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Kryptorchismus

Verborgene Hoden, das Hormon Insl3 und der Einfluss von Umweltbelastungen

Die häufigste Fehlbildung bei männlichen Neugeborenen ist ein leeres Hodensäckchen (Kryptorchismus): Die Hoden stecken noch in der Bauchhöhle oder im Leistenkanal. 1 bis 4%, regional mitunter deutlich mehr, sind davon betroffen, mit steigender Tendenz in westlichen Industrienationen. Zudem ist Kryptorchismus die häufigste Indikation für einen operativen Eingriff an männlichen Personen. Die rechtzeitige Korrektur ist wichtig, da sich sonst später das Risiko für Sub- oder gar Infertilität und für Hodenkrebs beträchtlich erhöht.

Ein Schlüsselsignal, das die korrekte Auslagerung des Hodens in den Hodensack steuern hilft, ist offenbar das mit dem Insulin verwandte Peptidhormon Insl3 (insulin-like peptide 3, auch relaxin-like factor, RLF, genannt): Mäuse, denen dieses Hormon oder dessen Rezeptor fehlt, sind stets kryptorchid.

Derzeit untersuchen wir gemeinsam mit Forschergruppen in Kopenhagen und Turku, ob ein solcher Zusammenhang auch beim Menschen besteht. Ferner suchen wir nach weiteren möglichen Funktionen von Insl3 im Erwachsenenalter. Zugleich dient uns Insl3 als Messgröße für die Wirkung von Haushalts- und Industriechemikalien auf endokrine Systeme. In den letzten Jahrzehnten ließen sich sinkende Fertilitätsraten bei Männern und steigende Raten genitaler Fehlbildungen bei männlichen Neugeborenen wie auch bei einigen Wildtierarten beobachten. Umweltbelastende Chemikalien könnten eine Ursache dafür sein. Zusammen mit der finnischen und einer weiteren Arbeitsgruppe in Edinburgh entwickeln wir daher Verfahren, um den Einfluss solcher Chemikalien auf die Insl3-Produktion in Tier- und Zellkulturmodellen zu messen. Gefördert wird dieses Projekt von der Europäischen Union im Rahmen des EDEN-Forschungsverbunds über endocrine disrupting chemicals.

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Letzte Änderung: Andreas Plate, 22.04.2008