In 80 Tagen um die Welt für Kinder in der Pandemie

Dr. Philipp Rauch bei Hamburg 1 NACHGEFRAGT:

Die Pandemie hat bei vielen Kindern- und Jugendlichen zu Depressionen und seelischen Störungen geführt. Kinderpsychiater Dr. Philipp Rauch berichtet vom Alltag auf in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKE.

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PD Dr. Carola Bindt
Kommissarische Klinikdirektorin
"Viele Kinder und Jugendliche sind in der Pandemie in ihren Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt. Das gilt insbesondere für diejenigen, die schon vorher mit psychischen Belastungen und Störungen zu kämpfen hatten und der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung bedürfen. In den Ambulanzen, auf den Stationen und Tageskliniken der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik erleben wir vermehrt soziale Isolation, schädlichen Medien- und Substanzkonsum, schulische Desintegration und Spannungen in den Familien, die diese nicht aus eigener Kraft bewältigen können.
Für unsere jungen Patient:innen wünschen wir uns für die Zeit, in der Kontakte wieder unbeschwerter möglich werden, eine Rückkehr zu altersgemäßen Begegnungen und Aktivitäten. Das braucht Anschub und Vorbilder.
Die Fördermittel des Spendenlaufs möchten wir deshalb einsetzen für Angebote, die aktivieren und die Freude am Dasein zurückbringen können: Ausflüge und kleine Freizeiten in der Stationsgemeinschaft, Musik-, Kunst- Bewegungs- und Theaterprojekte innerhalb und außerhalb der Klinik.
Wir freuen uns auf solche Möglichkeiten!"

Fünftägige Gruppenreise an die Schlei für Patient:innen der KJP-Tagesklinik

Gemeinsam in der Natur sein, im Wald spazierengehen, Kanu fahren, am Lagerfeuer singen und gemeinsam kochen und essen - für viele Kinder und Jugendliche sind das ganz neue und wichtige Erfahrungen in einer Gruppe mit Gleichaltrigen und Mitarbeiter:innen der KJP!

Dank eures Engagements und eurer Spenden hoffen wir dieses besonders wertvolle Angebot nach der pandemiebedingten Pause endlich wieder durchführen zu können!

Sportliche Grüße
Das Team der Tagesklinik


Stand-Up-Paddling-Projekt

"Das Leben vieler Jugendlicher, die bei uns in Behandlung sind, fand größtenteils im sozialen Rückzug statt. Homeschooling, die Freizeit im Zimmer, oder gar im Bett verbringen und den größten Teil der Kontakte über die sozialen Medien knüpfen, gehörten zum Alltag. Verstärkt durch die Einschränkungen der Pandemie.
Ich möchte den Jugendlichen durch ein Stand-Up-Paddling-Angebot die Möglichkeit bieten, neue Hobbys zu entdecken und durch die körperliche Betätigung das Wohlbefinden, die Selbstwirksamkeit und somit den Selbstwert zu stärken.
Ich wünsche den Jugendlichen, durch die Aktivität in der Natur, wieder mehr Leichtigkeit und Freiheit im realen Leben zu verspüren, ihre Ressourcen wahrzunehmen und zu stärken.
Zudem, nach langer Isolationszeit, das gemeinsame Erleben in den Mittelpunkt zu stellen.
Und vielleicht eröffnet dies ja auch eine neue Tür."

Lara Stute (Jugendstation der KJP)

Therapeutisches Reiten

Vielen Kindern und Jugendlichen fällt es schwer, in Worte zu fassen, was sie belastet. Das therapeutische Reiten stimuliert gleichzeitig auf körperlicher und geistiger Ebene. Es kann unseren Patient:innen helfen, Vertrauen wieder aufzubauen und Selbstvertrauen zu entwickeln. Die Kinder und Jugendlichen lernen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Bedürfnisse zu vertreten. Im Sattel eines geübten Therapiepferds können sie ein Stück Lebensfreude zurück gewinnen.

Kunsttherapeutisches Angebot im ambulanten Bereich der KJP

"In der Kunsttherapie steht ein freies, künstlerisches Gestalten ohne Bewertung und Leistungsdruck im Mittelpunkt. Intuitiv wird gemacht, was guttut. Unbewusstes fließt in den künstlerischen Prozess ein und nicht selten werden Dinge plötzlich ganz spielerisch in einer neuen Ordnung sichtbar und greifbar, die zuvor in einem inneren Durcheinander untergingen. Die Kunsttherapie gibt so die Chance, sich und die Welt neu zu erfahren.
Das kunsttherapeutische Angebot der KJP beschränkt sich bisher nur auf den stationären Rahmen. Durch die Spenden des Benifizlaufes kann ein ambulantes Angebot für kunsttherapeutische Gruppen realisiert werden, das eine noch bessere Begleitung unser Patientinnen ermöglicht."

Sebastian Rohrbeck, Kunsttherapeut in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Alpaka-Wanderungen für Patient:innen der Kinder- und Jugendpsychiatrie

"Die Kinder und Jugendlichen, die in den letzten Monaten auf der Akutstation in Behandlung waren, haben uns eindrücklich die pandemiebedingten Belastungen geschildert.
Das Gefühl von Einsamkeit, dem Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen ohnehin ausgesetzt sind, habe sich verstärkt. Es sei noch schwieriger geworden, Kontakt zu Freunden zu halten. In Krisen fehle es nun umso mehr an Ansprechpartnern, was Überforderung und Hoffnungslosigkeit potenziere. Am schwierigsten sei dabei das Gebot, stets Abstand voneinander zu halten.
Virtuelle Welten sind kein Ersatz für reale Begegnungen und Schutzorte. Menschen suchen Zugehörigkeit, sind auf das Erleben von Resonanz in ihrer Umwelt angewiesen. Das gilt für Kinder und Jugendliche in besonderem Maße.
In diesem Kontext gibt es wohl kaum bessere Botschafterinnen als die Alpakas auf dem Pausen-Hof in Lauenbrück. Sie sind interessiert und empathisch, nehmen Menschen intensiv wahr. Wer sie kennenlernen möchte, braucht Ruhe und etwas Geduld. Dann bieten sie denjenigen Schutz, die ihn suchen und schenken Zuneigung, wenn sie liebevoll behandelt werden. Sie berühren das Innerste der Kinder und Jugendlichen. Ihr freundliches Wesen bringt jede:n zum Lächeln und strahlt Geborgenheit und Wärme aus. Dieses Erlebnis hält nachhaltig an.
Wir freuen uns sehr, den Kindern und Jugendlichen in der KJPP durch den UKE-Spendenlauf 2022 Alpaka-Begegnungen mitten im Grünen ermöglichen zu können!"

Dr. Ursula Völker, Oberärztin Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotheraoie (KJPP) und Inka Baltes, Pausen-Hof.

 Alpaka-Wanderungen
Dr. Susanne Mudra
Oberärztin an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Kreativkurse für Kinder und Jugendliche

"Viele der Kinder und Jugendlichen, die in unserer Klinik stationär behandelt werden, haben durch die Kontaktbeschränkungen der Pandemie den Zugang zu offenen Gruppenangeboten verloren. Als Räume der Entfaltung, des künstlerischen Ausdrucks und der Erprobung des sozialen Miteinanders – ohne Leistungsanforderungen – stellen diese einen wichtigen Baustein dar, um auch nach einer Behandlung wieder in den Alltag mit Gleichaltrigen zu finden.
Das Esche Jugendkunsthaus in Altona bietet z.B. Kreativkurse für Kinder und Jugendliche ab der fünften Klasse an – von Breakdance und HipHop-Tanz über Graffiti und Manga bis zu Gesang, Theater und Film. Das Ziel ist es, junge Menschen nachhaltig für die Kunst zu begeistern und in ihrer künstlerischen Entwicklung zu fördern. Alles was hier zählt ist Begegnung und Kreativität. Mit den Spendenerlösen des Benefizlaufs 2022 möchten wir gemeinsam Projekttage mit Graffiti und Tanz für die Patientinnen und Patienten der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKE umsetzen.
Vielen herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!"