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4. Die Halswirbelsäule

4.1 Einengung der Nervenwurzeln und des Rückenmarkes

4.2 Operationen von vorne (durch den Hals)

4.3 Operationen von hinten (durch den Nacken)


  

4.1 Einengung der Nervenwurzeln und des Rückenmarkes:


  
 Die Beweglichkeit unseres Kopfes wird zum größten Teil von der Halswirbelsäule übernommen. Dadurch werden ihre Segmente erheblich belastet und können sich degenerativ verändern. Als Folge werden das Rückenmark oder die austretenden Nervenwurzeln durch bandscheibenbedingte oder knöcherne Einengungen komprimiert.

Die Beschwerden bestehen oft in hartnäckigen Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in die Schultern und Arme. Ist eine Nervenwurzel eingeengt, kann es zu Lähmungen oder Taubheitsgefühl des Armes oder der Hand kommen. Wird hingegen das Rückenmark eingeengt, tritt eine Störung der Feinmotorik der Hände oder des Gangbildes auf. Patienten bemerken z.B., dass sie Hemden oder Blusen nicht mehr zügig auf/zuknöpfen können. Nicht selten verschlechtert sich das Schriftbild oder Gegenstände fallen aus der Hand. Auch die Handhabung des Essbesteckes kann beeinträchtigt sein.
 
 
 Diese einfachen Tests prüfen die Muskelkraft der oberen Extremitäten:


Anheben des Armes im Schultergelenk
Beugen des Armes gegen Widerstand
Strecken des Armes gegen Widerstand
Kraft des Faustschlusses.
 
 Die Kernspintomographie und Computertomographie sind geeignete Untersuchungen, um eine Kompression des Nervens oder des Rückenmarkes nachzuweisen und um zu zeigen, ob die Ursache ein weicher Bandscheibenvorfall oder eine knöcherne Einengung ist.

Sprechen die Beschwerden nicht auf eine Behandlung mit Medikamenten oder Physiotherapie an, ist eine Operation erforderlich. Diese unterscheidet sich je nach Befund in ihrer Technik.


  
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4.2 Operationen von vorne (durch den Hals)

  

4.2.1

 Der Eingriff kann durch einen wenige Zentimeter langen Hautschnitt von vorne durch den Hals erfolgen und in einer Entlastung der Nervenwurzel bestehen (Foraminotomie). Andere Male sind die vollständige Ausräumung des Bandscheibenfaches mit Abtragung des Bandscheibenvorfalles, oder das Abfräsen von knöchernen Spornen die das Rückenmark bedrängen, erforderlich (Abb. 12). Um bei dem Eingriff die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, werden Mikroskop, Mikroinstrumente und hochtourige miniaturisierte Fräsen eingesetzt. In besonders schwierigen Fällen ist die kontinuierliche intraoperative Überwachung der elektrischen Tätigkeit von Rückenmark und Nervenwurzeln erforderlich.  
 
 


   Abb. 12:
(links) Intraoperative mikroskopische Ansicht von 2 Wirbelkörpern mit Knochenspornen und verdicktem Längsband, die gegen die Rückenmarkshaut (weiß) drücken. (rechts) Seitliche intraoperative Röntgendurchleuchtung: Sichtbar sind die Schrauben in den Wirbelkörpern, die sie auseinanderspreizen sowie die Kegelfräse, die die Knochensporne verkleinert.  
 
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4.2.2

 Der ausgeräumte Bandscheibenraum muss anschließend gefüllt werden. Dies kann mit einem Knochenspan, der aus dem Beckenkamm entnommen wird, erfolgen. Seit einigen Jahren können jedoch zur Schonung des Beckenknochens und zur Vermeidung von Komplikationen an der Entnahmestelle Implantate bestehend aus einer Kombination von Titan oder Kunststoff mit künstlichem Knochen verwendet werden. Um ein dauerhaftes knöchernes Einwachsen zu gewährleisten, werden sie mit Knochenmark, das aus einem Wirbelkörper entnommen wird, beimpft. Zudem bieten sie den Vorteil, dass die sofortige Druckfestigkeit nicht durch Begleiterkrankungen des Patienten (erhöhter Blutzucker, Rauchen und Knochenschwund) beinträchtigt wird (Abb.13).

Der beschriebene Eingriff kann in einer oder in bis zu vier Höhen durchgeführt werden (Abb. 14). Bei drei und vier Höhen Eingriffen ist eine zusätzliche Stabilisierung der Implantate mit einer dünnen Titanplatte von Vorteil, die die natürliche Krümmung der Wirbelsäule wieder herstellt.  
 
 
   
Abb. 13:
(oben) Intraoperative Ansicht eines künstlichen Implantates in der Halswirbelsäule. (unten) Zwischen den Halswirbelkörpern wurde ein Knochenspan eingefügt, der mittels eines 2. Eingriffes am Beckenkamm entnommen wurde.

 

Abb. 14:
Seitliche Röntgenansicht nach Einbringen von 2 künstlichen Implantaten im Bereich der Halswirbelsäule.
 
 
 Bei jungen Patienten oder bei älteren Patienten mit einer noch ?jungen? Halswirbelsäule, kann es von Bedeutung sein die Beweglichkeit des operierten Segmentes auch nach Entfernung der erkrankten Bandscheibe zu erhalten. Dies ist besonders dann wichtig, wenn nur eine der cervikalen Bandscheiben befallen ist (Abb. 14a) und die benachbarten Segmente noch unauffällig sind. Dank einer neuen Operationstechnik wird die erkrankte Bandscheibe nicht durch ein unbewegliches Implantat ersetzt, sondern durch eine bewegliche Bandscheibenprothese. Das speziell konstruierte Gelenk ermöglicht eine völlig normale Beweglichkeit der Halswirbelsäule (Abb. 14b). 
 


Abb. 14a:
(links) Die kernspintomographische Untersuchung zeigt, dass die Bandscheibe zwischen dem 5. und 6. Halswirbelkörper in den Spinalkanal geplatzt ist.
(rechts) Der Bandscheibenvorfall drückt besonders auf die linksseitige Nervenwurzel und verursacht Schmerzen sowie Lähmungserscheinungen im entsprechenden Arm. 
 


Abb. 14b:
(links) Bandscheibenprothese-Bryan® anstelle der erkrankten Bandscheibe. Eine unbeeinträchtigte Bewegung des Kopfes nach hinten (mitte), sowie nach vorne (rechts) ist möglich. 
 
 
 Der Einsatz von Operationsmikroskop, besonders feinen Instrumenten und Implantaten hat insgesamt das Risiko und die Belastung dieser Eingriffe reduziert. Kleinere Hautschnitte und Weichteilzugänge, weniger Schmerzen nach der Operation, Mobilisation noch am Operationstag und eine Verkürzung des stationären Aufenthaltes erleichtern die Genesung. 
 

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4.3. Operationen von hinten (durch den Nacken):

  

4.3.1

 In einigen Fällen engt ein Bandscheibenvorfall oder ein Knochensporn die Wurzel im Wurzelkanal ein, jedoch nicht das Rückenmark. Bei einem solchen Befund kann über einen 2 cm langen Hautschnitt im Nacken operiert werden. Ähnlich wir bei der Bandscheibenoperation im Lendenbereich wird ein Röhrchen (15 bis 18 mm im Durchmesser) durch die Muskulatur auf die Wirbelsäule vorgeschoben. Kleine Anteile der Wirbelbögen werden unter Mikroskop weggefräst und die raumfordernde Ursache beseitigt (Abb. 15). Der Einsatz eines Implantates ist in diesem Fall nicht erforderlich. Eine weiche Halskrause wird eine Woche lang nach dem Eingriff getragen.
 
 
 
   
Abb. 15a:
Schematische Darstellung der Ausfräsung der Wirbelbögen im Halswirbelsäulenbereich zur Entfernung eines Bandscheibenvorfalles unter der Wurzel. 

Abb. 15b:
Intraoperative mikroskopische Aufnahme: Rückenmarksack und abgehende Nervenwurzel sind dargestellt. 
 
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4.3.2

 Unter Laminektomie versteht man die ersatzlose Entfernung eines oder mehrerer Wirbelbögen, um eine Einengung des Rückenmarkes von hinten zu beheben. Nach der Entlastung bietet die schichtweise genähte Muskulatur dem Rückenmark ausreichend Schutz.

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4.3.3

 Stabilisierung bei Wirbelgleiten: Die rheumatische Erkrankung oder Unfälle können ein "Verrutschen" von Halswirbelkörpern gegen einander verursachen. Unter Umständen kommt es dabei zu einer Einengung des Rückenmarkes oder der Nervenwurzeln. Die Wiederherstellung der korrekten Lage der Wirbelkörper (Reposition) und deren Verbund (Stabilisierung) wird mittels Einsatz von feinen Titanstäben, die mit Schrauben an die Halswirbelkörper fixiert werden, erreicht. Auch diese Eingriffe erfolgen durch den Nacken. Die Implantate können lebenslänglich im Körper belassen werden, sind mit der Durchführung von kernspintomographischen Untersuchungen vereinbar (da nicht magnetisch) und lösen bei Flughafenkontrollen keinen Alarm aus (Abb. 16). 
 

   Abb. 16:
Röntgenaufnahme seitlich einer Stabilisierung mit Schrauben und Titanstäben zwischen dem 2. und 4. Halswirbelkörper.
 

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Letzte Änderung: Dr. Johannes A. Koeppen, 24.01.2005

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