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Flucht

Langfristige Folgen von Flucht und Vertreibung - Wissenschaftliche Untersuchung von Betroffenen und ihren Nachkommen


Künstler: Dr. S. Ali Wasif; Inner Anguish*

Unsere Klinik beschäftigt sich seit Jahren mit der Erforschung und Behandlung von psychischen Erkrankungen. Mit Hilfe einer neuen Studie möchten wir die langfristigen Folgen von Flucht und Vertreibung im Kindesalter untersuchen sowie mögliche Effekte auf die Folgegeneration. Eine erste Studie zu diesem Thema "Transgenerationale psychophysische Folgen von Flucht und Vertreibung im Kindesalter sowie elterlicher Posttraumatischer Belastungsstörung" unter Leitung von Herrn Dr. Muhtz lieferte bereits neue Erkenntnisse über körperliche und psychische Veränderungen, die bei Menschen bestehen können, die als Kinder vertrieben wurden oder geflüchtet sind. Es zeigte sich, dass die Mehrheit der Teilnehmer/innen z.T. schwere Traumatisierungen während der Flucht/Vertreibung erlebt hat und viele der Betroffenen auch heute noch unter den Folgen leiden, z.B. in Form einer so genannten Posttraumatischen Belastungsstörung.

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Eine PTBS kann als (verzögerte) Reaktion auf belastende Ereignisse oder eine außergewöhnliche Bedrohung (z.B. das Miterleben von Verbrechen, einer Vergewaltigung etc.), die bei fast jedem Menschen eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würden, auftreten. Neben dem ungewollten Wiedererleben des Traumas (z.B. in Form von Bildern, Albträumen u.a.) sind das Vermeiden von Reizen, die im Zusammenhang mit den Trauma stehen (z.B. Filme und Gespräche zum Thema) sowie ein erhöhtes körperliches Erregungsniveau (z.B. erhöhte Schreckreaktion) typische Symptome.
Durchschnittlich entwickeln etwa 2-8% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens eine posttraumatische Belastungsreaktion, wobei die Zahl von Betroffenen in Risikogruppen (z.B. Kriegs- und Fluchtopfer) deutlich höher liegt.
Nach bisherigem Kenntnisstand haben Personen mit PTBS eine veränderte Verarbeitung von Informationen, die im Zusammenhang zum traumatischen Erlebnis stehen, welche einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und Aufrechterhaltung posttraumatischer Beschwerden haben könnte.
Das Vorliegen einer Traumatisierung bzw. PTBS scheint auch einen Einfluss auf die allgemeine psychische Gesundheit der nachfolgenden Generation zu haben - allerdings erlauben die bisherigen Studien zu möglichen Effekten in der zweiten Generation keine abschließenden Schlussfolgerungen. In einer Studie unserer Arbeitsgruppe zu diesem Thema konnten wir - im Gegensatz zu Studien, die mit den erwachsenen Nachkommen von Vietnamveteranen durchgeführt wurden - keine Besonderheiten bei der Verarbeitung Traum-relevanter Reize bei den erwachsenen Nachkommen finden  (Wittekind, Jelinek, Kellner, Moritz & Muhtz, 2010). Aus diesem Grund ist die weitere Erforschung möglicher Beeinträchtigungen bei den erwachsenen Kindern der betroffenen Personen von größter Relevanz.

Forschungsvorhaben
In unserem neuen Forschungsprojekt möchten wir nun genauer untersuchen, wie Betroffene mit den Erlebnissen der Flucht und Vertreibung umgegangen sind und wie sie die Erlebnisse bewältigt haben. Darüber hinaus interessiert uns, ob Betroffene und ihre Kinder bestimmte Informationen, die im Zusammenhang zu Flucht/Vertreibung stehen, anders verarbeiten als Personen, die das Ende des Krieges im norddeutschen Raum erlebt haben.
Für die Durchführung der Studie suchen wir Personen, die während/nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben wurden/geflüchtet sind sowie eines der Kinder, die uns bei unserem Forschungsvorhaben unterstützen möchten. Im Falle einer Teilnahme findet eine Untersuchung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) an einem Termin von maximal 4 Stunden Dauer statt.
Wenn Sie sich näher für unser Forschungsvorhaben oder eine Teilnahme interessieren, schreiben Sie uns gerne eine Mail (c.wittekind[at]uke.de) oder rufen Sie uns unter folgender Nummer an: 040/7410 58087.


Unterstützen Sie uns bei unseren Forschungsbemühungen!
Wir sind eine kleine Forschungsabteilung, deren Forschungsgelder überwiegend über Antragsverfahren eingeworben werden müssen. Die vorliegende Studie wird so z.B. durch ein Stipendium der Universität Hamburg für Frau Charlotte Wittekind gefördert. Die auf derartigen Wegen eingeworbenen Mittel für Forschungsprojekte reichen meist aber nicht aus, um alle anfallenden Kosten zu decken. Sobald eine Idee sich als machbar und sinnvoll erwiesen hat, müssen z.B. Untersuchungsmaterialien erstellt, Personen eingeladen und für Ihren Aufwand sowie die Anfahrtskosten entschädigt werden. Gerade bei diesem Projekt fallen hohe Reisekosten an, da Teilnehmer aus dem gesamten norddeutschen Raum an der Untersuchung teilnehmen - Kosten, die wir leider nicht vollständig über die eingeworbenen  Mittel finanzieren können.
Darüber hinaus fallen für die Veröffentlichung der Ergebnisse in internationalen Zeitschriften häufig Kosten für den Druck an. Aber gerade durch die Veröffentlichung  in internationalen Fachzeitschriften werden die Ergebnisse zu den langfristigen Folgen von Flucht und Vertreibung nicht nur national, sondern international publik gemacht und gewürdigt.

Falls Sie uns auch finanziell bei unserem Vorhaben unterstützen möchten, freuen wir uns über Spenden auf folgendes Konto:

Kontoinhaber: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Bank: Hamburger Sparkasse (Bankleitzahl: 200 505 50)
Kontonummer: 1234 363636
Betreff: 0470/001; Studie zu Flucht und Vertreibung
(unbedingt angeben, da es sich um ein Sammelkonto handelt, hinter der Nummer den genauen Bestimmungszweck)
IBAN: DE54200505501234363636
BIC/Swift: HASPDEHHXXX

Publikationen
Wittekind, C. E., Jelinek, L., Kellner, M., Moritz, S. & Muhtz, C. (2010). Intergenerational transmission of biased information processing in posttraumatic stress disorder (PTSD) following displacement after World War II. Journal of Anxiety Disorders,  doi:10.1016/j.janxdis.2010.06.023.

* Dieses Foto ist gemeinfrei (Künstler: Dr. S. Ali Wasif; Link: http://www.flickr.com/photos/syedaliwasif/497431652/in/photostream/)

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Letzte Änderung: Dr. Steffen Moritz, 03.10.2010

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