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Herzrhythmusstörungen sind ein Oberbegriff für alle Abweichungen vom normalen Herzschlag, bei denen das Herz zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlägt. Ursache sind meist Störungen in der elektrischen Steuerung des Herzens. Eine häufige Form davon ist das Vorhofflimmern. Dabei ziehen sich die Vorhöfe nicht mehr gleichmäßig zusammen, sondern bewegen sich sehr schnell und ungeordnet, was oft zu einem unregelmäßigen und beschleunigten Puls führt. Vorhofflimmern kann Beschwerden wie Herzstolpern, Schwindel oder Atemnot auslösen und erhöht das Risiko für Schlaganfälle, da sich im Herzen leichter Blutgerinnsel bilden können.
[Film zur Erkrankung]
Vorhofflimmern ist häufig. Jeder dritte Mensch in Deutschland über 55 Jahre wird Vorhofflimmern erleiden. Vorhofflimmern wird nicht immer bemerkt. Dennoch ist es eine häufige Ursache für Schlaganfälle, Herzschwäche und sogar für einen vorzeitigen kardiovaskulären Tod.
Die häufigsten Symptome sind Atemnot bei Belastung, allgemeine Antriebsschwäche und Palpitationen, also das Verspüren von Herzrasen. Leider kann auch ein Schlaganfall oder eine Notfalleinweisung ins Krankenhaus mit Herzschwäche das erste Zeichen von Vorhofflimmern sein. Bedingt durch die technische Entwicklung können viele am Menschen tragbare elektronische Geräte auch außerhalb von Krankenhäusern, also z.B. mit speziellen Apps ausgestattete Mobiltelefone, Smartwatches oder andere Geräte Vorhofflimmern inzwischen relativ sicher erkennen.
Vorhofflimmern ist eine Erkrankung des höheren Alters. Bei jungen Menschen entsteht Vorhofflimmern oft aufgrund einer genetischen, angeborenen Neigung. In diesen Fällen ist eine Untersuchung des Herzens auf Zeichen für eine angeborene Herzmuskelerkrankung (Kardiomyopathie) sinnvoll. Zumeist entsteht Vorhofflimmern durch eine verstärkte Belastung der Vorhöfe, etwa bei Herzschwäche, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Diabetes, oder Bluthochdruck. Insbesondere die gegenseitige Verstärkung von Vorhofflimmern und Herzschwäche und die genetisch angelegten Mechanismen von Vorhofflimmern werden gerade intensiv beforscht.
Für Rhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern gibt es eine Vielzahl von Nachweismöglichkeiten. Klassisch ist das 12-Kanal-EKG. Es kann jedoch auch über Monitore im Krankenhaus und durch Langzeit-EKGs detektiert werden. Bei Patient:innen mit implantierten Devices wie Schrittmacher oder Defibrillatoren kann in einigen Fällen auch Rhythmusstörungen diagnostiziert und nachgewiesen werden. Moderne Methoden stellen sogenannte Wearables und handgehaltene Geräte sowie Smartphone Apps dar. Wichtig ist es, hier auf die Qualität der Geräte und Algorithmen zu achten. Zur Diagnose sollte derzeit ein Elektrokardiogramm (EKG) vorliegen.
Zur Schlaganfallverhinderung werden Blutverdünner, sogenannte Antikoagulanzien eingesetzt. Diese sind bei den meisten Patient:innen mit Vorhofflimmern indiziert. Nur bei jungen Menschen mit Vorhofflimmern und keinen oder nur gering ausgeprägten kardiovaskulären Begleiterkrankungen sind Blutverdünner nicht indiziert. Typische Antikoagulanzien sind Apixaban, Dabigatran, Edoxaban und Rivaroxaban.
Eine frühe rhythmuserhaltende Behandlung mit Antiarrhythmika, elektrischer Kardioversion und/oder eine Katheterablation ist bei Vorhofflimmern bei vielen Menschen indiziert. Dies haben internationale Studien ergeben, die z.T. aus dem UKE heraus geleitet wurden. Die Effektivität und Sicherheit einer frühen Katheterablation wird in laufenden Studien untersucht. Die am häufigsten eingesetzten Antiarrhythmika sind Amiodaron, Dronedaron, Flecainid und Propafenon.
Daneben werden bei fast allen Menschen mit Vorhofflimmern Medikamente zur Verlangsamung und Regularisierung des Herzschlags eingesetzt. Dies sind zumeist Betablocker oder Digitalis-Präparate (Digoxin, Digitoxin) sowie die Calcium-Antagonisten Diltiazem oder Verapamil.
Zudem ist eine sorgfältige Behandlung von kardiovaskulären Begleiterkrankungen wichtig, etwa Bluthochdruck; koronare, periphere oder cerebrale Gefäßerkrankung; Diabetes; oder Herzschwäche (Herzinsuffizienz).
Aktuelle Daten legen nahe, dass eine Reduktion der Vorhofflimmerlast, also der Zeit, die ein Mensch im Vorhofflimmern zubringt, das Risiko für Schlaganfälle oder Herzschwäche senken kann. Auch hierzu laufen Forschungsprojekte.
NB: Medikamente sind in alphabetischer Reihenfolge angegeben.
Die Prognose bei Herzrhythmusstörungen ist sehr unterschiedlich und hängt stark von der Art der Störung sowie von den individuellen Umständen ab. Viele Rhythmusstörungen sind harmlos und haben kaum Einfluss auf die Lebenserwartung. Anders ist es bei bestimmten Formen wie dem Vorhofflimmern: Es ist zwar in vielen Fällen gut behandelbar, kann aber langfristig das Risiko für Komplikationen erhöhen, insbesondere für Schlaganfälle oder Herzschwäche. Wie die Prognose im Einzelfall aussieht, hängt vor allem von mehreren Faktoren ab. Entscheidend ist, ob bereits andere Herzerkrankungen vorliegen, zum Beispiel eine koronare Herzkrankheit oder eine Herzinsuffizienz. Auch das Alter, der allgemeine Gesundheitszustand und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes spielen eine wichtige Rolle. Zusätzlich beeinflusst die Ausprägung des Vorhofflimmerns die Einschätzung, etwa wie häufig es auftritt, wie lange es anhält und wie gut sich der Herzrhythmus medikamentös oder durch andere Maßnahmen kontrollieren lässt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Behandlung: Eine konsequente Therapie, zum Beispiel zur Blutverdünnung und zur Kontrolle der Herzfrequenz oder des Rhythmus, kann das Risiko für Komplikationen deutlich senken und die Prognose verbessern. Insgesamt gilt, dass viele Betroffene mit der richtigen Behandlung gut und oft über viele Jahre stabil leben können.
Prof. Dr. med. Paulus Kirchhof
Klinikdirektor, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Spezielle Internistische Intensivmedizin, Kardiovaskuläre Intensiv- und Notfallmedizin
Prof. Dr. Larissa Fabritz
MD, FESC, FRCP, Oberärztin, Professur für genetisch bedingte Herzerkrankungen
Prof. Dr. med. Andreas Metzner
Leiter der Sektion Rhythmologie am universitären Herz- und Gefäßzentrum
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Klinikdirektor, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Spezielle Internistische Intensivmedizin, Kardiovaskuläre Intensiv- und Notfallmedizin
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Oberärztin, Professur für genetisch bedingte Herzerkrankungen
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In Deutschland hat sich die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Die Sterblichkeit bei Erkrankungen wie Herzinfarkt, koronarer Herzkrankheit und Herzinsuffizienz ist in den vergangenen 20 Jahren spürbar gesunken, was vor allem auf Fortschritte in der Forschung und deren Umsetzung in die klinische Praxis zurückzuführen ist. Trotz dieser Entwicklungen gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin zu den häufigsten Todesursachen. Daher bleibt ihre Erforschung auch künftig von zentraler Bedeutung, insbesondere durch große Studien und Biobanken. Einrichtungen wie das
Am UKE spielt die Forschung zu Vorhofflimmern seit vielen Jahren eine zentrale Rolle. Wissenschaftler:innen des UKE leiten zahlreiche große klinische Studien, darunter bedeutende abgeschlossene Projekte wie
Neben klinischen Studien engagieren sich UKE-Forschende auch in experimentellen und translationalen Projekten, um die Ursachen von Vorhofflimmern besser zu verstehen und innovative Therapien zu entwickeln (
Viele Rhythmus-Expert:innen des UKE sind zudem Teil des Deutsches Zentrum für Herz-Kreislaufforschung am Standort
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Am UKE umfasst das Behandlungsansatz ein breites Spektrum, von Beratung zu Lebensstilmaßnahmen über medikamentöse Therapie bis hin zu interventionellen Verfahren. Im Mittelpunkt steht dabei die interdisziplinäre Teamtherapie, die eine individuelle, evidenzbasierte Behandlung gewährleistet. Patienten erhalten frühzeitigen Zugang zu innovativen Therapieoptionen und werden gemeinsam im Team über die jeweils beste Vorgehensweise beraten. Für eine Terminvereinbarung oder weitere Informationen wenden Sie sich gerne an unsere Rhythmussprechstunde.
Es werden verschiedene Verfahren zur Diagnose von Herzrhythmusstörungen eingesetzt, etwa Langzeit-EKG, Eventmonitore oder elektrophysiologische Untersuchungen. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der katheterbasierten Behandlung, vor allem von Vorhofflimmern, aber auch von anderen Rhythmusstörungen. Die Eingriffe erfolgen minimalinvasiv über Gefäßzugänge, meist in der Leiste, unter tiefer Sedierung und mit moderner Bildgebung für hohe Präzision. Zur Behandlung von Vorhofflimmern kommen innovative Ablationsverfahren zum Einsatz, etwa Hochfrequenzablation mit 3D-Mapping sowie Ballonverfahren wie Kryo- oder Laserablation. Die Versorgung umfasst zudem spezialisierte stationäre Betreuung und Nachsorge in einer Rhythmusambulanz.
Weitere Informationen zu Vorhofflimmern für Patient:innen finden Sie in dieser Broschüre, die das Kompetenznetz Vorhofflimmern erstellt hat