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Rückenschmerzen sind Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule oder den umliegenden Strukturen. Sie gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen und sind in Deutschland einer der häufigsten Gründe für Arztbesuche und Arbeitsunfähigkeit. Rückenschmerzen können plötzlich auftreten (akut) oder über längere Zeit bestehen (chronisch). Sie können isoliert im Rücken selbst wahrgenommen werden oder in Beine und Arme ausstrahlen.
[Film zur Erkrankung]
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für ärztliche Konsultationen und Arbeitsausfall. Viele Menschen erleben sie wiederholt im Leben und in unterschiedlicher Stärke.
Etwa 40 Prozent der deutschen Bevölkerung berichten, aktuell oder in den vergangenen Wochen unter Rückenschmerzen gelitten zu haben. Ältere Menschen sind häufiger betroffen als Jüngere. Als zentrale Ursachen gelten degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, der altersbedingte Abbau der Muskelmasse sowie eine zunehmende körperliche Inaktivität, die mit einer Verschlechterung des Trainingszustands der Rumpfmuskulatur einhergeht.
Typische Anzeichen von Rückenschmerzen sind:
Die Beschwerden variieren stark je nach Ursache und Schweregrad der zugrunde liegenden Erkrankung.
Wie äußern sich Rückenschmerzen?
Rückenschmerzen können unterschiedlich empfunden werden:
Unspezifische Rückenschmerzen
Unspezifische Rückenschmerzen sind Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, bei denen keine eindeutige strukturelle oder organische Ursache (z. B. Fraktur, Entzündung / Tumor oder Fehlstellung) festgestellt werden kann.Sie entstehen häufig durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, darunter muskuläre Verspannungen, Bewegungsmangel, Fehl- oder Überbelastung, ungünstige Körperhaltung sowie psychosoziale Einflüsse wie Stress oder psychische Belastung. Unspezifische Rückenschmerzen sind die häufigste Form von Rückenschmerzen und verlaufen in der Regel gutartig. In vielen Fällen bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen durch Bewegung, gezielte Übungen und eine temporäre Einnahme von Schmerzmitteln, ohne dass eine spezielle medizinische Intervention erforderlich ist.
Spezifische Rückenschmerzen
Spezifische Rückenschmerzen lassen sich auf eine klare Erkrankung bzw. strukturelle Schädigung zurückführen. Die häufigsten Ursachen werden im Folgenden näher erläutert.
1. Degeneration bzw. Verschleiß der Bandscheiben und der Wirbelsäule
Durch einen Verschleiß der Bandscheiben verlieren diese Wasser und Elastizität, werden dünner und können ihre Stoßdämpferfunktion nicht mehr richtig erfüllen. Dadurch können Rückenschmerzen entstehen. Falls ein Teil der Bandscheibe als Bandscheibenvorfall Nerven bedrängt oder reizt, können ausstrahlende Schmerzen in Beinen oder Armen entstehen. Eine Arthrose der kleine Wirbelgelenke (Facettengelenkarthrose) ist ein Verschleiß der Gelenke zwischen den Wirbeln, ähnlich wie bei einer Arthrose im Knie- oder Hüftgelenk. Der Knorpel in diesen Gelenken nutzt sich ab und die Gelenkflächen reiben stärker aneinander. Das kann zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und zu entzündlichen Reizzuständen im Bereich der Wirbelsäule führen.
2. Frakturen und Verletzungen der Wirbelsäule
Rückenschmerzen können auch durch Brüche an der Wirbelsäule entstehen. Solche Frakturen treten häufig nach Stürzen oder Unfällen auf. Bei geschwächten Knochen (z.B. bei Osteoporose) kann schon eine geringe Belastung ausreichen, damit ein Wirbel bricht.Typisch sind plötzlich auftretende, starke Schmerzen im Rücken, die sich bei Bewegung verstärken. Es kommt zu einer eingeschränkten Beweglichkeit oder veränderten Körperhaltung. In schweren Fällen können auch Taubheitsgefühle oder Lähmungen auftreten, wenn Nerven betroffen sind.Je nach Art und Schwere des Bruchs erfolgt die Therapie entweder konservativ (also nicht operativ) durch eine temporäre Schonung und Schmerzbehandlung oder bei schweren Verletzungen durch eine operative Stabilisierung. Eine frühzeitige Behandlung hilft Schmerzen zu lindern und Folgeschäden zu vermeiden.
3. Deformitäten der Wirbelsäule
Fehlstellungen oder Deformitäten der Wirbelsäule können zu chronischen Schmerzen führen. Die häufigsten Deformitäten der Wirbelsäule sind Skoliosen (seitliche Verbiegungen der Wirbelsäule) und Kyphosen (vermehrter Rundrücken). Bei Kindern oder Jugendlichen sind diese Veränderungen entweder angeboren oder entstehen während des Wachstums. Bei älteren Menschen können Deformitäten durch einen Verschleiß der Wirbelsäule entstehen. Dadurch werden Muskeln, Bandscheiben und Gelenke ungleichmäßig belastet. Das kann zu einer Überlastung der Muskulatur, einem noch schnelleren Verschleiß und einer weiteren Verschlechterung der Haltung führen. In der Folge entstehen Rückenschmerzen.Nicht jede Fehlstellung verursacht automatisch Schmerzen. Beschwerden treten meist dann auf, wenn die Fehlstellung stärker ausgeprägt ist oder über längere Zeit zu einer dauerhaften Überlastung bestimmter Bereiche der Wirbelsäule führt.
4. Entzündungen der Wirbelsäule
Eine bakterielle Entzündung der Wirbelsäule entsteht, wenn Keime in einen Wirbelkörper oder eine Bandscheibe gelangen. Das ist eine seltene, aber ernsthafte Erkrankung, die ärztlich behandelt werden muss. Typisch sind starke, anhaltende Rückenschmerzen, die auch in Ruhe und nachts auftreten und sich bei Bewegung kaum bessern. Oft kommt es auch zu allgemeinen Krankheitssymptomen wie Fieber, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Wenn Eiteransammlungen auf die Nerven drücken kann es zusätzlich zu Taubheitsgefühlen und Lähmungen der Arme und Beine kommen.
Tumoren der Wirbelsäule
Tumoren an der Wirbelsäule sind insgesamt selten. Sie können entweder direkt dort entstehen oder als Absiedelung (Metastase) einer anderen Krebserkrankung auftreten. Wenn sie Beschwerden verursachen, geschieht das meist, weil sie auf Knochen, Nerven oder das Rückenmark drücken. Typische Anzeichen sind ähnlich wie bei entzündlichen Erkrankungen: starke, anhaltende Rückenschmerzen, die auch in Ruhe und nachts auftreten und sich bei Bewegung kaum bessern. Auch Tumoren können auf die Nerven oder das Rückenmark drücken, wodurch es zu Taubheitsgefühlen und Lähmungen der Arme und Beine kommen kann.
Wie werden Rückenschmerzen untersucht?
Die ärztliche Untersuchung umfasst:
Nicht immer zeigt die Bildgebung eine Ursache, selbst wenn Schmerzen stark sind – dies ist bei unspezifischen Rückenschmerzen häufig der Fall.
Was hilft bei Rückenschmerzen? Akute Rückenschmerzen
Bei akuten Schmerzen (wenige Tage bis Wochen) können helfen:
Längere Bettruhe wird nicht empfohlen, da sie Schmerzen oft verlängert. Chronische Rückenschmerzen
Chronisch bedeutet, dass Schmerzen länger als drei Monate bestehen:
Prävention – Was kann ich selbst tun?
Solche Maßnahmen unterstützen die Rückengesundheit und können Rückenschmerzen vorbeugen.
PD Dr. med. Lennart Viezens
Leitender Arzt
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Unfallchirurgie
Dr. med. Peter Obid
Sektionsleiter Wirbelsäulendeformitäten
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Dr. med. Georg E.J. Fritsch
Oberarzt
Facharzt für Neurochirurgie
Dr. med. Markus Schomacher
M.Sc. Advanced Oncology
Oberarzt
PD Dr. med. Malte Schröder
Oberarzt
Website:
Telefon - ambulante Termine:
Sprechzeiten: Montag bis Freitag jeweils 08:00–14:30 Uhr, mit Privatsprechstunde am Dienstag und Skoliosesprechstunde am Donnerstag
Am UKE fokussiert sich die Forschung der Sektion Wirbelsäulenchirurgie auf die Verbesserung der Diagnostik, Therapie und Prognose von Wirbelsäulenerkrankungen durch klinische Studien, Grundlagenforschung und biomechanische Analysen. Schwerpunkte liegen dabei auf Tumorerkrankungen, Infektionen wie Spondylodiszitis, Verletzungen und Frakturen im Alter sowie degenerativen Veränderungen. Darüber hinaus wird intensiv zu Rückenschmerzen geforscht, unter anderem zu chronischen Schmerzen, zur Regulation des Nervensystems und zu neuartigen Therapieformen. Ziel ist es, individuellere und effektivere Behandlungswege zu entwickeln. Ergänzend werden immunologische, molekulare und strukturelle Aspekte untersucht, um sowohl gezielte Therapien als auch die präzise chirurgische Versorgung zu verbessern.
Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?
Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn:
In akuten Notfällen (z. B. Verlust der Kontrolle über Darm/Blase, zunehmende Lähmungen) gehört eine sofortige Vorstellung in einer Notaufnahme.
Leben mit Rückenschmerzen?
Rückenschmerzen können das Leben stark beeinflussen. Ein aktiver Umgang mit Bewegung, Haltungsschulung und der gezielte Einsatz von Therapien können helfen, Beschwerden zu reduzieren und wieder am normalen Leben teilzunehmen.