Geschichte der Klinik
Die Neurochirurgie ist ein eigenes operatives Fachgebiet, das sich mit den Verletzungen und operativ behandelbaren Erkrankungen und Fehlbildungen des Gehirns und Schädels, des Rückenmarks und der Wibelsäule sowie des peripheren und vegetativen Nervensystems befaßt.
Him- und Rückenmarksoperationen wurden seit Ende letzten Jahrhunderts durchgeführt, in England erstmals durch Victor Horsley (1857-1916), in Deutschland durch Ernst v.Bergmann (1836-1907). Chirurgen wie Harvey Cushing (1866-1939) in den USA, Fedor Krause (1857-1937) und der Neurologe Otfried Förster (1873-1941) in Deutschland hatten sich Anfangs des vorigen Jahrhunderts ganz auf die Chirurgie des Nervensystems spezialisiert und gelten aus heutiger Sicht als die 'Pioniere' der Neurochirurgie.
1932 wurde von Wilhehn Tönnis die erste deutsche neurochirurgische Abteilung in Würzburg aufgebaut. Sein Schüler, Georg Friedrich Häussler (1904-1977) übernahm 1938 die noch junge neurochirurgische Abteilung in Hamburg Eppendorf von Otto Voss, dem ersten Direktor der Neurochirurgie. Damals gehörte die Neurochirurgische Klinik noch zur Neurologie unter der Führung von Heinrich Pette (1887-1964). 1945 bis 1979 folgte Rudolf Kautzky, unter dessen Führung die Neurochirurgie erstmals eine administrative Selbstständigkeit erlangte und sich inhaltliche Arbeitsschwerpunkte mit der Hirntumorforschung und -behandlung sowie der neuroradiologischen Diagnostik herausbildeten. 1980 übernahm Hans-Dietrich Herrmann die Leitung der Neurochirurgie und erweiterte nochmals das Leistungsspektrum, insbesondere auf dem Gebiet der Hirn- und Rückenmarkstumorchirurgie sowie der zerebralen Gefäßerkrankungen. 1200 Operationen wurden nun jährlich durchgeführt. Prof. Herrmann gelang es das operative Spektrum der Klinik um komplexe Eingriffe bei Gefäßmißbildungen, intramedullären und Hirnstamm-Tumoren zu erweitern. Wissenschaftlich wurde vor allem die Hirntumorbiologie voran getrieben. Die Mitarbeiter, die unter Prof. Herrmann arbeiteten, schätzten sein unerschöpfliches Fachwissen, seinen messerscharfen Verstand und vor allem seine Fähigkeit eine unvergleichliche Balance von Toleranz und Stringenz zu verwirklichen. Es gelang ihm damit eine Atmosphäre zu schaffen in der alle Mitarbeiter zu ihren besten Leistungen gelangen konnten.
Nach der Emeretierung von Prof. Herrmann 1999 übernahm Manfred Westphal die kommissarische Leitung, seit 2002 ist er Direktor der Neurochirurgischen Klinik.
Die Neurochirurgische Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf verfügt heute über 56 Planbetten mit 12 Intensivbetten, einer Operations-Einheit mit 3 Operationstischen und einem stereotaktischen Operationsraum. Mittlerweile werden ca. 2000 Operationen jährlich am zentralen Nervensystem durchgeführt. Moderne Operationstechniken mit dem Mikroskop, der Endoskopie, der Laserchirurgie insbesondere im Himstamm und Rückenmark, neuere Lokalisationsmethoden wie der intraoperative Ultraschall oder die computerassistierte Stereotaxie mit Bildfusionen von MRT- und CCT-Daten sowie die Fortschritte auf dem Gebiet der Anästhesie und Intensivmedizin haben die Behandlungsrisiken erheblich reduziert und die operativen Möglichkeiten auch in der jüngeren Zeit nochmals erweitert.
Zahlreiche Spezialambulanzen (Tumorsprechstunde, Pädiatrische Neurochirurgie, Wirbelsäulenerkrankungen Zerebrovaskuläre Erkrankungen, M. Parkinson/Bewegungsstörungen etc.) sind in Ergänzung der allgemeinen Sprechstunden und Privatambulanzen eingerichtet worden.
Zielsetzung der Neurochirurgischen Klinik in Hamburg-Eppendorf bleibt, das nationale und internationale Renomee in den wissenschaftlichen und klinischen Arbeitsbereichen nicht nur zu erhalten, sondern auch weiter zu entwickeln.