SOMA.GUT

Persistierende gastrointestinale Symptome bei Reizdarmsyndrom und Colitis ulcerosa: Vom Risikofaktor zur Modifikation

Hintergrund

Colitis ulcerosa (CU) und Reizdarmsyndrom (RDS) sind belastende chronische Erkrankungen, die mit Bauchschmerzen und veränderten Verdauungsgewohnheiten einhergehen.
Ergebnisse einer eigenen DFG-geförderten Studie und anderer Studien zeigen, dass bei beiden Erkrankungen erhöhte Krankheitsangst und dysfunktionale Symptomerwartungen die Symptomatik verstärken können. Eine parallele Untersuchung von CU und RDS in Hinblick auf gemeinsame und krankheitsspezifische Faktoren bei der Entstehung und Veränderung gastrointestinaler Symptome erscheint damit gerechtfertigt. In einer Pilotstudie wurden die Themen "Umgang mit Angst" und "Verbesserung von Erwartungen" als besonders wichtige Themen genannt und es wurde großes Interesse an einer Intervention hierzu im Onlineformat bekundet.

Ziele

Unsere primäre Hypothese ist, dass persistierende gastrointestinale Symptome bei CU und RDS durch eine Modifikation von dysfunktionalen Symptomerwartungen und krankheitsbezogenen Ängsten im Rahmen eines gezielten Erwartungsmanagements verbessert werden können. Zweitens erwarten wir, dass weitere biologische, psychologische und soziale Faktoren identifiziert werden können, die zur Persistenz gastrointestinaler Symptome beitragen. Schließlich werden wir in einem explorativen Ansatz Risikofaktoren sowie verstärkende und aufrechterhaltende Faktoren der gastrointestinalen Symptomatik bei CU und RDS vergleichen.

Arbeitsprogramm

Um zu beurteilen, inwieweit persistierende Symptome bei Erwachsenen mit CU und RDS veränderbar sind, werden wir eine bundesweite, Beobachter:innen-verblindete, randomisierte, kontrollierte 3-armige Proof-of-Concept-Studie durchführen. Insgesamt werden 117 Patient:innen mit CU und 117 Patienten:innen mit RDS in 3 gleich große Gruppen randomisiert: Erwartungsmanagement zur Reduktion krankheitsbezogener Ängste und dysfunktionaler Symptomerwartungen plus Standardbehandlung (Intervention 1), unspezifische supportive Behandlung plus Standardbehandlung (Intervention 2) bzw. ausschließlich Standardbehandlung (Kontrolle). In beiden Interventionsgruppen werden 3 individuelle Online-Sitzungen und eine Auffrischungssitzung nach 3 Monaten durchgeführt. Primärer Endpunkt ist die Veränderung der gastrointestinalen Symptomschwere am Ende der Intervention.

Hauptergebnisse SOMA.GUT-Studie

In der Fachzeitschrift eClinicalMedicine wurden kürzlich die Hauptergebnisse der SOMA.GUT-Studie veröffentlicht. Im Rahmen einer dreiarmigen randomisiert-kontrollierten Studie, wurde untersucht ob eine gezielte psychologische Behandlung (GUT.EXPECT) Magen-Darm-Beschwerden bei Patient:innen mit Reizdarmsyndrom oder Colitis ulcerosa lindern kann. Ziel der Behandlung war es, krankheitsbezogene Ängste und ungünstige Symptom-Erwartungen zu verändern. Die Wirksamkeit wurde mit einer unspezifischen supportiven psychologischen Behandlung sowie der reinen Standardversorgung (Kontrollgruppe) verglichen.

Koordiniert wurde die SOMA.GUT-Studie von der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, sowie der I. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Insgesamt nahmen 247 Patient:innen an der Studie teil, 116 Patient:innen mit Reizdarmsyndrom und 131 mit Colitis ulcerosa. Das Durchschnittsalter lag bei rund 40 Jahren und 73.3% der Teilnehmenden waren weiblich. Teilnehmer:innen der beiden Behandlungsgruppen erhielten anschließend 4 Online-Behandlungssitzungen.

Zu welchen Ergebnissen kommt die SOMA.GUT-Studie? Nach drei Monaten zeigte sich: GUT.EXPECT führte nicht zu einer stärkeren Verbesserung der Magen-Darm-Beschwerden im Vergleich zur Standardversorgung. Allerdings verbesserten sich in der GUT.EXPECT-Gruppe die adressierten psychologischen Mechanismen, krankheitsbezogene Ängste und negative Symptom-Erwartungen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Zudem wurden stärkere Rückgänge bei Depressivität und Beeinträchtigung durch Symptome beobachtet. Nach zwölf Monaten zeigten sich in der GUT.EXPECT-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe leichte Vorteile bei der gastrointestinalen Symptomschwere – ein Hinweis auf einen möglichen verzögerten Effekt der Behandlung. Die Ergebnisse galten unabhängig von der Diagnose – sowohl für Reizdarmsyndrom als auch für Colitis ulcerosa.

Die Behandlungen wurden von den Teilnehmenden gut angenommen; schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Die Ergebnisse zeigen, dass die gezielten psychologischen Mechanismen durch GUT.EXPECT wirksam verändert werden konnten. Um frühzeitig spürbare Symptom-Verbesserungen zu erreichen, könnte eine intensivere und spezifischere Behandlung notwendig sein.

Wir danken allen Studienteilnehmer:innen ganz herzlich für Ihre Teilnahme an der SOMA.GUT-Studie!

Der vollständige Artikel kann hier aufgerufen werden