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Hyper-IgM-Syndrom 1 (X-chromosomal)

Das klinische Bild

Das Hyper-IgM-Syndrom Typ 1 (HIGM1) ist ein genetisch bedingter Immundefekt, der durch stark erniedrigte IgG- und IgA-Spiegel (Hypogammaglobulinämie) bei den Betroffenen charakterisiert ist, wobei die IgM-Serumkonzentration entweder im Normbereich liegt oder erhöht sein kann. Das HIGM1 wird X-chromosomal vererbt. Es sind fast ausschließlich männliche Patienten betroffen, heterozygote Anlageträgerinnen sind in der Regel asymptomatisch.

Die Krankheit tritt mit einer Häufigkeit von ungefähr 1: 500 000 auf, die Penetranz ist bei den betroffenen Jungen vollständig. Aufgrund einer gestörten B- und T-Zellfunktion entwickeln mehr als 50% der Betroffenen Symptome innerhalb des ersten Lebensjahres. Bis zum Alter von 4 Jahren ist eine erhöhte Infektanfälligkeit bei fast allen Anlageträgern zu erkennen. Bei den wiederkehrenden bakteriell bedingten Infekten handelt es sich hauptsächlich um Pneumonien (in 40 % der Fälle hervorgerufen durch Pneumocystis jerovec), Infektionen des HNO-Trakts und Mittelohrentzündungen. Chronische Durchfälle (u.a. bedingt durch Infektionen mit Cryptosporidium parvum) kommen bei ca. einem Drittel der Patienten mit dem HIGM1 vor. Bei der Mehrzahl der Patienten werden auch hämatologische Auffälligkeiten (Neutropenie, Anämie, Thrombozytopenie) beobachtet. Infektionen des ZNS, Erkrankungen der Leber (80% der über 20-Jährigen) und Karzinome des GI-Trakts stellen weitere Komplikationen bei den Betroffenen dar, so dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Patienten, bei denen keine erfolgreiche allogene Knochenmarkstransplantation durchgeführt werden konnte, nur 25 Jahre beträgt.

Genetik

Mutationen des CD40LG-Gens (Xq26.3) können bei hemizygoten Individuen zum HIGM1 führen. Das Gen kodiert für den CD40-Ligand, ein Transmembran-Protein der T-Zellen. Bisher sind in den fünf Exons mehr als 120 verschiedene Mutationen identifiziert worden, wobei Mutationen im Exon 5 besonders häufig sind. Bei etwa der Hälfte der Patienten mit HIGM1 werden Missense- oder Nonsense-Mutationen nachgewiesen. Weitere Krankheitsallele stellen sowohl kleine als auch große Deletionen und Insertionen sowie Splice-Mutationen dar.

Diagnostik

Für die durch unser Labor angebotene molekulargenetische Diagnostik werden 3-5 ml EDTA-Blut benötigt. Unsere Untersuchung beinhaltet eine Mutationsanalyse der Kodierregion des CD40LG-Gens mittels SSCP-Analyse und/oder direkter Sequenzierung.

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Letzte Änderung: Odonell Roscher, 01.09.2009