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Pressemitteilung vom 12. Juli 2012

Hoffnung auf neue Behandlungswege bei Multiplem Myelom: UKE-Forscher entdecken Wachstumsfaktoren in Tumorzellen

Das Multiple Myelom (MM) gilt als eine der hartnäckigsten Krebsarten. Erkenntnisse von Krebsforschern am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) lassen jetzt auf neue Behandlungswege gegen diese Art des Lymphdrüsenkrebses hoffen.

 

Wenn das blutbildende System erkrankt und Zellen im Knochenmark bösartig entarten, sprechen Mediziner von einem Multiplen Myelom oder Plasmozytom. Das Charakteristische: Die krankhaft veränderten Zellen vermehren sich überschießend - aber warum? Eine mögliche Antwort fanden jetzt UKE-Forscher um Priv.-Doz. Dr. Djordje Atanackovic, Oberarzt an der II. Medizinischen Klinik und Leiter einer tumorimmunologische Arbeitsgruppe. Gemeinsam mit Prof. Dr. Nicolaus Kröger, Direktor der Klinik für Stammzelltransplantation, beobachtet er MM-Patienten. "Es ist uns gelungen, einen neuartigen Botenstoff zu finden, der beim Fortschreiten eines Myeloms eine zentrale Rolle spielt", erklärt Atanackovic, "möglicherweise ist es genau der chemische Stoff, der während der Kommunikation der Zellen deren Wachstum vorantreibt." Nachzulesen sind die Erkenntnisse in der neuesten Ausgabe des Fachmagazins "Journal of the National Cancer Institute".

 

Hohe Rückfallquote

 

Obwohl Lymphknoten selten befallen sind, zählt das MM formal zum Lymphdrüsenkrebs. Laut Arbeitsgemeinschaft Plasmozytom/Multiples Myelom (APMM) macht das MM dabei ein Prozent aller bösartigen Krankheiten aus: In Europa erkranken von 100.000 Menschen vier pro Jahr daran - und zwar überwiegend Personen über 60 Jahre. Das Tückische: Die entarteten Zellen produzieren Antikörper, die ihrer Aufgabe der Immunabwehr nicht mehr nachkommen. In der Folge leiden Betroffene meist an Knochenschmerzen und Nierenversagen, sie fühlen sich abgeschlagen und sind anfällig für Infekte. "Trotz einiger Fortschritte in der Therapie erleiden 90 Prozent von ihnen einen Rückfall", betont Atanackovic, "daher ist es dringend erforderlich, nach weiteren neuen Therapieansätzen zu forschen."

 

IL-16 beeinflusst Tumorwachstum

 

Die Wissenschaftler um Atanackovic untersuchten deshalb Interleukine, also körpereigene Botenstoffe in den Zellen des menschlichen Immunsystems, die unter anderem für die Kommunikation der weißen Blutkörperchen zuständig sind. Dabei stießen sie auf das Interleukin 16 (IL-16). "Die entarteten Myelomzellen stellen IL-16 selbst her und benutzen es für sich als einen wichtigen Wachstumsfaktor. Die Menge des Serums im Knochenmark der MM-Patienten ist daher ungewöhnlich hoch", erklärt Atanackovic, "setzen wir allerdings einen Antikörper gegen IL-16 ein, hört die Tumorzelle auf zu wachsen. Wir glauben, das Fortschreiten der Krankheit damit stoppen und neue Ansätze für entsprechende Therapien liefern zu können."

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Letzte Änderung: Saskia Lemm, 12.07.2012