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Athleticum: Forschung und Lehre

Forschung und Lehre

Leitung: Prof. Karl-Heinz Schulz

Forschung

 

Bewegung ist Medizin. Denn körperliche Aktivität kann bei einer Vielzahl chronischer Erkrankungen einerseits als "Impfung" wirken, hat aber darüber hinaus sogar oft einen therapeutischen Effekt, der dem von Medikamenten gleichkommen kann - nur ohne Risiken und Nebenwirkungen. Aber das Gegenteil trifft genau so zu: Wer sich nicht bewegt, schadet seinem Körper. 

In unseren wissenschaftlichen Studien untersuchen wir mit unterschiedlichen Patientengruppen und Kooperationspartnern Fragestellungen wie:

Prävention

In der Primärprävention und Rehabilitation körperlicher Erkrankungen gilt körperliche Aktivität schon seit einigen Jahrzehnten als ein wesentlicher schützender bzw. therapeutischer Faktor. So senkt körperliche Aktivität erwiesenermaßen das Risiko unter anderem für

  • Diabetes mellitus
  • Koronare Herzerkrankungen
  • Arterielle Verschlusserkrankungen
  • Arterielle Hypertonie
  • Osteoporose
  • Übergewicht
  • Tumorerkrankungen

Das Expertengremium des World Cancer Research Funds kommt zu dem Schluss, dass ".regelmäßige körperliche Aktivität der Neubildung von bösartigen Tumoren vorbeugen kann. Speziell für Dickdarmkarzinome und für hormonabhängig wachsende Tumoren der weiblichen Brustdrüse in der Postmenopause ist die Evidenz für schützende Effekte sehr hoch." (Food, Nutrition, Physical Activity, and the Prevention of Cancer: a Global Perspective.Washington DC: AICR, 2007)

Therapie

Weit weniger bekannt und erforscht ist die therapeutische Wirkung körperlicher Aktivität bei bestehenden chronischen Erkrankungen. Im Mittelpunkt der aktuellen wissenschaftlichen Arbeit steht die Klärung der biologischen Mechanismen, durch die richtig dosierte körperliche Aktivität beispielsweise den Verlauf von Tumor- oder Herzerkrankungen positiv beeinflusst. Der Muskel muss nicht nur als Bewegungsorgan, sondern auch als endokrinologisch und immunologisch aktives Organ angesehen werden, das unter anderem sogenannte Myokine (Muskelhormone) produziert.

Im Januar 2012 erregte eine wissenschaftliche Entdeckung internationales Aufsehen. Man fand heraus, dass es bei körperlicher Aktivität zur Ausschüttung eines Botenstoffes aus der Muskulatur kommt. Dieses Hormon, Irisin - benannt nach der griechischen Götterbotin, die frohe Botschaften überbringt -, ist unter anderem verantwortlich für den positiven Effekt körperlicher Bewegung auf die Gesundheit. Irisin regt den Energiestoffwechsel an und transformiert weiße Fettzellen (niedrige Stoffwechselrate, Risikofaktor für Erkrankungen) in metabolisch aktive braune Fettzellen (hohe Stoffwechselrate, prognostisch günstig).

Immer mehr wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Bewegung eine effektive unterstützende Therapieoption bei der Behandlung chronischer Erkrankungen ist. So konnten deutliche Erfolge bei der Therapie von Tumor-, Herz-, Stoffwechsel-, Lungen-, neurologischen, psychiatrischen und muskuloskeletalen Erkrankungen gezeigt werden.

"Wenn es ein Medikament gäbe, das all die erwiesenen positiven Effekte körperlicher Aktivität hätte, würde dann nicht jeder alles Mögliche tun, um Zugang zu dieser Wunder-Droge zu bekommen?" (Sallis RE Br J Sports Med, 2009, 43, 3-4)

Gefahren durch Bewegungsmangel

Auf der anderen Seite erhöht körperliche Inaktivität das Risiko für chronische Erkrankungen deutlich:

  • Koronare Herzerkrankungen um 45%
  • Schlaganfall um 60%
  • Bluthochdruck um 30% und
  • Osteoporose um 59%.

Diese Erkrankungen haben immense gesundheitspolitische Bedeutung und verursachen hohe Kosten im Gesundheitswesen.

In einer Studie (Olsen et al., JAMA. 2008;299(11):1261-1263) reduzierten Probanden ihre durchschnittliche Schrittzahl für drei Wochen auf etwa ein Zehntel. Die körperlichen Veränderungen waren dramatisch :

  • Entwicklung einer Zuckerstoffwechselstörung (Prädiabetes)
  • Entwicklung einer Fettstoffwechselstörung
  • Vermehrte Fettspeicherung
  • Abnahme der Muskelmasse      
Körperlich träge zu sein, bedeutet also nicht nur, dem Körper nichts Gutes zu tun, sondern ihm aktiv zu schaden.    

Lehre

Das UKE Athleticum bietet Seminare und Fortbildungen an. Medizinstudenten können im Wahlpflichtbereich des neuen Integrierten Modellstudiengangs Medizin Hamburg das Modul "Präventionsmedizin" wählen. Im 3., 6., und 7. Semester  des Modellstudiengangs werden Grundlagen der Sportmedizin und besonders die präventive Bedeutung von Bewegung für verschiedene Krankheitsbilder vermittelt.

Zusammen mit Dr. Müller-Wohlfarth und PD Dr. Ueblacker (München) bieten wir in jedem Semester das dreitägige Seminar "Sportmedizin am UKE" für Studenten der Medizin und Sportwissenschaften an. Für Medizinstudenten im vorklinischen Studium wird das wöchentliche Seminar "Sportmedizin" in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hamburger Kollegen aus dem Bereich der Sportmedizin durchgeführt.

Darüber hinaus sollen nationale und internationale sportmedizinische Kongresse organisiert werden. Spezifische sportmedizinische Fortbildungen für Absolventen verschiedener Berufsgruppen (Mediziner, Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler) runden das Angebotsspektrum unserer Lehrveranstaltungen ab.

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Letzte Änderung: Sonja Puhl, 31.01.2013

Präventionskurs