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Wir hoffen, daß Sie durch diese Informationen etwas mehr Sicherheit im Umgang mit der Ihnen völlig neuen und vielleicht beängstigenden Situation auf einer Intensivstation gewinnen können. Natürlich können diese Informationen nicht vollständig sein, sie sollen nur eine unterstützende Funktion haben und können persönliche Gespräche - zu denen wir Sie ermutigen möchten - keinesfalls ersetzen.
Beachten Sie bitte, daß die folgenden Informationen sich in erster Linie auf die Gegebenheiten der Kinderintensivstation der Hamburger Universitätskinderklinik beziehen.
Folgende Themen können Sie hier finden:
Wann dürfen wir unser Kind besuchen?
Kann ich bei meinem Kind übernachten?
Was können wir als Eltern an Pflege übernehmen?
Dürfen wir unser Baby in den Arm nehmen?
Darf unser Baby Muttermilch bekommen?
Was ist eine Magensonde?
Was sind Infusionen und "Zugänge"?
Wie wird mein Kind überwacht?
Was ist ein Blasenkatheter?
Warum finden so viele Untersuchungen statt?
Wieso muß mein Kind beatmet werden?
Transfusionen
Wann dürfen wir unser Kind besuchen?
Generell dürfen Sie Ihr Kind zu jeder Tages- und Nachtzeit besuchen. Unsere Besuchsregelung beschränkt sich ausschließlich auf die Anzahl der Besucher. Es dürfen maximal 2 Personen auf die Station, d. h. beide Elternteile, oder ein Elternteil mit einer anderen, nahestehenden Person. Nur in bestimmten Ausnahmesituationen ist es möglich, von dieser Regelung abzuweichen. In der Regel sind nur die Eltern berechtigt, Auskunft zu erhalten.
Kinder dürfen aufgrund der größeren Wahrscheinlichkeit der Übertragung von Kinderkrankheiten erst ab dem 14. Lebensjahr auf die Station. Im Einzelfall sollten Sie selbst entscheiden, ob man dem Kind/Jugendlichen den Besuch des kranken Geschwisterkindes zumuten kann.
Stille Stunde:
Um Ihrem Kind eine absolute Ruhepause zu gewähren, haben wir eine "stille Stunde" in der Zeit zwischen 11 und 12 Uhr eingeführt. Während dieser Zeit werden nach Möglichkeit keine pflegerischen und ärztlichen Tätigkeiten durchgeführt. Nutzen Sie diese Zeit, um sich selbst auch eine kleine Pause zu gönnen.
Visitenzeiten/Übergabezeiten:
Die Visite findet in der Regel ab 9 Uhr, am Wochenende später, statt. Außer bei der Visite am Bett Ihres Kindes bitten wir Sie, aus datenschutzrechtlichen Gründen das Zimmer zu verlassen. Hierbei ist zu erwähnen, daß es weitere Situationen geben kann, in denen wir Sie bitten, kurz den Raum zu verlassen. Hierzu zählen: Röntgenuntersuchungen, Übergabe des pflegerischen und ärztlichen Personals oder ärztliche Untersuchungen.
Kann ich bei meinem Kind übernachten?
Ist Ihr Kind in einem Alter, wo es vor allem nachts nach seinen Eltern verlangt, verspüren Sie sicher den Wunsch, Ihr Bett direkt neben dem Ihres Kindes aufzustellen. Leider ist dies aufgrund der räumlichen Kapazitäten unserer Station nicht möglich. In der Regel können wir Sie aber auf einer anderen Station in der Kinderklinik unterbringen. Somit sind Sie immer in erreichbarer Nähe, können sich aber auch zwischendurch einmal zurückziehen, wenn Ihnen danach ist.
Sofern Sie einen weiten Anfahrtsweg haben, gibt es für Eltern die Möglichkeit, in einem Appartement in Eppendorf untergebracht zu werden, welches von der "McDonalds Kinderhilfe" eingerichtet wurde. Leider ist nur eine geringe Anzahl von Betten verfügbar. Bitte sprechen Sie uns darauf an.
Was können wir als Eltern an Pflege übernehmen?
Ihr Kind wird in der Regel 3-4 stündlich versorgt. Wir sind bemüht, Ihrem Kind möglichst viel Ruhe zukommen zu lassen, d. h. wenn es schläft lassen wir es auch schlafen, sofern keine zwingende Notwendigkeit besteht, pflegerische oder ärztliche Maßnahmen durchzuführen. Da die betreuende Pflegekraft außer Ihrem Kind in der Regel noch 1-2 weitere Patienten zu betreuen hat, kann es zu Verschiebungen im zeitlichen Ablauf kommen. Wenn Sie mit der neuen Situation etwas vertrauter sind und es selber möchten, besprechen Sie mit dem zuständigen Pflegepersonal, was Sie an Aufgaben für Ihr Kind selber übernehmen können, wie z. B. Wickeln, Temperatur messen, Waschen, Eincremen und Füttern. Wir werden Ihnen gerne zeigen, wie Sie diese Dinge am besten durchführen. So werden Sie einen großen Teil zum Wohlbefinden Ihres Kindes beitragen können.
Übrigens:
Wenn Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn besuchen, bringen Sie bitte das Lieblingsspielzeug, Kuscheltier, Spieluhr oder ähnliches mit. So hat Ihr Kind auch immer etwas von Ihnen bei sich.
Dürfen wir unser Baby in den Arm nehmen?
Damit ihr Baby es schön warm hat, geschützt ist und wir es besser beobachten können, liegt es in einem Brutkasten, den wir "Inkubator" nennen. Häufig ist dieser Inkubator mit einem Tuch abgedeckt, damit Ihr Kind es noch dunkler und gemütlicher hat. Grundsätzlich dürfen und sollten Sie Ihr Kind streicheln und mit ihm sprechen, es wird es spüren und sich sicherlich dabei wohlfühlen. Denken Sie bitte daran, sich vorher die Hände zu waschen und zu desinfizieren, sowie Schmuck und Uhren abzunehmen. Wenn der Gesundheitszustand Ihres Kindes es erlaubt, können Sie beim "Känguruhen" noch intensiveren Kontakt miteinander haben.
Dabei liegt Ihr Kind auf Ihrer Brust, so daß eine absolute Nähe gewährleistet ist. Ihr Kind kann Ihren Herzschlag, Ihren Geruch sowie Ihre Körperwärme spüren.
Wenn Sie zum "Känguruhen" kommen, sollten Sie mindestens 2 Stunden Zeit mitbringen, damit diese besondere Ruhephase für Ihr Kind nicht zu kurz ist. Sie sollten sich so entspannt wie möglich hinsetzen, tragen Sie also am besten bequeme und luftige Kleidung. Für das "Känguruhen" verfügen wir über bequeme Liegestühle.
Größere Kinder äußern meist von allein den Wunsch, auf oder in den Arm genommen zu werden. Dieses ist natürlich kein Problem, wir bitten in diesem Fall um eine kurze Mitteilung an die Ihr Kind betreuende Pflegekraft, um eventuell vorhandene Venenzugänge zu sichern und die fortlaufende Monitorüberwachung zu gewährleisten.
Darf unser Baby Muttermilch bekommen?
Muttermilch ist für Babys die beste Nahrung, dieses gilt in der Regel auch für Frühgeborene. Wenn Ihr Kind zur Zeit nicht an der Brust trinken kann, gibt es die Möglichkeit, die Milch abzupumpen und über eine Sonde zu füttern. Achten Sie bitte beim Abpumpen auf ein hygienisches Vorgehen. Sterilisierte Flaschen zum Transport der Milch erhalten Sie bei uns. Diese müssen mit Namen, Datum und Uhrzeit beschriftet sein. Um eine Anreicherung der Muttermilch mit Bakterien zu verhindern, ist es sehr wichtig, daß die Milch direkt nach dem Abpumpen gekühlt wird, d. h. daß Sie die Milch beim Transport unbedingt in einer Kühltasche aufbewahren sollten. Sollte sie eingefroren sein, kann sie nach dem Auftauen problemlos gefüttert werden. Informieren Sie uns bitte, wenn Sie Medikamente nehmen müssen, da diese sich in der Muttermilch anreichern können.
Falls einmal keine ausreichende Menge an Muttermilch zur Verfügung steht, oder diese aus einem anderen Grund nicht gefüttert werden kann, stehen uns verschiedene Produkte zur Verfügung, die dem Bedarf Ihres Kindes angepaßt sind.
Die Anzahl der Mahlzeiten ist dabei abhängig von Alter, Nahrungsverträglichkeit und Gesundheitszustand Ihres Kindes.
Was ist eine Magensonde?
Die Magensonde ist ein weicher Schlauch, der meist durch die Nase - seltener durch den Mund - in den Magen führt. Wenn Ihr Kind die Nahrung noch nicht in ausreichender Menge selbst zu sich nehmen kann, wird es über diese Sonde mit Hilfe einer Spritze, die an den Schlauch angesteckt wird, gefüttert. So kann auch überprüft werden, inwieweit die Fähigkeit vorhanden ist, die zugeführte Nahrungsmenge zu verdauen, indem die Restmenge der letzten Mahlzeit bestimmt wird.
Was sind Infusionen und "Zugänge"?
Wie Sie oben schon erfahren haben, müssen einige Kinder über eine Magensonde ernährt werden. Da aber oft die Nahrungsmenge, die darüber zugeführt werden kann, für eine optimale Ernährung noch nicht ausreicht, wird zusätzlich Flüssigkeit direkt in die Blutbahn gegeben. Diese enthält Zucker, Salze, Spurenelemente, Eiweiß, Fette und Vitamine. Wir bezeichnen das als Infusion. Je mehr Nahrung die Kinder mit der Zeit verdauen können, desto geringer wird die Infusionsmenge sein. Um die Flüssigkeit verabreichen zu können, legen wir einen "Venenzugang". Dazu wird ein biegsamer Kunststoffschlauch in eine kleine Vene, bei schwierigen Venenverhältnissen gegebenenfalls in eine große Vene ("zentraler Venenkatheter") geschoben.
Sehr viele, besonders bei Babys gut sichtbare Venen verlaufen am Kopf. Erschrecken Sie deshalb nicht, wenn Ihr Kind einen Venenzugang am Kopf hat.
Sehr wichtig sind diese Zugänge auch, damit wir ihrem Kind darüber Medikamente geben können. In einigen Fällen kann darüber sogar schmerzfrei Blut abgenommen werden.
Mit kleinen Elektroden auf Brust und Bauch werden Atem- und Herzfrequenz kontrolliert. Über eine kleine "rote Lampe" an Hand oder Fuß kann der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen werden. Weitere Werte, die u. a. der Optimierung der Beatmung dienen, liefert eine auf die Haut geklebte Meßsonde. All dies ist für Ihr Kind völlig schmerzfrei. Andere Möglichkeiten der Überwachung erklären wir Ihnen gerne am Bett.
Der Überwachungsmonitor und andere technische Geräte haben verschiedene Klänge für Alarme unterschiedlicher Bedeutung. Das Personal kann diese selbstverständlich voneinander unterscheiden. Alarmiert es einmal, bedeutet dies nicht automatisch eine Gefährdung Ihres Kindes, es kann sich z. B. auch einfach nur um eine Elektrode handeln, die sich gelöst hat. Auf unserer Station ist die Technik ein unerläßliches Hilfsmittel bei der Betreuung Ihres Kindes, selbstverständlich aber kein Ersatz für unsere Beobachtung, Zuwendung und Fürsorge.
Ein Blasenkatheter ist ein kleiner Schlauch, der durch die Harnröhre in die Harnblase führt. Er wird benötigt für verschiedene diagnostische Maßnahmen (Urinuntersuchung), wenn ein Kind zu krank ist um selbständig Urin zu lassen, weil bestimmte Medikamente dies erfordern oder z. B. auch nach einer Operation, um die genaue Urinmenge erfassen zu können. Normalerweise wird so ein Blasenkatheter nur vorübergehend benötigt und so schnell wie möglich wieder entfernt.
Warum finden so viele Untersuchungen statt?
Die Kinder werden in der Regel anfangs mehrmals täglich körperlich untersucht, um alle auftretenden Veränderungen sofort feststellen zu können. Gegebenenfalls werden weiterführende Maßnahmen veranlaßt, wie z. B. die Anfertigung eines Röntgenbildes. Ferner werden individuell und nach Bedarf Blutentnahmen durchgeführt (aus der Ferse oder einer Vene), um sowohl die Diagnostik, als auch die Therapie zu optimieren. Danach werden z. B. Beatmungseinstellungen oder Infusionen geändert. Da Blutentnahmen unangenehm und schmerzhaft sein können, werden diese auf das nötige Maß beschränkt und immer dem Krankheitsbild der Kinder und deren Bedarf angepaßt.
Wieso muß mein Kind beatmet werden?
Es kann durchaus der Fall sein, daß ein Kind noch nicht in der Lage ist, seine Atmung völlig selbständig zu übernehmen (z. B. aufgrund von Unreife der Atmungsorgane bei kleinen Frühgeborenen oder nach Operationen). Dann erhält es Unterstützung von einem Beatmungsgerät. Dazu ist es nötig, einen weichen Schlauch (Tubus) in die Luftröhre zu schieben (Intubation). Die Intubation ist für Ihr Kind schmerzfrei, da es vorher Medikamente zur Ruhigstellung und gegen Schmerzen erhält.
Ab und zu ist es für den Genesungsprozeß eines Kindes sehr wichtig, daß es überhaupt nicht mitatmet. Dann erhält es von uns Medikamente, die einen "künstlichen Schlaf" herbeiführen. Dieses geschieht auch dann, wenn die Beatmung von Ihrem Kind ganz offensichtlich als sehr unangenehm empfunden wird.
Daß Ihr Kind von Zeit zu Zeit mit Hilfe eines Beatmungsbeutels, also mit der Hand, Luft zugeführt bekommt, ist ein ganz normaler Vorgang. Dieses ist z. B. der Fall beim Wechsel der Beatmungsschläuche, der aus hygienischen Gründen regelmäßig durchgeführt werden muß sowie beim Absaugen des Sekretes aus den Luftwegen.
Erschrecken Sie nicht, wenn Ihr Kind zu sprechen versucht oder Ihr Baby weint und Sie nichts hören. Unter Beatmung sind durch den Tubus die Stimmbänder blockiert. Diese Begleiterscheinung verschwindet mit der Entfernung des Tubus.
Eine Atemunterstützung mit Hilfe eines Beatmungsgerätes erfolgt immer nur solange, wie wirklich nötig, d. h. so kurz wie möglich. Um unsere kleinen und großen Patienten nicht zu überfordern, werden sie schonend von der Beatmung entwöhnt. Dies geschieht in mehreren Schritten (z. B. durch Reduzierung der Beatmungsfrequenz), bis sie schließlich ihre Atmung wieder völlig alleine übernehmen können. Dann wird auch der Tubus wieder entfernt (Extubation). Gelegentlich kann bei Babys nach der eigentlichen Extubation für eine gewisse Zeit noch eine Atemhilfe über einen Luftstrom notwendig sein, der über einen kleinen Schlauch in den Nasen-Rachenraum gegeben wird (Nasen-CPAP). Diese Maßnahme erleichtert den Babys für eine kurze Zeit den Übergang zum selbständigen Atmen.
Bei einigen Kindern ist es nötig, zusätzlich rote Blutkörperchen zuzuführen (z. B. nach einer Operation). Sie erhalten dann eine sogenannte Bluttransfusion. Alle Blutkonserven stammen von ausgewählten Spendern, genügen hohen Qualitätsansprüchen und werden selbstverständlich engmaschig kontrolliert. Kleine Patienten erhalten auch nur geringe Mengen Blut. Dieses wird, der Haltbarkeitsdauer entsprechend, solange es möglich ist, aus derselben, der sogenannten "Mutterkonserve" entnommen.
Weitere Informationen zu Bluttransfusionen finden Sie unter
Transfusionsdienst UKE.