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15 Jahre UKE-FOKUS - Start mit 40 Teilnehmern

Die UKE-Zeitung, Juni 2004, Seite 10

Heute ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, in Sekundenschnelle mit Kollegen in aller Welt E-Mails auszutauschen, Literaturdatenbanken abzufragen oder mit Google das Web nach Informationen zu durchsuchen. Es fällt inzwischen schwer sich vorzustellen, wie man früher ohne diese Kommunikationsmittel allein mit Telefon und Brief auskommen konnte. Zwar wurde der Anfang der 80er Jahre möglich gewordene Einsatz von Fax-Geräten als großer Fortschritt empfunden, doch auch damit gestaltete sich die Kommunikation mit Kollegen in Übersee wie auch der zunehmend wichtiger werdende Austausch von Daten sehr schwierig.

Zu dieser Zeit pflegte unser Institut für Medizinische Informatik (damals noch Abteilung Informatik im Institut für Mathematik und Datenverarbeitung in der Medizin) eine intensive Zusammenarbeit mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) und verfügte deshalb über eine Standleitung zum dortigen Rechenzentrum. Dieses war seinerseits an das sogenannte BITNET, eines der ersten im Aufbau befindlichen weltweiten Computernetze, angeschlossen. Als wir von den neuen Möglichkeiten hörten, bemühten wir uns um einen Zugang. So gingen im Januar 1985 von unserer etwas kryptischen Benutzeradresse f58uke@dhhdesy3. bitnet die ersten "electronic mails" zur Stanford University und zurück. Auch wenn damals noch die eine oder andere Sendung verloren ging, waren wir Informatiker von den phantastischen Möglichkeiten begeistert und nutzten sie bald für unsere Forschung. Unser Werben für einen UKE-weiten Einsatz stieß aber zunächst bei den im UKE Verantwortlichen auf wenig Gegenliebe. Man betrachtete damals die neuen Möglichkeiten eher als eine Spielerei der Informatiker. Bald darauf stellte der von Hochschulen und Forschungseinrichtungen getragene Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes e.V. erste Software-Lösungen für elektronische Post auf der Basis des damals in Europa favorisierten X.400-Standards zur Verfügung. Wir entschlossen uns, in eigener Initiative einen Rechner für diesen Zweck zu installieren. Ein Netzzugang wurde über einen sogenannten Datex-P-Anschluss der Bundespost mit der damals beachtlichen Geschwindigkeit von 9600 bit/s realisiert.

Inzwischen fanden sich auch in einigen Kliniken und anderen Instituten Pioniere, die die neuen Funktionen nutzen wollten. Aber wie konnte man das System für die über das ganze Gelände verteilten Interessenten verfügbar machen? Die Lösung waren die damals aufkommenden Telefonmodems; am Teilnehmerende waren dann nur noch ein Terminal (wenig mehr als eine Tastatur und ein Bildschirm) und ein Akustikkoppler erforderlich, und schon konnten Nachrichten mit 300 bit/s verschickt und empfangen werden. Dies war für heutige Verhältnisse sehr langsam, auch Übertragungsfehler oder gar Verbindungsabbrüche kamen häufig vor. Die Nutzung von Telefonmodems hatte aber den beachtlichen Vorteil, dass die Funktionen auch von außerhalb des UKE-Geländes genutzt werden konnten.

Im Mai 1989 ging das System unter der Leitung von Dr. Andreas Pommert mit zunächst circa 40 Teilnehmern in den Routinebetrieb. Als Name wurde UKE-Forschungs- Kommunikations-System (UKE-FOKUS) gewählt, um den im Vergleich zu den in der Krankenversorgung eingesetzten Systemen experimentellen und offenen Charakter zu betonen. Als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland verfügte das UKE damit über einen regulären Zugang zu den weltweiten Forschungsnetzen.

Die nächsten Jahre waren durch ein explosionsartiges Wachstum der Teilnehmerzahlen wie auch durch einen raschen technischen Fortschritt gekennzeichnet. 1993 erfolgte die Umstellung auf Internet-basierte Standards, die sich bis dahin international durchgesetzt hatten. 1995 erschien die erste Webseite des UKE, zunächst noch auf einem Server im Regionalen Rechenzentrum. 1996 konnte dann ein eigener Webserver in Betrieb genommen werden. Sehr schnell konnten wir die Leiterin der Pressestelle, Dr. Marion Schafft, vom Potenzial des neuen Mediums Internet überzeugen. Sie wurde von da an zu einem Motor der inhaltlichen Weiterentwicklung. In Zusammenarbeit mit der Ärztlichen Zentralbibliothek wurde 1997, inzwischen unter der Verantwortung von Dipl.-Inform. Bernhard Pflesser, Medline als erste direkt im UKE verfügbare Literaturdatenbank installiert. Ebenfalls als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland erhielt das UKE im Jahre 1998 in Zusammenarbeit mit der Pressestelle und einer Grafikagentur einen Webauftritt mit einheitlichem Corporate Design und einheitlicher Navigation.

Daneben wurden die Ressourcen des Systems - zum Beispiel die Einwahlserver - trotz knapper finanzieller Mittel kontinuierlich ausgebaut. Über das vom Rechenzentrum realisierte Campusnetz mit einer Geschwindigkeit bis 155 Mbit/s ist UKE-FOKUS heute an das Internet angeschlossen. Der bislang letzte Schritt ist die vom Vorstand beschlossene und bald anstehende Einführung eines Content Management Systems, das den einzelnen Abteilungen eine zeitnahe und qualitätsgesicherte Pflege ihrer Webseiten ermöglichen soll. Konzeption und Auswahl eines geeigneten Systems wurden vom Institut für Medizinische Informatik im Rahmen des von Gerhard Mentges geleiteten Projektes wesentlich mitgestaltet. Seit dem Jahr 2000 läuft UKE-FOKUS in der Verantwortung von Dipl.-Ing. Udo Becker, der auch die Funktion des "Webmasters" innehat. Mit über 3500 Teilnehmern ist das System ein wesentlicher Bestandteil der Infrastruktur des UKE geworden. Im Mittel werden täglich über 300 000 elektronische Briefe durch UKE-FOKUS zugestellt. Der Webserver liefert pro Tag um die 200 000 Dokumente mit einem Gesamtvolumen von über zwei Gigabyte in alle Welt aus. Auch über die Einwahlserver werden noch einige zehntausend Sitzungen pro Monat abgewickelt.

Der Anwendungsbereich geht inzwischen weit über die reine Forschung hinaus und umfasst mit dem Webauftritt heute auch wesentliche Funktionen der Außendarstellung des UKE, zum Beispiel für die Krankenversorgung. Aus diesem Grund hat der Vorstand beschlossen, UKE-FOKUS aus Institut für Medizinische Informatik in die Verantwortung des neu gegründeten Bereichs IT zu überführen. Udo Becker wird das nun erwachsen gewordene System mit seinen neuen Kollegen sicher auch in Zukunft erfolgreich fortführen.

Prof. Dr. Karl Heinz Höhne

von 1978 bis 2003 Direktor des Instituts für Medizinische Informatik

Möchten Sie gerne einmal eine Zeitreise unternehmen? Im Internet Archive unter http://web.archive.org/web/*/www.uke.uni-hamburg.de sind alte Webseiten des UKE seit 1997 verfügbar.

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Letzte Änderung: Martin Dalladas, 09.06.2008