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Retinale Bildgebung

Optische Kohärenz Tomographie (OCT) - Klinischer Einsatz hochauflösender retinaler Bildgebung bei Makulaerkrankungen

Die Untersuchung des Augenhintergrundes erfolgt bei erweiterter Pupille (Mydriasis) mit verschiedenen Lupensystemen. Durch den frontalen Aufblick auf den hinteren Pol des Auges mit der Makula (Sehzentrum) ist eine Tiefenauflösung erschwert. Andere Untersuchungsverfahren wie der Ultraschall zeigen eine Auflösung von ca. 150µm, die die Netzhaut mit einer Dicke von 250µm nicht differenziert genug auflösen kann.

Die Entwicklung der optischen Kohärenztomographie (OCT) stellt eine neue zusätzliche diagnostische Möglichkeit zur präzisen retinalen Bildgebung der Makula dar. Der erste Prototyp des OCT in Deutschland wurde 1996 an der Augenklinik getestet und seither haben wir 12 Jahre Erfahrung mit der neuen Bildgebung. Die Entwicklung dieser Methode ist rasant, so verfügen wir derzeit über den neuesten Prototyp des OCT (Cirrus OCT) in der 4. Generation.

Die Entwicklung der u.g. Bildern umfasst einen Zeitraum von 12 Jahren von 1996 (Prototyp 1) bis 2008 OCT Cirrus 4. Generation.


Zur Methode: Die optische Kohärenz Tomographie ist ein bilgebendes Verfahren, ähnlich dem Ultraschall, nur wird statt akkustischer Wellen Licht verwendet, was zu einer höheren Auflösung führt. Es wird unterschiedliches Reflektionsverhalten von okulärem Gewebe gemessen. Ultraschall hat eine Auflösung von 150µm und die des OCT von bis zu 5µm. Besonders geeignet ist das OCT bei Diagnostik von strukturellen Makulaerkrankungen.

Die Fluoreszenzangiographie (FLA) stellt die retinale Perfusion und die Aderhautperfusion (diffus) dar mit der avaskulären Zone der Fovea mit 500µm im Durchmesser.


Fundus Angiographie Fovea (500µm)

Der histologische Schnitt durch die Fovea zeigt eine physiologische Vertiefung. Das Bild der normalen Fovea im OCT zeigt eine fast "in-vivo-Histologie". Die unterschiedlichen Farben im OCT repräsentieren unterschiedliche Reflektivitäten. Helle Farben wie weiss, gelb und rot stellen hohe Reflektivität dar, dunkle Farben wie gün, blau und schwarz repräsentieren niedrige Reflektiväten. Es entsteht primär ein Grautonbild wie im Ultraschall, welches PC-gestützt "falschfarben" kodiert wird. Die rote hochreflektive Linie stellt das melaninhaltige Pigmentepithel (RPE) und die Photorezeptorenschicht der sensorischen Netzhaut dar. Die darüberliegende sensorische Netzhaut ist mittelreflektiv. Auch wenn das Bild der Histologie sehr ähnelt, stellt das OCT-Bild ein Reflektivitätsbild dar.

Histologie: normale Fovea
OCT: normale Fovea

Typische Befunde bei Makulaerkrankungen mit struktureller Makulaveränderung:

Epiretinale Gliose als Membranbildung auf den inneren Netzhautschichten z.B. nach multiplen intraokularen Operationen. Das vitreofoveoläre Traktionssyndrom kann ausgeprägte anterio-posteriore Traktionen im Bereich des Sehzentrums verursachen mit konsekutiver Visusminderung. Beim Makulaforamen kommt es zu einer idiopathischen Lochbildung im Sehzentrum mit zystoider Auftreibung der Foramenränder. Bei entzündlichen Erkrankungen der Aderhaut kann es zu Flüssigkeitsansammlungen (optisch leer, daher schwarz) unter der Netzhaut oder auch unter dem hochreflektiven Pigmentepithel. Bei intraokularen Entzündungen (Uveitis) verschiedenster Ursache und der diabetischen Makulopathie kann es zum pathologischen zystoiden Makulaödem kommen mit deutlicher Sehverschlechterung. Bei der altersbedingten Makuladegeneration kann es bei der feuchten Form zu einer chorioidalen Neovaskularisation (CNV), d.h. Membranbildung im Sehzentrum kommen mit einer deutlichen Sehverschlechterung. Die Membran ist als konvexe hochreflektive Verdickung zu erkennen.

Epiretinale Gliose Vitreofoveoläres Traktionssyndrom
 
Maculaforamen  
Chorioretinopathia centralis serosa Seröse RPE-Abhebung
Zystoides Makulaödem Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) mit Membranbildung im Sehzentrum

Die Untersuchung unserer Patienten mit Makulaerkrankungen der letzten 7 Jahre hat viele zusätzliche Informationen dargelegt, die bislang nicht bekannt waren.

Der klinische Einsatz der OCT ist inzwischen fest etabliert für:

Neue digitale Integrationsmethode (DIM)

Mit dieser neuen Methode ist es möglich, die Angiographie (Perfusionstopographie) mit dem Tomographieverfahren (OCT) topographisch zu integrieren und eine präzise Korrelation von Pathologien sowohl im OCT als auch in der Angiographie zu erhalten. Im angiographischen Bild werden 2 Marker an Gefäßgabelungen gesetzt, ebenso im Fundusbild des OCT und je 1 Marker für den Anfang und das Ende des OCT-Scans. Nach digitaler Integration ist in der Angiographie die exakte Scanlokalisation zu sehen. Durch Integration mehrerer OCT-Scans kann in der Angiographie eine OCT-Topographie erstellt werden.


OCT-Scan Integration in die Angiographie

OCT-Topographie in der Angiographie bei mehrerern OCT-Scans

Bei der Membranentwicklung bei AMD wurde bislang mit einem Laserstrahl die hyperfluoreszente Läsion zentral behandelt (photodynamische Therapie PDT). Bei der Integration mit DIM zeigt die Läsion im OCT jedoch eine deutlich größere Ausdehnung als in der korrespondierenden Angiographie. Dies hat zur Folge, dass zukünftig eine größere Laserspotgröße gewählt werden muß, um die angiographisch nicht sichtbaren peripheren Anteile der CNV (dunkler Halo um die hyperfluoreszente Membran) mitzubehandeln.

Korrelation der pathologischen Membran im OCT mit der korrespondierenden Angiographie. Die rote Linie (Membran im OCT) stellt die sehr viel größere Ausdehnung der Erkrankung im OCT als in der Angiographie dar.

Neue OCT-Generation (Cirrus OCT und andere)

Die neue OCT-Generation, z.B. Cirrus OCT oder Spectralis OCT bieten eine bessere Bildqualität und Verbesserungen in der Darstellung als Quadrat (Macular Cube) und in der Kontrolle von Augenbewegungsartefakten und Verlaufskontrollen. Diese neuen Möglichkeiten bieten nun eine verbesserte Visualisierung von größeren Netzhautarealen im Sinne einer Topographie.

Subfoveal gelegene chorioidale Neovaskularisation mit dem Cirrus OCT aufgenommen.

EYE CUBE

EYE CUBE, 3D-Darstellung von Angiographie und OCT als Würfel bei eine subfovealen Membran.

Die neueste Entwicklung der Arbeitsgruppe (Inhoffen Tübingen, Scholz Hamburg und UKE) ist der EYE CUBE. Hier kann 3dimensional sowohl die Angiographie (Fluoreszenzangiographie oder Indozyaningrünangiographie) als auch die morphologische Optische Kohärenztomographie in einen Netzhautwürfel eingeblendet werden. Auch andere Bilder wie Fundusbild, Infrarotbild oder Autofluoreszenzbild kann je nach Krankheitsbild mit dem OCT kombiniert werden. Dies bietet eine neue Dimension der Makuladiagnostik.

Zusammenfassung OCT:
  1. Annähernde in-vivo-Histologie der Makulabildgebung

  2. 3D-Darstellung von diagnostischen Verfahren der Makula in einem Würfel vereint (präzise Korrelation aller Verfahren)

Makula Imaging Team (MIT):

PD Dr. Andrea Hassenstein Augenklinik

Dr. Dimitrios Pantazis Augenklinik

Dr. Birte Meyer-Rüsenberg Augenklinik

Frank Scholz, Software Entwicklung, Datamedical Hamburg

Kooperation mit Tübinger Uni-Augenklinik Hr. Werner Inhoffen (DIM-Methode)

Korrespondenz-Adresse OCT:
Priv. Doz. Dr. med. Andrea Hassenstein
Augenklinik
Tel..040/7410-52339 , 53113, 52350
Fax.: 040/7410-57307
Pieper: 147/1080
E-Mail: hassenstein@uke.uni-hamburg.de
Groupwise: Andrea.Hassenstein@uke-hh.de

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Letzte Änderung: Dr. Reinhard Kusel, 12.01.2009

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