Bildgebende Untersuchungen der Nuklearmedizin zur Erkennung von Erkrankungen des Gehirns
Vorwort
Die korrekte Erkennung einer Erkrankung ist Voraussetzung für die Wahl der optimalen Behandlungsmethode. Gerade bei Erkrankungen des Gehirns kann jedoch die Ausprägung der Beschwerden von Patient zu Patient so stark variieren, dass eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Erkrankungen allein anhand der Symptome manchmal kaum möglich ist. In diesen Fällen können moderne bildgebende Untersuchungen des Gehirns, unter anderem mit nuklearmedizinischen Verfahren, hilfreich sein.
Die nuklearmedizinischen Verfahren beruhen darauf, dass dem Patienten eine sehr kleine Menge einer für die vorliegende Fragestellung geeigneten radioaktiven Substanz injiziert wird, die sich im Verlauf von Minuten bis wenigen Stunden im Gehirn verteilt. Mit einer entsprechenden Kamera kann dann von außen ein Bild der Verteilung der Substanz im Gehirn aufgenommen werden. Dies ist vollkommen schmerzlos. Die so gewonnenen Bilder liefern Informationen über die Funktion des Gehirns, die die Abgrenzung zwischen den in Frage kommenden Erkrankungen erleichtern. Bei der Kamera handelt es sich in Abhängigkeit von der Art der radioaktiven Markierung der verwendeten Substanz entweder um eine Gamma- bzw. SPECT-Kamera (Single Photon Emission Computed Tomography,
Abbildung 1) oder um eine PET-Kamera (Positron Emission Tomography,
Abbildung 2). Im Folgenden sollen einige der häufigeren bildgebenden Untersuchungen des Gehirns in der Nuklearmedizin kurz beschrieben und mit Bildbeispielen veranschaulicht werden. Da sich der Text in erster Linie an Patienten wendet, wurde versucht, die Beschreibung der medizinischen Zusammenhänge möglichst allgemeinverständlich zu halten. Besonderes Gewicht wurde auf die Beschreibung der Untersuchungsabläufe gelegt.
PARKINSON-SYNDROM
Dopamin-Transporter-Szintigraphie mit 123I-FP-CIT (DaTSCANTM)
Dopamin-D2-Rezeptor-Szintigraphie mit 123I-Iodobenzamid (IBZMTM)
DEMENZ
Glukosestoffwechsel-Positronen-Emissions-Tomographie mit 18F-FDG
DURCHBLUTUNGSSTÖRUNG
Perfusions-Szintigraphie mit 99mTc-HMPAO (CeretecTM)
EPILEPSIE
Perfusions-Szintigraphie mit 99mTc-HMPAO (CeretecTM)
Veröffentlichungen zu nuklearmedizinischen Hirnuntersuchungen mit Beteiligung der Klinik für Nuklearmedizin des UKE (letzte 3 Jahre)
PARKINSON-SYNDROM
Der Begriff "Parkinson-Syndrom" bezeichnet die typische Symptomatik bei der "echten" Parkinson-Erkrankung, die auch als idiopathische Parkinson-Erkrankung oder als Morbus Parkinson bezeichnet wird. Bei der echten Parkinson-Erkrankung stirbt eine kleine Gruppe von Gehirnzellen, die so genannten dopaminergen Neurone, langsam ab. Da diese Zellen ganz wesentlich an der Koordination der Bewegungen eines Menschen beteiligt sind, kommt es zu den für die Parkinson-Erkrankung typischen Beschwerden wie Verlangsamung der Bewegung, Steifheit und Zittern. Nun kann jedoch eine Reihe anderer Gehirnerkrankungen ebenfalls zu einem Parkinson-Syndrom führen, d.h. ganz ähnliche Beschwerden verursachen wie die echte Parkinson-Erkrankung. Diese Erkrankungen werden daher auch als "atypische Parkinson-Erkrankungen" bezeichnet. Eine eindeutige Diagnose ist anhand der klinischen Symptome allein manchmal nicht mit ausreichender Sicherheit möglich. Dies gilt vor allem im frühen Krankheitsstadium. Bei unklaren Krankheitsbildern kann die Untersuchung des dopaminergen Systems im Gehirn mit den bildgebenden nuklearmedizinischen Verfahren der Dopamin-Transporter-Szintigraphie und / oder der Dopamin-Rezeptor-Szintigraphie hilfreich sein.
Dopamin-Transporter-Szintigraphie mit 123I-FP-CIT (DaTSCANTM)
Was ist das Ziel der Untersuchung?Durch die Dopamin-Transporter-Szintigraphie mit
123I-FP-CIT (DaTSCAN
TM) kann der Verlust nigrostriataler dopaminerger Neurone nachgewiesen werden. Dies gelingt über die bildliche Darstellung einer bestimmten Komponente dieser dopaminergen Neurone, des präsynaptischen Dopamin-Transporters, der im Striatum, einer zentralen Gehirnstruktur, lokalisiert ist (
Abbildung 3). Zeigt die Dopamin-Transporter-Szintigraphie ein normales Bild, so handelt es sich bei der Erkrankung mit großer Sicherheit nicht um eine neurodegenerative Parkinson-Erkrankung, d.h. die echte Parkinson-Erkrankung und auch folgende Erkrankungen können in diesem Fall nahezu ausgeschlossen werden: Multi-System-Atrophien (MSA), progressive supranukleäre Blicklähmung (PSP) und Corticobasale Degeneration (CBD). Die Beschwerden des Patienten könnten stattdessen z.B. durch Essentiellen Tremor oder Dopa-responsive Dystonie verursacht werden. Es könnte sich auch um die unerwünschte Nebenwirkung eines Medikaments handeln.
Weitere Indikationen für die Dopamin-Transporter-Szintigraphie mit
123I-FP-CIT (DaTSCAN
TM) sind: Präklinische Diagnose der Parkinson-Erkrankung bei Personen mit, z.B. genetisch bedingt, besonders hohem Risiko an Parkinson zu erkranken, Beurteilung des Schweregrades bzw. Stadiums der Parkinson-Erkrankung (Grading), Verlaufskontrolle der Parkinson-Erkrankung z.B. zur Objektivierung des Therapie-Erfolgs (Therapie-Monitoring), Lewy-Körperchen Demenz (
siehe Abschnitt "DEMENZ").
Wie ist der Ablauf der Untersuchung? (s. auch Patienteninformationsblatt
"DaTSCAN")
Zunächst wird ein Medikament (Irenat) verabreicht, das die Aufnahme von Radioaktivität in die Schilddrüse verhindert. Dann wird eine sehr kleine Menge der Substanz
123I-FP-CIT (DaTSCAN
TM) in eine Armvene injiziert. Der Patient kann sich nun frei bewegen bis etwa 3 Stunden später mit einer Gamma-Kamera (
Abbildung 1) ein Bild der Verteilung der Substanz im Gehirn gemacht wird. Die Aufnahme erfolgt im Liegen und dauert etwa 45 Minuten. Dabei drehen sich die Köpfe der Kamera langsam um den Kopf des Patienten. Der Patient kann während der Aufnahme Musik hören. Insgesamt sollten für die Untersuchung knapp 5 Stunden eingeplant werden.
Wie wird die Untersuchung vertragen?Alle verabreichten Substanzen werden in der Regel gut vertragen. Nur selten kommt es zu leichten Nebenwirkungen, z.B. Kopfschmerzen, Schwindel oder verstärktem Appetit. Allergische Reaktionen sind sehr selten.
Ist die Untersuchung mit einer Strahlenexposition verbunden?Ja, die Untersuchung ist mit einer Strahlenexposition verbunden, da
123I-FP-CIT radioaktiv ist. Die Strahlenexposition liegt bei 3-5 mSv. Diese Strahlenexposition ist vergleichbar mit der Strahlenexposition bei einer Röntgen-Computer-Tomographie (CT). Sie ist etwa doppelt so hoch wie die mittlere natürliche Strahlenexposition pro Jahr in Deutschland (2,4 mSv).
Muss man für die Untersuchung nüchtern sein?Nein, für die Untersuchung muss man nicht nüchtern sein.
Können Medikamente die Untersuchung beeinträchtigen?Ja, einige Medikamente beeinträchtigen die Dopamin-Transporter-Szintigraphie (z.B. Amphetamine, Kokain, Benzatropine, Bupropion, Methylphenidate, Mazindol, Phentermin, Sertralin). Daher sollte der Patient diese Frage vor der Untersuchung mit dem Neurologen besprechen. Eventuell müssen Medikamente abgesetzt werden. Auf jeden Fall sollte eine Liste aller Medikamente, die eingenommen werden oder in den letzten Wochen eingenommen wurden, zur Untersuchung mitgebracht werden.
Dopamin-D2-Rezeptor-Szintigraphie mit 123I-Iodobenzamid (IBZMTM)
Was ist das Ziel der Untersuchung?Durch die Dopamin-Rezeptor-Szintigraphie mit
123I-Iodobenzamid (IBZM
TM) kann eine zweite wichtige Komponente des dopaminergen Systems im Gehirn untersucht werden, der postsynaptische Dopamin-D
2-Rezeptor (
Abbildung 4). Die Dopamin-Rezeptor-Szintigraphie wird z.B. oft dann durchgeführt, wenn die Dopamin-Transporter-Szintigraphie einen Hinweis auf eine Schädigung des dopaminergen Systems ergeben hat. Ziel ist dann die Unterscheidung zwischen der echten Parkinson-Erkrankung und atypischen neurodegenerativen Parkinson-Erkrankungen, die ebenfalls mit einer Beeinträchtigung der Dopamin-Transporter einhergehen, z.B. Multi-System-Atrophien (MSA) oder progressive supranukleäre Blicklähmung (PSP). Zeigt die Dopamin-Rezeptor-Szintigraphie einen normalen Befund, so ist dies in Zusammenschau mit einer reduzierten Dopamin-Transporter-Verfügbarkeit ein Hinweis auf das Vorliegen der echten Parkinson-Erkrankung (
Abbildung 5).
Weitere Indikationen für die Dopamin-D
2-Rezeptor-Szintigraphie mit
123I-Iodobenzamid (IBZM
TM) sind: Hemi-Parkinson, Beurteilung der Rezeptorblockade unter Behandlung mit Neuroleptika, Chorea Huntington, Morbus Wilson (Beurteilung des Grades der cytotoxischen Kupfer-Deposition im Striatum), Hypophysen-Adenom.
Wie ist der Ablauf der Untersuchung? (s. auch Patienteninformationsblatt
"IBZM")
Zunächst wird ein Medikament (Irenat) verabreicht, das die Aufnahme von Radioaktivität in die Schilddrüse verhindert. Dann wird eine sehr kleine Menge der Substanz
123I-Iodobenzamid (IBZM
TM) in eine Armvene injiziert. Der Patient kann sich nun frei bewegen bis etwa 2 Stunden später mit einer Gammakamera (
Abbildung 1) ein Bild der Verteilung der Substanz im Gehirn gemacht wird. Die Aufnahme erfolgt im Liegen und dauert etwa 45 Minuten. Dabei drehen sich die Köpfe der Kamera langsam um den Kopf des Patienten. Während der Aufnahme kann der Patient Musik hören. Insgesamt sollten für die Untersuchung etwa 4 Stunden eingeplant werden.
Wie wird die Untersuchung vertragen?Alle verabreichten Substanzen werden in der Regel gut vertragen. Nur sehr selten kommt es zu allergischen Reaktionen.
Ist die Untersuchung mit einer Strahlenexposition verbunden?Ja, die Untersuchung ist mit einer Strahlenexposition verbunden, da
123I-Iodobenzamid radioaktiv ist. Die Strahlenexposition liegt bei 5-7 mSv. Diese Strahlenexposition ist vergleichbar mit der Strahlenexposition bei einer Röntgen-Computer-Tomographie (CT). Sie ist etwa dreimal so hoch wie die mittlere natürliche Strahlenexposition pro Jahr in Deutschland (2,4 mSv).
Muss man für die Untersuchung nüchtern sein?Nein, für die Untersuchung muss man nicht nüchtern sein.
Können Medikamente die Untersuchung beeinträchtigen?Ja, viele Medikamente beeinträchtigen die Dopamin-Rezeptor-Szintigraphie und können zu falschen Ergebnissen führen (Dopamin-Agonisten, -Antagonisten, Transporter-Blocker, MAO-Hemmer, Piperazin-Drivate, Neuroleptika, Levodopa). Daher sollte der Patient diese Frage vor der Untersuchung mit dem Neurologen besprechen. Eventuell müssen Medikamente abgesetzt werden. Auf jeden Fall sollte eine Liste aller Medikamente, die eingenommen werden oder in den letzten Wochen eingenommen wurden, zur Untersuchung mitgebracht werden.
Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit 18F-FDG
Was ist das Ziel der Untersuchung?Insbesondere im ganz frühen Stadium einer Demenz-Erkrankung ist die Diagnostik und Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen, z.B. Depressionen, oder normaler Alterung oft schwierig. Durch die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit dem speziellen Zucker
18F-FDG können Bilder der lokalen Aktivität des Gehirns erstellt werden (
Abbildung 6). Das Verteilungsmuster der Gehirnaktivität kann den entscheidenden Hinweis auf die Grunderkrankung liefern (
Abbildung 7). Durch Koregistrierung der PET-Aufnahmen mit z.B. Magnet-Resonanz-Tomographie-Aufnahmen (MRT) kann die anatomische Zuordnung von Auffälligkeiten in der PET-Aufnahme erleichtert werden (
Abbildung 8).
Das Befundmuster von Morbus Alzheimer und Lewy-Körperchen Demenz ist relativ ähnlich in der PET mit
18F-FDG (
Abbildung 7), sodass die Differenzierung schwierig sein kann. In solchen Fällen kann die Dopamin-Transporter-Szintigraphie mit
123I-FP-CIT (DaTSCANTM) weiterhelfen (
Abbildung 9).
Weitere neurologische bzw. psychiatrische Indikationen für die Positronen-Emissions-Tomographie mit
18F-FDG sind: Hirntumore: Differenzierung Rezidiv versus Strahlennekrose bei malignen Gliomen, Entdifferenzierung von Gliom-Rezidiven, Bestimmung des Biopsie-Ortes bei Verdacht auf ein Gliom, Beurteilung der Aggressivität von Hirntumoren, Nachweis von Resttumor bei malignen Gliomen nach Operation, Differenzierung Lymphom versus Toxoplasmose, Basalganglien-Erkrankungen: atypischer Morbus Parkinson, Frühdiagnostik Chorea Huntington, Epilepsie.
Wie ist der Ablauf der Untersuchung? (s. auch Patienteninformationsblatt
"FDG")
Nach einer rund 5-minütigen Ruhezeit in einem leicht abgedunkelten Raum wird eine sehr kleine Menge des Zuckers
18F-FDG in eine Armvene injiziert. Danach ruht der Patient weitere 30-40 Minuten. Dann wird mit einer geeigneten Kamera, einem Positronen-Emissions-Tomographen (PET,
Abbildung 2) ein Bild der Verteilung des Zuckers im Gehirn gemacht. Die Aufnahme erfolgt im Liegen und dauert etwa 30 Minuten. Der Patient spürt von der Aufnahme nichts. Das PET-Gerät bewegt sich nicht und macht auch keine Geräusche. Während der Aufnahme kann der Patient Musik hören. Insgesamt sollten für die Untersuchung etwa 2 Stunden eingeplant werden.
Wie wird die Untersuchung vertragen?Unverträglichkeiten bzw. Allergien sind sehr selten.
Ist die Untersuchung mit einer Strahlenexposition verbunden?Ja, die Untersuchung ist mit einer Strahlenexposition verbunden, da
18F-FDG radioaktiv ist. Die Strahlenexposition liegt bei 5-7 mSv. Diese Strahlenexposition ist vergleichbar mit der Strahlenexposition bei einer Röntgen-Computer-Tomographie (CT). Sie ist etwa dreimal so hoch wie die mittlere natürliche Strahlenexposition pro Jahr in Deutschland (2,4 mSv).
Muss man für die Untersuchung nüchtern sein?Ja, der Patient sollte mindestens 4 Stunden vor der Untersuchung nüchtern sein. Wird diese Nüchternphase nicht eingehalten, kann eine Verschlechterung der Bildqualität die Folge sein. Dies kann die Befundung erheblich erschweren. Mineralwasser, ungesüßter Kaffee oder Tee (ohne Milch) sind erlaubt. Diabetiker sollten diesen Punkt vorher mit dem überweisenden Arzt besprechen.
Können Medikamente die Untersuchung beeinträchtigen?Medikamente müssen nicht abgesetzt werden.
Perfusions-Szintigraphie mit 99mTc-HMPAO (CeretecTM)
Was ist das Ziel der Untersuchung?Eine Verengung der Blutgefäße zum Gehirn, z.B. durch Arteriosklerose, kann die Durchblutung (Perfusion) des Gehirns beeinträchtigen. In diesem Fall besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Die Perfusion des Gehirns unter Ruhebedingungen sowie die Perfusions-Reserve des Gehirns, d.h. die Fähigkeit, die Perfusion bei Bedarf angemessen zu erhöhen, kann durch die Perfusions-Szintigraphie mit
99mTc-HMPAO (Ceretec
TM) gemessen und bildlich dargestellt werden (
Abbildung 10).
Weitere Indikationen für die Perfusions-Szintigraphie mit 9
9mTc-HMPAO (Ceretec
TM) sind: Lokalisation epileptogener Foci (siehe Abschnitt EPILEPSIE Bitte Link einfügen), Differential- und Frühdiagnose degenerativer Hirn-Erkrankungen, Differenzierung vaskulärer und neuronaler Ursachen, Hirnbeteiligung bei Kollagenosen, HIV-Enzephalopathie bei unauffälliger MRT.
Wie ist der Ablauf der Untersuchung? (s. auch Patienteninformationsblatt
"HMPAO")
Zur Messung der Perfusion ruht der Patient zunächst etwa 15 Minuten entspannt in einem leicht abgedunkelten Raum. Dann wird eine sehr kleine Menge der Substanz
99mTc-HMPAO (Ceretec
TM) in eine Armvene injiziert. Danach ruht der Patient weitere 10 Minuten. Während dieser Zeit erfolgt die Aufnahme der Substanz im Gehirn proportional zur lokalen Perfusion. Etwa 20 Minuten nach Injektion wird mit einer Gammakamera (
Abbildung 1) ein Bild der Verteilung der Substanz im Gehirn gemacht. Die Aufnahme erfolgt im Liegen und dauert etwa 45 Minuten. Dabei drehen sich die Köpfe der Kamera langsam um den Kopf des Patienten. Während der Aufnahme kann der Patient Musik hören. Falls zusätzlich zur Ruhe-Perfusion auch die Perfusions-Reserve gemessen werden soll, wird eine zweite Perfusions-Szintigraphie durchgeführt, diesmal unter pharmakologischer Belastung. Dazu wird dem Patienten ein Medikament (Diamox) verabreicht, das gesunde Blutgefäße zum Gehirn stark erweitert und damit die Perfusion in den versorgten Gehirnarealen deutlich erhöht. Bei eingeschränkter Perfusions-Reserve ist die Erhöhung der Perfusion als Folge der Diamox-Gabe nicht so stark, wenig oder gar nicht ausgeprägt (
Abbildung 10). Ansonsten ist der Ablauf der zweiten Perfusions-Szintigraphie wie bei der ersten. Die zweite Perfusions-Szintigraphie kann am gleichen Tag oder auch an einem anderen Tag erfolgen. Pro Perfusions-Szintigraphie sollten etwa 2 Stunden Zeit eingeplant werden.
Wie wird die Untersuchung vertragen?Allergische Reaktionen sind sehr selten.
Ist die Untersuchung mit einer Strahlenexposition verbunden?Ja, die Untersuchung ist mit einer Strahlenexposition verbunden, da
99mTc-HMPAO radioaktiv ist. Die Strahlenexposition liegt bei etwa 2 mSv. Diese Strahlenexposition ist vergleichbar mit der Strahlenexposition bei einer Röntgen-Computer-Tomographie (CT). Sie ist etwa genauso hoch wie die mittlere natürliche Strahlenexposition pro Jahr in Deutschland (2,4 mSv).
Muss man für die Untersuchung nüchtern sein?Nein, für die Untersuchung muss man nicht nüchtern sein.
Können Medikamente die Untersuchung beeinträchtigen?Einige Medikamente und Genussmittel beeinträchtigen die Perfusion des Gehirns. Daher sollte der Patient diese Frage vor der Untersuchung mit dem überweisenden Arzt besprechen. Auf jeden Fall sollte eine Liste aller Medikamente, die eingenommen werden, zur Untersuchung mitgebracht werden.
Perfusions-Szintigraphie 99mTc-HMPAO (CeretecTM)
Was ist das Ziel der Untersuchung?Bei fokalen Epilepsien werden die epiletischen Anfälle an einem bestimmten Ort im Gehirn ausgelöst, dem epileptogenen Fokus. In der ganz frühen Phase eines Anfalls ist nur der Bereich um den epileptogenen Fokus betroffen. Erst danach dehnt sich der Anfall auf weitere Bereiche des Gehirns aus. Aufgrund der Aktivität im epileptogenen Fokus ist die Durchblutung (Perfusion) im Bereich des Fokus gesteigert. Erfolgt die Injektion des Perfusionsmarkers
99mTc-HMPAO (Ceretec
TM) in der frühen Phase des Anfalls (iktuale Perfusions-Szintigraphie), kann die Lokalisation des epileptogenen Fokus durch den Nachweis der lokal gesteigerten Perfusion gelingen (
Abbildung 11). Die Perfusions-Szintigraphie kann bei dieser Fragestellung auch zwischen zwei Anfällen durchgeführt werden (interiktual). In diesem Fall erwartet man eine reduzierte Perfusion im Bereich des epiletogenen Fokus (
Abbildung 11). Durch die Kombination von iktualer und interiktualer Perfusions-SPECT kann die Sicherheit der Diagnose erhöht werden (
Abbildung 11).
Wie ist der Ablauf der Untersuchung?Bei der interiktualen Perfusions-Szintigraphie ruht der Patient zunächst etwa 15 Minuten entspannt in einem leicht abgedunkelten Raum. Dann wird eine sehr kleine Menge der Substanz
99mTc-HMPAO (Ceretec
TM) in eine Armvene injiziert. Danach ruht der Patient weitere 10 Minuten. Während dieser Zeit erfolgt die Aufnahme der Substanz im Gehirn proportional zur lokalen Perfusion. Etwa 20 Minuten nach Injektion wird mit einer Gammakamera ein Bild (SPECT-Aufnahme) der Verteilung der Substanz im Gehirn gemacht. Die Aufnahme erfolgt im Liegen und dauert etwa 45 Minuten. Dabei drehen sich die Köpfe der Kamera langsam um den Kopf des Patienten. Während der Aufnahme kann der Patient Musik hören. Bei der iktualen Perfusions-Szintigraphie muss die Injektion von
99mTc-HMPAO innerhalb der ersten Sekunden des Anfalls erfolgen. Diese Untersuchung kann daher nur bei stationärer Überwachung des Patienten in speziellen Einrichtungen erfolgen. Die Klinik für Nuklearmedizin des UKE arbeitet hierzu mit der Abteilung für Neurologie und Epileptologie des
Evangelischen Krankenhauses Alsterdorf zusammen.
Wie wird die Untersuchung vertragen?Allergische Reaktionen sind sehr selten.
Ist die Untersuchung mit einer Strahlenexposition verbunden?Ja, die Untersuchung ist mit einer Strahlenexposition verbunden, da
99mTc-HMPAO radioaktiv ist. Die Strahlenexposition liegt bei etwa 2 mSv. Diese Strahlenexposition ist vergleichbar mit der Strahlenexposition bei einer Röntgen-Computer-Tomographie (CT). Sie ist etwa genauso hoch wie die mittlere natürliche Strahlenexposition pro Jahr in Deutschland (2,4 mSv).
Muss man für die Untersuchung nüchtern sein?Nein, für die Untersuchung muss man nicht nüchtern sein.
Können Medikamente die Untersuchung beeinträchtigen?Einige Medikamente und Genussmittel beeinträchtigen die Perfusion des Gehirns. Daher sollte der Patient diese Frage vor der Untersuchung mit dem überweisenden Arzt besprechen. Auf jeden Fall sollte eine Liste aller Medikamente, die eingenommen werden, zur Untersuchung mitgebracht werden.
Veröffentlichungen zu nuklearmedizinischen Hirnuntersuchungen mit Beteiligung der Klinik für Nuklearmedizin des UKE (letzte 3 Jahre)Lewerenz J, Ding X, Matschke J, Schnabel C, Pedram E, von Borczyskowski D, Buchert R, Krieger T, de Wit M, Münchau A. Dementia and leukoencephalopathy due to lymphomatosis cerebri - Report of two cases. Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry, in Druck.
von Borczyskowski D, Schulte U, Brenner W, Clausen M, Buchert R. Occurance of an artifact in brain FDG PET with calculated attenuation correction: A case report. J Nucl Med Technol, in Druck.
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