Zu den Inhalten springen

Hauptnavigation:

Kontakt | English | Sitemap

Heparin-induzierte Thrombotytopenie > Global- und Screening-Tests aus Vollblut

Global- und Screening-Tests aus Vollblut

Die meisten Gerinnungstests werden nach vorangegangener Zentrifugation aus Citratplasma, einige Thrombozytenfunktionstests aus plättchenreichem Plasma durchgeführt. Durch die Elimination von zellulären Bestandteilen erhält man einerseits eine bessere Reproduzierbarkeit der Testergebnisse, andrerseits geht der Einfluss der Blutzellen bzw. die Interaktion zwischen zellulären und plasmatischen Bestandteilen des Blutes bei der Gerinnung verloren. Daher sind aus Vollblut durchgeführte Gerinnungstest für die Beurteilung der gesamten Hämostasekapazität des Blutes weiterhin von Bedeutung.
 
Kenngröße

Thrombelastogramm (TEG)

Methode Graphische Darstellung der Scherelastizität des entstehenden Gerinnsels, die im Normalfall zu einer charakteristischen Stimmgabelform führt. Als patientennahe ('point of care'-) Methode Messung aus nicht antikoaguliertem Vollblut möglich; im Labor erfolgt üblicherweise eine Recalzifizierung von Citratblut. Wir verzichten auf eine Voraktivierung der Probe, z.B. mit Celite (kürzere Zeiten, aber verminderte Sensitivität).
Die Auswertung der TEG-Kurve ergibt 4 quantitative Parameter;
  • Reaktionszeit (r), in Minuten
  • Koagulationszeit (k), in Minuten
  • Maximale Amplitude (MA), in mm
  • Amplitude 60 Minuten nach Erreichen der Maximalamplitude (A60); Angabe in % der Maximalamplitude.

Probenmaterial

Citratblut (1:10)

Messbereich

r- und k-Zeit: 0,5 bis 180 Min. (intern festgelegte Messgrenze, die im Einzelfall auch überschritten werden kann); MA: 0 bis 86 mm; A60: 0 bis 100 %.

Referenzbereich

  • r-Zeit: 8,0 bis 14,0 Min.
  • k-Zeit: 3,5 bis 8,5 Min. 
  • MA:  45 bis 62 mm
  • A60: 70 bis 100%.

Referenzbereich bei Neugeborenen

Keine Daten verfügbar.

Störfaktoren

Alle Antikoagulantien, soweit nicht speziell deren Wirkung überprüft werden soll; extreme Hämatokritwerte, Leukämien und Niereninsuffizienz können zu dem sog. Abrissphänomen führen.

Hinweise zu Indikation und Beurteilung

Das TEG ist in erster Linie ein Globaltest der Gerinnung. Besonders geeignet ist das TEG
  • zum Nachweis einer ausgeprägteren Hyperfibrinolyse (sehr spezifisch, aber nur mäßig sensitiv).
  • bei Verdacht auf einen spezifischen Gerinnungsinhibitor, vor allem gegen Faktor VIII; auch zur Verlaufskontrolle und zur Überwachung einer Therapie mit FEIBA® und rFVIIa geeignet.
  • zur Beurteilung der Gesamtleistung der Gerinnung bei komplexer Gerinnungsstörung.
  • Beurteilung der Gerinnungssituation bei Hämophilen; weitere Differenzierung bei schwerer Hämophilie.
  • zur Feinsteuerung einer Therapie mit Heparin (auch niedermolekular) bei gleichzeitiger Blutungsgefährdung.
Das TEG erfasst die Interaktion der Thrombozyten und der plasmatischen Gerinnung (prokoagulatorische Aktivität der Thrombozyten, Gerinnselretraktion), nicht jedoch die primäre Hämostase. Wegen zu geringer Sensitivität und Spezifität bezüglich der Thrombozytenfunktion besitzt das TEG heute nur noch eine untergeordnete Bedeutung als Thrombozytenfunktionstest (z.B. zu Beurteilung der Retraktion bei der Thrombasthenie Glanzmann - die meisten Thrombozytopathien und auch das ASS haben keinen Einfluss auf das TEG!).
Allgemeine Interpretation der einzelnen TEG-Parameter: r-Zeit: Maß für die Vorphasen-Aktivierung; k-Zeit: Maß für die Kinetik der Thrombin- bzw. Fibrinbildung; MA: Maß für die Festigkeit des entstandenen Gerinnsels; A60: Maß für die Fibrinolyse (wenn kein Abriss des Gerinnsels vorliegt). Die vollständige Beurteilung eines TEG ergibt sich nicht nur aus den abgeleiteten qualitativen Parametern, sondern auch durch eine visuelle Beurteilung der gesamten TEG-Kurve; nur so läßt sich z.B. ein Abrissphänomen von einer Hyperfibrinolyse unterscheiden. Das TEG kann sowohl eine Hypo- als auch eine Hyperkoagulabilität anzeigen. Die vollständige Beurteilung eines TEG im Labor erfordert die Kenntnis des Gerinnungsstatus und der Thrombozytenzahl; die alleinige Anforderung eines TEG außerhalb eines Point-of- care-Einsatzes ist wenig sinnvoll.

Probenannahme

Werktags 8:00 bis 15:00.

Resultatmitteilung

Am gleichen Tag.

Personal- und Sachmittelaufwand

++/++

 

Kenngröße

Screening der primären Hämostase mit dem PFA 100 (PFA)
"In-vitro-Blutungszeit"

Methode

In-vitro-Simulation einer kapillären Blutstillung durch die Thrombozyten. Antikoaguliertes Blut fließt über eine Kapillare durch eine kleine Öffnung in einer Membran, die mit aktivierenden Substanzen beschichtet ist. Durch die Adhäsion und Aggregation der Thrombozyten kommt es zum Verschluss dieser Öffnung (eine Fibrinbildung findet dabei nicht statt). Die Zeit bis zum Stillstand des Blutflusses wir als Verschlusszeit in Sekunden gemessen. Durch die Beschichtung der Membranen mit 2 unterschiedlichen Substanzmischungen existiert der Test in 2 Varianten:

  • Verschlusszeit mit Collagen/Epinephrin (VZ Coll/Epi).
  • Verschlusszeit mit Collagen/ADP (VZ Coll/ADP).

Probenmaterial

Blut in Spezialröhrchen (PFA-Röhrchen); enthalten gepuffertes Citratblut mit einem höheren Citratanteil (120 mmol; 1:10).
Nicht mit der Rohrpost schicken!

Messbereich

40 bis 300 Sekunden (beide Messvarianten).

Referenzbereich

mit Collagen/Epinephrin: 85 bis 165 Sek.; Collagen/ADP: 71 bis 118 Sekunden.

Referenzbereich bei Neugeborenen

Keine Daten verfügbar.

Störfaktoren

Thrombozytopenie, Hämatokrit < 30%. Bei Thrombozyten von 50 - 100 Mrd/l bedingt auswertbar, unter 50 Mrd/l nicht mehr verwertbar.
Bei Thrombozytopenie, niedrigem Hämatokrit, aber auch bei Abnahmefehlern und bei einer sehr starken Störung oder medikamentösen Hemmung der Thrombozytenfunktion können sog. Durchflussfehler auftreten, bei denen die vorhandene Blutmenge sehr schnell durchgeflossen ist, bevor die maximale Messzeit von 300 Sekunden erreicht ist. Ein solches Ergebnis ist wie "> 300 Sekunden" zu werten.
Die Anwesenheit von Thrombozytenaggregaten kann zu falsch niedrigen Werten oder zu einem vorzeitigen Abbruch der Messung führen.

Hinweise zu Indikation und Beurteilung

Die PFA-Tests sind eine Screening-Methode zur Erfassung einer Störung der primären Hämostase (von Willebrand-Syndrom und Thrombozytopathien; die Funktion der Gefäße bei der Blutstillung wird naturgemäß nicht miterfasst). Pathologisch sind verlängerte Verschlusszeiten; die Bedeutung verkürzter Zeiten ist noch nicht genügend untersucht (Thromboseneigung?). Die Methode hat eine Sensitivität von ca. 95% und eine Spezifität von ca. 88%. Werte um die oberen Grenzwerte sind als Graubereich anzusehen, die keine eindeutige Zuordnung erlauben. Der bei der Messung auf die Thrombozyten einwirkende Scherstress bewirkt eine hohe Empfindlichkeit gegenüber einem von Willebrand-Syndrom, vor allem vom Typ 2; milde Formen eines vWS vom Typ 1 ergeben jedoch nicht immer verlängerte Verschlusszeiten. Da der von Willebrand-Faktor wie ein Akutphasenprotein reagiert, sind oft relativ große intraindividuelle Schwankungen zu beobachten. Auch eine ASS-Wirkung ist gut nachweisbar; typisch, aber nicht absolut spezifisch ist eine Verlängerung der VZ Coll/Epi bei normaler VZ Coll/ADP. Die Wirkung von Thienopyridinen (Clopidogrel u.a.) sowie einige Thrombozytopathien werden von diesen Tests jedoch nicht zuverlässig erfasst. Die VZ Coll/Epi ist allgemein empfindlicher als die VZ Coll/ADP; da jedoch in Einzelfällen auch eine isolierte Verlängerung der VZ Coll/ADP vorkommen kann, empfehlen wir, immer beide Parameter zu testen. Nach eigenen Erfahrungen haben sich die PFA-Tests in erster Linie als Ergänzung zur von Willebrand-Diagnostik und zu spezifischeren Thrombozytenfunktionstests bewährt; bei der Anwendung als reine Screening-Tests müssen ihre eingeschränkte Sensitivität und Spezifität berücksichtigt werden. Die Befundinterpretation erfordert die Kenntnis der Thrombozytenzahl und des Hämatokrits.

Probenannahme

Werktags 8:00 bis 15:00; außerhalb der regulären Dienstzeit des Spezialabors nach vorheriger ärztlicher Rücksprache.

Resultatmitteilung

Am gleichen Tag.

Personal- und Sachmittelaufwand

+/++

* UKE-intern: PFA®-Röhrchen können in kleinen Mengen an der Annahme des Zentrallabors abgeholt werden. Bei größerem Bedarf bitte selbst bestellen. 

Seitenanfang    Seite drucken


© Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Impressum
Letzte Änderung: Dr. Thomas Streichert, 17.09.2009