the Hamburgisches Krebsregister and the Hong Kong Cancer Registry across three cancer entities: liver, prostate, and breast cancer.

    Ergebnisse

    Liver cancer incidence is approximately 2-fold higher in Hong Kong than in Hamburg (ASR 13.2 vs. 7.1 per 100,000 persons), while prostate cancer incidence is substantially higher in Hamburg than in Hong Kong (ASR 107.4 vs. 45.0 per 100,000 persons) despite similar mortality rates. Breast cancer incidence is higher in Hamburg than in Hong Kong (ASR 132.7 vs. 90.9 per 100,000 persons), while women in Hong Kong are diagnosed at an earlier age (58 vs. 64 years). Preliminary results of the comparative analyses across all three entities will be presented.

    Diskussion und Ausblick

    No city-to-city cancer comparisons between Asian and European port cities have previously been performed. Identifying transferable best practices in prevention and treatment contributes to reducing preventable cancer deaths — and, as recent modelling demonstrates, investments in cancer mortality reduction yield demographic returns beyond the healthcare system alone (Gietel-Basten et al., Bull World Health Organ 2026).

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Felicitas Schwenzer f.schwenzer@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Jörg Dirmaier dirmaier@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Martin Härter m.haerter@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Moritz Köhnen m.koehnen@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland haben Zugang zu verschiedenen psychosozialen Versorgungsangeboten. Diese Angebote sind jedoch häufig unzureichend bekannt oder schwer zugänglich, was dazu führt, dass Betroffene verspätet oder fehlversorgt bleiben, ihre Beschwerden chronisch werden und daraus sowohl persönliches Leid als auch gesellschaftliche Kosten entstehen. Ziel des vom Innovationsfonds geförderten Projekts ist die Entwicklung und Evaluation eines Online-Versorgungslotsen, der Betroffene bei der Identifikation und Nutzung passender Angebote gemäß des Stepped-Care-Ansatzes unterstützt.

    Methoden

    In der ersten Projektphase wurden eine systematische Literaturübersicht sowie eine Bedarfsanalyse mittels quantitativer Online-Befragung (n=223) und semi­strukturierter Interviews (n=37) durchgeführt. Dabei wurden inhaltliche (z.B. Hilfsangebote) sowie technische (z.B. KI-Anwendungen) Bedarfe und Versorgungsbarrieren von Betroffenen, Angehörigen und Stakeholdern (z.B. Behandelnden) ermittelt. Basierend auf diesen Analysen und aktuellen Leitlinien zur Erstellung von Gesundheitsinformationen wird der Online-Versorgungslotse bedarfsorientiert entwickelt und technisch umgesetzt. Aktuell ist ein webbasiertes Interface in Form eines simulierten Chatbots für den Online-Versorgungslotsen geplant, der Belastungen, Funktionseinschränkungen, Symptomverlauf und Versorgungspräferenzen erfasst, um passende Versorgungspfade i.S. einer Stepped-Care-Logik vorzuschlagen. Zusätzlich werden psychosoziale Bedarfe außerhalb des SGB V berücksichtigt und Betroffene an passende Unterstützungsangebote verwiesen. Der Online-Versorgungslotse soll auch emotionale Botschaften umfassen, in denen Betroffene von ihren Erfahrungen berichten und Mut machende Nachrichten teilen. Zudem soll die Integration von KI-Anwendungen (z.B. Übersetzung in andere/leichte Sprache) geprüft werden.

    Ergebnisse

    Limitationen und Herausforderungen bei der Entwicklung und Konzeption des Online-Versorgunglotsen (z.B. Logik der Angebotszuordnung, Übergänge zwischen Versorgungsstufen) sollen kritisch diskutiert werden.

    Diskussion und Ausblick

    Trotz konzeptueller Herausforderungen kann der Online-Versorgungslotse einen innovativen, skalierbaren Beitrag zur Verbesserung der Navigation und des Zugangs zum deutschen psychosozialen Versorgungssystem leisten.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Ove Spreckelsen ove.spreckelsen@uol.de
    Poliklinik Veddel, Hamburg, Germany
    Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Abteilung Allgemeinmedizin, Oldenburg, Germany

    Philipp Dickel dickel@poliklinik1.org
    Poliklinik Veddel, Hamburg, Germany

    Jonas Fiedler jonas.fiedler@poliklinik1.org
    Poliklinik Veddel, Hamburg, Germany

    Ebou Uhlig ebou.uhlig@studium.uni-hamburg.de
    Poliklinik Veddel, Hamburg, Germany

    Silke Betscher silke.betscher@haw-hamburg.de
    Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg, Germany

    Anna Köster-Eiserfunke ake@poliklinik1.org
    Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg, Germany
    Poliklinik Veddel, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Gesundheitsförderung und Prävention ebenso wie eine bedarfsgerechte Versorgungsplanung sind auf kleinräumige Daten und aktuelles Wissen zur Bevölkerungsgesundheit, Belastungsfaktoren und Ressourcen im Setting angewiesen. Die laufende Gesundheitsberichterstattung arbeitet gleichwohl zumeist mit relativ großen Planungs- und Erhebungsgebieten und Daten auf Quartiersebene sind oft nur lückenhaft vorhanden.

    Methoden

    Mit dem CHS (2022-2023) wurde durch das Primärversorgungszentrum Poliklinik Veddel in Kooperation mit der HAW Hamburg und ko-forschenden Nachbar*innen erstmals in Deutschland eine quantitative Querschnittserhebung eines Stadtteils - mit einer marginalisierten Nachbarschaft, zu der es aufgrund diverser Beteiligungshemmnisse oftmals kaum Zugang gibt - in einem durchweg partizipativen Prozess durchgeführt.
    Es wurde eine Vollerhebung sämtlicher Haushalte des Quartiers (Stadtteil Veddel und direkt angrenzende Wohnblöcke) durchgeführt und ein Rücklauf von 23,48% (n=561, medianes Alter 33 Jahre) erzielt.

    Ergebnisse

    An Lebenszeitprävalenzen jemals ärztlich gestellter Diagnosen waren chronische Rückenleiden (25,9%), Depressionen (23,4%) und chronische Atemwegserkrankungen (21,6%) am häufigsten. Bei 25,4% lagen mindestens zwei somatische Erkrankungen, bei 8,0% mindestens zwei psychischen Erkrankungen vor. Gesundheitsbedingte Einschränkungen des normalen Alterslebens über mindestens 6 Monate berichteten 24,3% der Befragten. Soziale Unterschiede für den allgemeinen Gesundheitszustand, Einschränkungen des normalen Alltagslebens und dem Vorliegen von Multimorbidität zeigten sich nach dem Geschlecht, dem Geburtsland, dem Bildungsgrad und dem Einkommen.

    Diskussion und Ausblick

    Die ermittelten Krankheitsprävalenzen zeigen einen hohen Versorgungsbedarf in einem Quartier mit einer vergleichsweisen jungen Altersstruktur an. Das partizipative Vorgehen ermöglicht, gesundheitliche Angebote und Interventionen unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung zu entwickeln, stärkt die Community-Orientierung in der Primärversorgung und erzeugt lokale Informationen für Health-in-all-policies. Zur Schaffung von Vergleichsdaten und gezieltere Versorgungsplanung wären weitere kleinräumige Erhebungen unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerungen geboten.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Thomas Zimmermann tzimmermann@uke.de
    UKE IPA, Hamburg, Germany

    Porzelt Sarah s.porzelt@uke.de
    UKE IPA, Hamburg, Germany

    Konnopka Claudia c.konnopka@uke.de
    UKE IGV, Hamburg, Germany

    Espen Henken e.henken@uke.de
    UKE IGV, Hamburg, Germany

    Stefanie Schellhammer
    DAK Gesundheit, Hamburg, Germany

    Anja Behrens-Potratz anja.behrens-potratz@haw-hamburg.de
    HAW Hamburg, Hamburg, Germany

    Petra Schmage schmage@uke.de
    UKE PPZ, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Pflegebedürftige ältere Menschen besuchen seltener den Zahnarzt, während Hausarztbesuche kaum abnehmen. Die zahnärztliche Unterversorgung führt zu schlechterer Mundgesundheit und erhöhten Risiken für systemische Krankheiten. Derzeit existiert keine koordinierte Kommunikation zwischen Zahnärzten, Hausärzten, Pflegepersonal und pflegenden Angehörigen.
    Ziel:
    Das Projekt InSEMaP untersuchte Prozesse in der ambulanten zahnärztlichen Versorgung pflegebedürftiger Personen, ihre förderlichen und hinderlichen Faktoren. Dabei solltten bedarfsgerechte Ansätze entwickelt werden, die zahnärztliche Inanspruchnahme nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit aufrecht zu erhalten und die interprofessionelle Zusammenarbeit zu verbessern.

    Methoden

    InSEMaP umfasste vier Teilstudien: eine Befragung Versicherter, qualitative Interviews und Fokuagruppen der beteiligten Akteursgruppen, eine Routinedatenanalyse sowie zahnärztliche Hausbesuche bei Versicherten, um den klinischen Mundgesundheitsstatus zu erfassen.

    Ergebnisse

    Mobilitätsprobleme reduzieren Zahnarztbesuche, aber auch eine Geringschätzung der Bedeutung zahnärztlicher Versorgung. Pflegekräfte gelten wichtigste Akteursgruppe in der Mund- und Zahnpflege, erhalten aber für Mehraufwand keine Vergütung. Die system-bedingte Isolation der Zahn- von den Hausärzten erschwert eine Kooperation. Zahnärztliche Hausbesuche werden als notwendig beschrieben, sind aber logistisch und ökonomisch nicht umsetzbar.

    Diskussion und Ausblick

    Eine verbesserte Versorgung erfordert Maßnahmen, die alle Akteursgruppen einbeziehen: Mehr Aufmerksamkeit aller, Recall-Systeme, explizite Aufgabenübertragung an die Pflege, Digitalisierung sowie eine angemessene Honorierung der pflegerischen und der zahnärztlichen Hausbesuche.

Gruppe zwei - Intervention und Implementierung

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Hannah Borcherding h.borcherding@uke.de
    University Medical Center Hamburg-Eppendorf, Interdisciplinary Transgender Health Care Center Hamburg, Institute for Sex Research, Sexual Medicine and Forensic Psychiatry, Hamburg, Germany

    Marlena L. Itz marlena.itz@med.uni-jena.de
    Institute of Psychosocial Medicine, Psychotherapy and Psychooncology, University Hospital Jena, Jena, Germany

    Janis Renner janis.renner@mentivio.de
    University Medical Center Hamburg-Eppendorf, Interdisciplinary Transgender Health Care Center Hamburg, Institute for Sex Research, Sexual Medicine and Forensic Psychiatry, Hamburg, Germany

    Bernhard Strauß bernhard.strauss@uni.med-jena.de
    Institute of Psychosocial Medicine, Psychotherapy and Psychooncology, University Hospital Jena, Jena, Germany

    Timo O. Nieder t.nieder@uke.de
    University Medical Center Hamburg-Eppendorf, Interdisciplinary Transgender Health Care Center Hamburg, Institute for Sex Research, Sexual Medicine and Forensic Psychiatry, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Interdisciplinary collaboration is vital in healthcare influencing patients’ experiences as well as treatment outcomes. This is particularly true for transgender and gender-diverse (TGD) individuals, whose care spans multiple specialties and various guidelines recommend cooperation between different health-care professionals (HCPs) and disciplines. Cooperation between the disciplines has already been extensively researched and successfully implemented in other areas, yet research focusing specifically on TGD healthcare remains limited. Insufficient collaboration significantly impacts TGD care. Recent studies propose recommendations for better interdisciplinary cooperation, but these have yet to be systematically analyzed or tested, prompting this research to evaluate and enhance interdisciplinary collaboration in TGD healthcare.

    Methoden

    This research utilizes a mixed-methods approach, starting with a scoping review to identify critical themes within the literature regarding interdisciplinary cooperation in TGD healthcare. Based on these findings, online group discussions were conducted exploring challenges and facilitators in interdisciplinary collaboration, engaging HCP from various fields of the German health-care system. Content analysis revealed prominent factors that influenced interdisciplinary collaboration. Based on this an online survey was created, which aimed to capture HCPs’ assessments of strategies for interdisciplinary collaboration.

    Ergebnisse

    Results of the review, as well as the qualitative and quantitative data analysis will be presented. By analyzing existing literature and engaging diverse HCPs, we have identified key factors that influence interdisciplinary cooperation.

    Diskussion und Ausblick

    Interdisciplinary cooperation within the German health-care system and challenges that can inform future improvements in this field will be discussed. Further exploration of these themes is essential for advancing services and ultimately improving health-care outcomes for TGD individuals.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Inga Bosch i.bosch@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Wiebke Frerichs w.frerichs@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Jördis Zill j.zill@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Anja Lindig anja.lindig@uol.de
    Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Germany

    Anna Levke Brütt a.bruett@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Tharanya Seeralan t.seeralan@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Patient and public involvement (PPI) is increasingly recognized as a critical component of health services research, aiming to align outcomes with the needs of those affected. However, PPI remains inconsistently reported and evaluated. Therefore, this study evaluated PPI in the development of a psychotherapeutic intervention for patients with endometriosis.

    Methoden

    PPI was implemented through a project panel including individuals affected by endometriosis (n = 6), their partners (n = 4), healthcare professionals (n = 3), and one sexual health researcher. Six panel meetings were conducted, primarily involving facilitated discussions to identify support needs, prioritise content, co-develop the intervention and inform a planned follow-up study. The evaluation of PPI focused on patients and their partners and followed a longitudinal mixed-methods design. Quantitative data were collected at two time points using the Patient Engagement in Research Scale (PEIRS-22). In addition, two independent researchers conducted non-participant observations during all meetings.

    Ergebnisse

    Mean PEIRS-22 scores indicated generally positive experiences of patient involvement at both time points, with minor changes over time. Observations revealed a supportive communication climate and recognition of experiential knowledge. Involvement was predominantly consultative, with elements of co-design. Participation evolved over time: early emotional storytelling shifted towards more confident, solution-oriented contributions.

    Diskussion und Ausblick

    PPI contributed to the content and wording of the intervention, while involvement in the conceptualisation of the follow-up study was more limited. PPI emerged as a dynamic process evolving over time. Non-participant observations provided insights into interaction patterns that were less visible in quantitative data, highlighting its potential to complement existing evaluation approaches.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Inken Diskowski inken.diskowski@haw-hamburg.de
    Leuphana Universität, Lüneburg, Germany
    HAW Hamburg, Hamburg, Germany
    BG Klinikum Hamburg, Hamburg, Germany

    Tabea Rosenthal tabea.rosenthal@haw-hamburg.de
    HAW Hamburg, Hamburg, Germany
    BG Klinikum Hamburg, Hamburg, Germany

    André Klussmann andre.klussmann@haw-hamburg.de
    HAW Hamburg, Hamburg, Germany

    Stephan Schiemann stephan.schiemann@leuphana.de
    Leuphana Universität, Lüneburg, Germany

    Einleitung

    In den vergangenen Jahrzehnten wurden in westlichen Ländern deutliche epidemiologische Veränderungen in Inzidenz und Ausprägung von Rückenmarksverletzungen beobachtet. Der zuvor überwiegend junge, männliche Patient mit kompletter Läsion ist heute einer heterogeneren Population gewichen, die höhere Altersgruppen, alle Geschlechter und eine steigende Zahl nichttraumatischer Ursachen umfasst. Parallel dazu nimmt der Anteil inkompletter Rückenmarksverletzungen (iSCI) weltweit zu. Da iSCI häufig die Gehfähigkeit beeinträchtigen, stellt die Wiedererlangung funktionaler Mobilität ein zentrales Rehabilitationsziel dar, während physiotherapeutische Ganginterventionen weiterhin eine erhebliche methodische Heterogenität zeigen.
    Dieses Scoping Review adressierte daher zwei Leitfragen:
    (1) Welche physiotherapeutischen Interventionen werden in stationärer und ambulanter Rehabilitation zur Verbesserung der Gehfähigkeit und Gangmobilität bei Personen mit iSCI eingesetzt?
    (2) Welche Effekte erzielen diese Interventionen auf die Wiederherstellung der Gehfunktion in den jeweiligen Rehabilitationsphasen?

    Methoden

    Gemäß PRISMA-ScR und einem vorab registrierten Protokoll schlossen wir Studien ein, die physiotherapeutische Maßnahmen zur Verbesserung des Gehens bei Erwachsenen mit iSCI untersuchten. Chirurgische, pharmakologische und invasive Stimulationsverfahren sowie Pilot- und Einzelfallstudien wurden ausgeschlossen.

    Ergebnisse

    Über alle Interventionen hinweg zeigten sich gemeinsame neurorehabilitative Prinzipien: funktionelles, aktives, repetitives und aufgabenspezifisches Training. Die Wirksamkeit hing von Trainingsintensität, Spezifität, sensomotorischer Integration, verbliebener neuronaler Konnektivität und technologischer Unterstützung ab. Eine frühzeitige Therapie sowie eine größere Restfunktion (AIS C/D) waren zentrale Einflussfaktoren.

    Diskussion und Ausblick

    Diese Scoping-Review zeigt, die besondere Bedeutung eines frühzeitigen, intensiven und aufgabenorientierten Gehtrainings, um das neuroplastische Potenzial der subakuten Phase optimal zu nutzen. Technologiegestützte Verfahren können dabei helfen, Trainingsintensitäten und Wiederholungszahlen zu erreichen, die mit konventioneller Therapie – insbesondere im Kontext von Personalengpässen – oft nicht realisierbar sind.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Anastasia Fleyder a.fleyder@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Matthias Augustin m.augustin@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Julia Hansen julia.hansen@novartis.com
    Novartis Pharma GmbH, Nürnberg, Germany

    Marina Otten m.otten@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Etwa 30 % der Patient:innen mit Psoriasis (Pso) entwickeln im Krankheitsverlauf eine Psoriasis-Arthritis (PsA), die häufig verzögert diagnostiziert wird. Dies ist mit irreversiblen Gelenkschäden und einer verminderten Lebensqualität verbunden. Digitale Selbstscreening‑Tools könnten die Früherkennung unterstützen und den Zugang zur ärztlichen Abklärung verbessern.

    Methoden

    Eine elektronische Version des German Psoriasis Arthritis Diagnostic Questionnaire (eGEPARD; Score 0-13, ≥4 hohe PsA-Wahrscheinlichkeit) wurde entwickelt. Patient:innen wurden von April 2024 bis Mai 2025 über verschiedene Kanäle rekrutiert. Teilnehmende füllten den eGEPARD aus und nahmen an einer anonymen Online-Befragung zu zwei Zeitpunkten teil: unmittelbar nach Ausfüllen (T0) sowie fünf Monate später (T1). Die Auswertung erfolgte deskriptiv.

    Ergebnisse

    Insgesamt nahmen N=217 Patient:innen teil (76,0 % weiblich; Alter 57,7±12,1 Jahre; Pso-Diagnose seit 22,4±17,7 Jahren). Der mittlere eGEPARD-Score betrug 8,7; bei 94 % lag er ≥4. Gleichzeitig hatten 54,3 % keine PsA‑Diagnose. Über 80 % gaben an, ihr erhöhtes PsA‑Risiko zu kennen. Hauptmotive für die Nutzung des Selbstscreenings waren Selbstdiagnose aufgrund von Gelenkschmerzen (55,8 %), Neugierde (30,4 %) sowie diagnostische Unsicherheit (25,3 %). Der eGEPARD wurde von über 94 % als benutzerfreundlich bewertet. Auch nach fünf Monaten (N=115) gaben über 70 % an, stärker auf PsA‑Symptome zu achten. Nach dem Screening suchten 46,1 % ärztliche Abklärung; davon erhielten 66 % eine PsA-Diagnose.

    Diskussion und Ausblick

    Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf einer verbesserten PsA-Früherkennung. Der eGEPARD zeigte eine hohe Akzeptanz und führte gemäß selbstberichteten Patientenangaben zu einer gesteigerten Symptombeobachtung sowie einer Inanspruchnahme ärztlicher Abklärung. Durch Förderung eines frühzeitigen Krankheitsbewusstseins können digitale Selbstscreening‑Tools dazu beitragen, diagnostische Verzögerungen bei Psoriasis‑Arthritis zu reduzieren und die Früherkennung zu verbessern.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Dr. Ines Heinen i.heinen@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, UKE, Hamburg, Germany

    Dr. Finn Abeck finn.abeck@uke.de
    Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, UKE, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Hauterkrankungen bei Patient:innen mit dunklerer Hautfarbe (SoC) sind in der medizinischen Ausbildung unterrepräsentiert, was zur geringeren Versorgungsqualität für diese Patient:innen führen kann.

    Methoden

    Im Wintersemester 2023-24 und 2024-25 wurden in einem Seminar im Pflichtcurriculum im Modellstudiengang iMED Fragebogenstudien durchgeführt (Prä-Post-Studie). Die Selbsteinschätzung der Kompetenz der Studierenden sowie die Ergebnisse von Multiple-Choice-Tests zur Blickdiagnose von Hauterkrankungen bei SoC vor und nach dem Seminar inklusive geschlechtsspezifischer Unterschiede wurden untersucht und mit objektiven Testergebnissen verglichen.

    Ergebnisse

    Durch den Besuch des Seminars verbesserten sich die Kenntnisse der Studierenden über SoC sowie die Fähigkeit zur Diagnose von Hauterkrankungen bei SoC. Anfangs bewerteten die Studentinnen ihr Wissen über anatomische und physiologische Unterschiede zwischen Hauttypen und über Skalen zur Bestimmung von Hauttypen sowie ihre diagnostischen Fähigkeiten von Hauterkrankungen bei SoC signifikant schlechter als die Studenten, obwohl sich im objektiven MC-Test keine Unterschiede zeigten. Am Ende des Seminars zeigten sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede mehr.

    Diskussion und Ausblick

    Geeignete Kurse für Medizinstudierende können deren Kompetenz im Umgang mit Hauterkrankungen bei Patient:innen mit SoC verbessern. Zukünftig sollte der Vielfalt der Hauttypen in der medizinischen und dermatologischen Ausbildung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Das Seminar verbesserte die Fähigkeit der Studierenden deutlich, Hauterkrankungen bei SoC korrekt zu diagnostizieren. Gezielte Lehre und Feedback können das Selbstvertrauen und die Selbsteinschätzung von Studentinnen steigern. Die Integration des Themas ins Regelcurriculum kann Wissenslücken schließen und somit dazu beitragen, gesundheitliche Ungleichheiten zu verringern, indem zukünftige Ärzt:innen befähigt werden, eine gerechte Versorgung zu gewährleisten.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Kendra Mielke ke.mielke@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Wiebke Frerichs w.frerichs@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Katja Cöllen k.coellen@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Eva Christalle e.christalle@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Levente Kriston l.kriston@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Martin Härter m.haerter@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Isabelle Scholl i.scholl@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Patient:innenorientierung ist entscheidend für eine hochwertige pflegerische Versorgung. Trainings zur Förderung von kommunikativen Fähigkeiten können patient:innenorientierte Kommunikation, die einen wichtigen Bestandteil von Patient:innenorientierung darstellt, verbessern sowie einen positiven Einfluss auf Gesundheitsoutcomes bei Patient:innen (z.B. höhere gesundheitsbezogene Lebensqualität) und Pflegefachpersonen (z.B. verbesserte Selbstwirksamkeit) haben. Ziel der Studie ist es, ein bedarfsorientiert entwickeltes Training zur Förderung der patient:innenorientierten Kommunikation von Pflegefachpersonen zu evaluieren und Implementierungsempfehlungen abzuleiten.

    Methoden

    Das Training wurde mittels einer randomisiert-kontrollierten Studie mit Wartekontrollgruppe evaluiert. Die Evaluation erfolgt anhand von Kirkpatrick’s vier-Ebenen-Evaluationsmodell (Reaktion, Lernerfolg, Verhalten, Ergebnisse). Primäres Outcome war die Selbstwirksamkeit bezüglich kommunikativer Kompetenzen zum zweiten Messzeitpunkt (3 Monate nach Baseline). Sekundäre Outcomes waren Bewertung des Trainings (nur Interventionsgruppe), Wissen über Kommunikation, Einstellung zur Kommunikation sowie psychische Belastungen. Die Auswertung fand mittels Mixed-Model-Analysen statt. Zur Ableitung von Implementierungsempfehlungen wurde die Studie von einer Prozessevaluation (Dokumentationen, Feldnotizen und Interviews mit Studienteilnehmenden und Leitungspersonen) begleitet.

    Ergebnisse

    Insgesamt nahmen N= 159 Pflegefachpersonen aus zwei Hamburger Krankenhäusern teil. Die Auswertung zeigte eine statistisch signifikante Verbesserung der Selbstwirksamkeit, des subjektiven Wissens über Kommunikation sowie höhere Werte bezüglich der Einstellung zur Kommunikation innerhalb der Interventionsgruppe. Für alle weiteren sekundären Outcomes gab es keine statistisch signifikanten Gruppenunterschiede. Die Auswertung der Interviews im Rahmen der Prozessevaluation (n= 21) ergab u.a. die Bedeutung von Leitungspersonen als Multiplikator:innen für die Teilnehmendengewinnung.

    Diskussion und Ausblick

    Mit der vorliegenden Studie wurde erstmals ein patient:innenorientiertes Kommunikationstraining für Pflegefachpersonen entwickelt und hinsichtlich Machbarkeit und Wirksamkeit evaluiert. Es bedarf weitere Forschung, um zu untersuchen, inwieweit weitere Outcomes verändert werden können.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Balke Hanna h.balke@uke.de
    Hebammenwissenschaft – Versorgungsforschung & Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Felix Alexander Neumann fe.neumann@uke.de
    Hebammenwissenschaft – Versorgungsforschung & Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Leonie Jaß l.jass@uke.de
    Hebammenwissenschaft – Versorgungsforschung & Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Julia Heiter j.heiter@uke.de
    Hebammenwissenschaft – Versorgungsforschung & Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany
    Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklini-kum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Birgit-Christiane Zyriax b.zyriax@uke.de
    Hebammenwissenschaft – Versorgungsforschung & Prävention, Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Die Geburt eines frühgeborenen Kindes stellt für Eltern eine erhebliche Belastung dar und kann die Entwicklung der frühen Mutter-Kind-Bindung beeinträchtigen. Während sich Bindungsprozesse bei einer physiologischen Schwangerschaft über einen längeren Zeitraum entwickeln, wird dies bei einer Frühgeburt vorzeitig unterbrochen. Abhängig von den Risikofaktoren für eine Frühgeburt werden Schwangere zu unterschiedlichen Zeitpunkten hierüber informiert. Nicht immer ist diese Aufklärung vorab möglich. Qualitative Studien zeigen, dass Vertrauen in das medizinische Personal und wahrgenommene Unterstützung den Bindungsaufbau fördern können. Ziel ist es, Unterschiede in der Mutter-Kind-Bindung und der Wahrnehmung der stationären Versorgung in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Risikoaufklärung einer möglichen Frühgeburt zu untersuchen, sowie den Zusammenhang der Mutter-Kind-Bindung und der Versorgungswahrnehmung zu analysieren.

    Methoden

    In einer Querschnittsstudie des HEAR-Projekts wurden von Mai bis Juli 2025 Daten von Müttern Frühgeborener (N=1419) erhoben. Der Fragebogen beinhaltete mitunter die deutsche Validierung der Mother-Infant-Bonding Scale (MIBS), den Zeitpunkt der Risikoaufklärung für die Frühgeburt, das Gestationsalter sowie Aspekte der wahrgenommenen stationären Versorgung (Information, Vertrauen, Berücksichtigung der Wünsche, Anleitung bei der Pflege, Unterstützung beim Bindungsaufbau, Vorbereitung auf die Entlassung, Gesamterleben der Geburt). Die Auswertung erfolgt deskriptiv und anhand von Subgruppen- und Regressionsanalysen.

    Ergebnisse

    Erwartet wird, dass sich Unterschiede in der MIBS und Wahrnehmung der Versorgung je nach Zeitpunkt der Risikoaufklärung zeigen. Zudem wird auf Assoziationen zwischen den MIBS-Werten und Wahrnehmung der Versorgung untersucht.

    Diskussion und Ausblick

    Die Studie erweitert bestehende Ansätze, indem neben dem Gestationsalter auch der Zeitpunkt der Risikoaufklärung für die Mutter-Kind-Bindung und Versorgung berücksichtigt wird. Aus den Ergebnissen sollen Ansatzpunkte für eine bedarfsgerechte Versorgung abgeleitet werden.

  • Autor:innen/Zugehörigkeit

    Prof. Dr. Susanne G. R. Klotz¹, Larissa Pagels¹, Christian Brettschneider2, Anne Daubmann3, Franziska Feldmann4, Bernadette Hosters5, Nina Kolbe6, Carolin Kraushaar4, Leon Laakmann7, Annalena Paus7, Isabelle Stickdorn7, Inke Zastrow8 und die HosMo AKTIV Studiengruppe

    1 Physiotherapie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Deutschland
    2 Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Deutschland
    3 Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Deutschland
    4 Abteilung für Physiotherapie, Universitätsmedizin Essen (UME), Essen, Deutschland
    5 Stabsstelle Entwicklung und Forschung Pflege, Universitätsmedizin Essen, Essen, Deutschland
    6 Pflegedirektion, Stabsstelle Pflegewissenschaft, Universitätsklinikum Münster (UKM), Münster, Deutschland
    7 Zentrale Einrichtung Therapeutische Gesundheitsberufe, Stabsstelle Therapiewissenschaften, Universitätsklinikum Münster (UKM), Münster, Deutschland
    8 Direktion für Patienten- und Pflegemanagement, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Deutschland

    Einleitung

    Patient:innen im Krankenhaus verbringen den Großteil ihres Krankenhausaufenthalts inaktiv, was mit funktionellem Abbau, Muskelverlust und einem erhöhten Risiko für Komplikationen verbunden ist. Es existieren bereits verschiedene Mobilitätsprogramme international, doch es fehlen evidenzbasierte und auf den deutschen Versorgungskontext zugeschnittene multimodale Konzepte. Das Projekt HosMo AKTIV zielt darauf ab, ein modulares Krankenhausmobilitätskonzept zur Förderung körperlicher Aktivität während des stationären Aufenthalts zu entwickeln, zu implementieren und zu evaluieren.

    Methoden

    Das multizentrische Mixed-Methods-Projekt wird an drei deutschen Universitätskliniken durchgeführt und umfasst zwei Phasen. In Phase I erfolgt die partizipative Entwicklung der Intervention auf Grundlage des Implementation of Change-Modells durch Ausführung qualitativer Interviews und Workshops mit projekteigenem Mobilitätskomitee unter Einbezug relevanter Stakeholder. Phase II besteht aus einer cluster-randomisierten kontrollierten Pilotstudie auf zwölf Stationen, die randomisiert entweder der Interventionsgruppe (HosMo AKTIV) oder der Standardversorgung zugeteilt werden. Insgesamt sollen 1.344 erwachsene Patient:innen mit einem geplanten Krankenhausaufenthalt von mindestens drei Tagen eingeschlossen werden. Die multimodale Intervention integriert voraussichtlich sowohl verhaltensbezogene, als auch verhältnisbezogene Maßnahmen zur Förderung der Mobilität.

    Ergebnisse

    Primäres Outcome ist die Veränderung der täglichen Dauer leichter bis moderater körperlicher Aktivität (≥1,4 MET), gemessen mittels Accelerometer (PAM AM400). Sekundäre Outcomes umfassen unter anderem die funktionelle Mobilität (AM-PAC), Handgriffkraft (Dynamometer), Patient:innenzentrierung (EPAT-16), immobilitätsassoziierte Komplikationen, Verweildauer sowie gesundheitsökonomische Parameter.

    Diskussion

    Die Studie adressiert eine relevante Versorgungslücke im deutschen Gesundheitssystem durch die Entwicklung und Pilotierung einer kontextspezifischen und skalierbaren Mobilitätsintervention. Der partizipative und systemorientierte Ansatz soll Machbarkeit, Akzeptanz und Nachhaltigkeit fördern und die Grundlage für eine zukünftige konfirmatorische Studie schaffen.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Natalie Uhlenbusch natalie.uhlenbusch@gmail.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Annika Braun an.braun@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Ansgar W. Lohse a.lohse@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, I. Medizinische Klinik und Poliklinik, Hamburg, Germany

    Christoph Schramm c.schramm@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, I. Medizinische Klinik und Poliklinik, Hamburg, Germany
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen, Hamburg, Germany

    Bernd Löwe b.loewe@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Q.RARE.LI Studienteam
    ERN RARE-LIVER, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Psychosoziale Unterstützung ist ein zentraler Bestandteil der Versorgung chronisch Erkrankter, jedoch für viele Betroffene seltener Krankheiten schwer zugänglich. Im Rahmen von Q.RARE.LI wurde die Wirksamkeit eines niedrigschwelligen, krankheitsübergreifenden und ortsunabhängigen Unterstützungsangebots, das auf Peer-to-Peer-Unterstützung basiert, auf internationaler Ebene evaluiert und die Implementierung in die Routineversorgung vorbereitet.

    Methoden

    In fünf Ländern wurde eine zweiarmige, randomisierte kontrollierte Studie mit erwachsenen Betroffenen seltener Lebererkrankungen durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden über die Routineversorgung rekrutiert und im Verhältnis 1:1 randomisiert. Die Interventionsgruppe erhielt zusätzlich zur Routineversorgung das sechswöchige Peer-Support-Programm, bestehend aus einem wöchentlich zu bearbeitenden Selbsthilfebuch und wöchentlichen 30-minütigen Telefongesprächen mit geschulten und supervidierten Peer-Berater:innen. Der primäre Endpunkt war die Veränderung der mentale gesundheitsbezogenen Lebensqualität (SF-12v2) nach acht Wochen. Das Projekt wurde im Rahmen des European Joint Program on Rare Diseases gefördert.

    Ergebnisse

    Zwischen März 2023 und September 2024 wurden insgesamt N=246 Patient:innen eingeschlossen und randomisiert. In die Analysen nach dem Intention-to-treat-Prinzip gingen N=234 Teilnehmende ein. Das durchschnittliche Alter betrug M=48,57 Jahre (SD=13,98), die Mehrheit war weiblich (81%). Vorläufige Analysen zeigen einen signifikanten Gruppenunterschied in mentaler Lebensqualität zugunsten der Intervention, sowohl nach 8 Wochen als auch nach 20 Wochen. Mehrere sekundäre Endpunkte, darunter Depressivität, Selbstmanagementfähigkeiten, Krankheitsakzeptanz und wahrgenommene soziale Unterstützung, nahmen in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant zu und das Programm wurde sehr gut angenommen und positiv bewertet.

    Diskussion und Ausblick

    Das strukturierte, transdiagnostische und leicht zugängliche Peer-Support-Programm stellt einen vielversprechenden Ansatz zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen dar, die häufig mit erheblichen Versorgungsbarrieren konfrontiert sind.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Jana Wiehe j.wiehe@uke.de
    Universitätsklinikum HH-Eppendorf, Zentrum für psychosoziale Medizin, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Theresa Paumen t.paumen@uke.de
    Universitätsklinikum HH-Eppendorf, Zentrum für psychosoziale Medizin, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Anna Leidger a.leidger@uke.de
    Universitätsklinikum HH-Eppendorf, Zentrum für psychosoziale Medizin, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Anne Daubmann a.daubmann@uke.de
    Universitätsklinikum HH-Eppendorf, Zentrum für experimentelle Medizin, Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Hamburg, Germany

    Antonia Zapf a.zapf@uke.de
    Universitätsklinikum HH-Eppendorf, Zentrum für experimentelle Medizin, Institut für Medizinische Biometrie und Epidemiologie, Hamburg, Germany

    Carolin Laser c.laser@praxis-psychotherapie-volksdorf.de
    Universitätsklinikum HH-Eppendorf, Zentrum für psychosoziale Medizin, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Angela Plaß-Christl plass@uke.de
    Universitätsklinikum HH-Eppendorf, Zentrum für psychosoziale Medizin, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Hamburg, Germany

    Silke Wiegand-Grefe s.wiegand-grefe@uke.de
    Universitätsklinikum HH-Eppendorf, Zentrum für psychosoziale Medizin, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Kinder psychisch kranker Eltern sind einer Anhäufung von Stressfaktoren im Familiensystem ausgesetzt und weisen gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko auf, selbst eine psychische Erkrankung zu entwickeln. Trotz der belegten Wirksamkeit familienorientierter Ansätze besteht weiterhin ein erheblicher Bedarf an geeigneten und nachhaltig umsetzbaren Versorgungsmodellen. Erkenntnisse der Implementierungsforschung verdeutlichen, dass eine nachhaltige Förderung der psychosozialen Entwicklung der Kinder und eine wirksame familienorientierte Behandlung nur durch die Umsetzung solcher Interventionen erzielt werden können.

    Methoden

    Im Rahmen des CHIMPs-Netzwerks wurde das systematische Implementierungsmodell „ci-CHIMPs“ entwickelt. Im Zentrum stehen drei Teilprojekte: TP 01 (Optimierung der Zugangswege), TP 02 (Stärkung von Wissen und Fertigkeiten der Fachkräfte) und TP 03 (Einführung eines systematischen Screenings). Zwischen 2020 und 2023 wurden zu drei Erhebungszeitpunkten insgesamt 558 Mitarbeitende mittels des Family Focused Mental Health Practice Questionnaire (FFMHPQ), des Implementation Components Questionnaire (ICQ-35) sowie der Implementation Satisfaction Scale (ISS) hinsichtlich der erfolgreichen Implementierung familienorientierter Versorgungsansätze in den beteiligten Einrichtungen befragt.

    Ergebnisse

    Wir erwarten eine erfolgreiche Implementierung im Hinblick auf die Familienfreundlichkeit der Versorgung in beteiligten Einrichtungen. Einrichtungen der Interventionsgruppe, sollten nach Abschluss der Implementierungsphase eine signifikant höhere Familienfreundlichkeit im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigen. Ebenfalls sollten die Einrichtungen mit der höheren Qualität der Umsetzung einzelner Implementierungsprojekte über eine signifikant bessere Entwicklung der Familienfunktionalität sowie des psychosozialen Wohlbefindens der Kinder aufweisen.

    Diskussion und Ausblick

    Der wissenschaftliche Beitrag besteht darin, fundierte Erkenntnisse über die systematischen Implementierungsprojekte zu gewinnen und Faktoren zu identifizieren, die den Implementierungsprozess behindern oder fördern. Dies soll eine verbesserte familienbasierte und bedürfnisorientierte Versorgung für Familien mit psychisch erkrankten Eltern ermöglichen.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Finley Zwing f.zwing@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Peter Hübener p.huebener@uke.de
    I. Medizinische Klinik und Poliklinik (Gastroenterologie mit Sektionen Infektiologie und Tropenmedizin), Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany
    Zentrum für Innere Medizin, Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Anna Levke Brütt a.bruett@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Martina Sterneck m.sterneck@uke.de
    I. Medizinische Klinik und Poliklinik (Gastroenterologie mit Sektionen Infektiologie und Tropenmedizin), Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany
    Zentrum für Innere Medizin, Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Isabelle Laskowsky i.laskowsky@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany
    Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Angela Buchholz a.buchholz@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany
    Zentrum für Psychosoziale Medizin, Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Einleitung

    Alkoholkonsumstörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und sind häufig mit schwerwiegenden somatischen Folgeerkrankungen verbunden. Eine alkohol-assoziierte Lebererkrankung stellt eine zentrale Komplikation dar und kann im fortgeschrittenen Stadium eine Lebertransplantation erforderlich machen. Für den langfristigen Behandlungserfolg ist eine stabile Abstinenz entscheidend, weshalb eine begleitende suchttherapeutische Versorgung als essenziell gilt. Dennoch nehmen viele Betroffene entsprechende Hilfsangebote nicht oder nur eingeschränkt in Anspruch. Ziel des Projekts ist es, Barrieren und Förderfaktoren der Inanspruchnahme suchttherapeutischer Angebote bei Patient:innen mit Alkoholkonsumstörung und alkohol-assoziierter Lebererkrankung aus Patient:innensicht zu untersuchen.

    Methoden

    Die Studie ist als qualitative, explorative Interviewstudie konzipiert. Eingeschlossen werden erwachsene Patient:innen mit Alkoholkonsumstörung (Screening mittels MATE 2.2) und alkohol-assoziierter Lebererkrankung im Stadium vor einer möglichen Lebertransplantation. Die Rekrutierung erfolgt mittels purposive Sampling in verschiedenen klinischen Versorgungssettings, um unterschiedliche Behandlungsvorerfahrungen, Krankheitsverläufe und Versorgungsbedingungen abzubilden. Geplant ist eine Stichprobe von etwa N = 15 Patient:innen. Die Datenerhebung erfolgt durch leitfadengestützte Interviews von etwa 60 Minuten Dauer, die anschließend mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet werden.

    Ergebnisse

    Die Studie befindet sich derzeit in der Vorbereitungsphase mit Entwicklung des Interviewleitfadens und Planung der Rekrutierung. Auf dem Symposium werden Einblicke in die Konzeptionalisierung der Studie gegeben, je nach Stand der Datenerhebung ergänzt durch erste Ergebnisse.

    Diskussion und Ausblick

    Die Untersuchung soll ein vertieftes Verständnis der patient:innenbezogenen Barrieren und Förderfaktoren bei der Nutzung suchttherapeutischer Hilfsangebote ermöglichen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, Versorgungslücken zu identifizieren und Ansatzpunkte zur Verbesserung der Zugangswege und der psychosozialen Versorgung dieser Patient:innengruppe abzuleiten.

  • tba

ePosterwalk II: 15:00 - 15:45 Uhr

Gruppe drei - Methoden, Reviews und Evidenz

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Sarah Affolderbach sarah.affolderbach@stud.uke.uni-hamburg.de
    Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Hamburg, Germany

    Hanno Hoven hanno.hoven@justiz.hamburg.de
    Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Hamburg, Germany

    Sylvia Rabstein sylvia.rabstein@dguv.de
    Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Germany

    Volker Harth volker.harth@justiz.hamburg.de
    Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Hamburg, Germany

    Robert Herold robert.herold@justiz.hamburg.de
    Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Schichtarbeit ist assoziiert mit verringerter psychomotorischer Vigilanz, langsamer Reaktionszeiten und erhöhter Fehlerrate. Schichtarbeitende sind häufig zu untypischem Tageszeiten Licht ausgesetzt, dem wichtigsten Zeitgeber für den circadianen Rhythmus. Die Wirkung von unterschiedlichen spektralen Lichtzusammensetzungen auf die psychomotorische Vigilanz ist jedoch noch unzureichend untersucht. Ziel dieses Reviews ist die Untersuchung des Einflusses von Beleuchtung auf die Reaktionszeiten bei Schichtarbeitenden.

    Methoden

    Es wurde eine systematische Literatursuche in den Datenbanken PubMed, PsycINFO, Scopus und Web of Science durchgeführt. Es wurden Studien eingeschlossen, die Lichtbedingungen durch Lichtstärke (lx), Lichtfarbe (K) oder melanopisch äquivalente Tageslicht-Illuminanz (MEDI lx) berichteten. Als primäre Zielgröße wurde die mittlere Reaktionszeit extrahiert. Sekundäre Zielgrößen umfassten die Anzahl der Lapses (Reaktionszeiten ≥ 500ms), Fehlstarts (Reaktionszeiten < 100ms) sowie die schnellsten und langsamsten 10% der Reaktionszeiten. Es wurden die berichteten Unterschiede in den Lichtparametern lx, K und MEDI lx zwischen Intervention und Kontrolle analysiert. Zusätzlich wurden die Quotienten der Interventions- und Kontrollwerte berechnet, unter Berücksichtigung der Expositionsdauer.

    Ergebnisse

    Die Suche ergab 3.195 Treffer. Davon wurden 25 Studien eingeschlossen, darunter 13 Laborstudien, 11 Feldstudien sowie eine Studie mit Mixed-Methods-Design. Alle Studien beschäftigten sich mit Nachtschichten oder Schichtsystemen, die Nachtdienste einschließen.11 Studien berichteten statistisch signifikant kürzere Reaktionszeiten bei Lichtinterventionen im Vergleich zur Kontrollbedingung. Eine Lichtexpositionsdauer von mindestens 5 Stunden in Kombination mit einer mindestens 159 MEDI lx-Differenz war mit einer statistisch signifikant verbesserten Reaktionszeit assoziiert.

    Diskussion und Ausblick

    Es gibt eine starke Heterogenität in den Studiendesignen und Messungen der Lichtinterventionen. Zukünftige Studien sollten die Auswirkung von Arbeitsplatzbeleuchtung auf die Vigilanz auch in Früh- und Spätschichten untersuchen.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Annika Braun an.braun@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Bernd Löwe b.loewe@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Christoph Schramm c.schramm@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf I. Medizinische Klinik und Poliklinik, Hamburg, Germany
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen, Hamburg, Germany

    Ansgar W. Lohse a.lohse@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf I. Medizinische Klinik und Poliklinik, Hamburg, Germany

    Natalie Uhlenbusch n.uhlenbusch@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Q.RARE.LI Studienteam seltene.erkrankungen@uke.de
    -, -, Germany

    Einleitung

    Peer Support, also die Unterstützung durch Gleichbetroffene, kann eine wesentliche Ergänzung der Versorgung von Menschen mit seltenen Erkrankungen bieten. Während Patient:innen-Perspektiven zunehmend untersucht werden, bleibt die Sicht von Peer-Beratenden oft unberücksichtigt. Diese Synthese vereint ein systematisches Review mit qualitativen und quantitativen Daten aus dem transnationalen Q.RARE.LI-Projekts, mit dem Ziel ist die Erfahrungen von Peer-Beratenden zu untersuchen.

    Methoden

    Das systematische Review umfasst 72 Studien zu Erfahrungen von Peer-Beratenden mit chronischen Erkrankungen, die qualitativ synthetisiert wurden. Ergänzend wurden in einer quantitativen Längsschnittstudie gesundheitsbezogene und psychosoziale Daten von 56 Peer-Beratenden mit seltenen Lebererkrankungen aus fünf Standorten (Deutschland, Kanada, Belgien, Polen, Ungarn) über drei Zeitpunkte mittels standardisierter Online-Fragebögen erhoben. Daten wurden deskriptiv analysiert, Prä‑Post-Veränderungen explorativ geprüft. Eine Subgruppe (n=24) wurde zusätzlich qualitativ untersucht, mittels Interviews und reflexiver thematischer Analyse.

    Ergebnisse

    Das Review identifiziert zentrale Themen der Peer-Tätigkeit: Sinnhaftigkeit, persönliches Wachstum, soziale Kontakte, Kompetenzzuwachs sowie organisatorische und emotionale Herausforderungen. Diese spiegeln sich weitgehend in den qualitativen Ergebnissen wider, mit zentraler Rollen von sozialer Zugehörigkeit bei seltenen Erkrankungen. Peer-Beratende in Q.RARE.LI waren im Median 12 Monate aktiv, 25-73 Jahre alt, überwiegend weiblich (77 %), und berieten 1-7 Patient:innen. Gesundheitsbezogene Daten zeigen eine leichte Verschlechterung über die Zeit, während die Evaluation der Rolle und der empfundenen Nutzen durchweg positiv angegeben wurden.

    Diskussion und Ausblick

    Peer-Beratung geht über die Unterstützung anderer hinaus und kann für Beratende selbst sinnstiftend sein und persönliche Entwicklung fördern. Leichte gesundheitliche Verschlechterungen könnten in einer chronisch kranken Population unabhängig von der Tätigkeit auftreten, unterstreichen jedoch die Bedeutung geeigneter Rahmenbedingungen, Supervision und Trainings für nachhaltige Peer-Programme.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Jona Frasch j.frasch@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Britta Rackow br.rackow@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Hans-Helmut König h.koenig@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Claudia Konnopka c.konnopka@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    In this study, we examine the immediate and delayed effects of a single day of extreme cold or extreme heat on sick leave and emergency hospital admissions across German counties. We further analyzed how risk and resilience factors modify observed effects.

    Methoden

    We obtained the outcomes, the number of sick leave days (SLD) and the number of emergency hospital admissions (EHA) per day and per county, from health insurance claims data. We derived the main predictor percentile of daily mean temperature from E-OBS gridded data. Regional covariates were county-level indices from the German INKAR database, reduced to six constructs using principal component analysis. We applied a two-step analytical framework. In stage 1, the immediate and delayed effects of temperature on the outcomes were estimated using distributed lag non-linear models, adjusted for time-varying confounders. In stage 2, county estimates were pooled using random-effects meta-analysis, and regional factors were evaluated as effect modifiers, with additional age-stratified analyses.

    Ergebnisse

    We found a reverse-J-shaped and U-shaped association between temperature and SLD and EHA, respectively. Extreme cold (1st-percentile) was associated with a 18.5% and 6.6% increase in the cumulative risk of SLD and EHA, respectively. Extreme heat (99th-percentile) was associated with a 9.8% and 6.1% increase in the cumulative risk of SLD and EHA, respectively. Regional factors, including health care resources, green-blue spaces, and the population's morbidity level, modified the effects.

    Diskussion und Ausblick

    Our findings offer a better understanding of the effects of temperature on population-level productivity and morbidity, and help identify its regional determinants in Germany.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Nell Kindt n.kindt@uke.de
    UKE, Hamburg, Germany

    Melissa Warbanov melissa.warbanov@uni-ulm.de
    Universitätsklinikum Ulm, Ulm, Germany

    Alexa Alica Kupferschmitt alexa.kupferschmitt@googlemail.com
    Reha-Zentrum Seehof, Teltow, Berlin, Germany

    Katharina Koller katharina.koller@uk-erlangen.de
    Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Germany

    Eva Morawa eva.morawa@uk-erlangen.de
    Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Germany

    Yesim Erim yesim.erim@uk-erlangen.de
    Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Germany

    Bernd Löwe b.loewe@uke.de
    UKE, Hamburg, Germany

    Angelika Weigel a.weigel@uke.de
    UKE, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Fatigue gehört zu den zentralen und zugleich methodisch am schwierigsten erfassbaren Symptomen des Post-COVID-19-Syndroms (PCS). In Forschung und klinischer Praxis wird Fatigue überwiegend über Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) erfasst, während objektive Verfahren autonome Kennwerte, laborchemische Marker sowie Leistungs- oder Veränderungsparameter messen. Diese methodische Vielfalt erschwert sowohl die Interpretation von Studienbefunden als auch die Ableitung evidenzbasierter Versorgungsstrategien.

    Methoden

    Ziel dieses systematischen Reviews war es, die Übereinstimmung zwischen subjektiven und objektiven Messmethoden von Fatigue bei PCS zu untersuchen. Die Literaturrecherche erfolgte in PubMed, PsycINFO, Web of Science und Dimensions AI. Eingeschlossen wurden von Juli 2020-November 2025 publizierte Studien mit Erwachsenen (persistierende Symptome ≥12 Wochen nach SARS-CoV-2-Infektion) in Deutsch, Englisch, Polnisch, Türkisch, Italienisch und Spanisch, die ein validiertes Fatigue-PROM sowie eine objektive Messung berichteten und Zusammenhänge zwischen beiden Ebenen analysierten oder hypothetisierten.

    Ergebnisse

    Von 746 identifizierten Studien erfüllten 13 die Einschlusskriterien. Über zwei Analysestufen (Stufe 1 = Veränderungsparameter; Stufe 2 = Leistungsniveauparameter) wurden fünf verschiedene PROMs mit bis zu fünf objektiven Messmethoden kombiniert. Lediglich in spezifischen Subgruppen zeigten sich niedrige bis moderate Korrelationen.

    Diskussion und Ausblick

    Die Ergebnisse verdeutlichen eine geringe und heterogene Übereinstimmung zwischen subjektiven und objektiven Messverfahren. Viele PROMs erfassen mehrere Dimensionen von Fatigue und teilweise zusätzliche Konstrukte (z. B. Schlafstörungen oder Depressivität), während objektive Verfahren meist isolierte Leistungskriterien abbilden. Die Befunde unterstreichen den Bedarf, das Fatigue-Konstrukt stärker zu harmonisieren und multidimensionale Messansätze weiterzuentwickeln, um Evidenzsynthese, Therapieentwicklung und Versorgung von Patient:innen mit PCS zu verbessern.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Isabelle Laskowsky i.laskowsky@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Nina Wilke ni.wilke@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Martina R. Sterneck sterneck@uke.de
    I. Medizinische Klinik und Poliklinik (Gastroenterologie mit Sektionen Infektiologie und Tropenmedizin), Zentrum für Innere Medizin, Universitätsklinikum Hamburg‑Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Martin Härter m.haerter@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Angela Buchholz a.buchholz@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Germany

    Einleitung

    Alkoholassoziierte Lebererkrankungen stellen weltweit eine erhebliche gesundheitliche Belastung dar. Patient:innen mit einer komorbiden Alkoholkonsumstörung gehören zu einer besonders vulnerablen Patient:innengruppe, für die eine integrierte psychosoziale Behandlung empfohlen wird. Dennoch bleibt diese Gruppe weiterhin unterversorgt. Während bisherige Forschung vor allem die Wirksamkeit entsprechender Interventionen untersucht hat, ist bislang wenig über deren Implementierung in der klinischen Praxis bekannt. Dieses Scoping-Review untersucht Barrieren und Förderfaktoren bei der Implementierung psychosozialer Interventionen für Patient:innen mit alkoholassoziierter Lebererkrankung und Alkoholkonsumstörung.

    Methoden

    Eine systematische Literaturrecherche wurde im November 2025 in PubMed, CINAHL, PsycInfo, Web of Science, ClinicalTrials.gov sowie der Cochrane Library durchgeführt. Ergänzend erfolgte eine Recherche in Google Scholar sowie in ProQuest Dissertations and Theses. Eingeschlossen werden Studien, die über Barrieren oder Förderfaktoren bei der Implementierung psychosozialer Interventionen für Patient:innen mit alkoholassoziierter Lebererkrankung und Alkoholkonsumstörung berichten, ohne Einschränkung des Studiendesigns. Berücksichtigt werden deutsch- oder englischsprachige Publikationen. Implementierungsfaktoren werden extrahiert und mithilfe des Consolidated Framework for Implementation Research (CFIR) kategorisiert.

    Ergebnisse

    Insgesamt wurden 3.013 Datensätze identifiziert. Nach dem Entfernen von 1.061 Duplikaten verblieben 1.952 Datensätze für das Titel- und Abstract-Screening. Davon wurden 318 für die Volltextprüfung ausgewählt. Weitere 37 Datensätze aus Google Scholar und ProQuest Dissertations and Theses wurden hinzugefügt, sodass derzeit insgesamt 355 Volltextartikel geprüft werden. Das Screening erfolgt unabhängig durch zwei Reviewerinnen. Die finalen Ergebnisse werden im Rahmen des Symposiums präsentiert.

    Diskussion und Ausblick

    Die Ergebnisse können zu einem besseren Verständnis der bestehenden Versorgungslücke bei Patient:innen mit alkoholassoziierter Lebererkrankung und komorbider Alkoholkonsumstörung beitragen und damit die Entwicklung bedarfsorientierter Versorgungsansätze sowie deren Integration in die Routineversorgung unterstützen.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Lena Oster l.oster@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Inga Bosch i.bosch@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Tharanya Seeralan t.seeralan@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Anna Levke Brütt a.bruett@uke.de
    Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Patient:innen- und Bürger:innenbeteiligung (patient and public involvement; PPI) gewinnt in der deutschen Versorgungsforschung zunehmend an Bedeutung. Obwohl PPI vermehrt umgesetzt wird, fehlen bisher Informationen dazu, welche Akteur:innen in Deutschland PPI durchführen oder daran beteiligt sind. Ziel der Studie war es, die Motivation und Durchführung von PPI aus Sicht von Forschenden und Forschungspartner:innen (Patient:innen, Angehörige sowie Interessierte) zu untersuchen.

    Methoden

    Es wurde eine explorative Online-Umfrage durchgeführt. Die Rekrutierung erfolgte über öffentliche Forschungsdatenbanken, fachliche Netzwerke, Patientenorganisationen sowie Betroffenenbeiräte. Für beide Gruppen wurden soziodemografische Angaben und Informationen zu den bisherigen Erfahrungen mit PPI erhoben. Quantitative Daten wurden deskriptiv ausgewertet, qualitative Angaben mittels induktiver Inhaltsanalyse.

    Ergebnisse

    Insgesamt berichteten 177 Personen Erfahrungen mit PPI, darunter 123 Forscher:innen und 54 Forschungspartner:innen. Die Forscher:innen waren überwiegend weiblich (64,2%) und umfassten Professor:innen (30,1%), Post-doktorand:innen (28,5%) und Doktorand:innen (22,8%). 62,6% forschten im Bereich Versorgungsforschungsforschung und öffentliche Gesundheit. Die teilnehmenden Forschungspartner:innen waren durchschnittlich 61 Jahre alt, überwiegend weiblich (64,8%) und am häufigsten (ehemalige) Patient:innen (74,1%). Die Mehrheit verfügte über einen hohen Bildungsabschluss und 50% gaben an berentet zu sein. In beiden Gruppen wurden Beteiligungserfahrungen überwiegend während der Projektdurchführung und auf der Stufe der Mitwirkung berichtet. Das häufigste Ziel für PPI bei den Forschenden war die Erhöhung der Relevanz und Bedarfsorientierung von Forschung (95,1%), während Forschungspartner:innen am häufigsten angaben, anderen helfen und das Gesundheitssystem verbessern zu wollen (87%).

    Diskussion und Ausblick

    Die Ergebnisse liefern explorative Einblicke in Hinblick auf die beteiligten Personengruppen und deren Erfahrungen im Bereich PPI in der deutschen Versorgungsforschung.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Saskia Pampuch s.pampuch@uke.de
    Universitätsklinikum-Hamburg Eppendorf, Hamburg, Germany

    Holger Schulz schulz@uke.de
    Universitätsklinikum-Hamburg Eppendorf, Hamburg, Germany

    Judith Peth j.peth@uke.de
    Universitätsklinikum-Hamburg Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Erwachsene im Autismus-Spektrum haben einen erhöhten Bedarf an Gesundheitsversorgungsleistungen, gleichzeitig erleben sie eine Vielzahl von Barrieren bei der Inanspruchnahme von Leistungen. Um Barrieren in der Gesundheitsversorgung adressieren zu können, müssen diese zuverlässig erfasst werden. Die Barriers to Healthcare Checklist - Short Form (BHC-SF; Raymaker et al., 2017) erfasst 17 mögliche Barrieren und wäre ein geeignetes Instrument. Im Rahmen der psychometrischen Überprüfung der deutschen Version (Peth et al., in press) wurden Hinwiese gefunden, dass die BHC-SF vier latente Dimensionen möglicher Barrieren abbildet. Die vorgestellte Studie prüft zum einen, inwiefern durch eine Erweiterung der dichotomen Antwortskala auf eine fünf-stufige Antwortskala bestehende psychometrische Schwächen ausgeglichen werden, zum anderen die Validität der Dimensionen.

    Methoden

    Onlineumfrage mit N = 400 autistischen Erwachsenen (ohne Intelligenzminderung), welchen zufällig eine Version des Fragebogens (BHC-SF oder BHC-SF-5) zugeordnet wird. Zudem erhalten die Teilnehmenden Fragebögen zu psychischen Symptomen (PHQ-9, GAD-7) sowie Arzt-Patienten-Interaktion (FAPI), Gesundheitskompetenz (HLS-EU-Q16), Bewältigung von Gesundheitsbeschwerden (PAM-13) und Sensorischer Sensitivität (SPSQ-G). Die Auswertung beinhaltet neben einer konfirmatorischen Faktorenanalyse zur Prüfung möglicher latenter Dimensionen, die psychometrische Überprüfung des BHC-SF-5 (Reliabilität und Validität).

    Ergebnisse

    Die Beendigung der Studie ist für April 2026 geplant, sodass zum Symposium die Ergebnisse vorliegen werden. Wir erwarten eine Bestätigung der zuvor gefunden Faktorenstruktur, verbesserte Reliabilitätskoeffizienten in der BHC-SF-5 Version für die gefunden latenten Dimensionen sowie für die einzelnen Dimensionen Korrelationen größer r = .30 mit den a-priori festgelegten konstruktnahen Skalen (konvergente Validität).

    Diskussion und Ausblick

    Die differenzierte Erfassung der Barrierebereiche bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen ermöglicht zukünftig die Entwicklung sowie Prüfung gezielter Maßnahmen zur Reduktion dieser Barrieren für Erwachsene im Autismus-Spektrum.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Sophie Schmitz so.schmitz@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Bernd Löwe b.loewe@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Paul Hüsing p.huesing@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Chronische Rückenschmerzen gehören weltweit zu den führenden Ursachen für Einschränkungen der Lebensqualität und werden zunehmend als biopsychosoziale Erkrankung verstanden, in der nozizeptive, autonome sowie kognitiv-emotionale Mechanismen ineinandergreifen. Eine Dysregulation des autonomen Nervensystems (ANS), die sich unter anderem in einer reduzierten Herzfrequenzvariabilität (HRV) äußert, gilt als potenzieller Biomarker für die Vulnerabilität gegenüber chronischen Schmerzen. Parallel dazu tragen maladaptive Schmerzerwartungen wesentlich zur Verstärkung und Aufrechterhaltung der Symptomatik bei. HRV-basiertes Biofeedback, das durch gezielte Atemregulation eine Wiederherstellung des autonomen Gleichgewichts anstrebt, stellt einen vielversprechenden, bislang jedoch unzureichend erforschten Ansatz zur Beeinflussung physiologischer und psychologischer Schmerzmechanismen dar. Die BACK.BEAT-Studie untersucht die Zusammenhänge zwischen täglichen HRV-Schwankungen, Schmerzerwartungen und Schmerzerfahrungen bei Personen mit chronischen Rückenschmerzen sowie die Durchführbarkeit und Wirksamkeit eines HRV-Biofeedback-Trainings hinsichtlich autonomer Regulation, Schmerzreduktion und Krankheitsverständnis.

    Methoden

    In einem gemischten, randomisiert kontrollierten Studiendesign werden Teilnehmende mit chronischen Rückenschmerzen einer HRV-Biofeedback- oder Kontrollgruppe zugewiesen. Die HRV wird kontinuierlich mittels Garmin Vivosmart 5 erfasst und mit täglichen Schmerzerwartungen und -erfahrungen korreliert, die über ökologische Momentaufnahmen (EMA) per Smartphone erhoben werden. Das Labor-basierte HRV-Biofeedback erfolgt über das System NeXus-4 (MindMedia). Die HRV-Analyse umfasst Zeitbereichsparameter (SDNN, RMSSD) sowie Frequenzbereichsparameter (lnLF, lnHF). Statistische Verfahren beinhalten Korrelationsanalysen (Pearson/Spearman), Varianzanalysen mit Messwiederholung (Gruppe × Zeit) und explorative Regressionsmodelle. Qualitative Daten zur Krankheitswahrnehmung werden thematisch ausgewertet.

    Ergebnisse

    -

    Diskussion und Ausblick

    Die BACK.BEAT-Studie soll das Zusammenspiel autonomer Regulation, kognitiv-emotionaler Prozesse und Schmerzwahrnehmung bei chronischen Rückenschmerzen näher beleuchten. Durch die Kombination tragbarer HRV-Technologie, ökologischer Momentaufnahmen und HRV-basierten Biofeedbacks wird die Machbarkeit und potenzielle Wirksamkeit technologiegestützter, mechanismusorientierter Interventionen zur Behandlung chronischer Schmerzen untersucht.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Sophie Aimée Tietjen sophie.tietjen@stud.uke.uni-hamburg.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Psychologie, Hamburg, Germany

    Franka Metzner-Guczka fmetzner@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Psychologie, Hamburg, Germany

    Silke Pawils s.pawils@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Psychologie, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Obdach- bzw. Wohnungslosigkeit während der Schwangerschaft birgt u.a. durch Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen, den Mangel an Schutzräumen, Hygiene und adäquater Ernährung sowie durch erhebliche Zugangsbarrieren zu Angeboten der Gesundheitsversorgung und Prävention (wie z.B. Vorsorgeuntersuchungen) erhebliche Risiken für die psychische und körperliche Gesundheit von Mutter und Kind. Der Wissenstand mit Fokus auf gesundheitsfördernde Maßnahmen für diese gefährdete Gruppe ist weltweit jedoch stark limitiert.

    Methoden

    Im Rahmen eines Scoping-Reviews wurde eine umfassende Datenbanksuche durchgeführt und diese über Zusatzstrategien, wie dem Durchsuchen von grauer Literatur, ergänzt. Quantitative und qualitative Studien wurden berücksichtigt, wenn sie Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit von obdach- bzw. wohnungslosen Müttern bzw. deren Kindern während der Schwangerschaft oder nach der Geburt untersuchten.

    Ergebnisse

    Von 622 identifizierten Publikationen wurden 8 Studien in das Scoping-Review eingeschlossen und nach Interventionsart (Wohnungshilfe, psychologische Betreuung, integrierte Versorgung) kategorisiert. Die meisten Studien wurden in den USA durchgeführt (je k=1 in Südafrika und Australien) und über Mixed-methods- oder quantitative Studiendesigns umgesetzt. Interventionen mit Schwerpunkt auf die psychische Gesundheit (z.B. Psychotherapie, mobile Gesundheitsinterventionen) berichteten über eine Verringerung von depressiven und Stresssymptomen. Maßnahmen im Wohnungswesen verbesserten über die Erhöhung der Wohnstabilität indirekt die Gesundheit von Müttern und Säuglingen. Eine integrierte Schwangerschaftsvorsorge steigerte die Inanspruchnahme pränataler Gesundheitsleistungen und verbesserte geburtsbezogene Outcomes.

    Diskussion und Ausblick

    Um den komplexen Bedürfnissen dieser schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppe gerecht zu werden, erscheinen integrierte, traumainformierte und auf Wohnsicherheit ausgerichtete Ansätze als besonders vielversprechend. Die Heterogenität hinsichtlich Studiendesign und Ergebnismessung schränkte jedoch die Vergleichbarkeit der eingeschlossenen Studien ein. Zukünftige Untersuchungen sollten längsschnittlich angelegt kulturell sensible und ganzheitliche Ansätze fokussieren, um die bestehenden Forschungslücken zu schließen.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Cheyenne Topf c.topf@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Tessa Siems t.siems@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Saskia Pampuch s.pampuch@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Pascal Rahlff p.rahlff@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Holger Schulz schulz@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Judith Peth j.peth@uke.de
    Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Erwachsene mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zeigen oft erhöhte Bedarfe im gesundheitlichen Versorgungssystem, gleichzeitig verhindern verschiedene Barrieren die Inanspruchnahme von Versorgungsangeboten. Studien zeigen, dass diese Versorgungsbarrieren nicht nur Auswirkungen auf die (medizinische) Versorgung von Betroffenen haben, sondern sich auch negativ auf die gesundheitsbezogene mentale Lebensqualität auswirken. Im Rahmen der BASS-Teams Studie soll ein Versorgungsangebot in drei Modellregionen (Hamburg, Köln, München) geschaffen werden, welches Erwachsenen mit ASS einen barrierefreien Zugang zu notwendigen Beratungs-/Diagnostik- und Behandlungs-/Teilhabeangeboten ermöglicht. Das BASS-Teams Studienprotokoll wird vorgestellt.

    Methoden

    Trizentrische, randomisiert, kontrollierte Studie (N=326 Erwachsene mit ASS). Zu drei Zeitpunkten (Baseline, nach 6 bzw. 12 Monaten) werden Daten erhoben, um folgende Hypothesen zu prüfen: 12 Monate Behandlung durch BASS-Teams führt im Vergleich zur Regelversorgung zu verbesserter Barrierefreiheit (primäre Hypothese 1), verbesserter gesundheitsbezogener mentaler Lebensqualität (primäre Hypothese 2) und verbessertem globalen Funktionsniveau (primäre Hypothese 3). Darüber hinaus werden verschiedene sekundäre Hypothesen geprüft sowie gesundheitsökonomische Analysen durchgeführt (Primärdaten, Routinedaten der Techniker Krankenkasse).

    Ergebnisse

    Studienergebnisse sind erst nach Abschluss der Datenerhebung Herbst 2028 verfügbar.

    Diskussion und Ausblick

    Mögliche Stärken und Schwächen der Studie werden diskutiert.

  • Autoren und Zugehörigkeiten

    Hanna Walk hanwalk@uni-bremen.de
    Universität Bremen, Bremen, Germany

    Annemarie Schultz annemarie.schultz@bwfgb.hamburg.de
    Hamburgisches Krebsregister, Hamburg, Germany

    Frederik Peters frederik.peters@bwfg.hamburg.de
    Hamburgisches Krebsregister, Hamburg, Germany

    Einleitung

    Invasive breast cancer is the most common cancer among women in Hamburg. Although adjuvant radiotherapy is recommended after breast-conserving surgery, its use varies across certified centers. Evidence on center-related effects in Hamburg is lacking. This study examines how these centers influence radiotherapy use, considering clinical factors.

    Methoden

    A registry-based observational study using Hamburg Cancer Registry data included women with invasive breast cancer who underwent breast-conserving surgery in certified centers between 2016 and 2022. A 497-day follow-up was applied, and the eighth S3 quality indicator was calculated for each center. Center effects on adjuvant radiotherapy were examined using multivariable logistic regression adjusted for clinical factors, and predicted probabilities were estimated. Analyses were performed in R (4.3.2) with RStudio (2024.9.0.375).

    Ergebnisse

    The quality indicator ranged from 63% to 83.8% across centers. Odds ratios from the logistic regression showed center-specific differences in radiotherapy use, with academic status identified as a relevant factor. Predicted probabilities for two example patients demonstrated additional variation.

    Diskussion und Ausblick

    This study demonstrates variation in the use of adjuvant radiotherapy across certified centers in Hamburg. These differences were not fully accounted for by the clinical factors included in the model. Additional center-level aspects not available in the registry may contribute and warrant further investigation. The use of adjuvant radiotherapy after breast-conserving surgery differs between certified centers, with several clinical factors showing associations. Future research should incorporate structural and organizational center characteristics, as well as clinician and patient perspectives, to better understand these differences.

Gruppe vier - AG Data Science

Nr.Eingereicht vonInstitutionPostertitel
1Britta RackowInstitut für Gesundheitsökonomie und VersorgungsforschungVerknüpfung von GKV-Routine-, Umwelt- und Regionaldaten zur Analyse temperaturbedingter Morbidität und regionaler Einflussfaktoren
2PD Dr. Jobst AugustinInstitut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei PflegeberufenRaum-zeitliche Analyse mit Abrechnungsdaten der kassenärztlichen Versorgung am Beispiel von regionalen Determinanten der Psoriasis-Prävalenz in Deutschland
3Dr. Dirk HeiderInstitut für Gesundheitsökonomie und VersorgungsforschungVerknüpfung von Studiendaten und Krankenkassendaten für die gesundheitsökonomische Evaluation im Rahmen eines RCT am Beispiel des TeGeCoach bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit
4Dr. Anja HolzInstitut für Medizinische Biometrie und EpidemiologieErgebnisse einer in die NAKO Gesundheitsstudie eingebetteten Fall-Kontroll-Studie zur Multiplen Sklerose: Familienvorgeschichte, Lebensstil und gesundheitliche Faktoren im Kindes- und Jugendalter
5Eik VettorazziInstitut für Medizinische Biometrie und EpidemiologieResults from the Hamburg City Health Study: Association of cardiac biomarkers with structural brain changes and cognitive impairment
6Markus Wim StratmannInstitut für Gesundheitsökonomie und VersorgungsforschungGepoolte Analyse harmonisierter Health and Retirement Studies: Was sagt den chronischen Verlauf depressiver Symptome im hohen Lebensalter vorher?
7Dr. Julian EhlersInstitut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei PflegeberufenPatientenregister als Forschungsplattformen in der Versorgungsforschung am Beispiel PsoBest
8Dr. Jonas BohnInstitut für Angewandte MedizininformatikDatenhotel: Datenschutzkonforme Datenanalyse für die Forschung