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Rückenmarkstumoren weisen eine Inzidenz von 1/100.000 Einwohner auf und sind somit sehr selten. Zusätzlich verursachen sie eine vielfältige Symptomatik, die von Missempfindungen bis zu einem Schweregefühl an Armen und Beinen reicht. Gelegentlich wirkt das Gangbild unsicher. Selten bestehen Störungen der Blasenentleerung und der Mastdarmfunktion. Da diese Tumoren oftmals sehr langsam wachsen, entwickeln sich die Symptome über viele Jahre. Diese Tatsachen führen leider erfahrungsgemäß zu einer sehr späten Diagnose. Im Durchschnitt dauert es 4 Jahre bis ein Rückenmarkstumor erkannt wird.
Die Kernspintomographie ist die beste Untersuchung, um Tumoren des Rückenmarkes nachzuweisen (Abb.33).

Abb. 33:
Im Wirbelkanal erkennt man das deutlich aufgetriebene Rückenmark: Der Tumor (hell) hat das Rückenmark zu einem dünnen Saum (grau) gedrückt.
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Bis vor 20 Jahren galten Tumoren im Rückenmark als nicht operabel. Dies hat sich zwischenzeitlich erheblich geändert. In unserer Klinik wurden im Laufe der vergangenen 2 Jahrzehnte über 245 Rückenmarkstumoren operiert: Sie konnten größtenteils vollständig entfernt werden.
Die Operationstechnik besteht in einem Zugang über die Mittellinie von hinten auf die Wirbelsäule, sei es im Hals-, Brust- oder im Lendenwirbelbereich. Ein oder mehrere Wirbelbögen werden herausgesägt, um an die Rückenmarkshaut zu gelangen. Diese wird eröffnet. Das Rückenmark selbst wird mit dem Laserstrahl eröffnet und der Tumor mit Mikroinstrumenten und Laserstahl aus dem Rückenmark "geschält". Besonders wichtig bei diesem Eingriff ist die Tatsache, dass die elektrische Impulsübertragung des Rückenmarkes während des ganzen Eingriffes am Monitor überwacht wird. Nachdem die Rückenmarkshaut verschlossen wird, werden die Wirbelbögen wieder eingesetzt und befestigt, so dass sie an der Entnahmestelle wieder verknöchern können (Abb.34).

Abb. 34:
(links) Großer intraspinaler Tumor im Lendenwirbelsäulen-bereich; (rechts) nach mikrochirurgischer Entfernung der Geschwulst werden die ausgesägten Wirbelbögen mit Titanplättchen wieder an die Wirbelkörper befestigt, um einen vollständigen Verschluss des Wirbelkanals zu erzielen.
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Erfahrungsgemäß verschlechtert sich der neurologische Zustand des Patienten unmittelbar nach dem Eingriff, d.h. Lähmungen und Taubheitsgefühle nehmen zu. Diese Verschlechterung ist in der überwiegenden Zahl der Fälle unter intensiver krankengymnastischer Behandlung wieder rückläufig. Das postoperative Training kann bis zu 1 Jahr in Anspruch nehmen und wird in dafür besonders ausgestatteten Rehabilitationskliniken durchgeführt.
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