Zu den Inhalten springen

Hauptnavigation:

Kontakt | English | Sitemap

| Home > Zentren > Zentrum für Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin > Institut für Humangenetik > Molekulargenetik > Krankheitsgene > MLS

Forschungsgebäude, Symbolbild, Akkreditierungslogo

Microphthalmia with linear skin defects (MLS oder MIDAS) -Syndrom

Das klinische Bild

Beim MLS- ("microphthalmia with linear skin defects") oder auch MIDAS-Syndrom (Mikrophthalmie, dermale Aplasie und Sklerokornea; OMIM #309801) handelt es sich um eine seltene neurokutane Entwicklungsstörung, die durch eine Symptomtrias aus uni- bzw. bilateraler Mikrophthalmie, Sklerokornea und linearen erythematösen Hautde­fekten im Gesichts- und Halsbereich gekennzeichnet ist. Das MLS-Syndrom weist eine hohe phänotypische Variabilität auf, so dass auch isolierte okuläre Fehlbildungen bzw. Hautaplasien vorliegen können. Zusätzlich zum klassischen Phänotyp werden bei den Patienten verschiedene fakultative klinische Merkmale wie Balkenagenesie, Ventriculomegalie, Mikrozephalie, mentale Retardierung, epileptische Anfälle, Analfehlbildungen und Herzfehler beobachtet.

Genetik

Das MLS-Syndrom wird X-chromosomal vererbt und ist in der Regel für männliche Feten in utero letal. Die Mehrzahl der Patientinnen weist ein zytogenetisch nachweisbares chromosomales Rearrangement auf. Hierbei handelt es sich meistens um eine terminale Deletion des p-Arms eines der beiden X-Chromosomen, wobei der Bruchpunkt in Xp22.2 liegt. Kürzlich wurden heterozygot vorliegende Mutationen im HCCS-Gen (Xp22.2), die den Funktionsverlust des HCCS-Proteins zur Folge haben, als mit dem MLS-Syndrom assoziiert beschrieben. HCCS kodiert für die mitochondriale Holocytochrom c-Typ-Synthase, die für die Biosynthese der reifen Form des Cytochrom c essentiell ist.

Diagnostik

Zur initialen Abklärung einer terminalen Xp-Deletion werden 5 ml Heparin-Blut für eine zytogenetische und/oder molekularzytogenetische Diagnostik benötigt. Ergab eine Chromosomenanalyse bereits einen offensichtlich unauffälligen Karyotyp, sind für eine molekulargenetische Diagnostik 3-5 ml EDTA-Blut erforderlich. Sofern es sich um eine Diagnostik bei Neugeborenen handelt, kann auch weniger Blut eingesandt werden. Da bei allen bislang beschriebenen Patientinnen mit MLS ein verschobenes X-Inaktivierungsmuster in Blutzellen nachgewiesen wurde, wird zunächst eine Analyse der X-Inaktivierung durchgeführt. Liegt bei einer Patientin eine Verschiebung des X-Inaktivierungsmusters vor, erfolgt eine HCCS-Mutationsanalyse bzw. eine molekularzytogenetische Untersuchung zur Detektion einer das HCCS-Gen umfassenden Mikrodeletion. Eine Analyse der Kopienzahl des HCCS-Gens mit Hilfe der quantitativen PCR kann ebenfalls angeboten werden.

Phänotypische Überschneidungen bestehen sowohl mit der fokalen dermalen Hypoplasie (Goltz-Gorlin-Syndrom; OMIM #305600) als auch mit dem Aicardi-Syndrom (OMIM #304050). Bei einem HCCS-mutationsnegativen Befund können daher Fotos des Gesichts der Patientin sowie eine Zusammenfassung des klinischen Bildes bei der Planung einer weiterführenden molekulargenetischen Diagnostik hilfreich sein.

Seitenanfang    Seite drucken


© Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Impressum
Letzte Änderung: Odonell Roscher, 02.06.2008