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Seit dem März 2009 ist unsere Klinik Sitz der Studienzentrale der bundesweiten Hirntumorstudie HIT 2000 für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einem Medulloblastom, PNET und Ependymom - die häufigsten bösartigen Hirntumoren des Kindes- und Jugendalters. Innerhalb dieser Studie unserer Fachgesellschaft GPOH (Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie) erfolgen die Optimierung der Behandlungskonzepte (Operation, Bestrahlung, Chemotherapie), standardisierte Mitbeurteilungen der wichtigsten diagnostischen Untersuchungen in etablierten Referenzzentren, sowie Beratungen der teilnehmenden Kliniken.
Hirntumoren sind nach Leukämien die zweithäufigsten Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Pro Jahr erkranken bundesweit etwa 400 junge Patienten neu. Dabei haben sich die Heilungschancen für die Betroffenen in den vergangenen Jahren teilweise erheblich verbessert. Sie stiegen unterdessen von unter 50 auf über 80 Prozent, je nach Erkrankungsart. Verbesserte Überlebensraten und eine Verminderung des Rückfallrisikos wurden vor allem durch die systematische Weiterentwicklung der verschiedenen Bestandteile der Therapie (Operation, Chemotherapie und Bestrahlung) und deren Kombinationen erreicht.
Nach den Vorgaben der aktuellen Studie HIT 2000 werden inzwischen über 90 Prozent der in Deutschland erkrankten Kinder und Jugendliche an über 80 Kliniken behandelt. Von 1.1.2001 bis 31.12.2008 wurden 1074 Kinder und Jugendliche sowie 66 Patienten über 21 Jahre in die Studie gemeldet und in neun verschiedenen Behandlungsgruppen behandelt (Therapieübersichten unter www.kinderkrebsinfo.de ). Zwischenzeitlich sind einzelnen Behandlungsgruppen acht weitere europäische Länder beigetreten.
Für die derzeit in Planung befindlichen Folgestudien sollen durch neue Therapie-Kombinationen aus Krebsmedikamenten, Bestrahlung und neuen Therapieelementen mittelfristig noch bessere Behandlungsergebnisse erreicht werden. Außerdem werden innerhalb der europäischen PNET-Arbeitsgruppe der Societé International d'Oncologie Pediatrique (SIOP) derzeit Konzepte für die Einbeziehung molekularbiologischer Kriterien in die europäischen HIT-Folgestudien erarbeitet, um die Behandlungsintensität an das individuelle molekularbiologische Risikoprofil von Kindern und Jugendlichen mit Medulloblastom anzupassen. Die Maxime für die Therapie lautet: So intensiv wie nötig, aber so schonend wie möglich. Dies ist wichtig, da betroffene Kinder und Jugendliche in besonderem Maße and den erkrankungs- und behandlungsbedingten Folgen der Hirntumorerkrankung leiden. So können einzelne Therapieelemente unter anderem die Intelligenz, das Wachstum und den Hormonhaushalt in unterschiedlichem Ausmaß beeinträchtigen. Wesentlich ist die präzise Erfassung von Nebenwirkungen und Spätfolgen mit dem Ziel, besonders belastende Komponenten der Behandlung möglichst zu vermeiden. So geht beispielsweise die Tendenz dahin, vor allem sehr junge Kinder nicht, verzögert oder mit möglichst geringer Dosis zu bestrahlen, um resultierende Spätfolgen gering zu halten. Im ,Behandlungsnetzwerk HIT', einem Zusammenschluss aller Hirntumorstudien der GPOH mit verschiedenen studienübergreifenden Referenzeinrichtungen, werden seit Ende 2008 studienübergreifend von allen HIT-Studienpatienten neuropsychologische Daten zu definierten Zeitpunkten gesammelt. Mittelfristig sollen dadurch auch individuelle Empfehlungen zu Rehabilitationsmaßnahmen und anderen Fördermaßnahmen gegeben und Verbesserungen in Schule, Ausbildung, Beruf und Alltag erreicht werden, damit die Betroffenen nach ihrer Hirntumor-Erkrankung den Ihnen gebührenden Platz in der Mitte unserer Gesellschaft finden.
Das UKE wird für verschiedene HIT-Studien auch bundesweites Referenzzentrum für Liquordiagnostik, das ist die Untersuchung des Nervenwassers auf Krebszellen. Das HIT-Netzwerk ist derzeit Förderschwerpunkt der ,Deutschen Kinderkrebsstiftung' (www.kinderkrebsstiftung.de ), die in Hamburg drei Mitarbeiter finanziert. Bei der Verfolgung viel versprechender Therapieansätze arbeitet die Klinik auch mit der ,Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg e.V.' (www.kinderkrebs-hamburg.de ) und mit dem Forschungsinstitut des Vereins zusammen.