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Zeichnung des Pankreas und seiner anatomischen Lage

Entwicklung, Anatomie, Physiologie

Entwicklung

Aus dem embryonalen Zwölffingerdarm (Duodenum) entwickeln sich die vordere (ventrale) und die hintere (dorsale) Bauchspeicheldrüsen- (Pankreas-) anlage, die gegen Ende des 2. Embryonalmonats im Bereich der hinteren (dorsalen) Bauchspeicheldrüsenanlage miteinander verschmelzen. Der hintere Anteil wächst nach links in das Mesoduodenum (Bereich hinter dem Zwölffingerdarm) ein, diese Anteile bilden den späteren Bauchspeicheldrüsenkörper und -schwanz (Pankreaskorpus und -cauda). Die vordere (ventrale) Bauchspeichdrüsenanlage bildet Anteilen der hinteren Anlage den Bauchspeicheldrüsenkopf (Pankreascaput). Aufgrund der ersten eigenen Entwicklung haben beide Anlagen zunächst jeweils einen eigenen Ausführungsgang. Im Rahmen der weiteren gemeinsamen Entwicklung drainiert der Gang des dorsalen Anteils das Sekret des Bauchspeicheldrüsenkörpers- und schwanzes (Pankreascorpus und -cauda) und schließt sich dann nach Verschmelzung dem Gang der vorderen Anlage an. Somit gibt es normalerweise nur eine Mündung in den Zwölffingerdarm (Duodenum), die ursprüngliche eigene Einmündung des hinteren Anteils verkümmert.

Anatomie

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist zirka 13-18cm lang, 2-3cm dick, 5cm breit, wiegt etwa 70-110g und hat eine zarte, weiche Konsistenz, welche optisch Fettgewebe ähnelt. Sie liegt unmittelbar hinter der Bauchhöhle (retroperitoneal) und verläuft quer vor der Wirbelsäule in Höhe des 1.-2. Lendenwirbelkörpers. Man unterteilt die drei Abschnitte Bauchspeicheldrüsenkopf, - körper und -schwanz. Der Bauchspeicheldrüsenkopf (Pankreascaput) füllt das C des Zwölffingerdarms (Duodenum) im rechten Oberbauch aus und hat einen hakenförmigen Fortsatz (Processus uncinatus), der hinter wichtigen darmversorgenden Gefäßen (Arteria und Vena mesenterica superior) reicht. Hinter dem Bauchspeicheldrüsenkopf bildet sich die Pfortader (Vena portae hepatis). Der schlankere Bauchspeicheldrüsenkörper (Pankreascorpus) schließt sich dem plumpen Kopf nach links an und verläuft direkt vor den Wirbelkörpern der Wirbelsäule und geht allmählich in den Bauchspeicheldrüsenschwanz (Pankreascauda) über, der bis in die Milzpforte reicht. Hinter dem Bauchspeicheldrüsenkörper verläuft die Aorta und gibt mehrere wichtige Arterien zur Versorgung von Oberbauchorganen wie die Leber, Milz, Magen und große Darmabschnitte ab.

Der 2mm dicke Pankreasgang (Ductus wirsungianus, Ductus pankreaticus major) verläuft über die Länge der Bauchspeichdrüse und nimmt aus kleinen Zuflüssen das Sekret der Bauchspeicheldrüse auf und vereinigt sich im Bereiche des Bauchspeicheldrüsenkopfes mit dem Gallengang. So mündet der Bauchspeichelweg gemeinsam mit dem Gallengang (Ductus choledochus) an der Papilla vateri (Papilla duodeni major) in den Zwölffingerdarm (Duodenum). Der Gallengang verläuft zwischen Bauchspeicheldrüsenkopf und Zwölffingerdarm, bevor er gemeinsam mit dem Pankreasgang mündet. Die Freigabe des Gallensaftes und des Bauchspeichels in den Zwölffingerdarm wird durch einen Schließmuskel, dem Sphincter oddi (Musculus sphincter ampullae hepaticopancreaticae) reguliert, der sich nahrungsabhängig öffnet, um Galle und Bauchspeichel in den Darm zu entlassen. In seltenen Fällen bleibt eine kleinere Papille (Papilla duodeni minor) im Zwölffingerdarm erhalten, wenn der Bauchspeicheldrüsengang (Ductus santorini, Ductus pankreaticus minor) des vorderen Anteils nicht mit dem hinteren verschmilzt und den Bauchspeichdrüsenkörper und -schwanz selbstständig drainiert (Pankreas divisum).

Fehlentwicklungen: siehe Pankreas anulare, Pankreas divisum

Der größte Teil der Bauchspeicheldrüse besteht aus Gangverzweigungen an deren Enden beerenartig sekretproduzierende Drüsenzellen (Azini) sitzen. Die Gangsysteme münden im großen Bauchspeicheldrüsengang (Ductus pancreaticus major)

Zwischen diesen sekretorisch aktiven und sekretleitenden Zellen sitzen noch in der gesamten Bauchspeicheldrüse sogenannte Langerhans-Inseln, die in ihrer Gesamheit das Inselorgan bilden. Das Inselorgan macht nur zirka 2,5% des Gesamtgewichts aus. Die Langerhans-Inseln bestehen aus hormonproduzierenden Zellen. Neben dem Insulin als wichtigstem Hormon, werden auch Glukagon, Somatostatin und das pankreatische Polypeptid produziert,

Pankreas anulare

Im Rahmen der Entwicklung der Bauchspeicheldrüse während der Embryonalzeit bleibt bei der Rückverlagerung der vorderen Bauchspeicheldrüsenanlage Gewebe vor dem embryonalen Zwölffingerdarm zurück, so dass die Bauchspeicheldrüse einen Ring um den Zwölffingerdarm bildet und den Zwölffingerdarm komprimiert. Dadurch kommt es zu einer Behinderung der Magen-Darm-Passage. Symptome wie Erbrechen und nahrungsabhängige Oberbauchschmerzen treten meist im frühen Kindesalter, seltener bei Erwachsenen auf. Selten kann es auch zu einer Gelbsucht (Ikterus) kommen.

Therapie: Duodenojejunostomie, Gastrojejunostomie

Pankreas divisum

Bei der Verschmelzung der hinteren und vorderen Bauchspeicheldrüsenanlage entsteht bei fehlendem Zusammenschluss der beiden Bauchspeicheldrüsengänge das Pankreas divisum (siehe oben). In solchen Fällen kommt es häufiger vor, dass die kleine Papille (Papilla duodeni minor) und der kleine Bauchspeicheldrüsengang (Ductus santorini, Ductus pankreaticus minor) den Bauchspeicheldrüsenkörper und -schwanz unzureichend in den Zwölffingerdarm dranieren und sich daraus eine akute als auch chronisch Pankreatitis bilden kann.

Therapie: ERP (endoskopische retrograde Pankreatikographie) mit Schlitzung der Papilla minor und Einlage eines Röhrchens (Stent). Zur langfristigen Lösung sollte eine Papillenplastik durchgeführt werden.

Funktion der Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse ist eine Drüse in doppelter Bedeutung, zum einen produzierten den Bauchspeichel (exokrine Drüse), der eine elementare Rolle bei der Verdauung spielt, zum anderen produziert sie Hormone (endokrine Drüse)

1. Exokrine Drüse

Die Bauchspeicheldrüse produziert am Tag 1,5-3 Liter Speichel. Der Bauchspeichel ist klar, durchsichtig und dünnflüssig. Die kleinen Gangstücke geben Bicarbonat (HCO2-) ab und schaffen damit im Zwölffingerdarm ein alkalisches / basisches Mileu und neutralisieren die Magensäure. Die Azini produzieren Verdauungsenzyme. Diese sind notwendig, da die Darmschleimhaut die nur kleine Nahrungsbausteine aufnehmen kann. Somit ist nach der mechanischen Zerkleinerung der Nahrung durch die Zähne und der zersetzenden Wirkung der Magensäure, nun die Aufschlüsselung der Kohlenhydrate, der Fett und der Proteine der Nahrung in ihre Bausteine notwendig. Im Bauchspeicheldrüsensekret finden sich hierfür über 20 verschiedene Verdauungsenzyme. Zur Zerlegung der Kohlenhydrate dient z.B. die #-Amylase. Die Proteine werden durch verschiedene Proteinasen, wie die Trypsin, Endopeptidasen, Exopeptidasen, Chymotrypsin, Elastasen und Carboxypeptidasen, zerlegt. Letztendlich werden die Fette durch Lipase, Phospholipase A und Cholisterinase aufgespalten. Das Bauchspeicheldrüsensekret ist damit sehr verdauungsaktiv. Die Bauchspeicheldrüse produziert nur inaktive Vorstufen der Enzyme, um sich vor der eigenen Verdauung durch den selbst produzierten Saft zu schützen. Die Enzyme werden erst im Darm aktiviert.

Neben dem Bauchspeichel ist die Galle ist für die Verdauung der Fette unverzichtbar. Sie macht die Nahrungsfette in dem wässrigen Nahrungsbrei löslich und nimmt nach Zerlegung der Fette die Bestandteile bis zur Resorption an der Darmschleimhaut in Mizellen auf.

2. Endokrine Funktion

Das Inselorgan der Bauchspeicheldrüse wird aus kleinen Zellgruppen, die in der gesamten Bauchspeicheldrüse verteilt sind gebildet. Diese Zellen produzieren Hormone. Hormone sind Signalstoff, die sich über das Blut in den gesamten Körper verteilen, um dort zu wirken. Das bedeutendsten Hormon stellt dabei das Insulin dar. Es senkt nach den Mahlzeiten den Blutzuckerspiegel auf ein normales Niveau. Die insulinproduzierenden Zellen messen ständig den Blutzucker und geben entsprechende Mengen an Insulin ab. Unter dem Einfluss von Insulin wird Zucker vermehrt aus dem Blut genommen und anabole Stoffwechselprozesse, die Zucker benötigen, stimuliert. Bei mangelnden oder fehlenden Insulin kann der Blutzuckerspiegel nicht in den normwerten gehalten werden und entwickelt sich eine Blutzuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Neben dem Insulin wird noch Glucagon produziert, welches den Antagonisten zum Insulin darstellt, und bei zu niedrigen Zuckerwerten Zucker aus Reserven, vornehmlich aus der Leber, freisetzt. Die weiteren Hormone wie Somatostatin und das pankreastische Polypeptid sind ebenfalls an der Regulation von Stoffwechselprozessen beteiligt.

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Letzte Änderung: Andreas Plate, 21.05.2008