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Das maligne Melanom, auch „schwarzer Hautkrebs“ genannt, ist ein bösartiger Tumor der Pigmentzellen der Haut. Es gilt als die aggressivste Form des Hautkrebses, da es sich früh über Lymph- und Blutbahnen im Körper ausbreiten kann. Wird ein Melanom jedoch früh erkannt und vollständig entfernt, sind die Heilungschancen sehr gut. Am Universitären Hauttumorzentrum Hamburg des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) arbeiten Expert:innen aus Dermatologie, Onkologie, Chirurgie, Radiologie und Pathologie eng zusammen, um Patient:innen eine präzise Diagnostik, modernste Therapie und persönliche Betreuung auf höchstem universitärem Niveau zu bieten.
[Film zur Erkrankung]
In Deutschland erkranken jährlich rund 30.000 Menschen an einem malignen Melanom, Tendenz steigend. Das Melanom macht nur rund 10 % aller Hautkrebserkrankungen, aber über 80 % der Hautkrebs-Todesfälle aus. Etwa jede:r 5. Patient:in ist bei Diagnose jünger als 50 Jahre. Häufigste Risikofaktoren: UV-Strahlung, heller Hauttyp, familiäre Vorbelastung und viele Pigmentmale.
Ein Melanom entwickelt sich häufig aus einem bestehenden Pigmentmal oder entsteht neu auf zuvor unauffälliger Haut. Typische Warnzeichen sind Veränderungen in Form, Farbe, Größe oder Oberfläche eines Muttermals, zusammengefasst in der ABCDE-Regel mit Asymmetrie, unregelmäßiger Begrenzung, unterschiedlicher Colorierung, einem zunehmenden Durchmesser sowie einer dynamischen Entwicklung. Weitere mögliche Symptome sind Juckreiz, Blutungen, Krustenbildung oder ein plötzliches Wachstum der Hautveränderung. Melanome können zudem als dunkle, unregelmäßige Flecken an ungewöhnlichen Stellen auftreten, etwa an Handflächen, Fußsohlen oder unter den Nägeln. Da frühe Stadien oft kaum Beschwerden verursachen, ist die frühzeitige Abklärung auffälliger Hautveränderungen besonders wichtig.
Die wichtigste Ursache für die Entstehung eines Melanoms ist eine übermäßige UV-Strahlung, insbesondere durch intensive Sonnenexposition oder die Nutzung von Solarien. UV-Strahlung kann das Erbgut der Hautzellen schädigen und so die Entstehung bösartiger Veränderungen begünstigen.
Zu den weiteren Risikofaktoren zählen ein heller Hauttyp mit erhöhter Sonnenempfindlichkeit sowie das Vorhandensein vieler oder atypischer Pigmentmale, sogenannter Nävi. Auch eine familiäre Vorbelastung und genetische Veränderungen, etwa in Genen wie CDKN2A oder BRAF, erhöhen das Risiko. Menschen, die bereits früher an einem Melanom erkrankt waren, haben ebenfalls ein deutlich erhöhtes Wiedererkrankungsrisiko. Zusätzlich stellt ein abgeschwächtes Immunsystem, zum Beispiel nach Organtransplantationen oder unter immunsuppressiver Therapie, einen relevanten Risikofaktor dar.
Die Diagnose eines Melanoms erfolgt durch eine dermatologische Fachuntersuchung und basiert auf mehreren aufeinander aufbauenden Schritten. Zunächst werden verdächtige Hautveränderungen klinisch und dermatoskopisch beurteilt, um charakteristische Muster und Strukturen zu erkennen. Besteht der Verdacht auf ein Melanom, wird die Hautveränderung vollständig chirurgisch entfernt und anschließend feingeweblich untersucht.
In der histopathologischen Analyse werden unter anderem die Tumordicke nach dem Breslow-Index sowie weitere prognostisch relevante Faktoren bestimmt, etwa Ulzeration oder Teilungsaktivität. Zur Abklärung einer möglichen Ausbreitung der Erkrankung kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie, Magnetresonanztomographie oder PET/CT zum Einsatz, abhängig vom Krankheitsstadium. Ergänzend werden molekulare Analysen durchgeführt, beispielsweise auf Veränderungen in Genen wie BRAF, NRAS, KIT oder GNAQ/GNA11, um eine personalisierte Therapieplanung und den Einsatz zielgerichteter Behandlungsstrategien zu ermöglichen.
Die Therapie des Melanoms richtet sich nach dem jeweiligen Krankheitsstadium und erfolgt im Universitären Hauttumorzentrum des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf interdisziplinär. Beteiligt sind dabei die Dermatologie sowie zahlreiche weitere Fachdisziplinen, darunter Allgemeine Chirurgie, HNO, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Plastische Chirurgie, Neurochirurgie, Gynäkologie, Augenheilkunde, Urologie, Onkologie, Strahlentherapie sowie Radiologie und Neuroradiologie. Grundlage der Behandlung ist die operative Entfernung des Tumors mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Zur Abklärung einer möglichen Ausbreitung wird häufig eine Sentinel-Lymphknotenbiopsie durchgeführt. Bei resektablen Melanomen im Stadium III kann eine neoadjuvante oder perioperative Therapie erfolgen, in der Regel in Form einer Immuntherapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren, insbesondere PD-1- und CTLA-4-Inhibitoren. Nach operativer Therapie und bei erhöhtem Rückfallrisiko ab Stadium IIB kommt eine adjuvante Behandlung zum Einsatz. Diese umfasst eine Immuntherapie mit PD-1-Inhibitoren oder, bei Vorliegen einer BRAF-Mutation, eine zielgerichtete Therapie mit BRAF- und MEK-Inhibitoren. Bei metastasierter Erkrankung stehen systemische Therapien im Vordergrund. Dazu zählen Immuntherapien mit Kombinationen aus PD-1-, CTLA-4- und LAG-3-Inhibitoren sowie zielgerichtete Therapien bei BRAF-mutierten Tumoren. Darüber hinaus können weitere molekular zielgerichtete Therapien eingesetzt werden, etwa cKIT- oder NTRK-Inhibitoren, abhängig vom molekularen Profil des Tumors. Ergänzend stehen intraläsionäre Therapien wie T-VEC sowie lebergerichtete Verfahren, darunter TACE, Chemoperfusion oder Chemosaturation beziehungsweise PHP, in enger interdisziplinärer Kollaboration zur Verfügung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf klinischen Studien und personalisierten Therapieansätzen. Patientinnen und Patienten haben Zugang zu zahlreichen nationalen und internationalen klinischen Studien des Universitären Hauttumorzentrums und profitieren von einer individuellen Therapieplanung im Rahmen des Molekularen Tumorboards.
Die Prognose hängt entscheidend vom Stadium bei Diagnosestellung ab. Früh erkannt (in situ oder dünnes Melanom): Heilungschance über 90 %. Bei Lymphknotenbefall oder Metastasen: moderne Immun- und zielgerichtete Therapien können heute das Überleben deutlich verlängern, teils sogar langfristige Tumorfreiheit erreichen. In Zukunft werden auch Impftherapien und zelluläre Therapieverfahren die Prognose betroffener Patient:innen verbessern. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind entscheidend, um Rückfälle frühzeitig zu erkennen.
Prof. Dr. med. Stefan W Schneider
Prof. Dr. med. Christoffer Gebhardt
Priv.-Doz. Dr. med. Nina Booken
Thomas Haalck
Dr. med. Lina Hildebrandt
Dr. med. Glenn Geidel
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Dermatoonkologische Ambulanz (Gebäude W14, EG)
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Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zählt zu den führenden Forschungsstandorten für Hautkrebs in Europa. Ein zentraler Bestandteil ist das Fleur Hiege Centrum für Hautkrebsforschung, ein translationales Forschungszentrum am UKE, das sich mit der Aufklärung von Mechanismen der Immunresistenz und Metastasierung sowie mit der Entwicklung biomarkerbasierter Therapien beim Melanom und anderen Hauttumoren beschäftigt.
Die Forschung umfasst sowohl klinische als auch translationale Ansätze zu Immuntherapien und zielgerichteten Therapien beim Melanom, weiteren Hauttumoren sowie dem Uveamelanom. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf innovativen diagnostischen Verfahren wie Liquid Biopsy und dem Nachweis minimaler Resterkrankung (Minimal Residual Disease, MRD), die eine frühzeitige Erkennung von Rückfällen ermöglichen sollen. Darüber hinaus werden Mechanismen der Immunresistenz untersucht, darunter Prozesse wie Immunthrombose und Immunsuppression.
Das UKE koordiniert zudem zahlreiche klinische Studien im nationalen, europäischen und internationalen Verbund, unter anderem im Rahmen von Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) mit dem Registerprojekt ADOReg, der Nationalen Versorgungskonferenz Hautkrebs, der European Association for Dermato-Oncology (EADO), der European Liquid Biopsy Society (ELBS) sowie der Melanoma World Society (MWS).
Die Behandlung des Melanoms am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erfolgt interdisziplinär und leitlinienbasiert. Sie ist eng vernetzt unter dem Dach des Universitäres Cancer Center Hamburg. Zum Einsatz kommt eine moderne State-of-the-Art-Diagnostik, einschließlich KI-gestütztem Hautkrebsscreening. Die operative Therapie erfolgt in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit allen operativen Fachdisziplinen am UKE. Sie umfasst die Entfernung des Primärtumors sowie gegebenenfalls von Lymphknoten, zum Beispiel im Rahmen der Schildwächter-Lymphknotenbiopsie (SLNB), ebenso wie die Metastasenchirurgie.
Bei erhöhtem Rückfallrisiko kann eine adjuvante Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren oder eine zielgerichtete Therapie mit BRAF- und MEK-Inhibitoren durchgeführt werden. Bei operablen lokoregionären Metastasen kommen neoadjuvante oder perioperative Immuntherapien zum Einsatz. In der systemischen Therapie werden moderne Kombinationen von Immuncheckpoint-Inhibitoren, darunter PD-1-, CTLA-4- und LAG-3-Inhibitoren, eingesetzt. Bei BRAF-mutierten Tumoren stehen zielgerichtete Therapien zur Verfügung, bei Vorliegen des HLA-A2-Genotyps kann zudem eine bispezifische Antikörpertherapie mit Tebentafusp erfolgen. Ergänzend kommen strahlentherapeutische Verfahren wie stereotaktische Radiotherapie, Brachytherapie oder Ganzhautbestrahlung zum Einsatz. Die Behandlung wird durch psychoonkologische Betreuung und supportive Maßnahmen begleitet. Zudem besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Palliativmedizin am UKE sowie mit regionalen Netzwerken in Hamburg und Umgebung, darunter SAPV-Strukturen und Hospize.
Patient:innen profitieren außerdem von der aktiven Teilnahme am Hamburger Programm „Leben nach Krebs“, einem strukturierten Nachsorgeprogramm für Menschen zwischen 18 und 65 Jahren nach abgeschlossener Krebstherapie. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf personalisierter Medizin, unterstützt durch molekulare Diagnostik, unter anderem von BRAF-, NRAS-, KIT- und GNAQ/GNA11-Mutationen, einschließlich moderner Sequenzierungsverfahren (NGS), sowie durch die interdisziplinäre Beratung im Molekularen Tumorboard zur gezielten Therapieentscheidung.
Darüber hinaus besteht Zugang zu innovativen klinischen Studien der Phasen I bis IV und zu neuen Wirkstoffen. Die Versorgung wird ergänzt durch die enge Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe Hautkrebs Hamburg sowie mit Melanom Info Deutschland – MID e.V., einer bundesweiten Patientenorganisation für Betroffene und Angehörige. Eine besondere Stärke des UKE liegt in der Kombination aus klinischer Exzellenz, interdisziplinärem Tumorboard, innovativer klinischer Studienplattform und translationaler Forschung im Fleur-Hiege-Centrum.