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Die zehnte Tagung der European Society of Retina Specialists (EuRetina) findet in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit dem Kongress der European Society of Cataract and Refractive Surgeons (ESCRS) vom 2. bis 8. September in Paris statt. DER AUGENSPIEGEL sprach mit Prof. Dr. Gisbert Richard, Direktor der Universitäts-Augenklinik Hamburg und Generalsekretär der EuRetina, über die neue Zusammenarbeit.
Herr Professor Richard, welche Überlegungen führten zu der erstmaligen Zusammenlegung der beiden Kongresse?
Es gibt eine große Zahl von thematischen und inhaltlichen Überschneidungen zwischen dem Bereich der Erkrankungen des Vorderabschnittes und des Hinterabschnittes.
Nachdem jahrelang, bedingt vor allem durch operative Entwicklungen, die Subspezialitäten der Augenheilkunde sich auseinander entwickelt haben, ist in den letzten Jahren eine deutliche Konvergenz zu beobachten, sowohl bezüglich der klinischen Fragestellungen bei unseren häufig alten Patienten als auch der chirurgischen Weiterentwicklung (Stichwort Kleinschnitttechnik im Vorderabschnitt und Hinterabschnitt). Es ist davon auszugehen, dass sowohl die ESCRS- als auch die EuRetina-Tagung in diesem Jahr die größten ihrer Art weltweit sein werden. Es wird zu erheblichen Synergieeffekten kommen, sowohl für die Besucher, die Gelegenheit haben, einmal über den Tellerrand ihres eigenen Interessengebietes hinauszuschauen, als auch für die Aussteller, die hier ein neues Zielpublikum erreichen. Nach dieser Tagung werden wir dann zu analysieren haben, ob die Zielvorstellungen erreicht worden sind und ob dies Experiment, vielleicht in einigen Jahren, wiederholt werden sollte.
Wie wirkt sich die Kooperation auf das Programms aus?
Die Tagung startet am 1.9. mit der EuRetina-Tagung, am 4.9. haben wir einen gemeinsamen Tag, auch mit gemeinsamen wissenschaftlichen Symposien, anschließend wird die ESCRS-Tagung durchgeführt. Gemeinsame Symposien befassen sich zum Beispiel mit der Frage der Endophthalmitis und es gibt Kurse, die sich mit gemeinsamen Fragestellungen des vorderen und hinteren Abschnittes befassen. Diabetisches Makulaödem, Gefäßverschlüsse, hereditäre Netzhautdegeneration . für viele, gravierende retinale Erkrankungen gibt es innovative therapeutische Ansätze.
Wo sehen Sie die vielversprechendsten Entwicklungen?
Wir lernen in den letzten Jahren die molekulare Basis der häufigsten Erblindungsursachen besser zu verstehen, insbesondere der altersbedingten Makuladegeneration und des diabetischen Makulaödems. Wir wissen, dass Entzündungsfaktoren eine entscheidende Rolle spielen. Die verschiedenen Inhibitoren des VEGF haben sich bereits in der Behandlung bewährt. Wir müssen lernen, sie mit anderen Verfahren zu kombinieren, insbesondere der Gabe von Kortikosteroiden und der photodynamischen Therapie. Bei Gefäßverschlüssen sind operative Maßnahmen zur Behandlung noch nicht ausreichend evaluiert. Sie scheinen Vorteile gegenüber medikamentösen Behandlungen zu haben und langfristig die besten Ergebnisse zu bringen. Bei hereditären Erkrankungen hingegen müssen wir lernen, die defekten Zellen zu ersetzen oder extern zu stimulieren. Hierzu gibt es erste Ansätze durch die Stammzelltherapie oder durch die Entwicklung des Retina-Chip. Obwohl es in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte, gerade in der Behandlung der häufigsten Erblindungsursachen gegeben hat, sehen wir diese keineswegs als ausgereizt.
Bieten sich auch über die gemeinsame Tagung hinaus Möglichkeiten der Zusammenarbeit?
Eine vermehrte Zusammenarbeit zwischen Netzhaut- und Kataraktchirurgen mit gegenseitigen Ausbildungsprogrammen ist eigentlich zwangsläufi g, da beide die gleichen älteren Patienten zu behandeln haben. Eine faire Kooperation in gegenseitiger Wertschätzung ist erforderlich, die gleichzeitig sicherstellt, dass die Patienten auf dem höchsten therapeutischen Niveau behandelt werden. So kann ein Glaskörperchirurg nicht .nebenbei. die Katarakt operieren, er muss dieses schonend und atraumatisch tun, um den Einblick auf die Netzhaut nicht zu gefährden. Dabei sollte er in der Lage sein, zum Beispiel den Astigmatismus kompetent zu behandeln. Der Kataraktchirurg darf nicht nebenbei den Glaskörper operieren, wenn er nicht mit hoher Präzision Membranen von der Netzhaut peelen kann. Die klinischen Krankheitsbilder erfordern häufig ein kombiniertes Operieren, entweder durch die enge Zusammenarbeit von Chirurgen oder durch die wechselseitige Ausbildung in den Subdisziplinen.
Herr Professor Richard, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Katica Djakovic (redaktion@augenspiegel.com)
DER AUGENSPIEGEL 09|2010
Die "Ergophthalmologische Arbeitsgruppe" der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitäts-Klinikums Hamburg-Eppendorf, bestehend aus OA Dr. Rüdiger Schwartz, Dr. Reinhard Kusel und Dr. Benedikt große Darrelmann, bearbeitet schon seit mehreren Jahren die Frage nach den Auswirkungen der speziellen Beleuchtungsbedingungen in modernen Flugzeugen, die sich aus der Verwendung von Leuchtdioden (LED) als Leuchtmittel ergeben. Insbesondere die Auswirkungen auf Passagiere und Personal bei Langzeitflügen werden untersucht. So wurde in den Jahren 2007 und 2008 das mit insgesamt 148.050 Euro durch das Bundesministerium für Wirtschaft geförderte Projekt "Physiologische Einflüsse von LED Lichtquellen auf den menschlichen Organismus" der Firma Airbus Deutschland GmbH in Hamburg gemeinsam mit Mitarbeitern des Instituts für Neurophysiologie und Pathophysiologie durchgeführt.
Seit Oktober 2008 sind Mitglieder der Arbeitsgruppe auch Mitglieder im Arbeitsausschuss "Anzeigen, Projektion und Beleuchtung" des Fachbereichs "Kabine" im Normenausschuss "Luft- und Raumfahrt" des DIN Deutsches Institut für Normung e.V., Berlin. Dr. Kusel leitet dort das Projekt "Light Flickering" und arbeitet im Projekt "LED Brightness and Colour Binning" mit. Im Rahmen dieser Arbeit wurde deutlich, dass der wissenschaftliche Kenntnisstand nicht ausreicht, die in diesen beiden Projektbereichen auftretenden Fragen mit hinreichender Sicherheit beantworten zu können. Deshalb wurden zwei Forschungsprojekte formuliert und öffentlich ausgeschrieben. Ein Forschungsprojekt befasst sich mit dem Thema "LED Brightness and Colour Binning" und wird i.W. durch Mitarbeiter der Firma AES Aircraft Elektro/Elektronik System GmbH, Bremen, bearbeitet werden. Mitarbeiter der Ergophthalmologischen Arbeitsgruppe werden hier beratend mitarbeiten. Das Forschungsprojekt "Definition einer Mess- und Bewertungsmethode für zeitlich modulierte Kabinenbeleuchtungen", dotiert mit 62.200 Euro, wird dagegen in der Augenklinik durchgeführt.
Ziel dieser Untersuchung ist die Ermittlung von Grenzwerten für die Betriebsparameter durch Pulsweitenmodulation (PWM) gesteuerter LED, die als Leuchtmittel in geschlossenen Räumen (insbesondere auch Flugzeugkabinen) eingesetzt werden. Speziell sind dies die Grenzwerte von Betriebsparametern für das Auftreten negativ empfundener Erscheinungen wie Flimmern der Helligkeit, aber auch Kopfschmerzen und Unwohlsein. Derartige Betriebsparameter sind z.B. das Tastverhältnis und die Modulationstiefe, jeweils gemessen in Abhängigkeit von PWM-Frequenz und mittlerer Helligkeit.
Diese Betriebsparameter PWM-gesteuerter LED unterliegen bisher keiner normativen Regelung. Dies ist als besonders nachteilig zu bewerten, weil die besondere Situation des Flugzeugs die betroffenen Personen hindert, sich einer eventuellen Belastung durch die Beleuchtung zu entziehen. Da in Europa Flugzeuge in enger europäischer Kooperation produziert werden, ist eine Normung auf europäischer Ebene notwendig. Auf Grund der global ausgerichteten Flugzeugindustrie erscheint darüber hinaus eine internationale Normung im Anschluss sinnvoll.
Insbesondere wegen ihrer Energieeffizienz, langen Lebensdauer und einfachen Ansteuerbarkeit werden LED in immer stärkerem Maße als Lichtquellen verwendet. Während sie bisher i.W. als Anzeigeleuchten Verwendung fanden, werden sie zunehmend auch zu Beleuchtungszwecken eingesetzt. Dies trifft z.B. auf die Beleuchtung von Flugzeugkabinen zu (Airbus A380, A350, Boeing 787 und weitere), wo die genannten Vorteile von besonderer Bedeutung sind. LED-Leuchtmittel werden aber schon in den nächsten Jahren ein sehr viel größeres Anwendungsfeld finden und eine wichtige Alternative zu herkömmlichen Lichtquellen darstellen.
Folgende Fragestellungen sollen beantwortet werden: