| Home > Zentren > Zentrum für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin > Institut für Humangenetik > Molekulargenetik > Krankheitsgene > EVR

Bei der (familiären) exsudativen Vitreoretinopathie (FEVR oder EVR) handelt es sich um eine seltene Erkrankung, die durch einen vorzeitigen Stillstand der retinalen Angiogenese bzw. der retinalen Gefäßdifferenzierung gekennzeichnet ist. Die Folge ist eine unvollständige Vaskularisierung der peripheren Netzhaut, man spricht auch von einer peripheren avaskulären Zone in der Retina. Die klinische Ausprägung (Expressivität) bei Patienten mit EVR ist sowohl intra- als auch interfamiliär sehr variabel. Zum einen kann die avaskuläre Netzhaut die einzige retinale Auffälligkeit darstellen. Zum anderen können massive intra- und subretinale Exsudatablagerungen sowie Glaskörpertraktionen bei vitreoretinaler Adhärenz und Makulaektopie entstehen. Beim schweren Verlauf entstehen traktionsbedingte Netzhautablösungen (Ablatio). Letztendlich können chronische Ablatio und Glaskörperblutung zur Erblindung des betroffenen Auges führen. Obgleich die EVR durch einen langsamen, aber progressiven Verlauf charakterisiert ist, schreitet der Krankheitsprozess nicht bei allen Patienten zu einem schweren Stadium voran. Da die ophthalmologischen Befunde der betroffenen Personen denen der Frühgeborenen-Retinopathie insgesamt sehr ähnlich sind, ist hierzu eine Abgrenzung erforderlich. Differenzialdiagnostische Hinweise stellen die fehlende Frühgeburtlichkeit, normale Reife und fehlende Sauerstoffgaben bei Patienten mit EVR dar. Auch sind familiäres Auftreten und Fortschreiten der avaskulären Bereiche zu exsudativen, fibrovaskulären Läsionen einzigartig für die EVR.
Genetik
Die EVR ist genetisch heterogen, wobei autosomal-rezessive, X-chromosomale und autosomal-dominante Erbgänge beschrieben sind. Mutationen des FZD4-Gens (11q13-q23), das für den Wnt-Rezeptor Frizzled-4 kodiert, sind mit einer autosomal-dominant vererbten Form der EVR (EVR1) assoziiert. Man geht davon aus, dass die Penetranz nahezu 100% beträgt. Ferner wurden Mutationen des LRP5-Gens (11q13.2), das ebenfalls für einen Wnt-Rezeptor kodiert, bei Patienten mit einer autosomal-dominant vererbter EVR (EVR4) identifiziert. Mutationen des NDP-Gens (Xp11.3) sind für die X-chromosomal vererbte EVR (EVR2, XL-FEVR), eine allelische Form der Norrie-Erkrankung, die typischerweise bei männlichen Individuen beobachtet wird, ursächlich. Bei Norrin, dem Genprodukt des NDP-Gens, handelt es sich um einen Liganden von Frizzled-4, so dass bei den verschiedenen Formen der EVR auf der molekularen Ebene trotz der ausgeprägten Lokusheterogenität ein gemeinsamer Pathomechanismus zugrunde liegt.
Diagnostik
Die durch unser Labor angebotene Untersuchung beinhaltet eine Mutationsanalyse des FZD4-Gens mittels SSCP-Analyse bzw. direkter Sequenzierung. Sofern keine Mutation nachgewiesen wird, erfolgt bei uns ggfs. eine Mutationsanalyse des NDP-Gens. Für die o.g. molekulargenetische Diagnostik werden 3-5 ml EDTA-Blut benötigt.