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Informationen für Schwangere
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf Zwillinge, gelten aber genau so mit noch höheren Risiken für höhergradige Mehrlinge.
Die meisten Zwillingsschwangerschaften führen zur Geburt zweier gesunder Kinder. Dennoch stellt eine Zwillingsschwangerschaft immer noch eine spezielle Herausforderung für die schwangere Frau, ihre Kinder und das betreuende Team dar.
Diese Informationen sollen Ihnen einen Überblick über mögliche Probleme geben, die in einer Zwillingsschwangerschaft auftreten können.
Verschiedene Formen der Zwillingsschwangerschaft
Zwillinge sind entweder eineiig (identisch) oder zweieiig (wie Geschwister). Das wichtigste Kriterium für den Ausgang der Schwangerschaft ist jedoch, ob die Kinder sich eine gemeinsame Plazenta (auch: Mutterkuchen; Nachgeburt) teilen (monochoriale Zwillinge) oder ob jedes Kind seine eigene Plazenta hat (dichoriale Zwillinge).
Die meisten Zwillinge sind dichorial, d.h. jedes Kind hat seine eigene Plazenta. Die meisten dichorialen Zwillinge sind zweieiig aufgrund der Befruchtung von 2 verschiedenen Eizellen durch zwei verschiedene Spermien. Die Kinder können einander so ähnlich sehen wie Geschwister es untereinander sind und können das gleiche oder unterschiedliches Geschlecht haben. Sie sind wie Geschwister die (zufällig) zur gleichen Zeit in der gleichen Gebärmutter sind. Nur ein kleiner Teil der dichorialen Zwillinge, die das gleiche Geschlecht haben, sind eineiig.
Monochoriale Zwillinge dagegen sind immer eineiig. Sie entstehen durch die Befruchtung einer einzigen Eizelle durch ein einziges Spermium. In der Folge kommt es zu einer frühen Teilung des befruchteten Eies in zwei Hälften, die sich unabhängig voneinander weiterentwickeln. Die daraus entstehenden Kinder sind sich vom Aussehen her sehr ähnlich und haben per Definition das gleiche Geschlecht, da sie die gleichen Gene haben.
Vor der 14. Schwangerschaftswoche (von insgesamt 40 Schwangerschaftswochen) kann man im Ultraschall sicher unterscheiden, ob es sich um eine dichoriale (2 Plazenten) oder eine monochoriale (eine gemeinsame Plazenta) Schwangerschaft handelt. Zu einem späteren Schwangerschaftszeitpunkt wird diese Unterscheidung immer schwieriger und oft ist es dann überhaupt nicht mehr möglich, zu unterscheiden, ob Zwillinge, die das gleiche Geschlecht haben, sich eine gemeinsame Plazenta teilen oder nicht. In solchen Fällen kann diese Frage nur durch eine Untersuchung der Plazenta nach der Geburt beantwortet werden.
Warum ist es so wichtig, monochoriale von dichorialen Zwillingen zu unterscheiden?
Dies ist sehr wichtig aus den folgenden Gründen:
Weil sich beide Kinder eine gemeinsame Plazenta teilen, haben monochoriale Zwillingsschwangerschaften ein deutlich höheres Risiko für Komplikationen als dichoriale Schwangerschaften. In vielen Fällen ist die Plazenta nicht gleich aufgeteilt, sondern ein Kind hat oft einen größeren Anteil als das andere. Außerdem sind die beiden Blutkreisläufe der Kinder indirekt über Gefäßverbindungen auf der Plazenta verbunden (siehe Grafik 1), über die es zu einem Blutfluß von einem zum anderen Kind kommen kann. Kommt es hierüber zu einem Netto-Blutverlust von einem Kind zum anderen kann es zum sogenannten „Zwillingstransfusionssyndrom“ (s.u.) kommen.
Die Früherkennung dieser „Risikogruppe“ erlaubt eine intensivere Überwachung und Begleitung während der Schwangerschaft.
Welche Risiken bestehen bei einer Zwillingsschwangerschaft?
Frühgeburt
Das ist die häufigste Komplikation einer Zwillingsschwangerschaft. Ungefähr die Hälfte aller Zwillinge wird vor der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren. Findet die Geburt nach der 32. SSW statt können zwar noch Probleme z.B. mit der Atmung und Ernährung auftreten, die Kinder überleben jedoch fast immer. Im Gegensatz hierzu haben Kinder, die zwischen der 24. und 32. SSW geboren werden ein deutlich höheres Risiko, nach der Geburt zu sterben oder, wenn sie überleben, behindert zu sein.
Das mittlere Schwangerschaftsalter bei Geburt ist bei monochorialen Zwillingen mit 36 SSW nur unwesentlich früher als bei dichorialen Zwillingen (37 SSW). Die Zahl der Schwangerschaften, die sehr früh (vor der 32. SSW) entbunden werden ist jedoch bei monochorialen Zwillingen ungefähr doppelt so hoch (9%) wie bei dichorialen Zwillingen (5.5%).
Wachstumsprobleme der Kinder während der Schwangerschaft
Bei einer Zwillingsschwangerschaft ist das Risiko der Geburt von Kindern mit einem Wachstumsrückstand ungefähr 10x höher als bei Einlingen. Das Risiko eines Wachstumsrückstands beider Kinder ist ungefähr 4x höher bei monochorialen (7.5%) verglichen mit dichorialen (2%) Zwillingsschwangerschaften. Manchmal ist auch ein Kind sehr viel kleiner als das andere. Dieses Problem scheint bei monochorialen Zwilingsschwangerschaften mit 11% ähnlich häufig wie bei dichorialen Zwillingsschwangerschaften (12%) aufzutreten, obwohl die zugrunde liegende Ursache, die Konsequenzen und das Management unterschiedlich sind. Wie oben erwähnt sind die meisten dichorialen Zwillinge zweieiig und daher genetisch verschieden. Dies kann z.B. eine Erklärung für den Größenunterschied zwischen den Kindern sein. Da jedes Kind seine eigene Plazenta hat, kann es sein, daß seine Plazenta nicht so gut arbeitet wie die andere.
Im Gegensatz hierzu haben monochoriale Zwillinge den gleichen Chromosomensatz und teilen sich eine Plazenta, daher müssen hier andere Gründe dafür verantwortlich sein, wenn ein Kind besser als das andere wächst: Zum Einen ist die Plazenta oftmals nicht gerecht zwischen beiden Kindern aufgeteilt, wobei das größere Kind gewöhnlich auch den größeren Plazentaanteil besitzt. Zum anderen kann, weil die Blutkreisläufe der beiden Kinder über den gemeinsamen Mutterkuchen miteinander verbunden sind, ein Kind kontinuierlich kleine Blutmengen – und damit Sauerstoff und Nährstoffe – dem anderen Kind übertragen und deshalb im Wachstum zurückbleiben. Tritt dies auf, sollten die beiden engmaschig überwacht werden.
Das Zwillingstransfusionssyndrom (feto-fetales Tranfusionssyndrom: FFTS)
Eine Komplikation, die nur bei monochorialen Zwillingen auftreten kann
Die Gefäßverbindungen auf dem Mutterkuchen, die die Blutkreisläufe der beiden Kinder verbinden, stellen keine Probleme dar, solange der Blutfluß hierüber zwischen den beiden Kindern ausgeglichen ist. Manchmal kommt es jedoch dazu, dass mehr Blut von einem Kind zum anderen fließt und ein sogenanntes Zwillingstransfusionssyndrom (FFTS) entsteht. Das eine Kind wird hierbei zum „Spender“ oder „Donor“ weil es Blut zum anderen Kind, dem „Empfänger“ oder „Rezipient“ pumpt. Der Donor leidet unter Anämie (Blutarmut, zu wenig Blut), Hypovolämie (zu wenig Flüssigkeit) und ist oft kleiner als der Rezipient. Durch den Blut- und Flüssigkeitsmangel produziert der Donor weniger Urin. Weil Urin der Hauptbestandteil von Fruchtwasser ist, nimmt das Fruchtwasser um den Donor herum ab (Oligohydramnion) bis schließlich kein Fruchtwasser mehr in seiner Fruchthöhle nachweisbar ist (Anhydramnion). Der Donor erscheint eng in seine Membran eingepackt und meist gegen die Gebärmutterwand gedrückt („stuck twin“). Der Empfänger dagegen bekommt zuviel Blut über die Gefäßverbindungen und versucht, diesen Flüssigkeitsüberschuß über eine Steigerung seiner Urinproduktion abzubauen. So kommt es zu einer Vermehrung der Fruchtwassermenge in seiner Fruchthöhle, die zu einem schnellen und überschießenden Wachstum der Gebärmutter führt (siehe Grafik 2). Dies hat oft eine Frühgeburt oder einen vorzeitigen Blasensprung zur Folge. Das Zwillingstransfusionssyndrom tritt bei ungefähr 10% aller monochorialen Zwillingsschwangerschaften auf, meist zwischen der 16. und 24. Schwangerschaftswoche. Wenn das Zwillingstransfusionssyndrom nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird führt es in den meisten Fällen zum Verlust beider Kinder. Derzeit werden vor allem zwei Therapieformen angewandt: Drainage des überflüssigen Fruchtwassers oder Laserkoagulation der Blutgefäßverbindungen auf dem Mutterkuchen. Die Laserkoagulation ist die kausale und deutlich effektivere Therapie (siehe feto-fetales Transfusionssyndrom).
Zusammenfassung
Zwillinge, besonders wenn sie monochorial sind, stellen immer noch eine besondere Herausforderung dar. Glücklicherweise verlaufen die meisten Zwillingsschwangerschaften unauffällig und ohne Probleme. Notwendigerweise konzentriert sich dieses Informationsblatt auf mögliche Komplikationen um Sie als Eltern auf mögliche Problembereiche vorzubereiten, denn gut informierte Eltern sind die besten Partner in der Betreuung der ungeborenen Kinder.