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Norrie-Syndrom

Das klinische Bild

Bei Patienten mit dem Norrie-Syndrom, einer seltenen, X-chromosomal vererbten Erkrankung, werden meist unmittelbar nach der Geburt schwere okuläre Fehlbildungen in Form einer Dysplasie des Glaskörpers und der Retina diagnostiziert. Aufgrund von Störungen der retinalen Gefäßentwicklung kommt es bei den männlichen Neugeborenen zur Bildung einer zumeist bilateral vorliegenden Retinahyperplasie: es entsteht eine Leukokorie, da sich retrolental ein fibrovaskuläres, weiß-gelbliches Gewebe von unreifer Retina ("Pseudogliom") ansammelt. Die Krankheit schreitet bis zu einer Phthisis und zur vollständigen Erblindung fort. Da die ophthalmologischen Befunde der betroffenen Individuen denen der Frühgeborenen-Retinopathie insgesamt sehr ähnlich sind, ist hierzu eine Abgrenzung erforderlich. Differenzialdiagnostische Hinweise stellen die fehlende Frühgeburtlichkeit, normale Reife und fehlende Sauerstoffgaben bei Patienten mit Norrie-Syndrom dar.

Das Norrie-Syndrom ist durch eine inter- und intrafamiliäre phänotypische Variabilität charakterisiert. So weisen ca. 50% der Patienten neben den ophthalmologischen Auffälligkeiten zusätzlich eine Entwicklungsverzögerung oder eine mentale Retardierung auf. Innerhalb der zweiten Lebensdekade entwickeln manche Patienten zudem eine Innenohrschwerhörigkeit.

Genetik

Das Norrie-Syndrom wird X-chromosomal vererbt. Es sind fast ausschließlich männliche Individuen betroffen, die Penetranz ist vollständig. Heterozygote Überträgerinnen zeigen nur ganz selten milde ophthalmologische Symptome.

Für das Norrie-Syndrom sind Mutationen des NDP-Gens (Xp11.4), welche auch zur allelischen Erkrankung (Familiäre) exsudative Vitreoretinopathie (FEVR oder EVR) führen können, ursächlich. NDP kodiert für das Norrie disease protein (NDP; Norrin), ein sezerniertes Protein, das durch Bindung an den Rezeptor Frizzled-4 über die Wnt-Signalkaskade die Gefäßentwicklung in Auge und Ohr steuert.

Sequenzveränderungen wie Missense-, Nonsense- und Splice-Mutationen, intragenische Deletionen und Insertionen stellen ca. 85% der Krankheitsallele dar, während größere (aber noch immer submikroskopische) Deletionen ca. 10-15% der Krankheitsallele bilden.

Diagnostik

Die durch unser Labor angebotene Untersuchung beinhaltet eine Mutationsanalyse des NDP-Gens mittels direkter Sequenzierung. Es werden 3-5 ml EDTA-Blut benötigt.

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Letzte Änderung: Odonell Roscher, 07.04.2009