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Die Pelizaeus-Merzbacher-Erkrankung (engl.: Pelizaeus-Merzbacher disease, Abkürzung PMD; OMIM #312080), eine seltene Form der erblichen Leukodystrophien, ist eine degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Die Symptome, zu denen Nystagmus, Ataxie, spastische Tetraparese sowie eine psycho-motorische Retardierung gehören, werden durch einen Myelinisierungsdefekt (Bemarkungsstörung) im ZNS hervorgerufen. Der X-chromosomal vererbten Form der PMD liegen Mutationen im Gen für das Proteolipid-Protein 1 (PLP1), ein wesentlicher Bestandteil des Myelins im ZNS, zugrunde. Die PMD tritt mit einer Häufigkeit von ca. 1:100.000 auf und ist sowohl durch phänotypische als auch durch genetische Variabilität charakterisiert. In Abhängigkeit vom Manifestationsalter werden drei klinische Formen dieser Erkrankung unterschieden:
Die klassische Form beginnt im Kleinkindesalter und ist mit einer spastischen Tetraparese sowie einer Beeinträchtigung und einem fortschreitenden Verlust erlernter kognitiver Fähigkeiten assoziiert. Sie führt bei den Betroffenen in der Regel in der 3. bis 7. Lebensdekade zum Tod.
Patienten mit der konnatalen (angeborenen) Form der PMD weisen bereits kurz nach der Geburt Symptome der PMD auf. Der Verlauf der Erkrankung ist schwerer als bei der klassischen Form und führt typischerweise im Kleinkindesalter zum Tod.
Die transitionale Form ist eine Zwischenform aus der klassischen und der konnatalen Form. Die Lebenserwartung der Patienten ist daher in der Regel höher als bei der konnatalen Form.
GenetikDie PMD wird X-chromosomal vererbt, es zeigen fast ausschließlich männliche Individuen schwerwiegende Symptome. Gelegentlich werden auch heterozygote Anlageträgerinnen mit milden neurologischen Symptomen beobachtet. Mutationen im PLP1-Gen (Xq22) können zu verschiedenen Formen der PMD, aber auch zur allelischen Erkrankung Spastische Paraplegie 2 (SPG2, OMIM #312920), führen. Bisher sind mehr als 100 verschiedene Mutationen im PLP1-Gen identifiziert worden: So werden bei ca. 20-50% der Patienten mit PMD Missense- oder Nonsense-Mutationen, kleine Insertionen oder Deletionen in der Kodierregion von PLP1 identifiziert. Ein wesentlicher Anteil der Patienten (ca. 20-50%) zeigt jedoch eine das PLP1-Gen umfassende intrachromosomale Duplikation in Xq22, deren Größe in Abhängigkeit der jeweiligen Bruchpunkte zwischen 0,5 - 1,5 Mb variiert.
DiagnostikFür die durch unser Labor angebotene molekulargenetische Diagnostik werden 3-5 ml EDTA-Blut benötigt. Unsere Untersuchung beinhaltet eine Mutationsanalyse des PLP1-Gens mittels SSCP-Analyse bzw. direkter Sequenzierung sowie den Nachweis bzw. Ausschluß der häufigen Duplikation mittels quantitativer Real-Time-PCR.