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Aufgaben / Schwerpunkte

 


Unser Zentrum ist sowohl für die Transplantation als solche als auch für die Transplantationsnachsorge bei Kindern und Erwachsenen verantwortlich. Im Rahmen dieser beiden Aufgabengebiete bestehen zahlreiche Kooperationen mit anderen Abteilungen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sowie vielfältige nationale und internationale Kooperationen. Im wesentlichen werden in unserem Zentrum bei allen Transplantationsindikationen Behandlungen durchgeführt. Folgende klinische Schwerpunkte sollen jedoch nachfolgend kurz betont werden:

 Fremdspender-Transplantation

Seit 1992 werden in unserem Zentrum regelmäßig auch Knochenmarktransplantationen von einem nicht-verwandten Spender durchgeführt. Durch zunehmende Verfügbarkeit von inzwischen knapp neun Millionen Spendern weltweit gelingt es in fast 80 % der Fälle, weltweit einen passenden Spender für unsere Patienten ausfindig zu machen.

Da die transplantationsbedingten Komplikationen, insbesondere Spender-gegen-Wirt-Reaktionen und Abstoßungsreaktionen, bei der Fremdspender-Transplantation in der Regel höher sind, haben wir uns sehr früh mit Strategien beschäftigt, die das Spender-gegen-Wirt-Risiko und das Abstoßungsrisiko minimieren, ohne daß es gleichzeitig zu einer höheren Zahl an Rückfällen kommt.

Inzwischen haben wir in zahlreichen präklinischen und klinischen Studien zeigen können, daß durch die Inkorporation des Anti-Thymozyten-Globulins in die Konditionierungstherapie das Auftreten von schweren GvHD's und Abstoßungsreaktionen minimiert werden können. So liegt der Anteil der Fremdspender-Transplantation inzwischen > 50 % aller in unserer Abteilung durchgeführten Transplantationsverfahren.

Eine weitere Verbesserung der Ergebnisse ist durch die weiter unten beschriebenen gentherapeutischen Therapiestrategien zu erwarten.

 

 Dosisreduzierte Konditionierung
(sogenannte Mini-Transplantation)

Ein weiterer klinischer Schwerpunkt ist die Entwicklung von weniger toxischen Konditionierungsschemata, so daß die Transplantation auch bei älteren Patienten oder bei Patienten mit Kontraindikationen für eine konventionelle Transplantation durchgeführt werden kann.

Hierfür beteiligen wir uns an nationalen Protokollen bei Patienten mit

Außerdem haben wir eigene Therapieprotokolle für Patienten mit

 

 Myelodysplastisches Syndrom (MDS)

 

 Gentherapie

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Abteilung liegt auf der Weiterentwicklung von gentherapeutischen Behandlungsstrategien. Hier wurden in jahrelanger Vorarbeit in Kooperation mit dem Heinrich-Pette-Institut, Hamburg, grundlegende basiswissenschaftliche Voraussetzungen geschaffen, um die Erkenntnisse in klinischen Therapieprotokollen zum Wohle des Patienten einzusetzen.

Hier steht an erster Stelle ein Therapieprotokoll, bei dem die T Lymphozyten des Knochenmarkspenders mit einem bestimmten Gen (Herpes simplex-Tyrosinkinase) transduziert werden, um sie im Falle des Auftretens einer bedrohlichen Spender-gegen-Wirt-Reaktion medikamentös ausschalten zu können.

 

 Plasmozytome

Die Behandlung bzw. die Fortentwicklung von Behandlungsstrategien bei Patienten mit diffusem Plasmozytom stellen einen weiteren Schwerpunkt unseres Zentrums dar. Als Mitglied des Protokollkomitees der Deutschen Plasmozytom-Studie sind wir an der autologen Hochdosistherapiestudie "TMI/Bu/Cy versus 2 x Melphalan" aktiv beteiligt. Die allogene Geschwister-Transplantation nach Konditionierung mit Total Marrow-Bestrahlung, Busulfan und Cyclophosphamid wird im Rahmen eines multizentrischen Therapieprotokolls federführend von Hamburg aus geleitet. Die bisherigen Ergebnisse unterstreichen, daß mit einer allogenen Transplantation die Heilungsaussichten verbessert werden können und daß die therapiebedingte Mortalität im internationalen Vergleich durch von uns entwickelte Strategien zur Verhinderung einer Spender-gegen-Wirt-Reaktion deutlich gesenkt werden kann.

Um die allogene Transplantation auch älteren Patienten oder Patienten, die auf Grund von Risikofaktoren für eine Hochdosistherapie nicht in Frage kommen, zugänglich zu machen, haben wir ein Therapieprotokoll entwickelt, an dem sich auch mehrere andere deutsche Kliniken beteiligen. Hierbei wird nach einer autologen Hochdosistherapie eine sogenannte dosisreduzierte Konditionierung, gefolgt von allogener Blutstammzelltransplantation, (sogenannte Mini-Transplantation) durchgeführt. Hierdurch erhoffen wir uns eine deutliche Senkung der therapiebedingten Morbidität und Mortalität bei gleichbleibenden Heilungsaussichten. Die bisher noch vorläufigen Ergebnisse sind ermutigend und wurden in internationalen Fachzeitschriften publiziert.

Im Aufbau befindet sich ein Verfahren zum Nachweis von minimaler Resterkrankung durch sogenannte patientenspezifische Sonden, die für jeden Plasmozytom-Patienten eigens generiert werden müssen, um als Nachweis von Resterkrankung nach Transplantation zu dienen. Im Falle von minimaler Resterkrankung steht mit einer sogenannten Spenderlymphozytengabe ein wirksames therapeutisches Verfahren zur Verfügung, um diese Resterkrankung zu beseitigen und die Heilungsaussichten zu erhöhen.

 

 Osteomyelofibrose

 

 Mammakarzinome

Um die Heilungsaussichten bei Patientinnen mit hohem Rezidivrisiko, d. h. zahlreichen befallenen Lymphknoten bei Primäroperation, zu verbessern, wurde bereits früh für diese Patientinnengruppe eine Hochdosischemotherapie, gefolgt von autologer Blutstammzelltransplantation, im Rahmen einer klinischen Studie in unserem Zentrum durchgeführt.

In Kooperation mit der Klinik für Frauenheilkunde des UKE wurde dann eine große multizentrische, bundesdeutsche Phase III-Studie initiiert, die den Wert einer adjuvanten Hochdosistherapie mit einer konventionellen Chemotherapie bei Patientinnen mit hohem Risiko, d. h. mehr als 10 befallenen Lymphknoten, untersucht. In dieser, auch international viel beachteten Studie wurden inzwischen mehr als 300 Patientinnen behandelt. Die Hochdosistherapie erbrachte eine Reduktion der Rezidivrate um 25 %.

Auch für Patienten mit inflammatorischem Mammakarzinom wird der Wert der Hochdosistherapie im Rahmen einer Phase II-Studie untersucht, an der sich mehrere bundesdeutsche Zentren beteiligen.

 

 Autologe Hochdosistherapie bei anderen soliden Tumoren

Auch andere solide Tumoren können im Rahmen von Therapiestudien behandelt werden, um die Heilungsaussichten der jeweiligen Erkrankung zu verbessern. Dies gilt für die folgenden Tumoren:

 

 Akute myeloische Leukämie

Einen weiteren klinischen Schwerpunkt bilden die autologe und die allogene Transplantation bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie.

Hierfür sind wir in das Süddeutsche Hämoblastose-Protokoll eingebunden, wobei wir maßgeblich an dem Konditionierungsprotokoll beteiligt gewesen sind. Mit diesem Konditionierungsprotokoll gelingt es unserer Abteilung, rund 75 % der Patienten in erster Remission mit einem HLA-kompatiblen Familienspender von der Erkrankung zu heilen.

Dieses Konditionierungsprotokoll wird auch erfolgreich bei der autologen Transplantation eingesetzt.

Da es bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie oft schwierig ist, eine ausreichende Menge Stammzellen zu sammeln, beschäftigen wir uns auch mit Methoden zur Optimierung der Stammzellgewinnung bei diesen Patienten.

 

 Psychosoziale Unterstützung

Hochdosistherapie und Knochenmarktransplantation sind für und ihre Angehörigen, aber auch für die Behandlungsteams mit extremen Belastungen und Herausforderungen verbunden. Wir haben deshalb am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ein integratives psychosoziales Unterstützungskonzept entwickelt, das modellhaften Charakter hat. Die wichtigsten Merkmale dieses Modells sind:

1. Interdisziplinarität:

Enge Kooperation zwischen psychotherapeutischen, künstlerisch-therapeutischen, sozialarbeiterischen und physiotherapeutischen Angeboten und medizinisch-pflegerischen Maßnahmen. Psychosoziale Begleitung ist ein fester Bestandteil der Behandlung, der jeder Patientin und jedem Patienten regelhaft angeboten wird.

2. Langfristige, kontinuierliche Begleitung:

Frühzeitige Kontaktaufnahme durch feste Bezugspersonen und Begleitung durch alle Erkrankungs-, Behandlungs- und Rehabilitationsphasen.

Besonders die frühzeitige Vorbereitung auf die sehr eingreifende Behandlung hat sich als effektiv in der Verminderung von Streß und Angst erwiesen. Dazu dienen vor allem das Patientenseminar, das alle aufzunehmenden Patienten besuchen, und unser Informationshandbuch "Ihr Weg durch die KMT".

3. Förderung von Selbsthilfe:

Einbezug von Patientenressourcen, frühzeitiges Bereitstellen von Entscheidungs- und Informationshilfen, Förderung von Patienteninitiativen.

Die Aktionsgruppe "Sherpa" besteht aus ehemaligen KMT-Patienten und Mitarbeitern des KMT-Zentrums und bietet jetzigen und künftigen Patienten Unterstützung einschließlich eines Beratungstelefons an. Unser monatliches Patienten-Café dient dem Austausch ehemaliger Patienten.

4. Netzwerkstärkung:

Beachtung und Ausbau sozialer Unterstützungsmöglichkeiten und von professionellen und nicht-professionellen Vernetzungen. Wir verstehen die Behandlung nicht als Aufgabe eines Einzelnen, sie vollzieht sich vielmehr im sozialen Kontext, vor allem dem der Familie. Diese Ressourcen können genutzt werden. Wir kooperieren zudem eng mit der "Beratungsstelle für Kinder körperlich kranker Eltern" und der Abteilung "Medizinische Psychologie" des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

5. Innovation:

Etablierung innovativer Hilfsmöglichkeiten (wie musiktherapeutischer und kunsttherapeutischer Angebote, hypnotherapeutischer Interventionen, spezifischer physiotherapeutischer Maßnahmen).

Die Verbesserung der Schmerz- und Übelkeitssymptomatik in der Akutbehandlung wurde an unserem Zentrum in einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Interventionsstudie geprüft.

6. Evaluation:

Dokumentation und Entwicklung von Behandlungsleitlinien, qualitative und quantitativ-empirische Forschung in Kooperation mit psychosozialen universitären Fächern. Zur Zeit bereiten wir Studien zu psychischen und neuropsychologischen Spätfolgen nach Hochdosistherapie und Knochenmarktransplantation vor.

Unser Ziel ist es, den Patienten und ihren Angehörigen ein Angebot zu machen, das es ihnen auf ihrem Weg durch Krankheit und Behandlung erleichtert, eigene Ressourcen zu entdecken bzw. zu stärken, aber sich auch auf persönliche, professionelle Gegenüber stützen zu können.

Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige können sich jederzeit an Herrn Henry Buhk (Psychologe) unter Telefon 040/7410-57617 oder an Frau Patricia Gerlach (Sozialarbeiterin) unter Telefon 040-7410-55922 wenden.

 

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Letzte Änderung: Dr. Peter Pakusa, 26.02.2009