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Die neue Apotheke des Universitäts-Krankenhauses Eppendorf in Hamburg

Gottfried Schmidt, Hamburg (Auszug aus einer Veröffentlichung in Die Krankenhausapotheke, 29, S.67-69, 1979)

Altes galenisches Laboratorium

Geschichte und Entwicklung der Apotheke bis zum Neubau

In Hamburg bestand bis in die Mitte der 80er Jahre nur eine staatliche Krankenanstalt: das "Allgemeine Krankenhaus an der Lohmühlenstraße" in St. Georg. Da das nicht ausreichte, wurden in den Jahren 1882 bis 1884 Pläne für den Neubau eines weiteren Krankenhauses erstellt und die entsprechenden Mittel bewilligt.

Im Jahre 1885 begann der Bau des "Allgemeinen Krankenhauses Eppendorf", damals auf dem Land, fern von der eigentlichen Stadt, und schon 1889 war die Einweihung. Um die Infektionsgefahr zu verringern, wurde alles im PavillonSystem mit vielen Grünanlagen dazwischen erbaut. Erst in den letzten Jahrzehnten ging man dazu über, allmählich diese Einzel-Pavillone abzureißen und durch moderne Großbauten zu ersetzen.

Die Apotheke mit einem galenischen Laboratorium wurde im Verwaltungsgebäude untergebracht und blieb dort bis zum Umzug 1977. Nur 1943, nach der Ausbombung, mußte die Apotheke vorübergehend behelfsmäßig in einem anderen Gebäude untergebracht werden. Außer der Apotheke waren im Verwaltungsgebäude untergebracht: die gesamte Verwaltung (einschließlich Rechnungs- und Personalabteilung), die Bibliothek, Räume für die Direktoren und Oberärzte, Lese- und Konferenzzimmer, Kasino für Apotheker und 12 Wohnungen für Apotheker und Arzte.

Die Kosten dieses Verwaltungsgebäudes betrugen 1889 293 500,­Mark, die Gesamtkosten des Krankenhauses 4 Millionen Mark, der Neubau der Apotheke 1977 etwa 14,5 Millionen DM, davon Vorbereitungsmaßnahmen 1 Million, Baumaßnahmen 11 Millionen und Einrichtung etwa 2,5 Millionen DM.

Die alte Apotheke wurde 1889 eröffnet mit einem Oberapotheker und 5 Approbierten. In dieser Zeit hatte die Apotheke eine Zuteilung für Medikamente und Chemikalien in Höhe von 40.000,- Mark im Jahr. Diese Zahl stieg bis 1900 auf 67.000,- und bis 1928 auf knapp 250.000,- Mark.

1928 bestand das Fachpersonal aus 1 Oberapotheker, 1 Sekundärapotheker und 5 Approbierten, also aus 7 Apothekern. Diese Zahl wurde erst 1960 auf 8 erhöht, und wir erwarten, daß es ab Mitte 1979 wieder 9 sein werden, wie in der Bauphase nebst Vorbereitung von 1970 bis 1978.

Die Bandagenabteilung, heute "Beschaffungsstelle für Ärztlichen Bedarf", die auch für medizinisches Gerät zuständig war und noch ist, gab damals etwa die gleiche Summe wie die Apotheke aus; im Jahre 1928 waren es 228.000,- Mark. Die Beschaffungsstelle ist heute, allerdings streng getrennt, im gleichen Neubaugebäude wie die Apotheke untergebracht.

In den 20er Jahren wurden täglich etwa 1700 Ordinationen der Apotheke zur Erledigung zugestellt, davon knapp 1000 Rezepturen. Im Schnitt kann man heute von etwa 6000 Anforderungen pro Tag sprechen. Von 2500 Präparaten, die uns als Routinepräparate zur Verfügung stehen, sind über 500, - also gut 20 % - Eigenpräparate. Die eigentlichen "Rezepturen" sind durch Vorrätighalten der durch Großdefektur hergestellten Medikamente gering und werden von einem Apotheker bearbeitet. Vor 50 Jahren war im Gegensatz zu heute der größte Teil der Apotheker nicht in der Großproduktion, sondern dauernd mit den heute unwirtschaftlichen Einzelrezepturen beschäftigt.

Planung - Baubeginn - Einzug

Der Bedarf stieg, die Anforderungen erhöhten sich, und die Defektur bekam einen Umfang, der in der alten Apotheke nicht mehr zumutbar erschien. Die wachsenden Anforderungen konnten in den Räumen und bei der alten Ausstattung nicht mehr erfüllt werden.

Das Klinikum erweiterte sich ständig, neue Forschungsvorhaben und neue Operationsfächer mit allen Nachfolgeerscheinungen kamen dazu. Auflagen von Behörden und Ämtern erschwerten den Betrieb derart, daß die rentable Eigenproduktion gedrosselt werden mußte. Die Lage wurde derart brisant, daß mit Schließung der Apotheke bei Nichtbewilligung des Neubaus gedroht wurde. Dies wurde gefordert und unterstrichen durch viele Gutachten und Protokolle einer Reihe von Institutionen, unter anderem der Gesundheitsbehörde, der Gewerbeaufsicht und der Feuerpolizei. Ultimative Forderungen zwangen die Behörde schließlich zur Bewilligung des Neubaus der Apotheke.

Die ersten Planungen liegen jetzt über 20 Jahre zurück und sind mehrfach völlig geändert worden. Jahrelang schon wurden Baupläne vieler moderner Krankenhaus-Apotheken Deutschlands und Europas studiert, meist theoretisch, oft aber durch persönliche und auch kritische Besuche. Wir bemühten uns, in vielen Jahren der Vorbereitung die Erfahrung der Kollegen auszuwerten und aus dem großen Angebot das Positive herauszuholen. So haben wir vielen Kollegen zu danken, die uns bereitwillig auf Negatives und auf Schwierigkeiten aufmerksam machten, die wir bei unseren Plänen dann zu verhindern suchten.

Der Bau wurde beschränkt durch die kleine Grundfläche, die nur ein mehrstöckiges Haus zuließ. Es war uns klar, daß etwas Vernünftiges nur entstehen konnte, wenn die Bauplanung mit unserer fachlichen Hilfe und Entscheidung durchgeführt würde. Da dies nicht neben dem Betrieb möglich war, beantragten wir eine zusätzliche Apothekerstelle für die Dauer des Baus und für die erste Zeit nach Bezug.

Ende 1969 wurde für die "kurze" Zeit bis zur Fertigstellung diese KW-Stelle eingerichtet, die sich, mit einem Apotheker besetzt, nur um den Bau zu kümmern hatte. Im Herbst 1970 konnte ein Apotheker eingestellt werden.

Voraussetzung für das Gelingen der Planung und der Durchführung des Baus war die aktive Mitarbeit, die Initiative und der Leistungswille aller Kollegen.

Im Jahre 1974 wurden die ersten Gelder bewilligt und im August 1974 begann der eigentliche Bau, bei dem mit dem Richtfest Juli 1975 eine Zwischenstation zu verzeichnen war. Erst nach vieler Mühe und vielem Arger war die Apotheke im Herbst 1977 fertig.

Bei voller Weiterversorgung des Klinikums zogen wir am 21. September 1977 um und hoffen, daß drei Jahre nach Bezug, also bis Ende 1980, alle Kinderkrankheiten überwunden sein werden und wir dann zur vollen Zufriedenheit arbeiten können.

Offizin 1890

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Letzte Änderung: Joachim Kaufhold, 31.12.2004