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Information zur Lebertransplantation

 

Indikation zur Lebertransplantation

MELD Score

 Indikation zur Lebertransplantation

Dekompensierte Leberzirrhose

Die meisten Patienten benötigen eine Lebertransplantation aufgrund einer dekompensierten Leberzirrhose. Diese kann wiederum verschiedenste Ursachen haben. Am häufigsten liegt eine chronische Viruserkrankung der Leber vor, also eine Hepatitis C-, eine Hepatitis B-  oder eine Hepatitis B+D - Virusinfektion. Andere Viren führen nur in sehr seltenen Ausnahmefällen zu einer Leberzirrhose.
Relativ häufig führt leider in unserer Bevölkerung auch Alkohol zu einer Leberzirrhose. Bei Frauen reicht bereits der Konsum von 20g Alkohol/Tag (dieses entspricht ca. 1 Glas Wein/Tag), bei Männern 40g Alkohol/Tag (dieses entspricht etwas weniger als 1L Bier/Tag) für einer Leberzirrhose. Selbstverständlich entwickelt nicht jeder Mensch, der diese Mengen Alkohol konsumiert, eine Leberschädigung, so dass eine erblich bedingte Veranlagung hier eine wichtige Rolle spielt.
Eine Lebertransplantation erhalten am Hamburger Transplantationszentrum grundsätzlich -entsprechend der Richtlinien der Deutschen Ärztekammer nur Patienten, die mindestens 6 Monate keinen Alkohol mehr konsumiert haben.
Weiterhin führen häufig Autoimmunerkrankungen der Leber zu einer Zirrhose. Hierzu gehört die autoimmune Hepatitis, die in der Regel über viele Jahre gut mit Kortison und Azathioprin oder auch anderen Medikamenten stabilisiert werden kann. Häufiger benötigen Patienten mit einer Primär Biliären Zirrhose, die in der Regel ältere Damen betrifft, oder auch die Primär Sklerosierende Cholangitis (PSC), die in der Regel junge Männer betrifft, eine Lebertransplantation. Die letztere Erkrankung tritt häufig vergesellschaftet mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, insbesondere der Colitis ulcerosa, auf. Die PSC betrifft insbesondere die Gallenwege, die, wie der Name sagt, sklerosieren und unregelmäßig werden. Durch den fehlenden Galleabfluß kommt es zur Entzündung der Gallengänge (= Cholangitiden) mit immer wieder auftretenden Fieberschüben und Gelbfärbung der Haut (=Ikterus).
Auch andere seltenere Erkrankungen, wie die Eisenspeichererkrankung (= Haemochromatose), die Kupferspeichererkrankung (= Morbus Wilson), ein Alpha-1-Antitrypsin Mangel u.a. können eine Leberzirrhose hervorrufen.
Eine Transplantation ist bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose in der Regel dann notwendig, wenn der Patient immer wieder auftretende Blutungen aus Krampfadern der Speiseröhre entwickelt oder eine mit Medikamenten nicht mehr therapierbare Bauchwassersucht (Aszites) (= therapierefraktärer Aszites) oder auch immer wieder auftretende Leberkomata (= hepatische Encephalopathien). Zusätzlich zu diesen klinischen Beschwerden sollte die Leberfunktion, also die Produktionsleistung der Leber, deutlich eingeschränkt sein.
Wie schnell ein Patient mit einer dekompensierten Leberzirrhose, der bei Eurotransplant gelistet ist, ein Organangebot erhält, richtet sich nach dem sogenannten MELD Score (s.u.).

Indikation zur Lebertransplantation bei Lebertumoren
Bei Patienten mit einer Leberzirrhose, insbesondere auf dem Boden einer Virusinfektion, aber auch aufgrund anderer Ursachen, besteht ein erhöhtes Risiko, einen Leberkrebs (=Hepatozelluläres Karzinom) zu entwickeln. Das Risiko ist sehr hoch und liegt bei ca. 2% / Jahr. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Bestimmung des Laborwertes AFP (= Alpha-Feto-Protein) und Durchführung einer Leberbildgebung (z.B. Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Kernspinntomographie  (MRT)) werden empfohlen.
Sofern das Hepatozelluläre Karzinom noch klein ist, bietet die Lebertransplantation eine Heilungschance. Andere Therapieverfahren des Hepatozellulären Karzinoms, wie eine Chemoembolisation (= TACE), eine ablative Therapie oder auch eine medikamentöse Therapie, z.B. mit Sorafenib (= Nexavar®) sind dagegen weniger effektiv. Eine Operation (= Resektion) des Hepatozellulären Karzinoms ist bei bestehender Leberzirrhose oft nicht möglich und hat ein hohes Risiko, dass es im Verlauf zum erneuten Auftreten eines Leberkrebses kommt. Nur bei Patienten ohne Leberzirrhose bietet die Operation ebenfalls eine Heilungschance.
Patienten, deren Leberkrebs von der Größe her die die sogenannten Mailand-Kriterien erfüllt, erhalten bei Eurotransplant "Sonder-Dringlichkeitspunkte". Die Mailand-Kriterien beziehen sich ausschließlich auf die Größe des Leberkrebses. Wächst der Leberkrebs innerhalb der Wartezeit über die Mailand-Kriterien hinaus, werden die Sonderpunkte bei Eurotransplant gestrichen. Zeigen die 3-Monatskontrollen hingegen eine stabile Tumorgröße innerhalb der Mailand-Kriterien, erhält der Patient alle 3 Monate weitere Zusatzwartepunkte. Dieses führt dazu, dass Patienten in der Regel nach ca. 1 - 1 ½ Jahren von Eurotransplant ein persönliches Organangebot erhalten, allerdings nur dann wenn der Leberkrebs innerhalb dieser Wartezeit nicht über die Mailand-Kriterien hinaus an Größe zugenommen hat.
Da leider das Risiko eines Tumorwachstums innerhalb der Wartezeit jedoch sehr hoch ist, sollte grundsätzlich über die Möglichkeit einer Lerberlebendspende (s.u.) nachgedacht werden.
Außer Leberkrebs (dem Hepatozellulären Karzinom) gibt es in der Leber auch andere bösartige Tumoren.
Hormon-produzierende Tumore ( sogenannte endokrine Tumore) können ebenfalls durch eine Lebertransplantation geheilt werden, sofern sich das Tumorleiden nur auf die Leber bezieht bzw. der übrige Tumor im Körper mit entfernt werden kann.
Bei dem sogenannten Gallengangskrebs (= Cholangiozelluläres Karzinom), der leider insbesondere bei Patienten mit Primär Sklerosierender Cholangitis vorkommt, ist das Risiko, dass der Tumor nach der Transplantation wieder auftritt, sehr hoch. Nur in wenigen Ausnahmefällen, wenn der Tumor noch extrem klein ist und erfolgreich mit Chemotherapie und lokaler Bestrahlung vorbehandelt werden kann, kann über eine Transplantation nachgedacht werden.
Lebermetastasen eines Tumors, der primär in einem anderen Organ ansässig ist oder war, wie z.B. Metastasen eines Darmkrebses, können dagegen nicht durch eine Transplantation geheilt werden, da in diesem Fall die Tumorzellen bereits im gesamten Körper vorhanden sind.

Indikation zur Lebertransplantation bei akutem Leberversagen

Ein akutes Leberversagen ist ein rasant fortschreitendes Krankheitsbild, bei dem es innerhalb weniger Tage zu einem kompletten Leberausfall kommt. In der Regel werden die Patienten aus voller Gesundheit mit Übelkeit, Erbrechen und manchmal Fieber krank. Innerhalb weniger Stunden und Tage entwickeln sich ein Leberkoma und ein Leberversagen. Eine notfallmäßige Transplantation ist in diesem Fall zur Rettung des Patienten notwendig. Sogenannte Leberersatzverfahren oder Leberdialysen können den Patienten meistens nur einige Stunden stabilisieren.
Ursache eines akuten Leberversagens können sowohl Viren sein, sowie auch Medikamente, giftige Pilze, Gefäßverschlüsse der Leber (= Budd Chiari-Syndrom) oder andere Erkrankungen.


 MELD Score


Der sogenannte MELD Score (= Model of Endstage Liver Disease) ist ein errechneter Wert, der statistisch gesehen das Risiko eines Patienten mit einer schweren Leberzirrhose innerhalb nächster Zeit zu versterben, widerspiegelt.
Eurotransplant nutzt diesen MELD Score, um zu festzulegen, welcher Patient als nächstes ein Organangebot erhalten soll, also um die Dringlichkeit einer Transplantation einzustufen. Wartezeit spielt bei Eurotransplant, außer bei Sonderindikationen, wie z.B. bei Tumorerkrankungen, keine Rolle mehr.
Der MELD Score errechnet sich nach einer bestimmten Formel aus drei Laborwerten: dem Bilirubin, dem Kreatinin und dem INR bzw. Quick-Wert. Es handelt sich damit um ein absolut objektives System, welches von der subjektiven Einschätzung eines Arztes oder Patienten unabhängig ist. Die Organverteilung bei Eurotransplant kann daher durch Patient und Arzt nicht beeinflusst werden.
Bei wenigen Erkrankungen besteht die Möglichkeit, den Patienten über sogenannte Ausnahmeregelungen zu listen: Diese Ausnahmeregeln sind bei Eurotransplant klar definiert und dürfen nicht überschritten werden. Regelmäßige Prüfungen werden durchgeführt.
Ausnahmeregelungen gibt es z.B. bei Patienten mit Leberkrebs, bei Patienten mir Primär Sklerosierender Cholangitis, bei Patienten mit Polycystischer Organdegeneration, bei Patienten mit Hyperoxalurie, bei Patienten mit Budd Chiari Syndrom, bei Patienten mit hepatopulmonalem Syndrom und anderen seltenen Erkrankungen.
Patienten mit akutem Leberversagen werden unabhängig von dem MELD Score mit höchster Dringlichkeit vor den zirrhotischen Patienten bei Eurotransplant berücksichtigt. Auch hier müssen streng definierte Kriterien eingehalten werden, die Eurotransplant vorgibt und für den individuellen Patienten prüft.

 Die Lebertransplantations-Operation


Bei der Lebertransplantation wird dem Empfänger, mit Ausnahme weniger Stoffwechselerkrankungen, immer die gesamte Leber entfernt. Das transplantierte Organ kann dagegen entweder eine ganze Leber oder auch ein Teilorgan darstellen. Teilorgane wachsen innerhalb weniger Monate auf die ursprüngliche Größe zurück.
Wie bei jeder Operation besteht auch bei der Transplantation ein Risiko zu sterben. Dieses Risiko richtet sich insbesondere danach, wie weit fortgeschritten die Lebererkrankung zum Zeitpunkt der Transplantation ist, welche weiteren Erkrankungen der Patient an anderen Organen aufweist und ob bereits Infektionen bestehen.
Patienten mit chronischen Infektionen oder auch anderen Organerkrankungen, wie z.B. einem Nierenversagen, haben selbstverständlich ein höheres Risiko, dass Komplikationen auftreten. In der Operationsaufklärung vor der Transplantation wird jeder Patient über sein individuelles Risiko aufgeklärt. Dieses geschieht, sobald alle Voruntersuchungen abgeschlossen sind und der Patient auf die Warteliste aufgenommen wird. Im Verlauf kann bei Verschlechterung des Patienten eine erneute Operationsaufklärung notwendig werden.
 
 Evaluation zur Lebertransplantation

Patienten, die sich betreffend einer Lebertransplantation informieren möchten bzw. die von ihren Ärzten zur Beratung oder Durchführung einer Lebertransplantation aufgefordert werden, sollten sich in der Lebertransplantations-Ambulanz zunächst für ein Vorstellungsgespräch vorstellen.
Hierfür ist eine telefonische Terminvereinbarung unbedingt notwendig.
Für Erstvorstellung sollten alle medizinischen Unterlagen vom Hausarzt und von vorbehandelnden Kliniken unbedingt mitgebracht werden.
Wird bei der ambulanten Vorstellung festgestellt, dass eine Lebertransplantation innerhalb der nächsten 1-2 Jahre notwendig scheint, erfolgt die Durchuntersuchung (= Evaluation) zur Listung zur Lebertransplantation.
Hierzu werden die Patienten in der Regel stationär im UKE aufgenommen. Bei entsprechendem Befinden des Patienten und Patientenwunsch kann ein Großteil der Untersuchung jedoch auch ambulant bzw. in anderen Krankenhäusern erfolgen.
Welche Untersuchungen notwendig sind, um das OP-Risiko einer Transplantation einzuschätzen, wird prinzipiell individuell festgelegt. Eine grobe Checkliste als Anhaltspunkt finden Sie hier. Bitte beachten Sie, dass nicht in jedem Fall alle Untersuchungen durchgeführt werden müssen.
Nach den erfolgten Voruntersuchungen für eine Transplantation, die auch ein Gespräch mit unserem Transplantationspsychologen  beinhaltet, erfolgt die chirurgische Operationsaufklärung, die Narkosearztaufklärung zur Transplantation sowie ein Abschlußgespräch in der Regel mit Frau Prof. Dr. med. M. Sterneck, der Leiterin der Lebertransplantationsambulanz. Desweiteren werden unsere Transplantationskoordinatoren jeden Patienten betreff aller organisatorischen Punkte im Zusammenhang mit der Listung und der Lebertransplantation informieren.

 Nachsorge nach Lebertransplantation

In der Regel sind die Patienten für ca. 3-4 Wochen nach der Lebertransplantation im UKE stationär, zunächst einige Tage auf der Intensivstation, dann auf der Transplantationsstation 3G. Während des stationären Aufenthaltes wird meist auch eine Anschlußheilbehandlung in einer Rehabilitationsabteilung in die Wege geleitet. Diese tritt der Patient dann innerhalb von 2 Wochen nach Entlassung an.
Ambulant werden alle frisch lebertransplantierten Patienten regelmäßig in der Lebertransplantationsambulanz betreut. Im ersten Vierteljahr nach Transplantation kann dieses sogar manchmal  2x wöchentliche Besuche erfordern. Anschließend verlängert sich der Abstand der notwendigen Kontrolluntersuchungen immer weiter bis zu einem 3 Monatsintervall. Außerdem werden die Untersuchungen dann abwechselnd beim Hausarzt und in der Lebertransplantationsambulanz durchgeführt.
Wichtig sind gerade zu Beginn nach Transplantation die Leberwerte sowie die Medikamentenspiegel engmaschig zu kontrollieren, um Abstoßungsreaktionen vorzubeugen.
Eine Berufstätigkeit kann je nach Zustand des Patienten zum Zeitpunkt der Transplantation meist (3)6-12 Monate danach wieder aufgenommen werden.

Fahrtkosten, die durch den Besuch in der Ambulanz der Lebertransplantation des Ambulanzzentrums UKE GmbHs hervorgerufen werden, können durch die Krankenkasse erstattet werden, sofern dieses vorher beantragt wird. Mit der Lebertransplantation stellen wir automatisch einen Antrag hierfür bei der Krankenkasse des Patienten für die ersten 3 Monate.

 

 Psychologische Betreuung


Auf eine psychologische Betreuung vor und nach erfolgter Transplantation wird an unserem Zentrum besonderen Wert gelegt. Im Rahmen der Voruntersuchung zur Transplantation erfolgt dabei mit allen Patienten stets ein Informationsgespräch. Weitere Gespräche können nach Bedarf für den Organempfänger, aber auch für die Angehörigen mit vereinbart werden. In der Ambulanz steht hierzu unsere Transplantationspsychologin, Frau Ziegler, zur Verfügung.



 Lebendspende

Aufgrund der großen Fortschritte, die auf dem Gebiet der Lebertransplantation in den letzten 20 Jahren erzielt wurden, wächst der Bedarf an Organtransplantaten ständig, während andererseits die Bereitschaft zur Organspende nach dem Tode in der Bevölkerung stagniert. Aus diesem Grunde nimmt der Organmangel beständig zu, so dass leider heutzutage zunehmend Patienten auf der Warteliste für ein Lebertransplantat versterben.
Der einzige unmittelbare Ausweg für den individuellen Patienten aus dieser Situation ist die Möglichkeit, dass ein gesunder erwachsener Mensch, der ihm emotional sehr nahe steht, einen Teil seiner Leber spendet. Aufgrund der hohen Regenerationsfähigkeit der Leber, also der Fähigkeit der Leber sich zu erneuern, wächst die Leber sowohl beim Spender wie auch beim Empfänger innerhalb weniger Wochen nach der Operation wieder auf seine ursprüngliche Größe zurück.
Bereits seit Anfang der 90er Jahre wurden in Hamburg Leberlebendspenden bei Kindern regelmäßig mit sehr hohem Erfolg durchgeführt. Seit 2000 zählen die Leberlebendspenden für Erwachsene ebenfalls zu den Routineoperationen. Zwischen 1990 und 2007 erhielten insgesamt 233 Patienten Organe von einem Lebendspender.

Vorteil der Lebendspende gegenüber der Transplantation von Organen verstorbener Personen

Die Lebendspende ist nicht nur ein Ausweg um dem Organmangel zu entgehen, sondern hat zahlreiche Vorteile für den Patienten im Vergleich zur Transplantation von Organen verstorbener Personen.

Der wichtigste Vorteil ist, dass der optimale Zeitpunkt der Transplantation entsprechend des Erkrankungsstadiums des Empfängers individuell festgelegt werden kann. Dadurch kann der leberkranke Patient zu einem Zeitpunkt transplantiert werden, zu dem seine Erkrankung noch so stabil ist, dass er mit einem geringeren Risiko in die große Operation hineingeht. Dadurch entwickeln sich weniger Komplikationen nach der Transplantation und der Transplantierte erholt sich schneller.

Weiterhin ist die Qualität der Organe von Lebendspendern in der Regel deutlich besser als die von Verstorbenen, nicht zuletzt deshalb, weil durch die optimale Planbarkeit der Spende- und Empfängeroperation das Organ kaum Schaden durch eine mangelhafte Sauerstoffversorgung während der Zeit außerhalb des menschlichen Körpers nimmt.

Ob es von Vorteil ist, ein genetisch ähnliches Organ von einem Verwandten zu transplantieren unter der Vorstellung, dass dadurch weniger Abstoßungsreaktionen auftreten, konnte bisher nicht wissenschaftlich gesichert werden, wird jedoch angenommen.

Wer kommt als Spender in Frage ?

Prinzipiell kommen alle erwachsenen Personen zwischen 18 und ca. 60 Jahren in Frage, die gesund sind und dem Empfänger so nahe stehen, dass sie bereit sind, diese Operation bei sich durchführen zu lassen.
Im Idealfall sollte der Spender kein deutliches Übergewicht aufweisen und bereit sein, auf den Konsum von Nikotin, Alkohol und die Einnahme von weiblichen Hormonen, incl. der Antibabypille, für eine gewisse Zeit zu verzichten. Desweiteren sollte der Spender bisher keine Thrombose oder Lungenembolie durchgemacht haben und möglichst auch keine nahen Verwandten besitzen, bei denen zuvor Thrombosen oder Lungenembolien aufgetreten sind (Tab. 1).

Tab.1: Voraussetzungen für die Eignung zur Leberlebendspende

 Emotionale Verbundenheit zum Empfänger
Kein finanzieller Vorteil durch die Spende
Alter: 18 Jahre bis ca. 60 Jahre
Keine wesentlichen chronischen Erkrankungen
Bereitschaft auf Verzicht von Nikotin, Alkohol und Antibabypille für ca. 4 Monate
Keine durchgemachte Thrombose oder Lungenembolie
Kein deutliches Übergewicht



Eine genetische (=erbliche) Verwandtschaft zwischen Spender und Empfänger muss nicht notwendigerweise bestehen. Es ist jedoch Voraussetzung, und wird auch durch psychologische Gespräche geprüft, dass eine sehr enge emotionale Beziehung zwischen Spender und Empfänger besteht und keinesfalls Geldzuwendung, Geschenke oder gegenseitige Abhängigkeit der Grund für die Organspendebereitschaft darstellen.
Gleiche Blutgruppe müssen bei Empfänger und Spender nicht vorliegen, ja heutzutage auch nicht einmal mehr passende Blutgruppen. Um allerdings über nicht passende Blutgruppen hinweg zu transplantieren, muss der Empfänger entsprechend mit Medikamenten und Dialyseverfahren vorbereitet werden, die die Antikörper gegen die fremde , nicht passende Blutgruppe aus seinem Blut entfernen. Hierzu informieren wir Sie gerne in einem persönlichen Gespräch im Detail.

Was kommt auf den Spender zu?

Eine Person, die möglicherweise bereit ist, einen Teil ihrer Leber zu spenden, kann sich, sobald eine Transplantation bei dem Empfänger vorgesehen ist, telefonisch oder persönlich in der Lebertransplantations-ambulanz vorstellen, um detaillierte Informationen zur Spende zu erhalten. Bei prinzipieller Bereitschaft wird durch ein ärztliches Gespräch, eine körperliche Untersuchung, sowie ausführliche Laborunter-suchungen festgestellt werden, ob der Spender prinzipiell gesund genug für die Spenderoperation ist. Anschließend wird durch eine spezielle Dünnschicht-Computertomographie (CT) untersucht, ob die Leber des Spenders von ihrer Größe und der Versorgung der Gefäße und Gallengänge als Transplantat geeignet ist (Tab. 2).
Ist dieses der Fall, erfolgen weitere Untersuchungen, die individuell festgelegt werden - jedoch stets eine Lungenfunktionsprüfung, ein kardiologisches Konsil, ein psychologisches Gespräch, eine Röntgenuntersuchung der Lunge sowie Gespräche mit dem Narkosearzt und Operateur- umfassen. Sobald diese Untersuchungen abgeschlossen sind und der Spender geeignet erscheint, kann nach Zustimmung der Ethikkommission und deren Psychologen ein Operationstermin festgesetzt werden.

Tab. 2: Standard-Untersuchungen des Lebendspenders

 . Erhebung der Krankengeschichte und körperliche Untersuchung
. Blut- und Urinuntersuchung
. Computertomographie der Leber mit Kontrastmittel
. Lungenfunktionsprüfung, Röntgen der Lunge
. Vorstellung beim Kardiologen mit EKG und Herz-Ultraschall
. Durchführung aller gesetzlich vorgeschriebenen und empfohlenen Krebsvorsorgeuntersuchungen
. Vorstellung beim Psychologen, Narkosearzt, Operateur und Ethikkommission



Übrigens werden die Kosten für alle Spender-untersuchungen und auch für die Spenderoperation von der Krankenkasse des Empfängers getragen. Der Spender muss sich daher initial mit einem Überweisungsschein des Empfängers mit dem Auftrag Spenderuntersuchung in der Ambulanz vorstellen.

Wie verläuft die Spenderoperation ?

Die Leber besteht aus insgesamt 8 Lebersegmenten, die der Chirurg einzeln oder in bestimmten Gruppen zusammen verpflanzen kann (s. Abb. 1). Bei der Spende für ein Kind wird in der Regel das Lebersegment II und III bei dem Spender transplantiert. Dies ist der sogenannte links laterale Leberlappen, also nur ein kleiner Zipfel Leber (s. Abb. 1 ).
Bei der Spende für einen Erwachsenen wird dagegen in der Regel der gesamte rechte Leberlappen, das ist Segment V-VIII, dem Spender entfernt. Der gesamte linke Leberlappen verbleibt beim Spender. Dieses ist eine wesentlich größere Operation als die Spende des linkslateralen Leberlappens für ein Kind (s. Abb.1).

Abb 1: Aufbau der Leber

 

Heutzutage kann durch sehr subtile Präparationstechniken und effektive Blutstillungs-maßnahmen der Blutverlust auch bei großen Leberoperationen in der Regel so niedrig gehalten werden, dass keine Bluttransfusion notwendig ist. Dort, wo die Leber durchtrennt worden ist, kann es jedoch hinterher zu Flüssigkeitsansammlungen, bestehend aus etwas altem Blut oder Plasmaflüssigkeit oder auch Galleflüssigkeit kommen. In der Regel macht dieses keine Beschwerden und wird von allein vom Körper wieder aufgenommen. In seltenen Fällen kann jedoch eine Entfernung der Flüssigkeit, in der Regel durch Punktion, notwendig werden.
Sehr selten kann es nach der Spendeoperation aus dem durchtrennten und neu zusammengenähten Gallengang zu einem Leck kommen. Ein solches Galleleck kann dann meistens durch endoskopische Einbringung eines Stents repariert werden, ohne dass eine Operation notwendig wird.
Nach der Operation hat der Spender eine bleibende Narbe auf dem Bauch. Ob diese Narbe schmal und kaum zu sehen ist oder eher breit und sich durch ihre Farbe von der übrigen Haut unterscheidet, ist nicht vorherzusagen und hängt von der individuellen Wundheilung des Spenders ab. Wird eine Narbe in den ersten Wochen durch schwere körperliche Arbeit zu sehr belastet, kann es zu einem Narbenbruch kommen, was im ungünstigsten Fall eine erneute operative Korrektur notwendig macht.
Extrem selten kommt es nach einer Lebendspendeoperation zu Wundinfektionen. Das höchste Risiko besteht bei übergewichtigen Personen.
Auch innerlich bestehen nach einer Spendeoperation Narben bzw. Verwachsungen. Diese können sehr selten langfristig zu Verdauungsbeschwerden führen. Weiterhin kann nicht mit 100%iger Sicherheit ausgeschlossen werden, dass es durch narbige Veränderungen, z.B. im Gallengang, langfristig zu Abflussbehinderungen der Galle aus der Leber kommt.
Im Detail wird der Operateur die Operation vorher genau mit Ihnen durchsprechen.

Wie sieht der Verlauf nach der Spenderoperation aus?

Nach der Operation verbleibt der Spender in der Regel einen Tag zur Überwachung auf der Intensiv- oder Überwachungsstation, bevor er auf die Normalstation verlegt wird, wo er sich ca. 7 bis 10 Tage von der Operation mit langsamen Kostaufbau wieder erholt.
Nach der Krankenhausentlassung wird sich der Spender noch ca. 1-2 Monate etwas müde fühlen, bis  die Leber wieder auf die ursprüngliche Größe herangewachsen ist. Volle körperliche Belastbarkeit besteht in der Regel erst nach Ablauf dieser Zeit.

Welche Risiken bestehen durch die Spenderoperation?

Trotz sehr sorgfältiger Voruntersuchungen und bestmöglicher medizinischer Betreuung der Lebendspender ist mit jeder Operation ein Risiko verbunden. Selbst das Risiko im Rahmen der Operation zu versterben, kann nicht mit 100%iger Sicherheit ausgeschlossen werden. Statistisch gesehen besteht bei der Lebendspende für einen erwachsenen Empfänger ein ähnlich hohes Risiko an der Operation zu versterben, wie nach einer Blinddarmoperation oder nach einem Kaiserschnitt, nämlich von ca. 0,2 - 0,4%.

Ferner kann es theoretisch - wie oben ausführlich geschildert - nach der Lebendspende zu Komplikationen kommen wie z.B. zu Nachblutungen, Galleleckagen, Thrombosen, Wundinfektionen u. a.  Langfristig können Problemen mit der Hautnarbe entstehen oder auch Verdauungsbeschwerden durch innere Vernarbungen. Im Einzelnen wird der Spender über sein individuelles Risiko zuvor ausführlich durch den Operateur aufgeklärt.

Welche Kosten entstehen durch die Lebendspende?

Die Kosten für alle Voruntersuchungen und die Lebendspende selbst werden durch die Krankenkasse des Empfängers getragen. Im Vorfeld ist zur Vermeidung von Missverständnissen und Problemen folgendes zu beachten:

Grundsätzlich ist es möglich und unbedingt anzuraten, vor der geplanten Spende bei der Krankenkasse des Empfängers eine Erstattung der Unkosten zu beantragen, die im Zusammenhang mit der Organspende entstehen, wie z. B. Verdienstausfall, Fahrtkosten etc..  In der Regel wird dies bewilligt.

Sofern eine Lebensversicherung besteht, wird empfohlen den Versicherer vorab über die geplante Lebendspende in Kenntnis zu setzen. Uns sind bisher keine Fälle bekannt geworden, bei denen es daraufhin zu einer Veränderung des Versicherungsvertrages gekommen wäre.

Der Arbeitgeber sollte informiert werden und ggf. seine Zusage eingeholt werden, dass der Arbeitslohn während der Zeiten der Arbeitsunfähigkeit bedingt durch die Lebendspende weitergezahlt wird, denn der Spender erhält keine offizielle Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die die Fortzahlung seiner Bezüge durch den Arbeitgeber automatisch sichert. Die Information des Arbeitgebers ist notwendig um zu vermeiden, dass Sozialversicherungsbeiträge für die gesetzliche Krankenpflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung nicht weiter entrichtet werden. Erfolgen länger als einen Monat keine Beitragszahlungen, kann es sonst unter Umständen zu Beeinträchtigung des Versicherungsschutzes kommen. Ggf. sollte der Spender Beitragszahlungen freiwillig fortsetzen, insbesondere für die Kranken- und Pflegeversicherung.

Detaillierte Informationen zur versicherungsrechtlichen Absicherung des Spenders erhalten Sie zum Beispiel auch unter www.blaek.de/docs/pat_info/Versicherungsrechtliche_Absicherung_Lebendorganspender.pdf

Besteht ein Versicherungsschutz für Komplikationen durch die Spende?

Organspender stehen nach § 2 Abs. 1 Nr. 13 b SGB VII unter Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Für das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ist die Landesunfallkasse der Freien und Hansestadt Hamburg zuständig. Der Versicherungsschutz umfasst alle Komplikationen und Spätfolgen der Organspende, sofern diese Ereignisse in wesentlichem ursächlichen Zusammenhang mit dem Spendevorgang stehen. 

Sind Untersuchungen nach der Spende notwendig?

Zur Sicherheit werden alle Spender 6 Monate und dann in ca. jährlichen Abständen nach der Spende nachuntersucht. Letztere Untersuchungen sollten im UKE erfolgen. Die Fahrtkosten werden allerdings jedoch bisher leider noch nicht unbedingt von der Krankenkasse erstattet.

Haben Sie weitere Fragen zur Lebendspende ?

Selbstverständlich werden Sie noch viele Fragen zur Lebendspende haben. Wir, unser Team aus Ärzten, Pflegepersonal, Koordinatoren und Psychologen, stehen Ihnen für all Ihre Fragen telefonisch oder in persönlichen Gesprächen gerne zur Verfügung.

Erster Ansprechpartner für alle Ihre Fragen und für die Koordination der Untersuchungstermine ist Frau Wannoff  (Telefon: 040/7410-58555), die ggf. auch ein ärztliches oder psychologisches Gespräch für Sie organisiert.

 

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Letzte Änderung: Dr. Peter Pakusa, 12.11.2010