Zwang
Zwangsstörung/obsessive-compulsive disorder

artist: danamdefebbo: "Bother you?" (Störend?)*
| Vorbemerkung: Diese Seiten dienen dem Zweck, Sie über unsere Hamburger Projekte zu informieren und haben nicht den Anspruch, einen umfassenden Überblick gegenwärtiger internationaler Forschung zu liefern. Wir zitieren daher nur eigene Studien, möchten aber gleichzeitig betonen, dass unsere Arbeiten selbstverständlich vielfach auf den Studien und Theorien anderer Autoren basieren. Impotant note: Our web pages pursue the goal to inform you about our research projects in Hamburg and cannot to provide a comprehensive review of international research. For this reason, we only cite our own studies but would like to emphasize that our work is often based on the empirical efforts of others in the field. |
Hauptbeteiligte
Prof. Dr. Steffen Moritz
Dr. Lena Jelinek
Birgit Hottenrott
Sarah Randjbar
Prof. Dr. Burghard Andresen
Kooperationspartner (alphabetische Reihenfolge)
Prof. Dr. Bernhard Dahme (Fachbereich Psychologie, Hamburg)
Dr. Andrea Ertle (Humboldt Universität Berlin)
Dr. Susanne Fricke (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg)
Prof. Dr. Iver Hand (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg)
Prof. Dr. Norbert Kathmann (Humboldt Universität Berlin)
Prof. Dr. Michael Kellner (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg)
PD Dr. Beat Meier (University of British Columbia, Vancouver)
Dr. Adrian von Mühlenen (University of British Columbia, Vancouver)
Prof. Dr. Michael Wagner (Klinik für Psychiatrie, Bonn)
Gedächtnis, Metagedächtnis und Verantwortung
In unseren Studien greifen wir Überlegungen in der Literatur auf, wonach Zwangspatienten eher Defizite im Bereich des Metagedächtnisses (u.a. Urteilssicherheit, subjektive Bewertung des eigenen Leistungsniveaus) als der Gedächtnisgenauigkeit aufweisen. In einer neueren Untersuchung fanden wir keinerlei Unterschiede zwischen gesunden Probanden und Zwangspatienten für Quellengedächtnis (betrifft u.a. das Wissen woher eine Information kommt), Urteilssicherheit oder die subjektive Lebendigkeit gespeicherter Gedächtnisepisoden (Moritz et al., 2006). Ergebnisse einer Folgestudie weisen darauf hin, dass eine Minderung des Metagedächtnisses bei Zwang nur dann auftritt, wenn die subjektive Verantwortung erhöht ist: Zwangspatienten zeigten in einem virtuellen Szenario, bei dem das Leben anderer Menschen auf dem Spiel stand, eine deutliche Erniedrigung der Urteilssicherheit und der Bewertung der eigenen Leistung, im Vergleich zu gesunden Probanden. Keinerlei Unterschiede wurden in einem Kontrollszenario ohne Verantwortung gefunden (Moritz et al., 2007a).
Assoziationsspaltung (Behandlung)
Eine von uns entwickelte Technik zur Reduktion von Zwangsgedanken (Assoziationsspaltung; Moritz et al., 2007b) ist auf der folgenden Seite beschrieben:
http://www.uke.de/assoziationsspaltung
Depression als Moderator neuropsychologischer Störungen bei Zwang
Eigene Forschungsvorhaben (Moritz et al., 2001a, 2002b, 2003) gelangen zu dem Schluss, dass eine komorbid bestehende depressive Symptomatik als Moderator neuropsychologischer Störungen bei Zwang stärker zu beachten ist. Wir konnten sowohl für exekutive (Moritz et al., 2001a; Wisconsin Card Sorting Test, Trail-Making Test B) als auch mnestische Funktionen (Moritz et al., 2003) zeigen, dass Beeinträchtigungen in diesen Bereichen mit der Höhe komorbider Depression korrelieren und nicht primär auf die Zwangserkrankung zurückzugehen scheinen. Darüber hinaus gelang es uns, mit Dysfunktionen im Delayed Alternation Test (DAT, sensitiv für den orbito-frontalen Kortex; Moritz et al., 2001b) und einem Test zur Prüfung visuospatialer Transformation mögliche Marker der Zwangserkrankung zu finden, die unbeeinflusst von komorbider Depression waren. Eine mit Peter Graf entwickelte Modifikation des Delayed Alternation Tests wird derzeit untersucht.
Vorhersage des Behandlungserfolges
Seit 1997 forscht unsere Arbeitsgruppe zu Outcome-Prädiktoren sowie neurokognitiven Veränderungen bei Zwangserkrankten in enger Kooperation mit dem Bereich Verhaltenstherapie der Klinik. Während erste Ergebnisse noch den vorläufigen Schluss nahe legten, dass Störungen der zentralen Exekutive (Problemlösen, kognitive Umstellfähigkeit) mit einer geringeren Therapieansprache assoziiert sind (Moritz et al., 1999), konnte dies in einer größeren Nachfolgestudie nicht bestätigt werden (Moritz et al., 2005a). Verlaufsanalysen an 53 Zwangspatienten sprechen dafür, dass eine erhöhte Ausprägung schizotypischer Positivsymptomatik bei Zwang (sensorische Irritationen, magisches Denken, Argwohn) eine negative Therapieresponse vorhersagt (Moritz et al., 2004a).
Syndromale Struktur der Zwangsstörung und komorbider depressiver Symptome
Weitere Studien unserer Arbeitsgruppe beschäftigten sich mit der syndromalen Struktur der Yale-Brown Obsessive-Compulsive Scale (Y-BOCS), dem am häufigsten eingesetzten Instrument zur Quantifizierung von Zwangssymptomatik. Wir konnten unter Einsatz explorativer und konfirmatorischer faktorenanalytischer Methoden zeigen (Moritz et al., 2002a), dass die Y-BOCS am besten durch drei (statt herkömmlich zwei) Faktoren beschreibbar ist, wobei wir empfehlen, Item 4 und 9 (Widerstand gegen Zwangssymptomatik) als dritten Faktor neben der "Stärke der Zwangsgedanken" und der "Stärke der Zwangshandlungen" zu berücksichtigen. Eine Faktorenanalyse des Hamburger Zwangsinventars (HZI) wurde von Maß et al. (1997) veröffentlicht, eine Faktorenanalyse der Hamilton Depression Rating Scale, welche ein 4-Faktor-Modell favorisiert, erschien 2004 (Moritz et al., 2004b).
Raumverarbeitung und non-verbales Gedächtnis bei Zwang
In einem 2000 von der DFG bewilligten Projekt (MO 969/1-1) haben wir mögliche Zusammenhänge zwischen Dysfunktionen der Raumverarbeitung und non-verbalem Gedächtnis mit Zwangssymptomen erforscht. Hierbei wurde insbesondere der Frage nachgegangen, ob die in vielen Studien berichteten visuell-mnestischen Störungen ein Epiphänomen primärer Störungen der Raumverarbeitung bei ansonsten intakten Gedächtnisprozessen darstellen. Hierbei setzten wir sowohl "grobkörnige" neuropsychologische Verfahren ein (z.B. Mosaiktest, Rey-Zeichentest) als auch eher experimentelle Verfahren, die eine Feinanalyse spatialer Defizite erlauben (Testbatterie VS). Die 2005 publizierten Ergebnisse erbrachten keine Hinweise auf spezifische spatiale oder non-verbale-mnestische Defizite bei Zwang (Moritz et al., 2005b; siehe auch Jelinek et al., 2006).
Literaturverzeichnis siehe unten
zur deutschen Version
Researchers
Prof. Dr. Steffen Moritz
Dr. Lena Jelinek
Birgit Hottenrott
Sarah Randjbar
Prof. Dr. Burghard Andresen
Cooperation
Prof. Dr. Bernhard Dahme (Fachbereich Psychologie, Hamburg)
Dr. Andrea Ertle (Humboldt Universität Berlin)
Dr. Susanne Fricke (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg)
Prof. Dr. Iver Hand (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg)
Prof. Dr. Norbert Kathmann (Humboldt Universität Berlin)
Prof. Dr. Michael Kellner (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Hamburg)
PD Dr. Beat Meier (University of British Columbia, Vancouver)
Dr. Adrian von Mühlenen (University of British Columbia, Vancouver)
Prof. Dr. Michael Wagner (Klinik für Psychiatrie, Bonn)
Memory, metamemory and responsibility
In our current and recent studies, we picked up theoretical considerations claiming that OCD patients display performance deviances for metamemory (e.g., response confidence, subjective appraisal of one's performance skills) rather than for memory accuracy. In a recent investigation OCD patients and healthy controls did not differ with regard to source memory (i.e., memory for the source of information), response confidence and subjective vividness of stored memory episodes (Moritz et al., 2006). In a subsequent study, we obtained results suggesting a decrement of metamemory only under conditions where subjective responsibility is inflated: Patients displayed decreased response confidence and worse subjective appraisal of their performance compared to healthy controls in a virtual scenario, in which the participant carried special responsibility for the well-being of other people. No differences occurred for a control scenario without enhanced responsibility (Moritz et al., 2007a).
Association splitting (treatment)
A self-developed technique to reduce obsessive thoughts (association splitting; Moritz et al., 2007b) is described on the following page: http://www.uke.de/assoziationsspaltung
Depression as a moderator of neuropsychological impairment in OCD
Several studies were able to demonstrate (Moritz et al., 2001a, 2002b, 2003) that comorbid depressive symptomatology is a potential moderator of neurocognitive impairment in OCD. Dysfunctions in the executive (Moritz et al., 2001a; Wisconsin Card Sorting Test, Trail-Making Test B) as well as the memory domain (Moritz et al., 2003) have been found to correlate with the degree of comorbid depressive symptoms and are not primarily attributable to OCD-related problems. However, dysfunctions in OCD patients on a delayed alternation task which is thought to be sensitive to the orbito-frontal cortex (Moritz et al., 2001b) and a test measuring visuospatial transformation were not correlated with comorbid depressive symptoms and may represent markers of the disease. At the moment, we are investigating a modification of the delayed alternation test that was constructed in cooperation with Peter Graf.
Outcome prediction
Since 1997, our group has been conducting research on outcome predictors and neurocognitive alterations in OCD. We are working in close cooperation with the cognitive-behavioral unit of our hospital. Whereas early preliminary results suggested that executive dysfunctions (e.g., problem solving, cognitive shifting) are associated with an attenuated therapy response (Moritz et al., 1999), we were unable to confirm this result in a larger subsequent study (Moritz et al., 2005a). Longitudinal data collected in 53 OCD patients indicate that enhanced scores in questionnaires tapping positive schizotypal features (sensory irritations, suspiciousness, magical thinking) predict a negative outcome (Moritz et al., 2004a).
Visuospatial functioning and non-verbal memory in OCD
In a project supported by the German Research Foundation (MO 969/1-1) we have investigated a possible link between visuospatial dysfunctions and non-verbal memory with OCD symptomatology. We were especially interested to shed light on the question whether disturbances in spatial memory tasks frequently reported in previous research are an epiphenomenon of more primary disturbances in spatial processing. The test battery involved both standard neurocognitive tests (e.g., block design, Rey figure) as well as more experimental cognitive tests that allow for a fine-grained analysis of spatial deficits. The results provided no evidence for the existence of specific spatial or non-verbal memory deficits in OCD (Moritz et al., 2005b; see also Jelinek et al., 2006).
Literaturverzeichnis/References
Moritz, S., Wahl, K., Zurowski, B., Jelinek, L., Hand, I. & Fricke, S. (2007a). Enhanced perceived responsibility decreases metamemory but not memory accuracy in obsessive-compulsive disorder (OCD). Behaviour Research and Therapy, 45, 2044-2052.
Moritz, S., Jelinek, L., Klinge, R. & Naber, D. (2007b). Fight fire with fireflies! Association splitting: a novel cognitive technique to reduce obsessive thoughts. Behavioural and Cognitive Psychotherapy, 35, 631-635.
Moritz, S., Jacobsen, D., Willenborg, B., Jelinek, L. & Fricke, S. (2006). A check on the memory deficit hypothesis of obsessive-compulsive checking. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 256, 82-86.
Jelinek, L., Moritz, S., Heeren, D. & Naber, D. (2006). Everyday memory functioning in obsessive- compulsive disorder. Journal of the International Neuropsychological Society, 12, 746-749.
Moritz, S., Kloss, M., Jacobsen, D., Fricke, S., Cutler, C., Brassen, S. & Hand, I. (2005a). Neurocognitive impairment does not predict treatment outcome in obsessive-compulsive disorder. Behaviour Research and Therapy, 43, 811-819.
Moritz, S., Kloss, M., Jacobsen, D., Kellner, M., Andresen, B., Fricke, S., Kerkhoff, G., Sieman, C. & Hand, I. (2005b). Extent, profile and specificity of visuospatial impairment in obsessive-compulsive disorder (OCD). Journal of Clinical and Experimental Neuropsychology, 27, 795-814.
Moritz, S., Fricke, S., Jacobsen, D., Kloss, M., Wein, C., Rufer, M., Katenkamp, B., Farhumand, R. & Hand, I. (2004a). Positive schizotypal symptoms predict treatment outcome in obsessive-compulsive disorder. Behaviour Research and Therapy, 42, 217-227.
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Moritz, S., Kloss, M., Jacobsen, D., Wein, C., Fricke, S. & Hand, I. (2002a). Dimensional structure of the Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale (Y-BOCS). Psychiatry Research, 109, 193-199.
Moritz, S., Kloss, M., Jahn, H., Hand, I., Haasen, C. & Krausz, M. (2002b). Executive functioning in obsessive-compulsive disorder, unipolar depression and schizophrenia. Archives of Clinical Neuropsychology, 17, 477-483.
Moritz, S., Birkner, C., Kloss, M., Jacobsen, D., Fricke, S., Böthern, A. & Hand, I. (2001a). Impact of comorbid depressive symptoms on neuropsychological performance in obsessive-compulsive disorder. Journal of Abnormal Psychology, 110, 653-657.
Moritz, S., Kloss, M., Katenkamp, B., Birkner, C. & Hand, I. (1999). Neurocognitive functioning in OCD before and after treatment. CNS Spectrums, 4, 21-22.
Maß, R., Conradi, M., Moritz, S. & Andresen, B. (1997). Analyse der Kurzform des Hamburger Zwangsinventars (HZI-K). Verhaltenstherapie, 7, 90-95.
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