Zu den Inhalten springen

Hauptnavigation:

Kontakt | English | Sitemap

| Home > Zentren > Kliniken > Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde > Vitreoretinale Chirurgie

Vitreoretinale Chirurgie

Unter vitreoretinaler Chirurgie versteht man die operative Therapie von Erkrankungen der Netzhaut und des Glaskörpers. Typische Krankheitsbilder sind:

Die UKE-Augenklinik ist eines der größten Netzhautchirurgischen Zentren in Norddeutschland und hierfür auch international bekannt. Im Rahmen des Schwerpunktes werden mehrere Spezialsprechstunden angeboten, z.B. die Netzhautsprechstunde oder die Sprechstunde für Gefäßerkrankungen des Auges.

Der Netzhaut-Schwerpunkt der Klinik schlägt sich auch in den wissenschaftlichen Aktivitäten der Klinik nieder.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. G. Richard
augenklinik@uke.uni-hamburg.de

Informationen für Patienten


Die vitreoretinale Chirurgie befasst sich mit der Behandlung von Erkrankungen des Glaskörpers (Corpus vitreum), der Netzhaut (Retina) und der Makula.

So sind vor allem die diabetische Retinopathie, Gefäßverschlüsse, Netzhautablösungen und Störungen der Stelle des schärfsten Sehens (Makula) Krankheitsbilder die mittels neuster Therapieverfahren mit einer Operation oder einer Laserbehandlung therapiert werden können.

Diabetische Retinopathie

Die Diabetische Retinopathie ist die häufigste Gefäßerkrankung am menschlichen Auge. In Deutschland sind bei steigender Tendenz ca. 4% der Bevölkerung betroffen. Wie ernsthaft die Erkrankung ist, verdeutlicht die Zahl, dass in Deutschland pro Jahr ca. 40.000 Diabetiker erblinden, womit das Erblindungsrisiko 25mal höher als beim Nicht-Diabetiker ist. Die diabetische Retinopathie ist somit die häufigste Ursache für einen Sehverlust zwischen dem 20. und 65. Lebensjahr. Es ist offensichtlich, wie wichtig eine konsequente Prävention bzw. eine effiziente Therapie beim Voranschreiten der Erkrankung sind.

Die Diabetesdauer, das Manifestationsalter, die Zuckereinstellung (HbA1c, C-Peptid) sowie konstitutionelle und genetische Faktoren sind entscheidende Einflussfaktoren für die Entstehung und Progression der Erkrankung. Wir unterscheiden den insulinpflichtigen Typ 1 Diabetes vom nicht insulinpflichtigen Typ 2 Diabetes. Abhängig von der Diabetesdauer entwickeln im Laufe der Jahre nahezu alle Patienten früher oder später eine diabetische behandlungsbedürftige Retinopathie:
5 Jahre   23%
10 Jahre   60%
15 Jahre   80%
30 Jahre   >90%
Dabei kann das Bild der Netzhautgefäßveränderungen verschiedene Stadien durchlaufen, wobei Gewebeveränderungen wie eine Verdickung der Basalmembran, ein Kontaktverlust zwischen Endothel und Perizyten, eine gestörte Blut-Retina-Schranke mit erhöhter Gefäßpermeabilität die vorherrschenden pathophysiologischen Zeichen sind:

Nichtproliferative Retinopathie (mild)
mit Gefäßaussackungen, Blutungen und Exsudat-Ablagerungen

Präproliferative Retinopathie (mäßig)
zusätzlich Nervenfaserinfarkte (Cotton-wool-Herde), Gefäßanomalien (IRMA`s)

Proliferative Retinopathie (schwer)
zusätzlich Gefäßneubildungen (Neovaskularisationen), Glaskörperblutung, Membranbildung und Netzhautablösung. Häufig droht ein Sekundärglaukom.

Präproliferative Retinopathie

Proliferative Retinopathie
Je nach Befundausdehnung und Stadium ist im Rahmen der regelmäßig durchzuführenden Kontrolluntersuchungen eine Therapiemaßnahme erforderlich. Als Behandlung ist neben einer konsequenten Blutzucker-Einstellung durch orale Antidiabetika / Insulinpräparate eine Laserkoagulation veränderter Netzhautareale erforderlich.

Sollten die Veränderungen der Erkrankung schwerwiegender sein, ist die Durchführung einer Operation erforderlich: Mittels einer Glaskörperoperation können Einblutungen und Membranen entfernt, eine gezielte, umfassende Gewebekoagulation mit Laser oder Kälte durchgeführt und schließlich bei Bedarf eine Silkonöl-Endotamponade als Stabilisierungsmedium eingegeben werden.

Stadienabhängig hat sich folgendes Therapieschema etabliert:


Diabetisches Makulaödem

Die häufigste Ursache für den Sehverlust bei allen Diabetikern ist das diabetische Makulaödem. Durch die Schrankenstörung der Gefäße kann sich Gewebeflüssigkeit (Ödem) in der sonst "trockenen" Netzhautmitte ablagern. Je länger das Ödem besteht, umso ausgeprägter ist die funktionelle Störung.

Diabetisches Makulaödem
Nach den Kriterien einer großen internationalen Studie, der Early Treatment Diabetic Retinopathy Study Research Group. Ophthalmology 1991;98:766-85, gelten zur Behandlung des diabetischen Makulaödems folgende Empfehlungen:
Grundsätzlich sollte bedacht werden, dass immer zuerst die Laserkoagulation der Netzhautmitte bzw. des Makulaödems durchzuführen ist. Aufgrund der Erfahrung, dass nach einer Kataraktoperation eine Diabetische Retinopathie unaufhaltsam fortschreiten kann, ist zunächst eine ausreichende Laserkoagulation sicherzustellen.

Gefäßverschlüsse der Netzhaut

Gefäßverschlüsse im Bereich der Netzhaut sind nach der diabetischen Retinopathie die zweithäufigste Erkrankung der Gefäße des Augenhintergrundes. Embolische Prozesse, funktionelle Gefäßspasmen und mechanische Gefäßkompressionen können ebenso wie Zirkulationsstörungen oder organische Gefäßwandveränderungen Auslöser dieser Erkrankung sein. Zu den gängigsten arteriosklerosefördernden Zivilisationskrankheiten zählen Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen. Auch mangelnde Bewegung, Nikotinabusus und Gerinnungsstörungen sind in der Ätiologie des Gefäßverschlusses als Risikofaktoren einzuschätzen.

Zentralarterienverschluß

Zentralvenenthrombose
Neben der konservativen Therapieoption mittels isovolämischer Hämodilution hat sich die Laserkoagulation ähnlich wie bei der Behandlung der diabetischen Retinopathie etabliert. Dennoch geht der retinale Gefäßverschluss in der Regel mit einer erheblichen Einschränkung der Sehkraft einher, da die Therapie in erster Linie der Vermeidung von Sekundärkomplikationen und dem Erhalt des Auges und weniger der Verbesserung der Sehschärfe gilt.
Die begrenzte Überlebenszeit der retinalen Ganglienzellen und Nervenfasern unter Ischämiebedingungen macht die schlechte Prognose arterieller und ischämischer venöser Gefäßverschlüsse deutlich. Therapieziel muss daher die rasche Rekanalisation des verschlossenen Gefäßes sein, um einen weiteren Zelluntergang des minderdurchbluteten Gewebes und sekundäre Komplikationen zu verhindern. Genau diesen Weg versucht in den letzten Jahren die vitreoretinale Chirurgie zu gehen. So waren für die Entwicklung der Dekompressionsoperation an anatomischen Engstellen zunächst Fortschritte im Bereich der Mikrochirurgie und eine wachsende Erfahrung manipulatorischer Tätigkeiten an der Netzhaut Voraussetzung. Nunmehr ist es mit vielversprechenden Ergebnissen möglich, durch eine operative Manipulation im Bereich des Sehnervenkopfes oder an Kreuzungsstellen zwischen Arterie und Vene positiv auf den Verlauf einer Verschlusserkrankung Einfluss zu nehmen.
Man unterscheidet die Auftrennung der gemeinsamen Gefäßscheide (Adventitiaspaltung) bei Veneastverschlüssen von der Schlitzung der Sehnervenhülle (Optikusschlitzung) bei Zentralvenenverschlüssen. Beide Verfahren finden zur Zeit bereits regelmäßige Anwendung und werden in großen internationalen Studien geprüft.

Netzhautablösungen

Netzhautablösungen entstehen durch Loch- oder Membranbildungen im Bereich der Netzhaut oder des Glaskörpers. Risikopatienten sind solche mit einer hohen Kurzsichtigkeit, familiärer Disposition und Stoffwechselerkrankungen wie dem Diabetes mellitus. Aber auch der Zustand nach einer Augapfelprellung oder einer Kataraktoperation erhöht das Risiko für eine Netzhautablösung.
Durch Flüssigkeitsverschiebungen oder Zugwirkungen wird die Schicht mit den Photorezeptoren von ihrer lebenswichtigen Unterlage (retinales Pigmentepithel = RPE) abgehoben. Neben einer akuten Sehverschlechterung drohen in der Regel langfristige Schäden der Sinneszellen, da diese durch den fehlenden Stoffwechsel nicht mehr adäquat versorgt werden.
Daher ist es erforderlich, eine Netzhautablösung möglichst rasch nach Ihrem Auftreten mittels einer Operation zu versorgen. Hierzu gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:
  1. Durch das Aufnähen einer Silikonplombe auf den Augapfel wird die Augenwand so eingedrückt, dass die abgehobene Netzhaut und die Augenwand mit der Versorgungsschicht des RPE wieder in Kontakt geraten. Durch eine zeitgleiche Anwendung von Kälte oder Laserenergie im Bereich eines Netzhautloches wird die Netzhaut bewusst geschädigt, damit eine Vernarbungsreaktion dieses Areal langfristig "abriegelt". Ggf. muss zusätzlich unter der Netzhaut liegende Flüssigkeit durch eine Punktion entfernt werden.
  2. Falls ein Anlegen der Netzhaut durch eine Operation von außen nicht möglich ist, muss die Glaskörperchirurgie eingesetzt werden. Damit ist es möglich, auch starre Membranen zu entfernen und die Netzhaut mittels Anwendung "schwerer" Flüssigkeiten und eines Lasers sowie kurzfristiger Gas- oder Silikonölendotamponaden wieder an der Augenwand zu befestigen.

Makulaerkrankungen

Durch die Entwicklung von neuen Operationsverfahren ist es möglich geworden, Erkrankungen der Makula operativ zu behandeln, die früher einer Therapie nicht zugänglich waren. Man sollte etablierte von experimentell eingesetzten Verfahren unterscheiden. Als etablierte Verfahren können das Membrane Peeling bei epiretinaler Gliose und die Operation von Makulaforamen angesehen werden. Die Exzision einer subretinalen Neovaskularisationsmembran, die Makularotation und die Transplantation von retinalem Pigmentepithel (RPE) bei altersbedingter Makuladegeneration haben nach wie vor eher experimentellen Charakter. Dementsprechend muß eine besonders sorgfältige Aufklärung und zurückhaltende Empfehlung dieser Operationen erfolgen. Bei allen diesen operativen Eingriffen wird zunächst eine Vitrektomie, d.h. eine Glaskörperausschneidung, durchgeführt. Zum Ende der Operation erfolgt meist ein Flüssigkeits-Gas-Austausch, wobei z.B. langeinwirkende Perfluorkohlenstoffe in den Glaskörperraum eingebracht werden. Postoperativ sollte der Patient zielgerichtet gelagert werden, um die Makula vollständig mit Gas zu bedecken.

Auf Grund des gemeinsamen operativen Zugangs haben die Operationstechniken zum Teil ähnliche Komplikationen. Die am häufigsten auftretende Komplikation ist die Ausbildung einer Linsentrübung.
  1. Membrane Peeling bei epiretinaler Gliose
    Epiretinale Membranen, d.h. vor der Netzhaut, an der Stelle des schärfsten Sehens liegende Membranen, wurden 1865 erstmals von Iwanoff beschrieben. Sie beeinträchtigen die Sehschärfe unterschiedlich stark. Typischerweise sieht der Patient verzerrt. Der optimale Operationszeitpunkt scheint 6 bis 8 Wochen nach einer raschen Progression der Symptome zu sein. Beim Membrane Peeling wird die Membran von der Netzhautmitte abgezogen. Der Nachweis eines cystoiden Makulaödems beeinflußt die Visusprognose negativ.

    Ergebnisse
    Zahlreiche Studien berichten über günstige Ergebnisse nach Vitrektomie mit Entfernung einer epiretinalen Membran. Je nach Studie kommt es zu einem Visusanstieg um mindestens 2 Sehstufen in 60-87% der Fälle. Die Verbesserung der Sehschärfe erfolgt frühestens 1 bis 3 Monate nach der Operation und stabilisiert sich erst nach 6 bis 12 Monaten. Unabhängig von einem Visusanstieg berichten die Patienten postoperativ von einer deutlichen Abnahme des Verzerrtsehens. Diese ist verursacht durch die Glättung der Netzhaut.

    Komplikationen
    Abgesehen von der Linsentrübung treten intra- und postoperative Komplikationen in ca. 8 bis 13% der Fälle auf. Die häufigste intraoperative Komplikation mit 1 bis 5% der Fälle ist die Entstehung von Netzhautlöchern zentral oder in der Peripherie. Seltene intraoperative Komplikationen sind Netzhautablösung, Glaskörperblutung und eine phototoxische Schädigung der Makula auf Grund zu intensiver Licht-Exposition. Die häufigste postoperative Komplikation ist eine Netzhautablösung bei 4 bis 6% der Fälle. Eine erneute Membranbildung tritt bei 2,5 bis 7,3% der Fälle auf. Eine Infektion des Augeninneren ist sehr selten.

  2. Membrane Peeling bei Makulaforamen
    Ein Makulaloch wurde erstmals 1869 von Knapp beschrieben. Es handelt sich um einen Defekt der sensorischen Netzhaut. Man unterscheidet das primäre oder idiopathische Makulaloch vom sekundären, das zum Beispiel durch Traumata verursacht wird. Das idiopathische Makulaloch tritt gehäuft bei Frauen mittleren Alters auf.  Für die Pathogenese von Makulalöchern gibt es unterschiedliche Hypothesen. Möglicherweise kommen sie durch Zug auf die Netzhaut zustande. Die Indikation zur Operation wird ab einem Visus von unter 0,5 gestellt, wobei die Sehverschlechterung in der Regel nicht länger als 6 Monate bestehen sollte. Bei der Operation kann die innere Glaskörpergrenzmembran mit entfernt werden. Für eine bessere Verklebung des Makulaloches werden in den meisten Zentren Serum oder Thrombozytenkonzentrate appliziert.

    Ergebnisse
    Die Prognose nach Operation ist in erster Linie abhängig von der Dauer der Symptome. Werden die Patienten innerhalb der ersten 6 Monate nach Auftreten einer Visusminderung operiert, so kann in 80% der Fälle ein anatomischer Erfolg erreicht werden, innerhalb von 6 Monaten bis 2 Jahren noch in 74% und bei länger als 2 Jahren bestehenden Symptomen nur noch in 61% der Fälle. Ähnliches gilt für den Verlauf der Sehschärfe. Bei Operation innerhalb der ersten 6 Monate nach Symptombeginn wird eine Verbesserung der Sehschärfe um 2 Sehstufen bei 68%, zwischen 6 Monaten und 2 Jahren bei 61% und bei über 2 Jahren bestehenden Symptomen nur noch bei 26% der Fälle beobachtet.

    Makulaforamen
    Komplikationen
    In der Fachliteratur wurde über eine Komplikationsrate im hinteren Augensegment von 41% berichtet. Die häufigste visusbedrohende Komplikation ist eine Schädigung des RPE, deren Häufigkeit von einigen Autoren mit 33% angegeben wird, von anderen sogar mit 75%. Die Schädigung des RPE beruht zum Teil auf der Phototoxizität durch zu lange Lichtexposition mit der Kaltlichtquelle und wohl zum Teil auf direkter oder indirekter mechanischer Schädigung. Ein Auftreten dieser Veränderung verschlechtert die Prognose für die Sehschärfe deutlich. Da eine hintere Glaskörperabhebung bei der Operation chirurgisch induziert werden muß, kann es zu peripheren Lochbildungen kommen. In bis zu 14% der operierten Fälle wird über eine postoperative Netzhautablösung berichtet.

Altersbedingte Makuladegeneration

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist in der Altersgruppe über 60 Jahren eine der häufigsten Erblindungsursachen. Man unterscheidet die trockene von der feuchten Form, wobei bei letzterer weiterhin das Auftreten typischer oder versteckter subretinaler Neovaskularisationsmembranen (SNV) für die Prognose und die Therapiemöglichkeiten von Bedeutung ist. Solche Membranen stellen Gefäßneubildungen in sonst gefäßfreien Arealen dar, womit eine erhöhte Blutungsgefahr und die Ablagerung unerwünschter Stoffwechselprodukte verbunden ist.

Verzerrtsehen im Amslergitter

 

Trockene Makuladegeneration

Feuchte Makuladegeneration
mit klassischer exzentrischer Membran
Feuchte Makuladegeneration mit klassischer zentraler Membran
(Fundus, Farbstoff-Angiographie)
Bis ins die neunziger Jahre gab es für die Makuladegeneration keine aussichtsreichen Therapieverfahren, so dass den Patienten lediglich zu einer gesunden Ernährung und Nikotinabstinenz geraten wurde.

In der Zwischenzeit sind verschiedene Therapieoptionen auf dem Vormarsch, die sich zum Teil allerdings noch in der klinischen Erprobung oder in experimentellen Studien befinden. Welche Methode für welche Art und welches Stadium der Makuladegeneration geeignet ist kann nur anhand einer umfangreichen Voruntersuchung unter Berücksichtigung vieler Parameter festgestellt werden. Ebenso unterscheiden sich die Erfolgsaussichten je nach Ausgangsbefund, so dass hier eine generelle Darstellung oder Eignung "der Methode" nicht möglich ist. Daher werden die Optionen nur kurz aufgezählt:
  1. Adjuvante Therapie mit Nahrungsergänzungsmitteln zur Abpufferung und Reduktion oxidativer Gewebeschäden
  2. Konservative Laserbehandlung zentrumsferner Neovaskularisationsmembranen
  3. Photodynamische Therapie zentrumsnaher Neovaskularisationsmembranen
  4. Vitreoretinale Chirurgie zur operativen Behandlung ungünstiger Verlaufsformen zentrumsferner Neovaskularisationsmembranen (SNV-Excision) oder zentrumsnaher Neovaskularisationsmembranen (Makulatranslokation, RPE-Transplantation).
  5. Applikation medikamentöser Substanzen mit gefäßwachstumshemmender Wirkung zum Verhindern des Entstehens einer Neovaskularisationsmembran
Die unter Punkt 4 genannten operativen Verfahren der vitreoretinalen Chirurgie sollen hier näher beschrieben werden. Subretinale Neovaskularisationen (SNV) können sich bei verschiedenen Krankheitsbildern entwickeln: altersbedingte Makuladegeneration, hohe Myopie, okuläres Histoplasmose Syndrom, Trauma etc.. Bei 20% der Fälle mit einer altersbedingten Makuladegeneration ist eine subretinale Neovaskularisation für die Sehverschlechterung ursächlich.

Entwickelt sich bei der AMD eine Neovaskularisationsmembran unter der Stelle des schärfsten Sehens, so wird die Sehschärfe unbehandelt nach 2 Jahren gravierend schlechter sein. Laser-Therapie, medikamentöse und Strahlentherapie zeigen nur in bestimmten Situationen Erfolg. Vor diesem Hintergrund war es naheliegend, daß der Versuch unternommen wurde, diese subretinalen Neovaskularisationsmembranen operativ zu entfernen.

Zur Zeit gibt es bei dieser Erkrankung zwei verschiedene Operationstechniken, die Exzision der subretinalen Neovaskularisationsmembran und die Makulatranslokation, wobei für das letztere Verfahren erst wenige Erfahrungen vorliegen. Beide Operationsverfahren werden im Folgenden einzeln näher erläutert:
  1.  Exzision einer subretinalen Neovaskularisationsmembran
    Die Vitrektomie beginnt in üblicher Weise. Es wird eine Retinotomie, d.h. ein kleines Loch in der Netzhaut, außerhalb der Neovaskularisationsmembran angelegt. Die neurosensorische Retina wird mit einer gebogenen Injektionsnadel penetriert. Anschließend wird Flüssigkeit unter die Netzhaut gegeben, um Raum für den Einsatz von Instrumenten zu schaffen. Die Membran wird mit einer abgewinkelten Pinzette subretinal gefaßt und entfernt. Nachfolgend wird der subretinale Raum gespült und die Retinotomie wird ggfs. unter Verwendung eines Endolaser umstellt. Darauf wird im Glaskörperraum ein Flüssigkeits-Gas-Austausch durchgeführt und ggfs. ein Gas eingefüllt. Postoperativ lagert der Patient in einer Kopf-unten Position oder zur Seite des nicht operierten Auges.

    Ergebnisse der SNV-Exzision
    Die Ergebnisse der SNV-Exzision zeigen bei der altersbedingten Makuladegeneration ein unterschiedliches Bild. Erste Ergebnisse 1988 zeigten nur bei 16% der Patienten einen Visusanstieg von mehr als 2 Sehstufen. Eigene Erfahrungen deuten darauf hin, daß eine gute Patientenselektion wichtig ist. Von der Operation profitieren möglicherweise besonders die Patienten, bei denen das retinale Pigmentepithel in der Umgebung der Neovaskularisation weitestgehend intakt war und bei denen die subretinale Membran nur eine relativ kleine Ausdehnung hat. Trotz fehlendem Visusanstieg geben viele Patienten postoperativ eine subjektive Besserung an, da störendes Verzerrtsehen nicht mehr nachweisbar ist. Das subjektive Gefühl der Funktionsbesserung ist dann günstiger als das objektiv erreichte Ergebnis. Scheider und Mitarbeiter berichteten kürzlich über einen Visusanstieg von mindestens 3 Visusstufen bei 31% der AMD Patienten nach SNV-Exzision bei einer Nachbeobachtungszeit von 6 Monaten. Allerdings sind die Fallzahlen noch zu gering, um hier endgültige Aussagen machen zu können.

    Die Ergebnisse der SNV-Exzision bei entzündlichen Veränderungen oder der Toxoplasmose hingegen sind günstig. Es wird bei über 40% der Patienten mit okulärem Histoplasmose Syndrom, das in Europa selten, in den USA jedoch häufig ist, eine Visusverbesserung um 3 Sehstufen erreicht. Auch bei Entfernung von Neovaskularisationsmembranen nach traumatischer Aderhautruptur sind die Ergebnisse eher günstig.

    Zentrale Narbe nach SNV-Exzision
    Komplikationen der SNV-Exzision Intraoperativ ist eine zentrale Lochbildung möglich, vor allem bei Patienten, die zuvor gelasert wurden. Intraoperative und postoperative Netzhautablösungen wurden beschrieben. Die Rezidivrate scheint bei der gut abgrenzbaren SNV mit fast 30% am höchsten zu sein.

  2. Experimentelle Verfahren zur Behandlung der Makuladegeneration

    1. Makulatranslokation
      Bei dieser 1993 von Machemer und Mitarbeitern erstmals beschriebenen Operation wird zunächst eine vollständige Vitrektomie des Glaskörpers durchgeführt. Die Retina wird komplett abgelöst. Anschließend wird die Retina umgeklappt und die Neovaskularisationsmembran sorgfältig entfernt. Nun wird die Retina wieder zurückgeklappt und mit dem Sehnervenkopf als Drehpunkt um ca. 15°-45° rotiert, so dass die Stelle des schärfsten Sehens über einer morphologisch gesund erscheinenden RPE-Aderhaut-Region zu liegen kommt. Am Ende der Operation wird der Glaskörperraum mit Silikonöl tamponiert. Kürzlich wurde von de Juan ein modifiziertes Verfahren vorgestellt, das er "limitierte makuläre Translokation" nennt. Der Eingriff ist weniger traumatisierend und erfordert wegen seiner kurzen Dauer in der Regel nur eine örtliche Betäubung. Die Netzhaut wird gelöst, rotiert und anschließend durch Gasendotamponade wieder angelegt. Ergebnisse der Makulatranslokation Die Ergebnisse der Operation scheinen am besten zu sein, wenn der Visusverlust erst kürzlich vor der Operation eingetreten ist. So konnte in Einzelfällen ein Visusanstieg von Fingerzählen auf 20/80 und von 20/700 auf 20/70 erreicht werden. De Juan berichtet über einen Visusanstieg auf 20/100 oder besser bei 31% der Patienten. Insgesamt liegen derzeit aber noch keine ausreichenden publizierten Ergebnisse vor, um das Verfahren endgültig bewerten zu können.

      Zustand nach operativer Makularotation
      Komplikationen bei Makulatranslokation
      Neben den "üblichen Komplikationen", wie Linsentrübung, kommt es bei Anlegen einer großen Retinotomie zu Netzhautablösungen, insbesondere nach Entfernung des Silikonöls. Auf Grund der Verlagerung der Fovea mit Cyclorotation können erhebliche Schielprobleme auftreten, die ggfs. eine Schieloperation erfordern.

    2. Transplantation von retinalem Pigmentepithel (RPE)

      Ätiologie von Erkrankungen mit RPE-Schädigung
      Bei einer Vielzahl von Erkrankungen besteht eine primäre Fehlfunktion oder Degeneration des retinalen Pigmentepithels wie bei der vitelliformen Makuladegeneration oder der Atrophia gyrata, oder eine sekundäre wie bei Usher-Syndrom, Sorsby's Fundus Dystrophie etc. Auch bei der altersbedingen Makuladegeneration ist bereits frühzeitig eine Alterung des retinalen Pigmentepithels nachweisbar, die durch Zelluntergang bedingt sein kann. Die lokale Atrophie des retinalen Pigmentepithels, in Nachbarschaft zur lädierten Bruch´schen Membran, führt zu einem fokalen Untergang der darübergelegenen Photorezeptoren. Der Verlust von RPE-Zellen führt auch zu einem sekundären Untergang der Choriokapillaris. Dies kann gelegentlich nach operativer Entfernung einer subretinalen Neovaskularisationsmembran beobachtet werden. Dabei ist meist ein erheblicher Verlust von retinalem Pigmentepithel nachweisbar, das, wie histologische Untersuchungen zeigen, häufig in die entfernte Membran integriert ist.

      Das Interesse an dem Potential einer Transplantation von retinalen Pigmentepithelzellen wurde in jüngster Zeit durch Erfolge tierexperimenteller Untersuchungen geweckt. Der erfolgreiche Ausgang wurde vor allem dadurch begünstigt, dass offensichtlich Vorderkammer und Glaskörper eine immunologisch privilegierte Situation repräsentieren, die eine Abstoßung tendenziell unterbinden. Verschiedene Tiermodelle wurden eingesetzt; so die RCS-Ratte, bei der bedingt durch einen Gendefekt eine Degeneration zunächst des RPE und dann der Netzhaut beobachtet werden. Es konnte gezeigt werden, daß diese erblich bedingte Netzhautdegeneration durch Transplantation von RPE-Zellen aufgehalten werden kann. Die Morphologie der geretteten Photorezeptoren entspricht der von gesunden. Nach Transplantation verhält sich das retinale Pigmentepithel in Hinblick auf die Stoffwechseleigenschaften normal, d.h. es baut Außensegmente von Photorezeptoren ab. Auf Grund dieser und zahlreicher anderer tierexperimenteller Untersuchungen kann wahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass eine RPE-bedingte Schädigung der Netzhaut durch rechtzeitige Transplantation gesunder RPE-Zellen aufgehalten werden kann. Dies ist die Basis für experimentelle Versuche, auch am Menschen retinales Pigmentepithel zu transplantieren.

      Operationstechnik
      Nach Durchführung einer Vitrektomie wird gegebenenfalls eine subretinale Neovaskularisationsmembran entfernt. Mit einer Mikropipette wird nach Anlegen einer Retinotomie ein Patch-Transplantat oder eine Zellsuspension in den subretinalen Raum gespült. Anschließend wird eine Endotamponade mit Perfluorkohlenstoff-Gasen durchgeführt, und der Patient entsprechend der Lokalisation der Retinotomie gelagert. Teilweise wurde zur Endotamponade auch Silikonöl verwandt.

      Ergebnisse der RPE-Transplantation
      Bis heute liegen keine ausreichenden Fallzahlen und Langzeitergebnisse vor, um den Erfolg der Operation beurteilen zu können. Es scheint jedoch so zu sein, daß die transplantierten Zellen subretinal proliferieren und Außensegmente der Photorezeptoren phagozytieren können. Eigene Untersuchungen zeigen, dass die in der Optischen Kohärenztomographie nachweisbare postoperative Schichtung der Netzhaut normal ist. Algvere et al. berichten jedoch nach Transplantation von embryonalen RPE-Zellen einen weiteren Visusverlust, sofern eine subretinale Neovaskularisationsmembran mit entfernt wurde. Bei trockener altersbedingter Makuladegeneration scheint es möglich zu sein, die Sehschärfe zu stabilisieren. Möglicherweise können mit der RPE-Transplantation bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn der Zeitpunkt der Operation so gewählt wird, dass ein weitgehender Untergang von Photorezeptoren nicht eingetreten ist.

      Komplikationen bei RPE-Transplantation
      Neben den auch bei den anderen Operationen auftretenden Komplikationen, wie Linsentrübung, Netzhautablösung, etc. kann das transplantierte Gewebe vom Wirt abgestoßen werden. Es wird versucht, durch Verwendung autologer RPE- bzw. Irispigmentepithelzellen und Typisierung der allogenen Zellen die Abstoßungsreaktionen zu minimieren.

Mitarbeiterverzeichnis


Einheitliche Vorwahl: (040) 7410-

Mitarbeiter:
Position Name Telefon Fax E-Mail
  Prof. Dr. med. Gisbert Richard 52301 54906
  Oberärztin PD Dr. med. A. Hassenstein    
  Oberarzt Dr. med. L. Wagenfeld    
Seitenanfang    Seite drucken


© Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Impressum
Letzte Änderung: Dr. Reinhard Kusel, 14.10.2009

Kontakt

Sekretariat ärztlicher Direktor:
Frau Schrage
Tel: (040) 7410-52301
Fax: (040) 7410-54906
augenklinik@uke.de

Patientenanmeldung / Call Center:
Tel: (040) 7410-52350

Sekretariat Geschäftsführung:
Frau Ben Brahim
Tel: (040) 7410-52013
Fax: (040) 7410-57146
adminaugenklinik@uke.de

Studienkoordination/Study Coordination:
Frau Andrea Kattein
Tel: +49 40 7410-54417
Fax: +49 40 7410-55017
a.kattein@uke.uni-hamburg.de

Haus West 40 (W40)
Martinistr. 52
20246 Hamburg

Care-Vsion

Unser Kooperationspartner
CARE Vision Hamburg
Augenlaserzentrum
Tel. 0800 - 888 84 74
info@care-vision.de

Lageplan und Anfahrt

Lageplan - zum Vergrössern anklicken