Präzision aus Rom

Dr. Antonio Virgilio Failla leitet seit 2011 die UKE Microscopy Imaging Facility (UMIF), wo er mit seinem Team neuartige Bildgebungstechnologien entwickelt und Wissenschaftler:innen in ihrer Anwendung schult. Bevor er nach Hamburg kam, war der aus Rom stammende Physiker an Forschungsstandorten in Heidelberg, Potsdam, Tübingen und Cambridge beschäftigt.


Text: Nicole Sénégas-Wulf, Fotos: Eva Hecht


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Im UMIF-Büro im Erdgeschoss von Campus Forschung I hängt rechts neben der Tür knapp unterhalb der Decke ein kleiner Basketballkorb. Was es damit auf sich hat? Dr. Failla lacht: „Wenn sich Wissenschaftler:innen bei uns für ein Mikroskop registrieren lassen, müssen sie erst ihre Wurfkünste unter Beweis stellen und einen Treffer landen.“ Ein wenig Humor fördert das Miteinander, schmunzelt Dr. Failla, der sich selbst als Dienstleister für die wissenschaftliche Community versteht. „Ich betreibe keine biomedizinische Forschung, aber ich entwickle Methoden, die UKE-Forschenden helfen, ihre Entdeckungen voranzubringen.“ Sein Spezialgebiet? Das Bioimaging, also die Visualisierung biologischer Strukturen mit superauflösenden Mikroskopen. Insgesamt betreuen er und sein dreiköpfiges Team im Campus Forschung 13 verschiedene Systeme.

Die Sprache der Biologie

Biomedizinische Bildgebung hat den Italiener schon immer fasziniert. Nach seinem Physikstudium in Rom mit Schwerpunkt Optik führt ihn sein Weg zunächst nach Heidelberg, wo er zwischen 2002 und 2003 im Rahmen seiner Doktorarbeit ein Weitfeldmikroskop entwickelt, mit dem winzige Zellstrukturen sichtbar werden. Nach weiteren Stationen in Potsdam und Tübingen geht er für zwei Jahre nach Cambridge in ein UK Bildgebungslabor für Krebsforschung. „Hier lernte ich, mit biologischen Proben zu arbeiten und auch, die Sprache der Biologen zu sprechen“, erzählt Dr. Failla. Für seine Rolle im UKE sei das sehr hilfreich. „Ich habe zwar weder Biologie noch Medizin studiert. Aber ich verstehe genau, was Biolog:innen wollen, wenn sie zu mir kommen.“ Zurück in Deutschland tritt er in Tübingen eine Stelle als Facility Manager an und wechselt 2011 schließlich ans UKE nach Hamburg. Hier baut er den Bereich der Mikroskopie binnen 14 Jahren zu einem führenden Zentrum für fortgeschrittene Bildgebung aus.

Im Dienst der Wissenschaft

„Ein Teil meiner Arbeit besteht aus der Entwicklung neuer Technologien“, erklärt der 54-Jährige. Vor kurzem publizierten er und sein Team eine neue Methode zur Diagnose von Alzheimer als Alternative zur bislang invasiven Diagnostik. Auch in der Corona-Forschung ist die UMIF aktiv und arbeitet derzeit daran, durch unterschiedliche Färbungen der Partikel zu visualisieren, wie das Virus mit anderen Zellen interagiert. Zuletzt hat sich Dr. Failla auf die Anwendung der superauflösenden Lichtmikroskopie bei biomedizinischen Proben konzentriert. Neu hinzugekommen ist die Entwicklung eigener Bildanalyse-Algorithmen für neuartige Bioimaging-Experimente sowie von Softwarealgorithmen auf Basis künstlicher Intelligenz oder Deep Learning.

Neben der Forschung gehört auch der Wissenstransfer zu Dr. Faillas Aufgaben. „In Schulungen vermitteln wir Grundlagen der Mikroskopie an UKE-Mitarbeitende. Darüber hinaus bieten wir Trainings an, um Forschende im Umgang mit speziellen Techniken fit zu machen.“ Denn ein sicheres und einfaches Handling der Technik sei die Voraussetzung dafür, korrekte und aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen“, so der Wissenschaftler.

Zwischen Säbel und Säge

Weshalb es ihn für so viele Jahre nach Deutschland verschlagen hat? „Zum einen, weil es eine Top-Adresse für Mikroskopie ist. Zum anderen, weil ich die Deutschen einfach mag.“ Er habe hier in den letzten Jahren viele wunderbare Beziehungen aufgebaut. Zum Beispiel innerhalb seiner alten Fußballmannschaft aus Potsdam, zu der er bis heute Kontakt hält. „Dort auf dem Platz habe ich auch Deutsch gelernt“, sagt er augenzwinkernd. Und natürlich mit seiner Frau, die Deutsche ist. Aktiv Fußball spielt er heute zwar nicht mehr. Doch dem Säbelfechten, bei dem er sogar schon Deutscher Mannschaftsmeister der Veteranen wurde, ist er treu geblieben. Abseits des Sports ist Dr. Failla regelmäßig in seiner heimischen Werkstatt anzutreffen. Hier plant und baut er leidenschaftlich gern eigene Möbel vom Bücherregal bis zum Bett. Sein letztes Werk: ein Inkubator für seine Gartenpflanzen. Ein bisschen Biologie muss einfach sein.