Patienten mit seltenen, lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten aus Hamburg und den angrenzenden Bundesländern sowie Mecklenburg-Vorpommern und Bremen werden künftig im neuen Behandlungszentrum für hochansteckende Erkrankungen (BZHI) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) behandelt. Am Freitag, 3. September, feiert das UKE die Eröffnung des neuen Zentrums, das in Kürze in Betrieb genommen wird.
Patienten, die sich mit lebensbedrohlichen Erregern wie beispielsweise Filoviren (verantwortlich für das Ebola- und Marburg-Virus) oder Coronaviren (SARS) angesteckt haben, wurden früher in speziellen Isolierzelten behandelt. In den neuen Räumen auf dem Gelände des UKE erfolgt die Versorgung nun weitaus komplexer - dank einer neuen modernen Sicherheitstechnik. Mittels spezieller Isolationszimmer, Sicherheitsschleusen und einem besonderen Konzept zur Dekontamination gewährleisten die Infektions- und Tropenmediziner des UKE eine bestmögliche Patientenversorgung, bei der gleichzeitig das Personal und die Umwelt vor Ansteckung und Weiterverbreitung der Erreger geschützt werden. Die Kosten für die Errichtung des Behandlungszentrums wurden durch eine Zuwendung in Höhe von 3 880 000 Euro gefördert, die maßgeblich von der Freien- und Hansestadt Hamburg sowie von den Ländern Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern getragen werden.
Prof. Jörg F. Debatin, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE: "Mit dem neuen Behandlungszentrum für hochansteckende Erkrankungen ist das UKE gut vorbereitet auf die sichere Versorgung von lebensbedrohlich infizierten Patienten auf universitärem Niveau. Wir sind stolz, dass das neue Behandlungszentrum an unserer Institution eingerichtet wird."
Dr. Matthias Gruhl, Behörde für Arbeit, Frauen, Jugend und Soziales, Freie Hansestadt Bremen: "Infektionen machen nicht an Ländergrenzen halt. Das BZHI ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die gelungene Zusammenarbeit der Norddeutschen Länder."
Prof. Gerd-Dieter Burchard, Leiter des BZHI, I. Medizinische Klinik des UKE: "Wir können jetzt Patienten mit hochansteckenden lebensbedrohlichen Erregern auf höchstem universitären Niveau auch intensivmedizinisch, betreuen."
Lebensbedrohliche hochansteckende Erreger:
Bei den Erregern, die derart diffizile Sicherheitsstandards voraussetzen, kann es sich einerseits um Keime handeln, die aus Endemiegebieten eingeschleppt wurden, andererseits aber auch bei bioterroristischen Angriffen oder Laborunfällen freigesetzt werden. Den Infektionserregern gemein ist, dass sie entweder durch direkten Kontakt oder über die Luft übertragen werden, extrem ansteckend sind und mit einer hohen Sterblichkeit einhergehen. Zu den bekanntesten Vertretern zählen das Ebola- und Lassa-Virus sowie Pocken- oder auch Coronaviren. Die Sektion Tropenmedizin der 1. Medizinischen Klinik des UKE orientiert sich mit ihrem Betriebs- und Hygienekonzept an internationalen Standards und gehört zu den diesbezüglich modernsten Einrichtungen in der Welt.
Besondere bauliche Voraussetzungen:
Für einen größtmöglichen Schutz für Personal und Umwelt erfüllt das BZHI besondere bauliche Voraussetzungen. Um vom Außen- in den Patientenbereich zu gelangen, muss ein zweifaches Schleusensystem passiert werden. Die äußere Schleusenkammer beinhaltet einen Umkleidebereich sowie eine Personendusche. Der innere Schleusenbereich ist mit einer Desinfektionsdusche ausgestattet. Der zum Patientenbereich hin zunehmende Unterdruck verhindert, dass Erreger nach außen gelangen. Zudem verfügt das Behandlungszentrum über ein eigenständiges Zu- und Abluftsystem sowie eine chemische Abwasserdesinfektionsanlage. Eine eigens für das BZHI zur Verfügung stehende Notstromversorgung sichert einen reibungslosen Ablauf bei einem möglichen Stromausfall.
Medizinische Ausstattung:
Es stehen insgesamt drei Intensiv-Bettenzimmer zur Verfügung, so dass bis zu drei isolierpflichtige intensivmedizinische Patienten gleichzeitig versorgt werden können. Einmal pro Woche trainiert das Personal das An- und Ausziehen der Ganzkörper-Schutzanzüge. Alle zwei Monate findet zudem eine fachübergreifende Großübung statt. Sind die Räume des BZHI nicht mit Patienten belegt, wird das Behandlungszentrum von der Abteilung Tropenmedizin/Infektologie des UKE für den Normalbetrieb genutzt, so dass keine laufenden Vorhaltungskosten anfallen.