• Vortrag bei der Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (11/2015)

    Lysosomale Enzymdefekte verursachen spezifische Veränderungen des Zahnhalteapparats bei Mukolipidose Typ II

    Till Koehne 1,2, Sandra Markmann 3, Nicole Muschol 3, Michael Amling 2, Bärbel Kahl-Nieke 1, Thomas Braulke 3, Thorsten Schinke 2

    1 Poliklinik für Kieferorthopädie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
    2 Institut für Osteologie und Biomechanik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
    3 Sektion Biochemie, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin. Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Ziel: Mukolipidose II (MLII) ist eine genetische Kindererkrankung, bei der es durch den gestörten Transport von lysosomalen Enzymen zu einer Anreicherung von Speichermaterial in den Geweben kommt. Neben schweren systemischen Komplikationen wurden bei den Patienten auch ausgeprägte orale Symptome beschrieben, deren Spezifität und Ätiopathogenese jedoch unklar ist. Ziel dieser Arbeit ist es, die kraniofazialen Symptome bei MLII in einem knock-in Mausmodell und in drei Patienten mit MLII zu untersuchen.

    Methode: Es wurden MLII knock-in Mäuse und Kontrolltiere mittels Stereomikroskopie, µCT, Elektronenmikroskopie, histologischen und biochemischen Verfahren im Alter von 12 und 24 Wochen analysiert. Darüber hinaus wurden Gingivafibroblasten in vitro mittels Immunhistologie, Western Blot und radioaktiven Pulse-Chase Verfahren untersucht. Das Patientenkollektiv bestand aus drei weiblichen Patienten (1,5, 3 und 7 Jahre), die klinisch und bei rechtfertigender Indikation röntgenologisch untersucht wurden.

    Ergebnisse: Die Untersuchung der Schädel zeigte bei ML II Mäusen eine progressive Vergrößerung der Calvaria und des Viszerocraniums. Die Analyse der Zähne ergab eine normale Schmelz- und Dentinbildung bei ML II Mäusen, während die Zementoblasten und Gingivafibroblasten eine Akkumulation von Speichermaterial aufwiesen. Dies führte zu vermehrter Zementbildung und Gingivahyperplasie, während der Alveolarknochen bei MLII insgesamt reduziert war. In kultivierten Gingivafibroblasten konnte eine intrazelluläre Akkumulation von Speichermaterial sowie ein gestörter Transport und Reifung lysosomaler Enzyme nachgewiesen werden. Die Untersuchung der Patienten bestätigte die Ergebnisse des Mausmodells und zeigte eine Vergröberung der Gesichtszüge, normale Zahnschmelzbildung und einen verzögerten Zahndurchbruch mit Gingivahyperplasie.

    Zusammenfassung: Die Untersuchung zeigt, dass MLII durch spezifische kraniofaziale Symptome charakterisiert ist, die im Mausmodell adäquat widergespiegelt werden. Darüber hinaus verdeutlichen die Ergebnisse, dass Lysosome ein mögliches Ziel für die pharmakologische Stimulation der Zementogenese und für die Behandlung von Gingivahyperplasien darstellen.

  • Posterbeitrag zur Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (11/2015)

    Skelettale und dentale Veränderungen im Rahmen der Therapie des offenen Bisses mit der Multi-Edgewise-Arch-Wire Technik

    N. Plathner 1, R. Plathner 2, B. Kahl-Nieke 1

    1 Poliklinik für Kieferorthopädie, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf, Hamburg
    2 Fachpraxis für Kieferorthopädie, Preetz, Deutschland

    Ziel: Der offene Biss stellt eine komplexe Behandlungsaufgabe in der Kieferorthopädie dar. In ausgeprägten Fällen des offenen Bisses ist ein kieferorthopädisch-kieferchirurgisches Vorgehen Therapie der Wahl. Alternativ bietet die Multi-Edgewise-Arch-Wire (MEAW)-Technik die Vermeidung eines operativen Eingriffes. Ziel der Fallanalyse war eine Wertung der skelettalen und dentalen Veränderungen bei Patienten mit und ohne Wachstum, die mit MEAW-Technik behandelt wurden. Zudem sollten limitierende Faktoren für die Auswahl des geeigneten Patienten eruiert werden.

    Material und Methode: Die Fallserie besteht aus 16 Patienten, die in der Poliklinik für Kiefer-orthopädie und in einer kieferorthopädischen Fachpraxis behandelt wurden. Neben einer skelettalen Klasse I, II oder III und einem verti-kalen Wachstumsmuster/Schädeltyp bestand bei den Patienten ein anterior oder zirkulär offener Biss. Das skelettale Alter der Patienten wurde mit der CVM-Methode ermittelt, danach befanden sich die Hälfte der Patienten im Wachstum. Nach individueller Vorbehandlung wurden die Multibandbracket-apparatur sowie MEAW im Ober- und Unterkiefer inseriert. Über Tip-Back-Biegungen in Kombination mit intermaxillären Gummizügen (vertikal oder Klasse II/III) konnten ein korrekter Overbite und Overjet erreicht werden. Beurteilt wurden die Fernröntgenseitenbilder, die zu Beginn oder während der Behandlung sowie nach Abschluss der aktiven Therapie mit MEAW erstellt wurden. Dabei wurden die Veränderungen der Palatinal- und Mandibularebene sowie der oberen und unteren Okklusionsebenen zur vorderen Schädelbasis analysiert. Ferner wurden die Veränderungen der Achsenstellung der oberen und unteren 6-Jahrmolaren sowie der Inzisivi zur Mandibularebene und vorderen Schädelbasis dargestellt.

    Ergebnisse: In 12 von 16 Fällen konnte eine stabile Interkuspidation mit physio-logischem Overbite und Overjet eingestellt werden. Bei vier Patienten wurde die Behandlung aufgrund mangelnder Compliance abgebrochen (Elastics wurden nicht getragen). Bei drei Patienten stagnierte die Be-handlung aufgrund der Impaktion der Weisheitszähne. Die Auswertung der FRS zeigte bei Patienten im Wachstum eine skelettale clockwise-Rotation der Palatinalebene (DNS-PP: Æ = +1,6°). Bei allen Patienten konnte eine dentoalveoläre Kompensation der skelettalen Anomalie erzielt werden. Die Okklusionsebene konnte im Oberkiefer anterior abgesenkt und im Unterkiefer angehoben werden, dies ermöglichte eine anteriore Adaptation der Mandibula, die mit einer Verlängerung und Inklinationskorrektur der Inzisivensegmente (O1-NS: -19° bis +10°; U1-NS: -16° bis +6°) sowie mit einer Aufrichtung der Molaren nach distal einherging (DU6-MP: Æ = -7,05°).

    Schlussfolgerung: Über die Korrektur der Okklusionsebenen und Neigung der Inzisivi können mittels MEAW-Technik neben dentalen Korrekturen auch skelettale Veränderungen erreicht werden, solange Restwachstum nachweisbar ist. Somit stellt die MEAW-Technik in geeigneten Fällen eine gute Alternative zu operativen Eingriffen dar, sofern keine ausgeprägte Veränderung des Profils erreicht werden soll. In An-betracht der dentalen Mechanismen bei der MEAW-Technik ergeben sich also folgende limitierende Faktoren für die Behandlung (Com-pliance des Patienten vorausgesetzt): persistierende Zungendys-funktionen, posteriorer Engstand mit Impaktion der 3. Molaren sowie das Parodontium der UK-Inzisivi (Gefahr von Rezessionen bei Über-schreiten der anatomischen Grenzen).

  • Posterbeitrag zur Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (11/2015)

    Rechtfertigende Indikation für eine 3D Röntgendiagnostik (DVT) zur Diagnostik und Therapieplanung in der modernen Kieferorthopädie

    G. F. Heller 1, C. Scheifele 2, B. Kahl-Nieke 1

    1 Poliklinik für Kieferorthopädie, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 20246 Hamburg
    2 Funktionsbereich Zahnärztliches Röntgen, Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 20246 Hamburg

    Ziel: Im Rahmen der Qualitätssicherung spielt insbesondere auch die strenge Indikationsstellung für Röntgenaufnahmen eine relevante Rolle. Daher sollten die Indikationen für das Anweisen von DVT in einem poliklinischen Patientengut auf den Prüfstand gestellt werden.

    Material und Methode: Retrospektiv wurden 124 DVT sowie die jeweilige Indikation analysiert, die im Zeitraum 2011 bis 2015 in der Poliklinik für Kieferorthopädie bei 59 männlichen und 65 weiblichen Kindern und Jugendlichen angewiesen wurden. Das Durchschnittsalter betrug 13,9 Jahre (6-17). Alle Untersuchungen erfolgten an einem Orthophos XG 3D (Sirona Dental, Österreich). Die Befundung erfolgte von einem auf zahnärztliche Radiologie spezialisierten Zahnarzt. Die Patientenakten wurden retrospektiv zur kritischen Bewertung der Indikationsstellung ausgewertet.

    Ergebnisse: Von den 124 DVT wurden 45 (36%) zur Beurteilung von verlagerten/ retinierten Zahnkeimen angewiesen, weitere 32 (26%) zur Darstellung der Wurzelkonfiguration/Lagebeziehung zu Nachbarzähnen, 14 (11%) zum Ausschluss einer Ankylose, je 12 (10%) erfolgten im Rahmen der LKG-Spalt-Diagnostik und zur topographischen Beurteilung überzähliger Zahnanlagen, sieben (6%) zur Beurteilung eventueller Wurzelresorptionen und zwei (1%) zum Ausschluss von pathologischen Prozessen.

    Schlussfolgerung: Die Ergebnisse bieten eine Hilfestellung bei der Indikations- entscheidung im Rahmen der qualitätsorientierten zeitgemäßen kieferorthopädischen Diagnostik. Alle DVT hielten der retrospektiven Analyse bezüglich der rechtfertigenden Indikation insbesondere unter Berücksichtigung strahlenhygienischer Bedenken bei Kindern und Jugendlichen stand.

  • Vortrag bei der Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (11/2015)

    Zwei Fallbeispiele zur kieferorthopädischen Behandlung von CMD-Patienten

    Kai Vahle-Hinz 1, Arthur M. Rybczynski 2, Bärbel Kahl-Nieke 1

    1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Poliklinik für Kieferorthopadie
    2 Fachpraxis für Kieferorthopädie Dr. Heym

    Der Einfluss der Okklusion bei der Entstehung von craniomandibulären Dysfunktionen wird immer wieder kontrovers diskutiert: Auf der einen Seite wird der Okklusionsstörung eine große, gar entscheidende Rolle zugeschrieben; auf der anderen Seite wird ihr Einfluss gänzlich in Frage gestellt. Anhand zweier Patientenfälle wird gezeigt, wie durch kieferorthopädische Behandlung Dysgnathien und Funktionsstörungen beseitigt werden konnten. Im ersten Fall wird von einem Patienten mit Deckbiss berichtet, bei dem der Unterkiefer durch die Oberkieferfrontzahnstellung gefangen war. Funktionell bestand bei dem Patienten neben der Okkluso-, eine Myo- und Arthropathie. Nach dem Auflösen der Zwangsbisskomponente und der Freigabe des Unterkiefers in der Sagittalen kam es spontan zu einer Normalisierung der Funktionsbefunde, so dass keine weitere funktionelle Therapie notwendig war. Im zweiten Fall handelt es sich um einen Patienten mit zirkulär offenem Biss. Bei diesem Patienten bestand ebenfalls neben der Okkluso-, eine Myo- und Arthopathie. In der ersten Phase der Therapie wurde mit Hilfe einer dreidimensional adjustierten Relaxierungsschiene eine deutliche Verbesserung der Beschwerdesymptomatik erreicht. Im Anschluss an diese Vorbehandlung wurde der Biss mittels kieferorthopädischer Therapie geschlossen und eine nicht optimale, jedoch stabile Okklusion und funktionelle Beschwerdefreiheit erreicht. Der Unterschied der beiden Fälle liegt zum einen in der Vorgehensweise: Bei dem ersten Patient wurde direkt kieferorthopädisch behandelt und hierdurch der Belastungsvektor aufgelöst, beim zweiten Patient fand die kieferorthopädische Behandlung erst nach Funktionstherapie statt. Des Weiteren wurde bei dem zweiten Patienten, aufgrund weiterer kieferorthopädisch relevanter Befunde, keine harmonische Okklusion erreicht. Beiden Fällen gemeinsam ist, dass beide funktionell „gesund“ sind, woraus sich ein individueller Einfluss der Okklusion bei der Entstehung der CMD ableiten lässt. Allerdings zeigt gerade das zweite Patientenbeispiel, dass eine perfekte Okklusion keineswegs für eine beschwerdefreie Situation notwendig ist.