Abstractband - 2. Hamburger Symposium Versorgungsforschung und Public Health - Bedarfsgerechte Versorgung: Über-, Unter- und Fehlversorgung
Vorträge
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Prävalenz, Behandlungsmuster und Komorbiditäten von schwerem chronischem Handekzem - Theresa Klinger
Autoren und Zugehörigkeiten
Theresa Klinger t.klinger@uke.de
Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, GermanyKatharina Müller kat.mueller@uke.de
Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, GermanyRicarda Graf r.graf@uke.de
Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, GermanyMatthias Augustin m.augustin@uke.de
Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, GermanyKristina Hagemström k.hagenstroem@uke.de
Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP), Hamburg, GermanyEinleitung
Chronisches Handekzem (CHE) zählt zu den häufigsten arbeitsbedingten Hauterkrankungen und ist mit erheblicher Symptomlast sowie wirtschaftlichen Folgen verbunden. Eine frühzeitige, leitlinienbasierte Diagnostik und Therapie ist zentral. Ziel dieser retrospektiven Querschnittsstudie war es, Epidemiologie und reale Versorgung von Personen mit schwerem CHE in Deutschland zu beschreiben.
Methoden
Analysiert wurden zwei 40%-Stichproben anonymisierter Routinedaten der DAK-Gesundheit (2016–2020: n=2.885.984; 2018–2022: n=3.117.144). Alitretinoin-Verordnungen (ATC D11AH04) in Kombination mit einer Ekzemdiagnose (ICD-10-GM L20–L30) nach 365-tägiger Auswaschphase dienten als Proxy für die Prävalenz schweren CHE. Versorgungspfade wurden vor und nach der Alitretinoin-Verordnung beschrieben. Komorbiditäten wurden mittels bivariater logistischer Regression unter Adjustierung für Alter und Geschlecht untersucht.
Ergebnisse
Zwischen 2016 und 2022 blieb die jährliche Zahl der Personen mit Alitretinoin-Verordnung und schwerem CHE stabil (9,35–9,97/100.000). Im Jahr 2022 lag das Durchschnittsalter bei 57,2 Jahren; 58,7% waren weiblich. Die höchste Prävalenz zeigte sich bei Erwachsenen im Alter von 35–65+ Jahren. Vor Beginn der Alitretinoin-Therapie erhielten 67% topische Glukokortikosteroide und 24% systemische Glukokortikosteroide; nach Therapieeinleitung nahmen diese Verordnungen ab (52% bzw. 10%). Die Alitretinoin-Behandlungsdauer sank über Folgequartale (1 Quartal: 38%; 5 Quartale: 13%). Im Indexquartal erfolgten 85% der Verordnungen durch Dermatolog*innen, die den Großteil der definierten Tagesdosen verantworteten. Die stärksten Komorbiditätsassoziationen fanden sich bei chronischen Hauterkrankungen (Psoriasis OR 17,98; 95%-KI 13,18–24,54; Urtikaria OR 7,28; 3,72–14,22; Rosazea OR 3,47; 1,84–6,56).
Diskussion und Ausblick
Die Versorgungssituation bei schwerer CHE entspricht überwiegend nationalen Leitlinien und deutet auf eine konsistente Umsetzung in der Praxis hin.
Thema: Bedarfsgerechte Versorgung – eine Utopie?
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Vom Bedarf zur Versorgung - wann nehmen Menschen mit Depressionen Hilfe in Anspruch? - Anna-Levke Brütt
Autoren und Zugehörigkeiten
Anna Levke Brütt a.bruett@uke.de
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, GermanyAnna Katharina Reinhold anna.reinhold@uol.de
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, GermanyEinleitung
Zwei von drei Personen, die die Diagnosekriterien für Depression erfüllen, nehmen keine professionelle Versorgung in Anspruch. Theoretische Modelle wie das „Behavioral Model of Health Services Use“ erklären Inanspruchnahme, berücksichtigen jedoch selten die Perspektive der Betroffenen. Da etablierte Merkmale wie Alter und Geschlecht das Verhalten nur begrenzt vorhersagen, untersuchte diese Studie, ob subjektive Faktoren – etwa Krankheits- und Behandlungsvorstellungen oder wahrgenommener Bedarf – zur Erklärung beitragen können. Außerdem wurde exploriert, wann subjektiver Bedarf zu Inanspruchnahme führt und wann nicht.
Methoden
Für die Untersuchung des Inanspruchnahmeverhaltens wurde eine prospektive, bevölkerungsrepräsentative Befragung (T0, T1 nach 12 Monaten) von USUMA mittels des ADM‐Dual‐Frame‐Ansatzes durchgeführt. Eingeschlossen wurden Personen, die im Screening mit dem PHQ-9 einen Wert ≥ 5 erzielten. Qualitative Interviews ergänzten die Daten. Neben deskriptiven und regressionsanalytischen Auswertungen der quantitativen Daten wurden die qualitativen Interviews mittels Grounded Theory analysiert, um Typen wahrgenommenen Bedarfs zu entwickeln.
Ergebnisse
Hierarchische logistische Regressionsanalysen zeigten, dass die Ergänzung des Modells um subjektiv wahrgenommene Charakteristika das Inanspruchnahmeverhalten besser erklärt (Nagelkerke R² = 0,466) als nur etablierte Merkmale (R² = 0,349). Die Wahrscheinlichkeit einer Inanspruchnahme stieg signifikant mit Geschlecht (OR=1,88), Depressionsdiagnose (OR=2,42), wahrgenommener Behandlungskontrolle (OR=1,12), wahrgenommenen Beschwerden (OR=1,20) und wahrgenommenem Behandlungsbedarf (OR=2,83). Die Auswertung der Interviews zeigte, dass eine fehlende Inanspruchnahme nicht automatisch Unterversorgung bedeuten muss, z. B. wenn Copingstrategien erlernt oder niedrigschwellige Hilfen genutzt wurden.
Diskussion und Ausblick
Insgesamt erscheint eine differenziertere Betrachtung von Versorgungsbedarfen erforderlich, die den wahrgenommenen Bedarf der Betroffenen stärker berücksichtigt. Um diese Perspektive in die Bedarfsplanung einzubeziehen, fehlt bislang jedoch ein reliables und valides Messinstrument, das wahrgenommene Bedarfe adäquat erfasst.
Thema: Vom Falschen zu viel und vom Richtigen zu wenig – wie werden wir besser?
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Geographic variation in radiotherapy after breast-conserving surgery for early invasive breast cancer in Germany: a population-based, multilevel analysis of clinical cancer registry data - Annemarie Schultz
Autoren und Zugehörigkeiten
Annemarie Schultz annemarie.schultz@bwfg.hamburg.de
Free and Hanseatic City of Hamburg, Ministry of Science, Research and Equality, Hamburg Cancer Registry, Hamburg, GermanyJosephine Küsel-Kanbach
Bremen Cancer Registry, Leibniz Institute for Prevention Research and Epidemiology – BIPS, Bremen, GermanyHenrik Kusche
Free and Hanseatic City of Hamburg, Ministry of Science, Research and Equality, Hamburg Cancer Registry, Hamburg, GermanySabine Luttmann
Bremen Cancer Registry, Leibniz Institute for Prevention Research and Epidemiology – BIPS, Bremen, GermanyGerhard Gebauer
Department of Gynecology, Asklepios Klinik Barmbek, Hamburg, GermanySilke Tribius
Department of Radiation Oncology, Asklepios Tumorzentrum, Asklepios Klinik St. Georg, Hamburg, GermanyFlorian Würschmidt
Department of Radiation Oncology, Radiologische Allianz Hamburg, Hamburg, GermanySoo-Zin Kim-Wanner
Hesse Cancer Registry, Hessian Office for Health and Care, Frankfurt, GermanyConstanze Schneider
Clinical-epidemiological Cancer Registry Brandenburg-Berlin, Cottbus, GermanyAnne von Rüsten
Clinical-epidemiological Cancer Registry Brandenburg-Berlin, Cottbus, GermanyKatharina Rausch
Saarland Cancer Registry, State Ministry of Labor, Social Affairs, Women and Health, Saarland, Saarbrücken, GermanyAlexander Katalinic
Institute of Social Medicine and Epidemiology, University of Lübeck, Lübeck, GermanyMaria Elena Lacruz
Cancer Registry Saxony‑Anhalt, Magdeburg, GermanyJaqueline Müller-Nordhorn
Bavarian Cancer Registry, Munich, GermanyDominique Werner
Cancer Registry North Rhine‑Westphalia, Bochum, GermanyFrederik Peters
Free and Hanseatic City of Hamburg, Ministry of Science, Research and Equality, Hamburg Cancer Registry, Hamburg, GermanyEinleitung
Despite universal health care coverage and standardised guidelines, geographic variations in radiotherapy (RT) after breast-conserving surgery (BCS) remain poorly understood in Germany. We investigated RT utilisation across German districts and within major city states.
Methoden
We analysed clinical cancer registry data for women aged ≥18 years with early breast cancer (UICC IA–IIA) who underwent BCS (Jan 1, 2020–Dec 31, 2022) across 319 German districts and within Hamburg and Bremen. The primary outcome was RT within one year after BCS. We used generalised linear models and Cox regression to examine patient-, tumour-, and region-level associations.
Ergebnisse
Among 47 944 women in 319 German districts, RT rates varied substantially (overall 77·8%; range 36–98%). Hamburg showed lower rates with within-city variation (73·7%; range 59·8–85·5%), while Bremen demonstrated higher, more uniform rates (91·2%; range 88·8–96·0%). RT receipt was lower in women aged 18–39 years (IRR 0·89, 95% CI 0·85–0·92) and ≥80 years (IRR 0·80, 95% CI 0·77–0·82) compared with 50–54 years. RT rates were higher in Eastern Germany (IRR 1·15, 95% CI 1·08–1·22). Two-year survival was higher among women receiving RT (HR 0·53, 95% CI 0·42–0·67).
Diskussion und Ausblick
Substantial geographic variation in RT after BCS persists within Germany's universal health care system. Even geographically close metropolitan areas show markedly different treatment patterns. Geographic monitoring and targeted quality assurance are needed to ensure equitable access to postoperative RT.
Thema: Bedarfsgerechte Versorgung – eine Utopie?
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Entwicklung eines Patient-Reported-Outcomes-Instruments zu Patientenzielen und Behandlungsnutzen bei Post-COVID (“PBI-PoCO”) - Katharina Hense
Autoren und Zugehörigkeiten
Beke Hester b.hester@uke.de
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, GermanyChristine Blome c.blome@uke.de
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, GermanyMarielle Donie m.donie@uke.de
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, GermanyKatharina Hense k.hense@uke.de
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, GermanyEinleitung
Post-COVID (PC) bezeichnet ein von der WHO definiertes Krankheitsbild mit persistierenden oder neu auftretenden Symptomen ≥3 Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion, die nicht anderweitig erklärbar sind. Aufgrund fehlender kurativer Therapieansätze erfolgt die Behandlung überwiegend symptomorientiert, bislang jedoch ohne ein Instrument zur systematischen Erfassung individueller Behandlungsziele und des Therapienutzens.
Ziel dieses Projekts ist die Entwicklung eines Patient-Reported Outcome Measure (PROM), das Behandlungsziele und -nutzen von erwachsenen Patient:innen mit PC misst.Methoden
Der Fragebogen wird auf Basis der Patient Benefit Index (PBI)-Methodologie entwickelt. Der PBI besteht aus zwei Teilen: Der Patient Needs Questionnaire (PNQ) erfasst die Wichtigkeit verschiedener Behandlungsziele zu Beginn der Behandlung, der Patient Benefit Questionnaire (PBQ) misst die Erreichung dieser Ziele zu einem späteren Zeitpunkt. Die Entwicklung erfolgt gemäß etablierter Fragebogenmethodologie auf Basis qualitativer Interviews (n≈40–50), qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz, eines Expert Panels sowie kognitiver Debriefing-Interviews (n≈10–20).
Ergebnisse
Bisher wurden n=17 Interviews durchgeführt; die Erhebungs- und Analysephase wird voraussichtlich bis Sommer 2026 abgeschlossen sein und Grundlage für eine erste Version des PBI-PoCO bilden. Erste Ergebnisse verdeutlichen die Heterogenität der individuellen Belastungen und Bedürfnisse. Die Befragten äußern den Wunsch nach einem auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen, interdisziplinären Behandlungsansatz unter Einbezug verschiedener ärztlicher und therapeutischer Fachrichtungen. Darüber hinaus wird eine verständnisvolle und validierende Kommunikation als zentraler Bestandteil der Behandlung hervorgehoben, sodass sich Patient:innen in ihrer Erkrankung ernst genommen fühlen.
Diskussion und Ausblick
Die bisherigen Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines patient:innenzentrierten PROM, um individuelle Behandlungsziele und wahrgenommenen Behandlungsnutzen systematisch abzubilden und eine bedarfsorientierte Versorgung von Patient:innen mit PC zu unterstützen.
Thema: Bedarfsgerechte Versorgung – eine Utopie?
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Always waiting for what comes next: Gaps in psychosocial care for families of children with cancer predisposition syndrome - Verena Paul
Autoren und Zugehörigkeiten
Verena Paul v.paul@uke.de
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, GermanyMichaela Kuhlen michala.kuhlen@uk-augsburg.de
Universitätsklinikum Augsburg, Augsburg, GermanyJosephin Biermann josephin.biermann@med.uni-greifswald.de
Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald, GermanyCorinna Bergelt corinna.bergelt@med.uni-greifswald.de
Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald, GermanyInhestern Laura l.inhestern@uke.de
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg, GermanyEinleitung
Cancer predisposition syndromes (CPS) in children pose significant long-term psychosocial challenges for families. Despite increasing clinical awareness, empirical data on parental experiences remain limited. This study explores parents’ perspectives on psychosocial care, focusing on diagnostic experiences, communication with the child, feelings of guilt, responsibility, and coping with uncertainty.
Methoden
A qualitative design with semi-structured interviews is used. Parents of children with CPS are recruited, with a target sample of 25–30 participants based on theoretical saturation. To date, 15 interviews have been conducted and analyzed following Mayring’s qualitative content analysis. Topics include diagnostic experiences, parent-child communication, psychological burden, healthcare interactions, and perceived responsibilities.
Ergebnisse
Initial findings show that the diagnostic phase is highly distressing, often characterized by uncertainty and fragmented communication. Parents report difficulties explaining the condition and associated risks to their children in an age-appropriate way. Feelings of guilt, especially regarding genetic transmission, are common. Many parents experience a strong sense of responsibility for coordinating care and making medical decisions, often with limited professional guidance. Perceived gaps in healthcare providers’ knowledge can reduce trust and increase burden. However, positive experiences arise when professionals demonstrate transparency, commitment, and willingness to seek expertise. Overall, there is a clear need for structured psychosocial support and improved interdisciplinary communication.
Diskussion und Ausblick
Preliminary results highlight substantial psychosocial burdens among parents of children with CPS. They underscore the importance of integrated psychosocial care, clearer communication strategies, and enhanced professional expertise. Ongoing data collection will further refine these findings and inform targeted interventions.
Thema: Bedarfsgerechte Versorgung – eine Utopie?
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Satzungsleistungen der GKV im Kontext von Gesundheitsförderung und Prävention im Spiegel unterschiedlicher Datenquellen - Linda Völtzer
Autoren und Zugehörigkeiten
Linda Völtzer linda.voeltzer@haw-hamburg.de
Competence Center Gesundheit, Hochschule für Angewandte Hamburg, Hamburg, GermanyDenise Kubat denise.kubat@med.ovgu.de
Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) Med. Fakultät, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg, GermanyLasse Jenner-Nissen lasse.jenner-nissen@haw-hamburg.de
Competence Center Gesundheit, Hochschule für Angewandte Hamburg, Hamburg, GermanySusanne Busch susanne.busch@haw-hamburg.de
Competence Center Gesundheit, Hochschule für Angewandte Hamburg, Hamburg, GermanyEnno Swart enno.swart@med.ovgu.de
Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) Med. Fakultät, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg, GermanyEinleitung
Mit dem Präventionsgesetz übernehmen gesetzliche Krankenkassen eine zentrale Rolle mit Leistungen in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und Suchtprävention zur Gesundheitsförderung und Prävention mit Satzungsleistungen als zusätzliche, kassenindividuelle Angebote dar. Trotz des Anspruchs einer soziallagenorientierten Ausrichtung ist wenig darüber bekannt, in welchem Umfang diese Angebote unterschiedliche Bevölkerungsgruppen erreichen. Im Kontext des Präventionsdilemmas stellt sich die Frage, wie Inanspruchnahme über verschiedene Datenquellen sichtbar gemacht und soziallagenspezifisch interpretiert werden kann.
Methoden
Dafür wurden drei komplementäre Datenquellen des Projekts ‚Gesunde Quartiere 2.0‘ herangezogen: 1) Routinedaten der Krankenkassen zu entsprechenden Abrechnungen, 2) eine standardisierte Versichertenbefragung (n = 2763) zur Inanspruchnahme, Bekanntheit und soziallagenbezogenen Merkmalen sowie 3) eine Straßenbefragung (n = 149) zur subjektiven Wahrnehmung/Nutzung von Satzungsleistungen. Die Integration erlaubt Vergleiche zwischen subjektiver und dokumentierter Nutzung gemäß kleinräumigem Sozialmonitoring.
Ergebnisse
Die Befragungen zeigen eine deutlich höhere selbstberichtete Inanspruchnahme (26 % bzw. 14 %) als die Routinedaten (2,4 %). Es findet sich ein sozialer Gradient: Frauen nutzen Angebote häufiger, während Personen zwischen 18 und 45 Jahren seltener teilnehmen. Eine zentrale Limitation liegt in der begrifflichen Unschärfe „Satzungsleistungen“ aus Sicht der Versicherten, die zu Überschätzungen der selbstberichteten Inanspruchnahme und Abweichungen gegenüber Routinedaten führen kann.
Diskussion und Ausblick
Die Diskrepanzen verweisen auf: a) Methodische Unterschiede - Befragungen erfassen subjektive Wahrnehmungen und unterrepräsentieren häufig bestimmte Bevölkerungsgruppen, während Routinedaten nur abrechnungsfähige Fälle und keine informellen /nicht zertifizierten quartiersbezogenen Angebote abbilden. b) Unterschiede in der Versorgungspraxis – Hinweise auf Unterinanspruchnahme insbesondere in niedrigeren Statusgruppen, Dokumentationslücken oder die Nutzung nicht‑satzungsbezogener Angebote. Damit besteht das Risiko, dass soziallagenorientierte gesetzliche Zielsetzungen nur unvollständig erreicht werden und eine Unterversorgung fortbesteht.
Thema: Bedarfsgerechte Versorgung – eine Utopie?
ePoster
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erstes Poster
Methode
Ziel
Diskussion