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Die Radiojodtherapie

Eine Radiojodtherapie wird bei Patienten mit einer Überfunktion und/oder Vergrößerung der Schilddrüse durchgeführt. Die häufigsten Ursachen hierfür sind Knoten (Adenome) in der Schilddrüse und der M. Basedow. Auch Patienten mit einem bösartigen Schilddrüsentumor werden nach einer Operation der Schilddrüse mit einer Radiojodtherapie behandelt.Die Schilddrüse benötigt für ihre normale Funktion das natürlich vorkommende Jod, das mit der Nahrung aufgenommen wird und sich vor allem in der Schilddrüse anreichert.Dieses natürliche Prinzip wird für die Radiojodtherapie ausgenutzt, bei der radioaktives Jod als Kapsel wie ein Medikament eingenommen und ausschließlich in der Schilddrüse gespeichert wird.

Die für die Behandlung genutzte Strahlung (Beta-Strahlung) hat dabei eine Reichweite von einem halben Millimeter. Diese Tatsache ermöglicht eine gezielte Behandlung nur der erkrankten Anteile in der Schilddrüse, ohne die gesunden Schilddrüsenzellen oder andere Organe zu schädigen.

Durch die gezielte  innere Bestrahlung vernarbt das Schilddrüsengewebe anteilig. Dadurch wird eine Verkleinerung der Schilddrüse erreicht und die Überproduktion von Schilddrüsenhormon beseitigt. Dabei beträgt der Verkleinerungseffekt bis zu 50 %.

Die Erfolgsaussichten auf Beseitigung der Schilddrüsenüberfunktion sind hervorragend. Sollte es im Einzelfall nicht gelingen, die Erkrankung mit einem Mal zu beseitigen, kann die Radiojodtherapie problemlos ein zweites Mal durchgeführt werden.

In den USA wird eine bestehende Überfunktion bevorzugt mit der schonenden Therapie mit Radiojod durchgeführt. Auch in Deutschland wird ein zunehmender Einsatz der Radiojodtherapie durch die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft empfohlen.

Die Sicherheit der Radiojodtherapie ist nach über 50 Jahren Anwendung bei vielen Millionen Menschen sorgfältig überprüft worden. Die Strahlenbelastung für Ihren Körper ist sehr gering, da sich das Radiojod fast ausschließlich in der Schilddrüse anreichert. Es sind weder Spätschäden für den Patienten selbst noch für seine Kinder bekannt. Diese Ergebnisse wurden durch große amerikanischen Studien belegt.

Wegen der geringen Strahlenbelastung für den gesamten Körper kann die Behandlung auch bei jüngeren Patienten mit Kinderwunsch durchgeführt werden. Es sollte jedoch unbedingt eine Schwangerschaft in den 6 Monaten nach der Behandlung vermieden werden, da es zu hormonell bedingten Schwangerschaftsproblemen kommen könnte.

Jede Überfunktion (auch eine leichte Überfunktion) der Schilddrüse sollte behandelt werden, da zuviel Schilddrüsenhormon im Körper z.B. Herz und Kreislauf belastet und eine Osteoporose beschleunigen kann.

Zunächst wird die Überfunktion der Schilddrüse in der Regel mit Medikamenten behandelt. In nur niedriger Dosierung bleibt die Stoffwechsellage  damit längerfristig stabil. Bei anhaltender Behandlungsbedürftigkeit empfehlen die gültigen Leitlinien der Internisten/Endokrinologen eine definitive Therapie der Schilddrüse.

Die Radioiodtherapie ist neben der Operation eine solche definitive Behandlungsmethode.

Bis auf sehr große Schilddrüsen und bei kalten Knoten ist die Radioiodtherapie problemlos bei allen Patienten mit einer Schilddrüsenüberfunktion durchführbar. Nur bei Tumorverdacht oder bei einer Bedrängung der Luftröhre ist eine Operation zwingend erforderlich.

Die Vorbereitung zur Radiojodtherapie erfolgt erst nach der Diagnostik der Schilddrüsenerkrankung und nach der Gabe der notwendigen Medikamente durch den Hausarzt. Er wird die Möglichkeiten zur definitiven Behandlung der Schilddrüsenerkrankung erläutern und auf Beratungstermine im Krankenhaus verweisen. Hier können alle Fragen und das weitere Vorgehen geklärt werden. Nach der Entscheidung zur Radiojodtherapie erfolgen zur Vorbereitung einige Untersuchungen, um die für jeden Patienten individuell richtige Menge an Radiojod bestellen zu können. 

Ihre Schilddrüsenmedikamente werden angepasst und ggf. reduziert, um die Radiojodtherapie optimal durchführen zu können. Dabei sollen Sie sich jedoch weiterhin wohl fühlen. Nach der Radiojodtherapie kann sich die Überfunktion der Schilddrüse vorübergehend verstärken. Die optimale Dosierung der Schilddrüsenmedikamente begrenzt diesen Effekt und ist daher wichtig.

Die Durchführung der Radiojodtherapie ist vergleichsweise einfach: Sie schlucken eine Kapsel mit dem Radiojod, so wie jedes andere Medikament auch. Für die Dauer der Therapie verbleiben die Patienten auf der Therapiestation. Ein Ausgang oder Besuch sind NICHT erlaubt.

Mit einer endgültigen (definitiven) Behandlung der Schilddrüse (Radiojodtherapie oder Operation) soll eine Überfunktion möglichst sicher beseitigt werden. Dieses Behandlungsziel führt nach erfolgreicher Behandlung bei vielen Patienten zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Bei diesen Patienten muß also das nun in zu geringer Menge gebildete Schilddrüsenhormon (Thyroxin) ersetzt werden. Die für jeden Patienten individuell erforderliche Menge an Schilddrüsenhormonen läßt sich durch Blutbestimmungen leicht ermitteln. Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten. Im Gegenteil, das subjektive Wohlbefinden und das körperliche Leistungsvermögen sind in keiner Weise eingeschränkt.

Die volle Wirkung der Radiojodtherapie benötigt einige Wochen bis zum vollen Wirkungseintritt. Hierzu ist eine sorgfältige Nachsorge beim Hausarzt erforderlich, um mit kurzfristigen Kontrollen die richtige Einstellung der Stoffwechsellage der Schilddrüse sicherzustellen. Der endgültige Behandlungserfolg stellt sich in der Regel innerhalb von 3 Monaten ein, da dann erst alle Vernarbungsprozesse in der Schilddrüse abgeschlossen sind. Danach sind langfristig mindestens einmal jährlich Kontrollen notwendig, um langsame Änderungen der Stoffwechsellage der Schilddrüse bereits festzustellen, bevor sie überhaupt irgendwelche Beschwerden verursachen kann und um die richtige Einstellung der Stoffwechsellage der Schilddrüse sicherzustellen.

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Letzte Änderung: Claudia Hottendorff, 10.05.2007