Wer an der Medizinischen Fakultät des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) studieren möchte, kann die Zugangshürde in diesem Jahr auch via naturwissenschaftlichem Test, Mini-Interview und als potentieller Zahnmediziner auch erstmals durch einen Drahtbiegetest meistern. Denn das UKE vergibt rund 60 Prozent seiner Studienplätze nach Ranglisten, die sich aus einer Kombination von Testergebnissen und Abiturnote ergeben. Rund 900 Studienbewerber starten am 13. August vormittags das Prüfungsverfahren.
"Ärzte und Zahnärzte brauchen mehr als ein sehr gutes Abitur. Die Medizinische Fakultät möchte unter den vielen sehr guten Bewerbern diejenigen auswählen, die sowohl die naturwissenschaftlichen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium als auch psychosoziale Fähigkeiten oder, bei Zahnärzten, manuelles Geschick für den guten Umgang mit Patienten mitbringen", sagt Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät des UKE.
Am 13. August sind deshalb 900 Studienbewerber der Medizin eingeladen, ihre Naturwissenschaftskenntnisse zu beweisen. Zweihundert von ihnen qualifizieren sich für die zweite Stufe des Verfahrens. In einer Woche, am 20. August, müssen sie in mehreren kurzen Interview-Stationen wichtige Schlüsselqualifikationen des Arztberufes unter Beweis stellen. In diesem Assessment-Center-ähnlichen Interviewverfahren muss jeder in fünfminütigen Gesprächen neun unterschiedliche Aufgaben bewältigen, wobei er von je zwei geschulten Juroren nach vorgegebenen Kriterien bewertet wird. Die Zuverlässigkeit der Beurteilung durch die Vielzahl an Juroren ist wesentlich höher als in klassischen Interviews. Aspiranten auf einen Zahnmedizinstudienplatz werden zudem in einem Drahtbiegetest auf ihre manuelle Geschicklichkeit hin geprüft.
Deutschlandweit ist Hamburg die einzige Universität, die die Bewerber einem solch aufwändigen zweistufigen Auswahlverfahren unterzieht, das zudem noch selbst entwickelt wurde. "Insgesamt beteiligen sich über 100 Dozenten, 35 Schauspieler und 50 weitere Helfer an der Auswahl, so dass die neuen Studierenden meist bereits Anfang September eingeschrieben sind und sich in Ruhe vorbereiten können", sagt Prof. Dr. Wolfgang Hampe, Professor für Biochemie mit Schwerpunkt Lehre und Koordinator des Auswahlverfahrens. "Diese Anstrengung leistet die Medizinische Fakultät gerne, um gute und zu ihr passende Bewerber zu finden."
Die Testergebnisse eines Bewerbers werden jeweils mit seiner Abiturnote kombiniert. In jeder Stufe können bei den Tests maximal 59 Punkte erzielt werden. Diese werden zur Abiturnote (maximal 60) Punkte hinzuaddiert. Aus der Gesamtpunktzahl werden Ranglisten erstellt. Seit 2004 ist es den deutschen Universitäten erlaubt, 60 Prozent ihrer Studienplätze nach eigenen Testverfahren zu vergeben. Die Medizinische Fakultät Hamburg hat daraufhin begonnen, ein sinnvolles und valides Testverfahren zu entwickeln und setzt dies seit 2008 sukzessive ein.
An der Medizinischen Fakultät des UKE studieren derzeit 2 654 Studierende Humanmedizin, weitere 523 Studierende haben das Ziel, Zahnarzt werden. Zum Semesterbeginn im Oktober 2010 werden insgesamt 436 Erstsemester aufgenommen (369 Humanmedizin, 67 Zahnmedizin). 2009 bezog die Fakultät erstmals in der Geschichte des UKE ein eigenes Gebäude, das Hörsaalgebäude Campus Lehre, das durch seine Bauweise, die technische Ausstattung und die unmittelbare Anbindung an die Universitätsmedizin des UKE - vor allem auch im Neuen Klinikum (bezogen 2010) - und an den Campus Forschung (bezogen 2007) beste Voraussetzungen für das Medizinstudium der Zukunft bietet.