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Forschungsgebäude, Symbolbild, Akkreditierungslogo

L1CAM-Spektrum-Erkrankungen

Das klinische Bild

Bei den L1CAM-Spektrum-Erkrankungen handelt es sich um eine Gruppe X-chromosomal rezessiv vererbter Krankheiten. Daher sind fast ausschließlich männliche Personen betroffen während Konduktorinnen in der Regel klinisch unauffällig sind. Die inter- und intrafamiliäre phänotypische Variabilität des L1CAM-Syndroms ist sehr ausgeprägt, so werden klinisch folgende Krankheitsbilder unterschieden:

  1. X-chromosomaler Hydrocephalus mit Aquäduktstenose (OMIM #307000)
    Oft wird bereits pränatal ein schwerer HC mit Aquäduktstenose diagnostiziert. Die Patienten können zudem adduzierte Daumen, Spastik und eine schwere mentale Retardierung aufweisen. Schwerst betroffene Kinder versterben in utero oder perinatal. Man schätzt, dass das Vorliegen eines congenitalen HC in ca. 2% der Fälle auf eine Mutation des X-chromosomalen Gens L1CAM zurückzuführen ist.
  2. MASA-Syndrom (auch: Spastische Paraplegie Typ 1; OMIM #303350)
    Das Akronym "MASA" fasst die klinischen Hauptmerkmale mentale Retardierung, Aphasie, spastische Paraplegie und adduzierten Daumen zusammen. Die Erkrankung wird auch als Spastische Paraplegie Typ 1 (SPG1) bezeichnet. Neben einer Spastik der unteren Gliedmaßen zeigen die Patienten häufig eine Hyperreflexie, eine Sprachentwicklungsverzögerung und eine milde bis moderate mentale Retardierung. Die MRT-Untersuchung ergibt in der Regel keinen auffälligen Befund des Schädels.
  3. X-chromosomale Agenesie des Corpus callosums (OMIM #304100)
    Bei den Betroffenen liegt eine Dysplasie, Hypoplasie oder Aplasie des Corpus callosums vor. Desweiteren zeigen die Patienten eine spastische Paraplegie unterschiedlichen Ausmaßes und eine milde bis moderate mentale Retardierung.
Genetik

Mutationen des L1CAM-Gens (Xq28) sind mit den o.a. Krankheitsbildern assoziiert. Das Gen besteht aus 28 codierenden Exons. Bei den Betroffenen wurden Missense-, Nonsense-, Splicesite- und Frameshift-Mutationen, die im gesamten kodierenden Bereich des Gens lokalisiert sein können, nachgewiesen. Abhängig von der Lage und vom Typ der Mutation konnte bereits eine gewisse Genotyp-Phänotyp-Korrelation aufgezeigt werden. So führen Missense-Mutationen zu einem eher milden Phänotyp während Mutationen, die ein trunkiertes oder ein fehlendes Protein zur Folge haben, mit einem eher schweren Krankheitsphänotyp assoziiert sind.

Diagnostik

Für die durch unser Labor angebotene molekulargenetische Diagnostik werden 3-5 ml EDTA-Blut benötigt. Unsere Untersuchung beinhaltet eine Mutationsanalyse der kodierenden Exons des L1CAM-Gens mittels SSCP-Analyse bzw. direkter Sequenzierung.

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Letzte Änderung: Odonell Roscher, 01.09.2009