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Bei der Schilddrüsenuntersuchung wird manchmal eine latente Hyperthyreose (beginnende Überfunktion) festgestellt, die einen Übergang von der normalen Funktion der Schilddrüse zur Überfunktion markiert. Hier kann bereits Behandlungsbedarf bestehen, insbesondere wenn das Herz oder der Kreislauf nicht vollständig in Ordnung sind. Dabei soll die zusätzliche Belastung des Herzens durch die sich entwickelnde Überfunktion der Schilddrüse von vornherein vermieden werden. Auch bei völlig gesundem Herzen ist bei einer latenten Hyperthyreose eine regelmäßige Kontrolle beim Hausarzt notwendig.
Die Überfunktion der Schilddrüse wird von Ihrem Hausarzt zunächst mit Medikamenten (sog. Thyreostatika, z. B. Thiamazol) behandelt, die zu einer Verminderung der Hormonsynthese führen. Bei schnellem und unregelmäßigem Herzschlag kann mit einem weiteren Medikament (sog. Betablocker, z. B. Propranolol) der Puls wieder beruhigt werden. Gleichzeitig ist Folgendes zu vermeiden: Aufregungen, körperliche Anstrengungen, Kaffee, jodhaltige Lebensmittel, (Fisch und Fischprodukte, Meeresfrüchte) sowie jodhaltige Kontrastmittel beim Röntgen. Durch diese Maßnahmen werden sich in wenigen Tagen die ersten Besserungszeichen einstellen, nach einigen Wochen sind alle Beschwerden verschwunden und sind Sie wieder voll belastbar. Die zugrundeliegende Erkrankung ist damit jedoch meistens noch nicht beseitigt.
Eine Hauptursache für eine Überfunktion ist die Autonomie der Schilddrüse. Hierbei ist die Regelung der Hormonbildung in der Schilddrüse defekt. Vergleichbar ist dies mit einem Defekt des Thermostaten von Heizkörpern: Obwohl die gewünschte Temperatur schon erreicht ist, wird der Heizkörper nicht gedrosselt und der Raum wird zu warm. Bei der erkrankten Schilddrüse entsteht aufgrund einer solchen Regulierungsstörung eine Überfunktion, die Schilddrüse arbeitet dann "autonom". Bei einer nuklearmedizinischen Untersuchung der Schilddrüse lassen sich sogenannte heiße Knoten als Ursache der Autonomie finden. Diese heißen Knoten bilden sich nicht von alleine zurück, sondern werden im Gegenteil über die Jahre immer größer. Eine definitive Behandlung der Schilddrüse über die Gabe von Medikamenten hinaus ist dann erforderlich. Dies kann durch eine Operation oder eine Radiojodtherapie erfolgen.
Beim M. Basedow haben sich im Körper Antikörper gegen die eigene Schilddrüse gerichtet. Eigentlich brauchen wir diese Antikörper zur Abwehr gegen Bakterien. Warum sich unser Immunsystem manchmal auch gegen den eigenen Körper richtet, ist noch nicht vollständig geklärt. Aber wir wissen, dass diese Überfunktion der Schilddrüse mit schilddrüsenbremsenden Medikamenten (sog. Thyreostatika, z. B. Thiamazol) problemlos eingestellt werden kann. Nach den Leitlinien in Deutschland werden diese Medikamente nach einem Jahr abgesetzt. Bei knapp der Hälfte der Patienten bleibt danach eine normale Funktion der Schilddrüse erhalten, bei denen zunächst keine weitere Medikamentengabe erforderlich ist. Die größere Hälfte der Patienten erleidet jedoch erneut eine Überfunktion der Schilddrüse. Diesen Patienten wird nach erneuter Einstellung mit Medikamenten eine endgültige (definitive) Behandlung der Schilddrüse - entweder durch eine Operation oder Radiojodtherapie - empfohlen.
Gelegentlich treten mit dem Basedow auch Augenbeschwerden auf, die sogenannte endokrine Orbitopathie (EO). Bei der EO hat die Autoimmunerkrankung auch das Gewebe hinter den Augäpfeln erfasst: Durch Anschwellen der Augenmuskeln und des Fettgewebes in der Augenhöhle treten die Augen nach vorn. Diese Augenbeschwerden lassen sich durch das Medikament Kortison zurückdrängen. Trotzdem benötigen die Patienten mit einer EO viel Geduld. Jeder Patient kann jedoch durch einfache Maßnahmen selbst etwas zur Besserung der EO beitragen: Verzicht auf das Rauchen und eine genaue Einstellung der Schilddrüsenwerte mit entsprechend etwas häufigeren Kontrollen sind einige Beispiele, die jeder Betroffene selbst in der Hand hat.
Bei einer Struma bzw. einem Kropf ist die Schilddrüse zu groß. Wenn dadurch die Luftröhre bedrängt wird oder wenn hinter dem Wachstum ein Tumorverdacht besteht, muss die Schilddrüse operiert werden. In allen anderen Fällen kann auch über die Radiojodtherapie eine Verkleinerung der Schilddrüse um etwa 30% erreicht werden. Da die Schilddrüse nach der Radiojodtherapie nicht mehr weiter wachsen kann, wird die Radiojodtherapie insbesondere bei noch nicht so sehr großen Strumen empfohlen, um Komplikationen bzw. eine spätere Operation von vornherein zu vermeiden.