Tumorstammzellen
Die Erkenntnis, daß bösartige Gliome sogenannte Tumorstammzellen enthalten ist relativ neu. Diese Tumorzellen mit Stammzelleigenschaften machen nur einen geringen Prozentsatz aller Tumorzellen aus, sollen aber entscheidend für das unaufhaltsame Wachstum bzw. die Repopulation des Tumors nach Therapie (insbesondere Chemo- oder Strahlentherapie) verantwortlich sein. Es wird angenommen, daß nur die Tumorstammzellen in der Lage sind, sich kontinuierlich zu teilen und daß diese Teilungen aymmetrisch sind, so daß jeweils eine neue Tumorstammzelle sowie eine differenziertereTumorzelle dabei entstehen. Die differenzierteren Zellen können sich zwar ebenfalls noch teilen, jedoch vermeintlich nur wenige Male und nicht über lange Zeit. Die Tumorstammzellen weisen Eigenschaften auf, die denen der Stammzellen der jeweiligen Organe ähneln. Hieraus wurde die Hypothese abgeleitet, daß die Tumorursprungszellen normale gewebsspezifische Stammmzellen sein könnten, die durch den Erwerb von Mutationen tumorigen geworden sind. Das Tumorstammzellkonzept ist deshalb von großer Bedeutung, weil es - bei endgültiger Validierung - entscheidende Konsequenzen für die Therapieforschung hätte. Denn demnach müssten die Tumorstammzellen Hauptziel der therapeutischen Bemühungen sein. Problematisch ist jedoch, daß die Definition der Tumorstammzellen derzeit unscharf ist und daß die vermeintlichen Tumorstammzellen nur sehr unvollständig charakterisiert sind, da nur wenige publizierte Arbeiten hierzu existieren.
Wir etablierten bislang 12 sogenannte Glioblastomstammzelllinien durch Kultivierung der Tumorzellen unter Bedingungen, die ursprünglich zur Kultur normaler neuraler Stammzellen entwickelt wurden. Diese Zelllinien wachsen sphärisch, exprimieren stammzelltypische Antigene, lassen sich in neuronale, astrozytäre und oligodendrogliale Richtung andifferenzieren, sind kontinuierlich teilungsaktiv, bilden als vereinzelte Klone neue Subsphären und wachsen im Hirn von Mäusen diffus invasiv.
Weitere Forschungsziele sind 1. die weitestmögliche Anreicherung möglichst reiner Tumorstammzellkulturen, 2. die Analyze der relativen Tumorstammzellanteile unter verschiedenen Kulturbedingungen, 3. Genexpressionsanalysen an den Kulturen, sowie 4. die Behandlunge von diffus wachsenden Tumoren, die sich aus den Glioblastomstammzelllinien im Hirn von Mäusen entwickeln mit verschiedenen neuen Therapien.