Der Neurologe Dr. Götz Thomalla aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist mit dem Dr.-Martini-Preis ausgezeichnet worden. Der 38-jährige erhält den in diesem Jahr mit 3.000 Euro dotierten Nachwuchspreis für die Entwicklung einer Methode, um den Zeitpunkt eines Schlaganfalls zu bestimmen.
"Im Namen des Senates gratuliere ich dem Preisträger, Dr. Götz Thomalla, sehr herzlich. Die Dr. Martini-Stiftung setzt auch mit der diesjährigen Preisverleihung wieder ein Zeichen für die besondere Unterstützung der klinischen Grundlagenforschung in Hamburg. Besonders hervorzuheben ist, dass der Dr. Martini-Preis primär an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler verliehen wird. Auf diese Weise wird die Wissenschaft in Hamburg auf hohem Niveau nachhaltig gefördert. Im Namen der Stadt danke ich der Dr. Martini-Stiftung für ihr langjähriges Engagement", sagte Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Wissenschaft und Forschung.
"Das UKE konnte in den letzten Jahren viele bedeutende Preise für seine medizinische Forschung gewinnen. Dass der renommierte Dr.-Martini-Preis 2012 an einen jungen Forscher des UKE geht, zeigt, dass sich gute Nachwuchsarbeit auszahlt", sagte Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät des UKE. "Auch in diesem Jahr sind wieder viele sehr gute wissenschaftliche Arbeiten eingereicht worden. Dr. Thomallas Studienergebnisse stellen bedeutende Fortschritte in der Schlaganfalltherapie dar und eröffnen neue Behandlungsperspektiven für Patienten mit unbekanntem Symptombeginn", sagte Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Vorsitzender des Kuratoriums der Dr. Martini Stiftung und Direktor der I. Medizinischen Klinik des UKE.
MRT-Technik ermöglicht bessere Schlaganfall-Behandlung
"Für mich ist es eine große Ehre, den Dr.-Martini-Preis zu erhalten. Ich freue mich sehr über diese Anerkennung meiner Arbeit und sehe den Preis als Ansporn, meine Forschungsaktivitäten fortzusetzen", sagte Preisträger Priv.-Doz. Dr. Götz Thomalla, Klinik und Poliklinik für Neurologie des UKE. Er konnte in seiner Forschungsarbeit zeigen, dass es möglich ist, mit Hilfe eines Magnetresonanztomographen (MRT) den Zeitpunkt eines Schlaganfalls einzugrenzen. Dieses Verfahren kann jetzt Patienten zugute kommen, bei denen eine zeitliche Einordnung des Schlaganfalls bislang nicht möglich war - zum Beispiel, weil dieser im Schlaf auftrat. Seine Ergebnisse machen es erstmals möglich, dass auch diese Patienten eine wirksame Behandlung zur Auflösung von Blutgerinnseln erhalten, die sogenannte Thrombolyse. Von dieser Behandlung sind derartige Patienten zurzeit ausgeschlossen.
Forschung in eigener Sache
Im Rahmen der diesjährigen Preisverleihung präsentierte die Dr.-Martini-Stiftung zudem die Ergebnisse eines eigenen Forschungsauftrages, den das Institut für Ethik und Medizin des UKE umgesetzt hat. "Wir wollten wissen, welche Rolle die Stiftung in der Zeit des Nationalsozialismus spielte, ob in dieser Zeit Preisverleihungen stattfanden und welche wissenschaftlichen Arbeiten ausgezeichnet wurden", erklärt der Stiftungsvorsitzende Prof. Lohse. Insgesamt seien in den Jahren 1933 bis 1949 40 wissenschaftliche Arbeiten zu unterschiedlichen medizinischen Themen von 38 Hamburger Ärzten ausgezeichnet worden, berichtet Prof. Dr. Peter Schmiedebach, Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin des UKE.
In drei Fällen hätten sich ethische Verfehlungen nachweisen lassen. So habe etwa Dr. Heinrich Berning seine medizinische Forschung zum Hungerödem, für die er 1944 den Kriegsmartinipreis erhielt, experimentell an Kriegsgefangenen durchgeführt. Ein Großteil der ausgewerteten Arbeiten habe sich nicht abschließend bewerten lassen, weil sie Fragen bezüglich Probandenrekrutierung und Versuchsdurchführung offenließen. "Unsere Analyse zeigt, dass auch regimekritische Ärzte für ihre wissenschaftliche Forschung den Dr.-Martini-Preis erhielten", so Prof. Schmiedebach. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Februar-Ausgabe des Hamburger Ärzteblatt veröffentlicht worden.
Über die Dr.-Martini-Stiftung
Die Dr.-Martini-Stiftung wurde 1880 von Freunden und Kollegen des im gleichen Jahr verstorbenen Chirurgen Dr. Erich Martini ins Leben gerufen. Der Dr.-Martini-Preis - Hamburgs bedeutendste Ehrung dieser Art - wird jedes Jahr am Todestag des verstorbenen Chirurgen verliehen. Da der Todestag in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, findet die Preisverleihung einen Tag später statt.
Kontakt und weitere Informationen:
Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Direktor I. Medizinische Klinik, UKE, Telefon: (040) 7410-53910, E-Mail: alohse@uke.de
Prof. Dr. Peter Schmiedebach, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, UKE, Telefon: (040) 7410-52004, E-Mail: p.schmiedebach@uke.uni-hamburg.de
Priv.-Doz. Dr. Götz Thomalla, Klinik und Poliklinik für Neurologie, UKE, Telefon: (040) 7410-50137, E-Mail: thomalla@uke.uni-hamburg.de