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| Home > Medien > Pressemitteilungen 2009 > Kooperationsprojekt: Welche Auswirkung hat eine Schwerhörigkeit bei Kindern auf den Spracherwerb?
Pressemitteilung vom 28. Mai 2009

Welche Auswirkung hat eine Schwerhörigkeit bei Kindern auf den Spracherwerb?

Für den Spracherwerb braucht ein Kind ein intaktes Gehör. Viele Kinder kommen jedoch mit einer Innenohrschwerhörigkeit beider Ohren zur Welt. Diese Schwerhörigkeit - eine Schallempfindungsstörung - zählt zu den häufigsten Schädigungen im Kindesalter. Bislang ist jedoch kaum untersucht, wie der Spracherwerb dieser Kinder verläuft. Die Studie "Spracherwerb bei schwerhörigen Kindern" geht dieser Frage nun nach. Sie ist ein Kooperationsprojekt des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Universität Bremen und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über drei Jahre mit 350 000 Euro gefördert.

Eine mittelgradige Schwerhörigkeit wurde bis heute meist erst spät, also im zweiten bis vierten Lebensjahr, entdeckt. Dann erhalten die Kinder auch Hörgeräte. Die ersten Lebensjahre sind für den Spracherwerb jedoch entscheidend: Bis Ende des dritten Lebensjahres sollte der Spracherwerb in seinen Kernaspekten abgeschlossen sein. Daher sind für diese Kinder gravierende Konsequenzen für die sprachliche Entwicklung zu erwarten. Bisherige Studien belegen, dass die Schwerhörigkeit zu einer erheblich verzögerten Sprachentwicklung führen kann.

Offen ist jedoch unter anderem, ob es zu Defiziten kommt, die nicht mehr aufgeholt werden können und ob eine frühere Erkennung der Schwerhörigkeit zu einer Verbesserung der Situation führt. Welchen Einfluss hat also der Zeitpunkt der Diagnose, der Versorgung mit Hörgeräten und der sprachlichen Frühförderung auf den Spracherwerb? Diese Frage ist von aktueller gesundheitspolitischer Relevanz: Diskutiert wird die Kosten-Nutzen-Bilanz eines flächendeckenden Neugeborenen-Hörscreenings, mit dem man Hörstörungen bereits in den ersten Lebenstagen identifizieren kann. Ein solches Hörscreening wurde bis vor kurzem nur in einigen Modellregionen wie beispielsweise in Hamburg (2002) durchgeführt. Hier werden seit Jahren schwerhörige Kinder früh identifiziert, mit Hörgeräten versorgt und früh sprachlich gefördert. Deutschlandweit ist ein Hörscreening bei allen Neugeborenen als Leistung gesetzlicher Krankenkassen erst im Januar 2009 eingeführt worden. Die DFG-Studie wird bei 3- und 4-jährigen Kindern - sowohl mit früher als auch mit später Diagnose - untersuchen, ob die Entwicklung ausgewählter sprachlicher Bereiche, insbesondere der Grammatik, von der Schwerhörigkeit betroffen sind und in welchem Umfang eine frühe Versorgung einen ungestörten Spracherwerb ermöglicht.

Geleitet wird die Studie "Spracherwerb bei schwerhörigen Kindern" von der Bremer Professorin für Sprachbehindertenpädagogik Monika Rothweiler, dem Arzt und Direktor der Poliklinik für Hör-, Stimm- und Sprachheilkunde des UKE, Professor Markus Hess, sowie der Linguistik-Professorin Martina Penke von der Universität Gent. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeiten die Linguistin Eva Wimmer (Bremen) und der Hörgeschädigtenpädagoge und Gebärdensprachlinguist Johannes Hennies (UKE)  im Projekt.

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Letzte Änderung: Christine Jähn, 28.05.2009