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Koloproktologie

 

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

in unserer Coloproktologischen Funktionseinheit werden die Erkrankungen des Dickdarms (= Colon) und des Afterbereichs (= Proktos) durch eine umfassende Diagnostik abgeklärt und nach modernsten chirurgischen Methoden behandelt, insbesondere das Hämorrhoidalleiden, die Analfisteln und -fissuren, Stuhlinkontinenz, gut- und bösartige Erkrankungen des Dickdarms sowie alle Formen des Darmvorfalls (Rektumprolaps). Zur fachgerechten Diagnostik coloproktologischer Erkrankungen stehen alle wichtigen Untersuchungsmethoden zur Verfügung,

Sprechstunde :
Dienstags 8.00-15.00 Uhr;
Stomasprechstunde nach telefonischer Vorabsprache
Terminvergabe unter Tel.: 040 / 42803 - 6120

Ansprechpartner:    OA Dr. A. Kutup; kutup@uke.uni-hamburg.de
                                   Dr. O. Zehler; zehler@uke.uni-hamburg.de                     

 


Zur Beantwortung weiterer Fragen zu diesem Thema stehen Ihnen die Mitarbeiter der Klinik gerne zur Verfügung, die Sie über die angeführten Links per E-Mail erreichen können. Ferner können Sie uns Anregungen und Kritik übermitteln.
 

Übersicht

Untersuchungstechniken

Rektoskopie, Proktoskopie
Die Untersuchung des Rektums und des Analkanals mit Hilfe eines starren Instruments gehört zu jeder proktologischen Basisuntersuchung; diese erfolgen in
Linksseiten- oder Steinschnittlage. Die Untersuchungsdauer beträgt im Allgemeinen ca. 10 Minuten, eine Sedierung ist in aller Regel nicht erforderlich. In Ausnahmefällen kann der Untersuchungsvorgang auch in einer kurzen Narkose erfolgen.
Die Coloskopien ( = vollständige Dickdarmspiegelungen) werden durch die Ärzte der Klinik für interdisziplinäre Endoskopie ausgeführt.

Endosonografie
Diese spezielle Ultraschalluntersuchung dient dazu, die Darmwand und die unmittelbar neben dem Darm liegenden Strukturen (perirektales Fett, Prostata etc.) darzustellen. Hierzu wird eine Ultraschallsonde in das Darmlumen eingeführt;
Die Indikationen zur Durchführung dieser Untersuchung sind:
- Das Staging von Rektum- und Analcarcinomen (Beurteilung der Eindringtiefe von Rektum- und Analwandprozessen) vor einer geplanten Operation oder einer evtl. multimodalen Therapie
- Die morphologische Diagnostik des Sphinkterorgans sowie die Planung schließmuskelerhaltender Eingriffe.
Die Untersuchungsdauer beträgt ca. 15-20 Minuten.

Analmanometrie
Die "Schließmuskeldruckmessung" beinhaltet die Bestimmung des Ruhedrucks, des willkürlichen Verschließdrucks und vieler weiterer Parameter des Schließmuskelapparats durch Einführen einer Katheters (Durchzugsmanometrie). Prüfung des rekto-analen Inhibitionsreflexes (RAIR), der rektalen Compliance sowie der Perzeption, etc.
Untersuchungsdauer ca. 25-30 Minuten.
 

Radiologische Untersuchungen:
Colontransitzeitbestimmung
Defäkografie
Colonkontrasteinlauf
Beckenboden-MRT
Colonkontrasteinlauf

Diese Untersuchungen werden durch die Ärzte der Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie ausgeführt.

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Analabszess, Analfistel

Analfisteln sind entzündliche Veränderungen der Analregion; über einen sog. Fistelkanal entleert sich meist eitriges Sekret, bei einer Verbindung zum Rektum oder Anus evtl. auch Stuhl; diese Erkrankung tritt gehäuft bei Patienten mit Morbus Crohn auf oder verbleibt als Residuum eines periproktitischen Abszesses: zu Beginn des Krankheitsgeschehens steht fast immer eine Entzündung der sog. Proktodealdrüsen. Von hier aus breitet sich die Entzündung aus und es kann zur Abszessbildung bzw. Fistelung kommen.
Therapie: Die einzig wirksame Behandlung besteht in einer vollständigen Entfernung von Abszess und/oder Fistelgang. Bei komplizierteren Fisteln sind manchmal wiederholte operative Eingriffe notwendig, in Ausnahmefällen können diese erst nach Anlage eines temporären Stomas (künstlichen Darmausgangs) erfolgreich durchgeführt werden. Entscheidend für Behandlung und Prognose ist dabei der Fistelverlauf in Bezug zum Sphinktersystem und zum Anorektum bzw. die Fistelmündung in Blase, Harnröhre oder Scheide.
Bei therapierefraktären Analfisteln muss immer ein Morbus Crohn oder eine Acne inversa ausgeschlossen werden, da Fistelungen, die im Rahmen dieser Erkrankungen auftreten anders behandelt werden müssen, als "gewöhnliche" Fisteln.

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Hämorrhoidalkomplex

Allgemeines
Hämorrhoiden sind ganz allgemein Erweiterungen des arteriovenösen Schwellkörpers. Der Verbund aus arteriovenösen Verbindungen in der Rektummukosa mit einem Flechtwerk aus glatter Muskulatur, elastischen Fasern und Bindegewebe bildet die anatomische Grundlage des "Corpus cavernosum recti". Diese cavernösen Gefäßpolster sind eine wichtige Komponente des Kontinenzorgans und gewährleisten den gasdichten Verschluss. Nach aktueller Lehrmeinung sind Hämorrhoiden Folge einer Desintegration der muskulären und elastischen Komponenten des Anorektums durch ein Absinken des arteriovenösen Schwellkörpers.

Stadieneinteilung
Stadium1:   Proktoskopisch sichtbare Polster, Blutung, Juckreiz, Nässen
Stadium 2:  Knoten prolabieren bei der Defäkation, retrahieren sich spontan,  verursachen Blutungen, Juckreiz, Nässen, Fremdkörpergefühl und ein
 Empfinden der unvollständigen Stuhlentleerung.
Stadium 3:   Prolaps bei Defäkation, noch reponibel, Symptome wie im Stadium 2,   zusätzlich beginnende Inkontinenzproblematik.
Stadium 4a:  akuter Hämorrhoidalprolaps, inkarzeriert und thrombosiert
    4b:  chronisch fibrosiert, irreponibel, Blutung möglich, aber eher selten,
(Analprolaps) häufig Ekzem und Hygieneprobleme.

Symptome
. anale Blutung
. Nässen
. Juckreiz
. Druckgefühl
. Schwellung
. Gefühl unvollständiger Stuhlentleerung
. Schmerzen
. Stuhlschmieren

Behandlungsverfahren

Barron-Ligatur
Ihre Domäne ist das 2° -ige Hämorrhoidalleiden.
Vorteil: einfach, schnell und nahezu schmerzfrei
Der etwa 5 Minuten in Anspruch nehmende Eingriff wird von den meisten Patienten gut vertragen. Entsteht bei 1/100 Patienten akut eine hochschmerzhafte Situation, so
wird der strangulierende Gummiring wieder abgestreift. Die mittelfristige Erfolgsquote liegt bei 70%iger Beschwerdefreiheit in den folgenden 5 Jahren. Daher ist diese Therapieform der Sklerosierungstherapie überlegen.

Segmentale Hämorrhoidektomien
Als Standardverfahren gibt es die Technik der segmentale Hämorrhoidektomie (nach Milligan-Morgan) unter Voll- oder Rückenmarksnarkose.
Den Vorteilen der relativen technischen Einfachheit, Schnelligkeit und Risikoarmut stehen die Nachteile der methodischen Limitierung auf nicht zu ausgeprägte Befunde (ungeeignet für den kompletten Analprolaps oder zirkulärem Hämorrhoidalleiden 3°) sowie die Fehleranfälligkeit und Häufigkeit von Spätrezidiven (> 30% nach 20 Jahren) entgegen.
Hauptproblem ist die Erhaltung ausreichend breiter Anodermbrücke: geraten die Hautbrücken zu schmal, so kann es zu einer sekundären Verengung des Analkanals oder zu einem vollständigen Verlust des Anoderms mit Ausstülpung der Schleimhaut, einem sog. Mukosaektropium, kommen (sog. Whitehead-Schaden).
Domäne  beider Verfahren ist der isolierte Knotenprolaps, aber auch die Akutsituation des thrombosierten Knotenvorfalls.

Staplerhämorrhoidopexie, Operation nach Longo
Diese mittlerweile etablierte Operationsmethode stanzt mit Hilfe eines in den Analkanal eingeführten Klammernahtgerätes knapp oberhalb der Hämorrhoidalzone die distale Rektummukosa zirkulär aus und die Hämorrhoidalzone wird nach oben verlagert. Da die Klammernaht oberhalb der Hämorrhoidalbasis platziert wird, liegt sie in einer unempfindlichen Zone, so dass die postoperativen Beschwerden sehr gering sind oder gar fehlen. Hauptindikation stellt das Hämorrhoidalleiden im Stadium 2 und 3 dar.
Operationsdauer maximal 15 Minuten, Voll- oder Rückenmarksnarkose, kurzer Krankenhausaufenthalt (1-2 Tage).

Abbildung 1-5: Staplerhämorrhoidektomie - Operation nach Longo:
1 präoperativer Befund,
2 Vorlegen der Tabaksbeutelnaht,
3 Einführen des Hämorrhoidenstaplers,
4 Approximieren der Andruckplatten unter stetigem Zug an der Tabaksbeutelnaht,
5 Ergebnis, anales Lifting.
Mit freundlicher Genehmigung der Firma Ethicon Hamburg.

Analplastische Operationen
"Hohe Schule" der Hämorrhoidaltherapie: Elimination des Krankheitsherdes unter rekonstruktiven Gesichtspunkten, komplette Anodermerhaltung, Wiederherstellung des Analkanals, präparatorisch und rekonstruktiv anspruchvolle Operationen. Durch die vollständige Elimination des ektatischen Schwellgewebes sind diese als einzige rezidivsicher und können allen Formen des Hämorrhoidalleidens gerecht werden. Als fast geschlossene Methode führt sie überwiegend zu minimalen, oft kaum nachweisbaren Narbenbildungen mit entsprechend exzellenten funktionellen Resultaten und hoher Patientenzufriedenheit.

Risiken der Hämorrhoidenoperationen
Blutung und Nachblutung: Nach den Erfahrungen mit über 5.000 Hämorrhoidektomien liegt das Risiko einer revisionspflichtigen Frühblutung unter 1%.
Manchmal ereignen sich auch noch um den 10.-14. postoperativen Tag Nachblutungen, wenn Ligaturen oder Nekrosen im Bereich von Zentralarterie oder größeren Satellitenästen abgehen.
Ihre Häufigkeit liegt methodenabhängig bei 0,2-2,5%, etwas höher (bis 5%) nach Barron-Ligatur.
Stuhlinkontinenz: Meist reversibel, in Einzelfällen kann eine bereits vorbestehende
Sphincterschwäche postoperativ klinisch manifest werden Bei unübersichtlichen anatomischen Verhältnissen kann es äußerst selten zu direkten Schließmuskelverletzungen durch den operativen Eingriff kommen.

Miktionsstörungen (meist passager): Reflektorisch bedingt (5% der Männer, 2% der Frauen) treten sie nach proktologischen Eingriffen auf und werden entweder medikamentös oder durch Blasenkatheterisierung behandelt.

Stuhlentleerung nach Hämorrhoidentherapie
Nach einem präoperativen Reinigungseinlauf setzt die Defäkation (Stuhlentleerung) üblicherweise am 2.-3. postoperativen Tag ein. Schmerzbedingt kann es reflektorisch zu erheblichen Entleerungsstörungen kommen. Daher sollte jeder Patient bereits präoperativ prophylaktisch Stuhlregulantien in Form von Quell- oder Gleitmitteln zu sich nehmen.

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Proktologische Erkrankungen bei Immunsuppression

Der Darm und das Anorektum im Besonderen stellt ein Immunorgan von ganz besonderer Bedeutung dar: Eine intakte Schleimhautbarriere ist erforderlich, um ein Übertreten von (krankhaften) Bakterien in den Organismus zu verhindern. Bei einer gestörten Körperabwehr, wie sie bei HIV-Patienten, bei Patienten nach Organtransplantation oder während einer Chemotherapie auftreten, finden sich häufig Ulzerationen und Fissuren im Analkanal und Rektum als Folge dieser gestörten lokalen Immunabwehr.

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Rektozele

Eine Rektozele entsteht, wenn die rectopelvine Faszie zerreißt oder chronisch überdehnt wurde; ebenso wird eine Denervierung der Rektumvorderwand diskutiert.  dies führt zu einer teils erheblichen Stuhlentleerungsstörung, dem sog. ODS
(obstructed defecation syndrome").
Typische Fragen an den Patienten bei einem vermuteten ODS sind die Frage nach der Zeit, die er täglich für die Darmentleerung benötigt ("time on toilet"), ob eine erhebliche Anstrengung bei der Stuhlentleerung erforderlich ist, ob die Stuhlevakuation mit manueller Hilfe ermöglicht oder verbessert werden kann, ob eine fragmentierte Stuhlentleerung vorliegt, ob eine Stuhlentleerung nur nach Klysmengabe möglich ist, ob Soiling und/oder eine Harninkontinenz vorliegt.
Zudem ist interdisziplinär zu klären, ob ein simultaner Vaginalprolaps vorliegt, der immer zuerst behoben werden sollte; ebenso muss eine Enterozele ausgeschlossen werden.
Empfehlenswert ist noch die Durchführung einer Defäkografie sowie die Bestimmung der Colontransitzeit, da eine Verlängerung dieser mit einer schlechten Prognose der Rektozelenkorrektur einhergeht.
Die operative Korrektur einer mit konservativen Mitteln (tägliche Mikroklistapplikation) nicht zu beherrschenden Rektozele kann transvaginal, perineal, transrektal oder kombiniert perineal-transrektal erfolgen. Eine Rektopexie wird aufgrund einer als zugrundeliegend postulierten Rektumdenervierung nicht empfohlen.

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Rektumprolaps
Darunter versteht man einen kompletten oder partiellen Vorfall des Enddarmes (Rektum) durch den Analkanal nach außen. Der Schließmuskelapparat ist morphologisch meist intakt, der Muskeltonus ist aufgrund einer chronischen Überdehnung jedoch meist vermindert. Hauptbeschwerden des Patienten sind unkontrollierte anale Schleim-, Stuhl- oder Blutabgänge und Schmerzen.
Diese Erkrankung kann nur chirurgisch behandelt werden, wobei mehrere Verfahren (abdominell und perineal) zur Verfügung stehen:

                     Rektopexie (ggf. minimal invasiver abdomineller Zugang)
                     Resektionsrektopexie (ggf. minimal invasiver abdomineller Zugang)
                     Resektion nach Rehn-Delorme (perinealer Zugang)
                     Operation nach Altemeier (perinealer Zugang)

Die einzelnen Verfahren konkurrieren, wobei es bislang keine Studie gibt, bei der die
unterschiedlichen Operationsverfahren prospektiv-randomisiert verglichen wurden. Die Association of Coloproctology of Great Britain and Ireland hat eine prospektiv-randomisierte Multizenterstudie initiiert, die die Überlegenheit der einen oder anderen Methode belegen soll.
Analkarzinom
Bösartige Tumore des Analrandes oder -kanals sind selten. Man unterscheidet folgende histologische Typen:
Plattenepithelcarcinom, kloakogenes Analcarcinom
Diese Erkrankung wird oft als Zufallsbefund bei der Inspektion des Anus entdeckt; Symptome wie Schmerzen, Fremdkörpergefühl sowie Veränderungen der Stuhlgewohnheiten bzw. Kontinenzstörungen sind Zeichen einer fortgeschrittenen Erkrankung.
Das Analcarcinom wächst lokal-infiltrativ, Metastasen (Tochtergeschwülste) bilden sich v. a. in den Leistenlymphknoten sowie entlang der Leistengefäße und der Hauptschlagader, seltener in Leber und Skelett.
Chirurgische Therapie:
Die Therapie bei sehr kleinen Tumoren besteht in einer Exzisionsbiopsie, bei weiter
fortgeschrittenen Befunden oder Rezidivtumoren ist die kombinierte Radiochemotherapie die Therapie der Wahl. Bei Fehlen von Leistenlymphknotenmetastasen liegt die 5-Jahresüberlebensrate bei ca. 80%.

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Rektumcarcinom

Als Rektumkarzinome werden Tumore bezeichnet, deren Unterrand bei der Messung mit dem starren Rektoskop 16 cm oder weniger von der Anokutanlinie entfernt ist.  Zusätzlich wichtig für die weitere chirurgische Therapieplanung ist es, ob sich ein Tumor im mittleren, oberen oder unteren Rektumdrittel befindet. Zur Operationsplanung ist neben der histologischen Befundsicherung mittels einer Biopsie die Durchführung einer Endosonografie, einer Computertomografie von Bauch und Becken erforderlich. Ergänzend sollte bei sehr tief sitzenden Tumoren eine Schließmuskeldruckmessung und ggf. eine Kernspinuntersuchung veranlasst werden.
Für die Therapieplanung ist die histologische Unterscheidung von sog. "low-grade" und "high-grade" Carcinomen wichtig. [als"high-grade" Carcinome werden schlecht differenzierte Adenocarcinome (G3), Siegelringzellcarcinome, kleinzellige und undifferenzierte Carcinome klassifiziert].
Eine kurative Therapie des Rektumcarcinoms erfolgt in der Regel durch Resektion des tumortragenden Enddarms im Gesunden zusammen mit einer En-bloc-Entfernung des regionären Lymphabstromgebietes. In streng ausgewählten Fällen ist eine kurative Behandlung auch durch lokale endoskopische oder lokale chirurgische Verfahren (transanale Abtragung, Vollwandexzision) möglich, wobei die Indikationsstellung von der Tumorhöhenlokalisation, - eindringtiefe (endosonografisch T1) und - differenzierung (nur "low-grade" Carcinome, G1) abhängig ist.

Operationsverfahren
Die folgenden Operationsverfahren kommen zum Einsatz:
. Anteriore Rektumresektion
. Ultratiefe Rektumresektion mit intersphinktärer Anastomose
. abdomino-perianale Rektumexstirpation
. transanale Abtragung (TEM)
. pseudokontinente perineale Koloplastie (modif. nach Fedorov)

Bei der Abwägung darüber, welches Therapieverfahren zum Einsatz kommt und insbesondere darüber, ob von transanal oder von abdominell operiert werden kann, und ob der Schließmuskelapparat geopfert werden muss oder erhalten werden kann, stehen sich einerseits die onkologische Radikalität in der Krebschirurgie und andererseits die Funktionalität und die Lebensqualität für den Patienten gegenüber.
Befindet sich das Karzinom im oberen oder mittleren Rektumdrittel, so ist eine problemlose Resektion unter Erhalt des Schließmuskelapparates möglich. Bei Tumoren im unteren Rektumdrittel ist die Wahl des Operationsverfahren von der Höhenlokalisation (präoperativer Ausschluss einer evtl. Schließmuskelinfiltration) Eindringtiefe des Tumors und dem histologischen Grading (bestimmt den Sicherheitsabstand) abhängig.

Die onkologische Radikalität zeichnet sich beispielsweise dadurch aus, dass sich mindestens 12 Lymphknoten im Resektat befinden, die Anzahl der R1-/R2-resezierten Fälle < 10% liegt, die Lokalrezidivrate bei pT1, pT2-Tumoren unter 5% liegt.
Die Prinzipien der onkologischen Radikalität beinhalten einen ausreichenden Sicherheitsabstand, eine onkologisch korrekt durchgeführte En bloc-Tumorresektion samt Lymphabflussgebiet (zentrale Gefäßligatur, totale mesorektale Exzision (TME), das Respektieren der "no-touch-isolation technique" und die Schonung des Plexus hypogastricus.

Die gute Funktionalität wird erzielt durch eine nervenschonende Präparation des Plexus hypogastricus, die in einer ungestörten Stuhlkontinenz, Blasenentleerung und ungestörten Potenz liegt.

Interdisziplinäre Therapiekonzepte
Ein interdisziplinäres Vorgehen, der Einsatz von neoadjuvanten oder adjuvanten (Radio-) Chemotherapiekonzepten ist abhängig vom Tumorstadium und sollte bei Tumoren mit organüberschreitendem Wachstum und Infiltration von Nachbarstrukturen sowie bei Tumoren mit Lymphknotenbefall erwogen werden. Die Zahl der sphinktererhaltenden Resektionen kann durch den Einsatz einer neoadjuvanten Radiochemotherapie erhöht werden. Neue Ergebnisse der "Dutch Colorectal Cancer Group" zur neoadjuvanten Radiochemotherapie sind vielversprechend, Daten zum Langzeiterfolg bzw. Erfahrungen bezüglich der Spättoxizität liegen derzeit noch nicht vor.
Zur Ausschöpfung aller Möglichkeiten für den Patienten/die Patientin besteht daher eine enge Kooperation mit der Abteilung für Hämatologie und Onkologie sowie zur Strahlentherapie des UKE.

Zur Früherkennung empfiehlt sich ab dem 40. Lebensjahr eine jährliche rektale Untersuchung und eine Stuhluntersuchung auf okkultes Blut (FOBT, Hämoccult Test).

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Inkontinenz
Die Behandlung der Stuhlinkontinenz erfordert eine umfassende anamnestische, funktionelle und morphologische Diagnostik, die wir Ihnen im Rahmen eines persönlichen Gespräches gerne erläutern.

Therapiekonzepte konservativer und operativer Verfahren

Am Anfang stehen bei morphologisch intaktem Schließmuskelapparat konservative Maßnahmen wie Beckenbodengymnastik, Biofeedbacktraining, etc. Ist der Sphinkterapparat verletzt, so stehen chirurgisch-rekonstruktive Maßnahmen im Vordergrund. In Einzelfällen kann eine Rekonstruktion des Sphinkterorgans entweder mit einem körpereigenen Muskel (z.B. Musculus gracilis) erfolgen oder seit neuerem eine künstliche Schließmuskel-Prothese "soft anal band" implantiert werden.
Als operative Sphinkterersatzverfahren bieten sich an:
- A.M.I.® soft anal band
- Dynamische Gracilisplastik

Nach Ausschöpfung aller konservativen Therapieoptionen der Stuhlinkontinenz stellt bei postoperativer Sphinkterschwäche nach analen oder rektalen Eingriffen, Kaudasyndrom nach Lendenwirbelfraktur, persistierender Sphinkterschwäche nach komplizierten vaginalen Entbindungen, Stuhlinkontinenz unklarer Genese oder neurogener Stuhlinkontinenz das "A.M.I.® soft anal band" derzeit eine neue und vielversprechende Therapieoption dar. Dieses Analband wird auch verwendet, um Patienten mit einem endständigen Stoma nach kompletter Entfernung des Enddarmes mitsamt des Schließmuskelapparates (Rektumextirpation) "kontinent" zu machen.

Sakrale Spinalnervstimulation (SNS)
Ist die Nervenversorgung des Sphinkterorgans alteriert, so kann eine Neurostimulation in der Behandlung der Stuhlinkontinenz erfolgreich sein.
Dies ist eine relativ neue Methode der operativen Behandlung bestimmter Formen der Stuhlinkontinenz bei der funktionelle Reserven des Kontinenzorgans durch Nervenstimulation aktiviert werden.
Die Therapie gliedert sich in drei Phasen. Zuerst wird durch eine akute percutane Teststimulation (PNE) der sakralen Spinalnerven S2-S4 die Muskelfunktion getestet. Dieser Eingriff wird in einer Kurznarkose durchgeführt. Zeigt sich eine gute Muskelfunktion, wird in der zweiten Phase eine temporäre percutane Stimulation durch flexible Elektroden und einen externen Schrittmacher über einige Tage durchgeführt. Kommt hierdurch eine ausreichende Kontinenz oder zumindest Verbesserung zustande, und ist der Patient/die Patientin mit der Art der Therapie zufrieden, werden zur permanenten sakralen Spinalnervstimulation dauerhaft flexible Elektroden und ein subcutanen Schrittmacher implantiert.

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Sigmadivertikulitis

(Diverticulum - Abweg, Schlupfwinkel; devertere - abwenden, abkehren von)

Die Sigmadivertikulitis ist eine ernährungsbedingte Wohlstandskrankheit - eine Volkskrankheit mit einer deutlichen Zunahme in der westlichen Zivilisation.
1815 definierte Fleischmann das sog. "Divertikel verum, das alle Wandschichten des Mutterorgans" betrifft; 1589 erwähnte Meckel das sog. "Divertikel spurium".
Prädisponierende Faktoren sind Alter, Geschlecht, Ausmaß der Divertikulose, Übergewicht, Ernährung (zu geringe Ballaststoffzufuhr, zu hohe Aufnahme von rotem Fleisch und Fett), physische Aktivität, Vorliegen anderer Krankheiten (z.B. Nierenleiden) sowie die Einnahme von bestimmten Medikamenten (Immunsuppressiva).
Die anatomische Grundlage für die Erkrankung stellt die Hernierung von Darmschleimhaut dar (Divertikelsack), wobei die Darmwandgefäße als Gleitscheinen fungieren und die Eintrittstelle der Gefäße in die tiefere Darmwand die Bruchpforten darstellen.
In 15-25% führt die Divertikulose zur Divertikulitis.
Man unterscheidet
 A unkomplizierte Divertikelkrankheit
  - mit Symptomen
  - ohne Symptome
 B komplizierte Divertikelkrankheit
  - Divertikelblutung
  - Divertikultis, Peridivertikultis
   - intraabdomineller Abszeß
   - Fistelbildung
   - Stenosen
   - Makroperforation, Peritonitis
Die Behandlungsstrategie beim ersten Schub ist eine intravenöse Antibiotikatherapie,  Nahrungskarenz sowie die Gabe von Analgetika. Bei einer Beschwerdepersistenz > 24-48 h wird die Operation empfohlen.
Die Behandlungsstrategie beim erneuten Schub (Rezidiv) ist die Operation. Die Operationstaktik umfasst eine Resektion des divertikeltragenden Darmabschnittes (laparoskopisch oder offen). Bei der unkomplizierten Divertikulitis kann eine minimal-invasive Resektion (laparoskopische Sigmaresektion) erfolgen. Bei der komplizierten Divertikulitis sollte eine offene Resektion durchgeführt werden, wobei eine primäre Anastomose (Darmneuverbindung) mit oder ohne temporärem künstlichen Darmausgang (vom intraoperativen Befund abhängig) oder Hartmann-OP (Blinverschluss des Enddarms und Anlage eines endständigen temporärem Darmausganges) in Frage kommen. Bei letzterem erfolgt nach entsprechender Rekonvaleszenz die Wiederherstellung der Darmkontinuität (sog. zweizeitige Rekonstruktion).

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Referenzen

Hosch SB, Scheunemann P, Luth M, Inndorf S, Stoecklein NH, Erbersdobler A, Rehders A, Gundlach M, Knoefel WT, Izbicki JR
Expression of 17-1A antigen and complement resistance factors CD55 and CD59 on
 liver metastasis in colorectal cancer.
J Gastrointest Surg 2001 Nov-Dec;5(6):673-9

Knoefel WT, Brunken C, Neumann E, Gundlach M, Rogiers X, Izbicki JR
Colorectal liver metastases: does the number of metastases determine of resection is oncologically indicated? Swiss Surg 2000;6(1):6-10

Martling A, Cedermark B, Johansson H, et al.
The surgeon as a prognostic factor after the introduction of total mesorectal excision in the treatment of rectal cancer. Br J Surg (England), Aug 2002, 89(8) p1008-13

Martling AL, Holm T, Rutqvist LE, et al. Effect of a surgical training programme on outcome of rectal cancer in the County of Stockholm. Stockholm Colorectal Cancer Study Group, Basingstoke Bowel Cancer Research Project. Lancet (England), Jul 8 2000, 356(9224)  93-6

Matzel KE, Merkel S, Hohenberger W. Chirurg 2003 Lokale Therapieprinzipien beim Rektumkarzinom.

Scheunemann P, Hosch SB, Kutup A, Izbicki JR Molecular markers in colorectal carcinoma Swiss Surg 2001;7(6): 243-7

 

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Glossar

Analmanometrie  Schließmuskeldruckmessung
Anoderm   Analhaut
Anus praeter  künstlicher Darmausgang zur Stuhlausleitung
Colon   Dickdarm
Coloskopie  Darmspiegelung
Defäkografie  Simulation einer Stuhlentleerung auf einem "gläsernen Thron"
Diarrhoe  Durchfall
Dysfunktion  Fehlfunktion
Endosonografie Ultraschalluntersuchung des Enddarmes/Analkanales
Enteritis  Darmentzündung
Hartmann-
Operation Dickdarmteilentfernung ohne Wiederherstellung der Darmkontinuität
Hereditär  erblich
Histologie   feingewebliche Untersuchung
Ileostoma  Ausleitung des Dünndarms
Kolostoma  Ausleitung des Dickdarms
Kongenital   angeboren
Lateral   seitlich
Laxantien   Abführmittel
Metastasierung Absiedlung von Tochtergeschwülsten
Miktion  Wasserlassen
MRT   Magnetresonanztomografie (=Kernspin)
Mukosa  Schleimhaut
Neurostimulation Nervenstimulation
Obstipation  Verstopfung
Perforation  Durchbruch
Peritonitis  Bauchfellentzündung
Perineum, Perineal  Raum zwischen After und Genitalien, vom Damm aus
Persistierend   anhaltend, andauernd
Posteriore  hintere
Proktodealdrüsen Epithelgänge; enden blind zwischen innerem u. äußerem Schließmuskel
Proktoskopie  Spiegelung des Analkanals
Prolaps  Vorfall
Radiotherapie Bestrahlung
Rektoskopie  Spiegelung des Enddarmes bis 16 cm
Sedierung  Betäubung
Soft anal band künstlicher Schließmuskel aus Silikon
Sphinkter  Schließmuskel
Sphinktero-
Myotomie  Schließmuskelschnitt
Stoma   künstlicher Darmausgang
Terminales Ileum Dünndarm-Dickdarm-Übergang
Ulcus   Geschwür

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Letzte Änderung: Dr. Oliver Mann, 26.12.2007