Einmal Weltmeister werden

Seit mehr als 20 Jahren arbeitet der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin im UKE, bereits seit 50 Jahren spielt er Tennis: Alexander von Hugo. Er hat es bis auf Platz 814 in der ATP Weltrangliste der Herren geschafft, in Deutschland auf Rang 55. „Aber Tennis allein war mir zu langweilig“, sagt der 54-Jährige.

Text: Silke Hilgemeier, Fotos: Martin Sidirjak (ITF), Silke Hilgemeier (UKE)

Alexander von Hugo vereinbart Beruf und Tennisleidenschaft

Während in Melbourne gerade die Australian Open ausgetragen werden, behandelt Alexander von Hugo kleine Patient:innen in der Klinik und Poliklinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie im Kinder-UKE. Trainer und Freunde wollten ihn damals überzeugen, Tennisprofi zu werden. „Sie waren überzeugt, ich könnte es in der ATP unter die ersten 100 schaffen.“ Manchmal denke er heute noch darüber nach, wie weit er wohl gekommen wäre, doch er habe es nie bereut, die Medizin an die erste Stelle gestellt zu haben.

Alexander von Hugo ist in Börnsen, Schleswig-Holstein, geboren und aufgewachsen. Von Klein auf spielte er leidenschaftlich Tennis, seit seinem elften Lebensjahr Turniere. „Während meiner Schulzeit wusste ich noch nicht, was ich werden will. Dann habe ich meinen Zivildienst in der Pflege in einem Krankenhaus gemacht. Damals bin ich das erste Mal mit Medizin in Berührung gekommen und fand es wahnsinnig spannend.“ Zu dem Zeitpunkt machte er im Tennis noch einmal einen Leistungssprung. Er zog fürs Medizinstudium nach Hamburg und spielte im Club an der Alster. „Den Leistungssport und mein Medizinstudium parallel zu verfolgen, war teilweise herausfordernd und anstrengend.“ Von Hugo hat montags bis freitagmittags studiert, jeden Abend trainiert und am Wochenende Turniere gespielt. Seine Famulaturen musste er entsprechend „drumherum koordinieren“.

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Der Leistungssport hat von Hugo Disziplin gelehrt

Höhepunkte in der Tenniskarriere

1995 erreichte er im Sport sein bis dahin größtes Ziel. Sein Trainer vermittelte ihn nach Hagen und von Hugo spielte insgesamt drei Jahre mit dem Verein TC Rot-Weiß Hagen in der Herren-Bundesliga. „Im Tennis läuft die Bundesliga nur sechs bis acht Wochen und die fielen perfekt in meine Semesterferien.“ Sein Doppel-Partner in Hagen war oftmals Michael Kohlmann, heutiger Kapitän der deutschen Davis-Cup-Mannschaft. „Wir waren in der Bundesliga ein gefürchtetes Doppel mit einer Bilanz von 15:2 in drei Jahren.“ Bei den FISU World University Games 1997 erreichte von Hugo im Einzel und im Mixed Bronze, 1999 im Doppel sogar Silber. Darüber hinaus gewann von Hugo zwei Mal die Deutschen Meisterschaften der Verbände für Westfalen, war bei den Deutschen Herrenmeisterschaften im Viertelfinale und wurde zwei Mal Westfälischer Meister und Hamburger Meister.

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Im Kinder-UKE fühlt sich von Hugo auch nach 20 Jahren sehr wohl

Von 2002 bis 2005 arbeitete von Hugo in der Kinderklinik des UKE, seit 2006 in der Kinderonkologie. Nach Beendigung seiner Rotation über Station, Ambulanz, Kinder- und Neo-Intensivstation sowie Knochenmarktransplantationsstation (KMT-Station) arbeitet er heute als Facharzt auf der Kinderonkologischen Station. Neben der Stationsarbeit war er sowohl für die Einführung der Software ID-Medics als auch für Cato (Verordnung von Chemotherapien) mitverantwortlich. Außerdem zählt das Qualitätsmanagement zu seinen Aufgaben. Zurzeit betreut er die von der UKE-Apotheke initiierte Dexa 3D-Studie, in der Dexamethason-Kautabletten aus dem 3D-Drucker mit industriell hergestellten Tabletten verglichen werden, um die Dosierung und Schluckbarkeit von Tabletten für Kinder zu verbessern.

Auch heute ist von Hugo noch im Tennis aktiv und erhielt im vergangenen Jahr bei den Weltmeisterschaften der Herren 50 in Lissabon Bronze und 2022 in Florida mit der deutschen Herren 50-Mannschaft Silber. „Ich hätte nicht gedacht, dass mein Körper so lange mitmacht“, so der 2,03 Meter große Arzt. Nur die (ehemaligen) Profi-Spieler Reilly Opelka, Ivo Karlović (beide 2,11m) und John Isner (2,08m) sind größer. Die körperliche Belastung sei hoch, kaputte Knie und Hüften häufig die Folge. Daher trage von Hugo beim Tennis immer Bandagen an den Hand- und Fußgelenken. Auch heute trainiere er neben seiner anspruchsvollen Arbeit noch regelmäßig. „Wenn es die Zeit erlaubt, stehe ich ein bis zwei Mal pro Woche auf dem Platz und manchmal jogge ich nach meinem Dienst die 9,5 Kilometer nach Hause, statt mit dem Fahrrad zu fahren.“

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In Lissabon erreichte er Bronze. Kann es in Rom Gold werden?

Einfluss auf Beruf und Familie

Der Leistungssport habe ihm in seiner persönlichen Entwicklung und auch im Studium und späteren Beruf geholfen. „Man lernt Disziplin. Man muss unter Druck performen können und bereit sein, sich zu quälen.“ Eines möchte er Jüngeren aber auch mitgeben: „Auch wenn das Spiel und der Punktgewinn unglaublich wichtig erscheinen, gibt es – auf das große Ganze bezogen – immer noch etwas Wichtigeres.“ Seine Frau und den ältesten Sohn hat er mit seiner Tennis-Leidenschaft angesteckt, sein jüngster Sohn spielt lieber Fußball. „Das ist auch in Ordnung“, sagt er lachend.

Ein Ziel hat Alexander von Hugo im Tennis nach wie vor im Blick: „Ich möchte Weltmeister bei den Ü55-Senioren werden!“ In Rom hat er in diesem Jahr wieder die Chance. „Den Urlaub habe ich schon eingereicht.“