Posterbeiträge zur Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (10/2017)

  • Idiopathische Kondylenresorption – ein komplexer interdisziplinärer Fall

    E. Vahle-Hinz, B. Kahl-Nieke, M. Briegleb

    Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Ziel: Die idiopathische Kondylenresorption ist ein sehr seltenes Krankheitsbild, welches hauptsächlich bei weiblichen Patienten auftritt und mit einem verstärkten Auftreten der Symptomatik im Jugendalter vergesellschaftet ist. In Folge des entzündungsfreien Geschehens mit einer progredienten Resorption der betroffenen Gelenke kommt es zum ausgeprägten vertikalen Defizit im Bereich der Kiefergelenkfortsätze bei Therapieresistenz gegenüber konservativen Behandlungsmethoden.

    Material und Methode: Eine 12jährige Patientin mit Kiefergelenkbeschwerden unklarer Genese und kieferorthopädischer Behandlungsindikation stellt sich erstmalig in der Poliklinik vor. Eine positive Familienanamnese bezüglich juveniler idiopathischer Arthritis ist nachweisbar. Ein früheres Trauma im Gesichtsbereich wurde ausgeschlossen. Nach rheumatologischer und radiologischer Abklärung mittels Magnetresonanztomogramm unter Kontrastmittelgabe wurde eine beginnende Kiefergelenkarthrose in beiden Kiefergelenken diagnostiziert, die auf keinen entzündlichen Prozess zurückzuführen war. Schmerzen und Funktionseinschränkungen traten im Behandlungsverlauf zunehmend auf. Im Alter von 18 Jahren bestand funktionell Beschwerdefreiheit mit Verbesserung der Unterkiefermobilität, jedoch bei ausgeprägter skelettaler Klasse II mit mandibulärer Retrognathie und Profilverschlechterung.

    Ergebnisse: Nach Wachstumsabschluss wurde eine kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung zur Korrektur der komplexen skelettalen Dysgnathie durchgeführt.

    Schlussfolgerung: Differentialdiagnostisch muss bei vorliegendem Krankheitsbild nach Ausschluss eines entzündlichen Prozesses im Kiefergelenk eine idiopathische Kondylenresorption in Erwägung gezogen werden. Bei ausgeprägter idiopathischer Kondylenresorption ist für ein erfolgreiches und langzeitstabiles Behandlungsergebnis ein interdisziplinäres Therapiekonzept nach ausreichender Remissionsphase unumgänglich.

  • Platzmangel als ätiologischer Faktor bei der Retention oberer Eckzähne – Koronale und apikale Platzanalyse

    B. Pfolk¹, M. Briegleb¹, M. Wolf², B. Kahl-Nieke¹

    ¹ Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    ² Poliklinik für Kieferorthopädie, Universität Bonn

    Ziel: Die Ätiologie der Retention oberer Eckzähne ist bis heute nicht abschließend geklärt, wobei häufig Platzmangel als potenzieller Kofaktor beschrieben wird. In diesem Zusammenhang wird eine unterschiedliche Ätiologie für die vestibuläre und palatinale Retention diskutiert. Die digitale Volumentomographie (DVT) ermöglicht neben der Platzanalyse am Modell eine Analyse der apikalen Platzbilanz. Ziel dieser Studie war es, den potentiellen ätiologischen Einfluss der Platzsituation für die Eckzahnretention koronal und apikal zu untersuchen.

    Material und Methode: Retrospektiv wurden die koronalen und apikalen Platzverhältnisse bei 36 retinierten oberen Eckzähnen anhand von Situationsmodellen und DVT untersucht. Im DVT zeigten sich 24 vestibulär und 12 palatinal verlagerte Eckzähne. Für beide Gruppen wurde, neben der klassischen Platzanalyse des gesamten Zahnbogens, der betroffenen Stützzone sowie der Zahnbogenbreite, im DVT die apikale Platzbilanz erfasst und in Korrelation zur Modellanalyse gesetzt. Mittels statistischer Analysen wurden die ermittelten Platzbilanzen ausgewertet und für die palatinale und vestibuläre Lage des Eckzahns verglichen.

    Ergebnisse: Das untersuchte Kollektiv zeigte ein generelles Platzdefizit von mittelwertig -5,28 mm im Gesamtbogen. In der betroffenen Stützzone lag bei vestibulärer Retention ein Platzmangel von -3,41 mm und bei palatinaler Lage von -3,08 mm vor. Die Zahnbogenbreite wies insbesondere im anterioren Bereich ein transversales Defizit von -4,68 mm auf. Das DVT ergab im Bereich der retinierten Eckzähne eine weitere Zunahme des Platzmangels um -0,58 mm. Im direkten Vergleich der palatinal und vestibulär retinierten Eckzähne konnte kein statistisch signifikanter Unterschied gefunden werden.

    Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass der koronale und der apikale Engstand ein Kofaktor in der Ätiologie der Retention oberer Eckzähne ist, vergesellschaftet mit der vestibulären und/oder palatinalen Fehlposition. Eine transversale Nachentwicklung des Oberkiefers scheint daher als konservative Platzbeschaffungsmaßnahme bei der Einordnung retinierter oberer Eckzähne sinnvoll.

  • Gesichtsasymmetrien sind bei Patienten mit Juveniler Idiopathischer Arthritis stärker ausgeprägt als bei nicht erkrankten Kindern und Jugendlichen

    S. Uken, B. Kahl-Nieke¹

    ¹ Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Einleitung: Die Juvenile Idiopathische Arthritis (JIA) ist die häufigste chronische rheumatische Erkrankung des Kindes- und Jugendalters. Die Beteiligung des Kiefergelenks bewirkt eine Wachstumsstörung mit typischen Funktions-einschränkungen. Charakteristisch sind eine kurze, retropositionierte und nach dorsokaudal rotierte Mandibula sowie bei einseitig verstärktem Befall die Entwicklung einer Gesichtsasymmetrie.

    Ziel dieser Arbeit war es die Gesichtsasymmetrie von JIA-Patienten an 2D-Fotografien zu quantifizieren und mit einer Kontrollgruppe zu vergleichen. Es sollte überprüft werden, ob die in der Literatur beschriebenen ausgeprägten Gesichtsasymmetrien bei an JIA erkrankten Kindern und Jugendlichen im Vergleich mit „symmetrischen“ Kontrollpatienten objektivierbar sind.

    Material und Methode: Retrospektiv wurden die en face Fotos einer randomisierten Gruppe von 68 JIA-Patienten mit Hilfe eines komplexen Messverfahrens bezüglich der Asymmetrien analysiert. Vergleichend wurde dasselbe Messverfahren bei der Kontrollgruppe (n=68) durchgeführt. Hierbei wurden für die 2D-Foto-Analyse typische Referenzpunkte und -ebenen des Gesichts gewählt und übliche sowie neu entwickelte Analysen durchgeführt.

    Ergebnisse: Im Gruppenvergleich wird deutlich, dass, bis auf eine Ausnahme, alle Parameter für die JIA-Gruppe deutlicher, also „asymmetrischer“ sind als in der Kontrollgruppe. Statistisch signifikant sind die Werte für die Abweichung des Mundes von der Gesichtsmittellinie (p=0,006), für den Vergleich des Umfangs beider Gesichtshälften (p=0,015) sowie für den Vergleich der Strecken von einem definierten Referenzpunkt zur Gesichtsaußenkante auf Höhe des Kiefergelenks (p=0,022).

    Schlussfolgerung: Die Ergebnisse beweisen, dass die Gesichtsasymmetrie ein für die JIA charakteristischer Befund ist. Neben den statistisch signifikanten Ergebnissen deuten auch weitere Parameter auf „asymmetrischere“ Werte der JIA-Gruppe hin. Durch eine Vergrößerung des Patientenpools könnten vermutlich auch diesbezüglich signifikante Werte gezeigt werden.

Posterbeiträge zur Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (10/2018)

  • Multiple Nichtanlagen - ein komplexer interdisziplinärer Fall

    E. Vahle-Hinz, B. Kahl-Nieke

    Einleitung: Oligodontie als schwere Form der Hypodontie kann ohne Symptome eines Syndroms auftreten und wird autosomal-dominant vererbt. Die skelettale Ausprägung als Folge von fehlenden Zahnanlagen erfordert eine umfangreiche interdisziplinäre Planung und ist mit langjähriger kieferorthopädischer Therapie und oftmals mit anspruchsvollen ästhetischen Behandlungsaufgaben im Jugendalter vergesellschaftet.

    Material und Methode: Ein 11jähriger Patient mit multiplen Nichtanlagen der bleibenden Zähne unklarer Genese und kieferorthopädischer Behandlungsindikation stellt sich erstmalig in der Poliklinik vor. Eine positive Familienanamnese bezüglich Nichtanlagen ist nicht nachweisbar. Eine syndromale Erkrankung wurde ausgeschlossen. Bei Nichtanlage von elf permanenten Zähnen und Milchzahnpersistenz imponiert eine skelettale Klasse I bei horizontalem Wachstumsmuster, tiefer Kieferbasenrelation sowie eine Klasse II-Verzahnung mit vergrößertem Overbite. Im Rahmen einer 2-Phasen-Behandlung erfolgte zunächst die orthopädische Therapie der komplexen skelettalen Dysgnathie mittels funktionskieferorthopädischen Apparaturen. In der zweiten Behandlungsphase fand die präimplantologische Lückenverteilung nach umfangreicher interdisziplinärer Planung mittels skelettaler Verankerung statt.

    Ergebnisse: Nach Wachstumsabschluss im Alter von 21 Jahren wurde die implantologische Versorgung zur definitiven okklusalen Rehabilitation durchgeführt.

    Schlussfolgerung: Bei einer schweren Form der Hypodontie ist für ein erfolgreiches und langzeitstabiles Behandlungsergebnis ein interdisziplinäres Therapiekonzept (Kieferorthopäde und Zahnarzt) nach umfangreicher Planung unumgänglich.

  • Kiefergelenkveränderungen im Orthopantomogramm bei Mukopolysaccharidose Typ I

    Schmid¹, CU; Muschol², N; Kahl-Nieke¹, B; Köhne¹, T

    ¹ Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
    ² Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Ziel: Mukopolysaccharidose Typ I (MPS I) ist eine seltene Stoffwechselerkrankung, deren kraniofaziale Leitsymptomatik durch ausgeprägte Kondylusresorptionen und eingeschränkte Mundöffnung gekennzeichnet ist. Ziel dieser Studie war es die Prävalenz und den Schweregrad der Kondylusveränderungen im Orthopantomogramm (OPG) bei Patienten mit MPS I systematisch zu untersuchen. Zur klinischen Einordnung wurden die Befunde mit Kondylusveränderungen einer gesunden Kontrollgruppe verglichen.

    Material u. Methode: Retrospektiv wurden 19 OPG (Durchschnittsalter: 13,69 Jahre) von 8 MPS I-Patienten (5 Morbus Hurler, 3 Morbus Scheie) mit 20 OPG einer gesunden Kontrollgruppe (Durchschnittsalter: 13,65 Jahre) verglichen.
    Die Beurteilung erfolgte anhand der Kondylusresorptionseinteilung Grad 0 bis 3 und des Quotienten Kondylushöhe zu Ramushöhe (KH:RH nach Kjellberg).

    Ergebnisse: Alle MPS I-Patienten wiesen im OPG ausgeprägte, stets beidseitige degenerative Kondylusresorptionen auf (28,9 % Grad 2-3; 71,1 % Grad 3). Die Kontrollgruppe zeigte unauffällige Kondylen (67,5 % Grad 0) sowie kleine Läsionen (15 % Grad 0-1, 17,5 % Grad 1) bei sowohl ein- als auch beidseitiger Beteiligung.Das Verhältnis zwischen Kondylushöhe (KH) und Ramushöhe (RH) betrug bei MPS I-Patienten – aufgrund der ausgeprägten Kondylusresorptionen – 22,3 % und lag damit signifikant unter dem der Kontrollgruppe (36,4 %).

    Schlussfolgerungen: Bei MPS I-Patienten sind die Kondylusresorptionen immer beidseits zu finden und stark ausgeprägt. In weiteren Studien sollte untersucht werden, wie sich die Kondylusresorptionen auf das Wachstumsverhalten auswirken und ob ein Zusammenhang zu der hohen Prävalenz von obstruktiver Schlafapnoe bei MPS I besteht.

  • Kieferorthopädische Behandlung bei Mikro- und Hypodontie nach Radiatio des Kopf- Halsbereiches im Kindesalter – ein Fallbericht

    I. Schaupp, K. Erhardt, B. Kahl-Nieke

    Poliklinik für Kieferorthopädie, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg

    Einleitung: Ependymome zählen zu den seltenen Tumoren des zentralen Nervensystems. Sie können in allen Altersgruppen vorkommen, am häufigsten jedoch im Kindesalter. Bei der Therapie der Ependymome ist abhängig vom Tumorstadium die chirurgische Exstirpation und/oder Bestrahlung sowie Chemotherapie indiziert. Bestrahlungen im Kindesalter führen zu Störungen der Odontogenese. Dabei korrelieren Zahnentwicklungsstörungen mit dem Entwicklungsstand der Zahnkeime zum Bestrahlungszeitpunkt.

    Material und Methode: Eine sechsjährige Patientin stellte sich aufgrund der Verdachtsdiagnose einer Hypodontie erstmalig in der Poliklinik vor. Das Orthopantomogramm zeigt ein frühes Wechselgebiss mit Verdacht auf Nichtanlagen 31, 41 sowie diminutive Anlagen der ersten Prämolaren. Eine positive Familienanamnese bezüglich einer Hypodontie ist nicht bekannt.Im ersten Lebensjahr wurde ein anaplastisches Ependymom der hinteren Schädelgrube operativ entfernt. Postoperativ erhielt die Patientin eine Chemotherapie und wurde mit 54 Gray sechs Wochen lang bestrahlt. Zu Beginn der kieferorthopädischen Behandlung im Alter von 11 Jahren wurde ein dreidimensionales Volumentomogramm angefertigt. Dieses zeigt ein spätes Wechselgebiss mit Nichtanlagen 33, 43 sowie einer Mikrodontie von 14, 24, 34 und 44. Die Zähne 35 und 45 sind retiniert und verlagert. Es gibt keine Hinweise auf ankylotische Prozesse und Wurzelresorptionen

    Ergebnis: Therapeutisch wurden zunächst die mikrodonten ersten Prämolaren extrahiert und die Zähne 35, 45 aktiv kieferorthopädisch eingeordnet. Es erfolgte ein reziproker Lückenschluss im Oberkiefer in regio 14, 24 und im Unterkiefer in regio 34, 44, 033 und 043 mit dem Ziel der Einordnung der Zähne 38 und 48. Die operative Entfernung der Weisheitszähne 18 und 28 erfolgte im Behandlungsverlauf.

    Schlussfolgerungen: Aufgrund der frühzeitigen Radiatio und der dentalen Befunde der Patientin können Störungen der Odontogenese während der Bestrahlung nicht ausgeschlossen werden. Für eine erfolgreiche kieferorthopädische Behandlung ist ein interdisziplinäres Therapiekonzept zwischen Radioonkologen, Neurochirurgen, Kinderzahnärzten und Kieferorthopäden unabdingbar.

  • Funktionelle und ästhetische Rehabilitation eines erwachsenen Patienten mit LKGS – ein interdisziplinärer Fall

    K. Köppen¹, A. Köppen², R. Köhnke³, B. Kahl-Nieke¹

    ¹Poliklinik für Kieferorthopädie, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg

    ²Private Praxis, Stade

    ³Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Kopf- und Neurozentrum, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg

    Einleitung: Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sind mit einer Inzidenz von 1:500 eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Als Mikrosymptom kann die Nichtanlage eines spaltnahen Zahnes auftreten, welches ein Knochenmanagement zur Verhütung von Knochenatrophie im jugendlichen Alter erfordert. Findet im Jungendalter keine Therapie statt, führt dies zu ausgeprägten Knochenatrophien und skelettalen Anpassungen, die eine komplizierte interdisziplinäre Erwachsenbehandlung notwendig machen.

    Material und Methode: Ein 22-jähriger Patient mit linksseitiger Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und ausgeprägten Knochendefekt im Spaltbereich bei Nichtanlage 22 und Palatinalstand 23 stellt sich erstmalig in der Poliklinik vor. Ein spalttypischer asymmetrischer oberer Schmalkiefer mit frontalem und linksseitigem Kreuzbiss bei linksseitigem offenen Biss und gekippter Okkusionsebene prägt die eingeschränkte funktionelle Situation. Skelettal stellt sich eine Klasse III bei bignather Retrognathie dar. Die Therapie umfasst die Gaumennahterweiterung mit anschließender sekundärer Osteoplastik zur Einordnung und Aufrichtung des Zahnes 23. Eine bimaxilläre Umstellungsosteotomie mit Segmentosteotomie und ein präprothetisches Lückenmanagement in der Oberkieferfront komplementieren die kieferorthopädische Therapie.

    Ergebnisse: Nach mehrjähriger interdisziplinärer Zusammenarbeit zeigt sich ein funktionelles und ästhetisch ansprechendes Ergebnis, trotz erhöhtem Knochendefizit im Spaltbereich.

    Schlussfolgerung: Die funktionelle und ästhetische Rehabilitation von erwachsenen LKGS-Patienten gehört zu den anspruchsvollsten Behandlungsaufgaben eines Kieferorthopäden. Ein interdisziplinäres Therapiekonzept zwischen Mund-, Kiefer-Gesichtschirurgen, Zahnarzt und Kieferorthopäden ist dabei für einen erfolgreichen Abschluss unumgänglich.

  • Kieferorthopädische Behandlung einer Patientin mit Hypophosphatasie unter Enzymersatztherapie – Ein Fallbericht

    ¹Peter Pütz, ²Moritz Briegleb, ³Tobias Schmidt, ³Florian Barvencik, ¹Bärbel Kahl-Nieke

    ¹Poliklinik für Kieferorthopädie; Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Deutschland;

    ²Gemeinschaftspraxis Dr. Briegleb und Dr. Verweyen, Köln, Deutschland;

    ³ Institut für Osteologie und Biomechanik Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Deutschland

    Ziel: Hypophosphatasie ist eine seltene, hereditäre Knochenerkrankung bei der es durch Genmutation zum Funktionsverlust der alkalischen Phosphatase kommt. Neben der Knochenmineralisationsstörung sind als orale Manifestationen erhöhte Zahnlockerung, Zahnverlust und ein oberer Schmalkiefer beschrieben. Dieser Fallbericht stellt die kieferorthopädische Therapie von verlagerten Eckzähnen mit Resorptionen an den seitlichen Schneidezähnen bei einer Hypophasphatasie-Patientin unter Langzeit-Enzymersatztherapie (Asfotase alfa) dar.

    Material Methode: Eine 27-jährige Hypophosphatasie-Patientin stellte sich mit ausgeprägtem Engstand in der Oberkieferfront, Verlagerung der Eckzähne, lateralen Wurzelresorptionen an 12 und 22 bei transversalem Defizit vor. Aufgrund der Gefahr der permanenten Zahnlockerung und der ausbleibenden Knochenheilung nach Gaumennahterweiterung wurde die Therapie unter Rücksprache mit den betreuenden Osteologen und der Patientin auf den Bereich der Oberkieferfront begrenzt. Ziel war eine ästhetische Rehabilitation der Oberkieferfront nach Extraktion der resorbierten seitlichen Schneidezähne und unter Einstellung der Eckzähne mit späterem Reshaping.

    Ergebnisse: Das Behandlungsziel konnte mittels einer Kombination aus herausnehmbaren und festsitzenden Apparaturen erreicht werden, wodurch unerwünschte Kräfte auf die Seitenzahnbereiche reduziert wurden. Die Lockerungsgrade blieben auf einem physiologischen Niveau und es zeigten sich nur moderate ossäre Veränderungen.

    Schlussfolgerung: Limitierte Zahnbewegungen mit geringen Kräften bei Patienten mit Hypophosatasie unter Asfotase alfa-Therapie erscheinen umsetzbar. Die kieferorthopädische Behandlung kann individuell als Alternative zur Extraktion und prothetischer Versorgung diskutiert werden. Aufgrund der Grunderkrankung sollte eine kritische Abwägung der geplanten kieferorthopädischen Maßnahmen mit individueller und interdisziplinärer Therapieplanung erfolgen.