Drei junge Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) wurden heute mit dem Dr.-Martini-Preis für Ihre Arbeiten ausgezeichnet. Der Dr.-Martini-Preis, der bereits im Jahre 1880 von Hamburger Kaufleuten gestiftet wurde, zeichnet jedes Jahr hervorragende Nachwuchswissenschaftler aus, die in Hamburger Krankenhäusern tätig sind und sich mit klinischer Grundlagenforschung und neuen Therapieansätzen beschäftigen. In diesem Jahr ist er mit 4.500 Euro dotiert. Das Kuratorium der Dr.-Martini-Stiftung hat die Auszeichnung heute an Dr. Elke Hennes, Dr. Stefan Lüth und Dr. Samuel Huber aus der I. Medizinischen Klinik des UKE vergeben.
Dr. Elke Hennes hat mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur schnelleren Diagnose der Autoimmunen Hepatitis geleistet. Die Autoimmune Hepatitis ist eine seltene Erkrankung, welche, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, rasch zur Entwicklung einer Leberzirrhose führt. Wird die Erkrankung jedoch in einem frühen Stadium diagnostiziert, ist sie mit Hilfe einer Kombinationstherapie bei fast allen Patienten sehr gut kontrollierbar und bei Patienten, die rechtzeitig therapiert werden, kommt es nicht zu einer Einschränkung der Lebenserwartung. Allerdings sind die bestehenden Diagnosekriterien der Internationalen Hepatitis Group sehr komplex.
Dr. Hennes hat mit ihrem Team eine einfache Score bestehend aus sieben Parametern entwickelt und nachgewiesen, dass mit diesem Score die Diagnose der Autoimmunen Hepatitis schnell und zuverlässig möglich ist. Sie hat damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Behandlung an Autoimmuner Hepatitis erkrankter Patienten geleistet.
Dr. Stefan Lüth und Dr. Samuel Huber haben sich mit der immunologischen Rolle der Leber beschäftigt und dabei eine mögliche Therapie von Autoimmunerkrankungen gefunden. Das Immunsystem muss zwischen "harmlos" und "gefährlich" unterscheiden. "Gefährlich" sind meist körperfremde Substanzen wie Bakterien und Viren, "harmlos" meist Strukturen des eigenen Körpers, der von den Angriffen des Immunsystems verschont bleiben soll. Im Falle von Autoimmun-erkrankungen wie chronischer Polyarthritis, Diabetes mellitus Typ I oder der Multiplen Sklerose versagt dieser "Nichtangriffspakt". Dr. Lüth und Dr. Huber haben mit Ihrer Arbeit herausgefunden, dass die Leber regulatorische T-Zellen induzieren kann und diese T-Zellen vor einer Autoimmunerkrankung schützen können. Diese schützenden T-Zellen lassen sich gezielt generieren, indem man das spezifische Autoantigen, in diesem Fall das körpereigene Myelin basische Protein, in der Leber exprimiert. Möglicherweise ist dies ein neuartiger Ansatz zur Prophylaxe und Therapie der multiplen Sklerose, wie auch anderer Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus, chronische Polyarthritis oder Vitiligo.
Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Kuratoriumsvorsitzender der Dr.-Martini-Stiftung: "Beide Preisarbeiten stellen bedeutende Fortschritte in Forschung an Autoimmunerkrankungen dar, und sind beispielhaft für zwei unterschiedliche Arten klinischer Forschung: die Arbeit von Dr. Lüth und Dr. Huber ist eine Grundlagenarbeit, die ein neues Verständnis ermöglicht, und die Perspektive völlig neuartiger Therapie von Autoimmunerkrankungen eröffnet, die sich aber erst noch klinisch wird bewähren müssen. Die Arbeit von Frau Dr. Hennes hingegen hat schon heute die klinische Praxis verändert und hilft betroffenen Patienten, dass ihre Erkrankung korrekt erkannt und behandelt wird."