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Das klinische Bild
Die Adrenoleukodystrophie (ALD; OMIM #300100) ist eine erbliche Stoffwechselerkrankung, bei der es durch eine gestörte peroxisomale ß-Oxidation zu einer pathologischen Anhäufung von überlangkettigen Fettsäuren (=very long chain fatty acids, VLCFA) zum Beispiel im Plasma, Nervensystem und in der Nebennierenrinde kommt. Diese Fettsäuren-Ansammlung führt unter anderem zu einer Zerstörung der die Nerven umgebenden Myelinscheide, was neurologische Probleme hervorruft. Die ALD kann in verschiedenen Formen auftreten:
Die schwere kindliche Form der ALD manifestiert sich zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr. Im Rahmen eines rasch fortschreitenden Prozesses im Gehirn kommt es zur Blindheit, Taubheit und Störung der Koordination, Gehbehinderung und zu verschiedenen Veränderungen von Verhalten und Persönlichkeit. Die Erkrankung nimmt einen progredient tödlichen Verlauf.
Eine weniger schwere Form der ALD ist die Adrenomyeloneuropathie (AMN), die in der Regel erst im 3. Lebensjahrzehnt auftritt und die häufigste Form der ALD darstellt. Die klinischen Symptome umfassen eine Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison), progressive Paraparese, Harn-und Stuhlinkontinenz, Impotenz sowie kognitive Defekte, emotionale Störungen und Depression. Die Erkrankung kann einen chronisch-progredienten Verlauf nehmen.
Da die ALD einem X-chromosomalen Erbgang folgt, bilden insbesondere betroffene Männer ein ausgeprägtes Krankheitsbild aus. Ca. 20% der Konduktorinnen der ALD/AMN sind klinisch betroffen und weisen neurologische Symptome auf, die denen der AMN ähneln. Für die ALD/AMN existiert zur Zeit keine definitive Behandlungsmethode; experimentelle Studien werden mit der Lorenzos-Öl-Diät und mit Knochenmarktransplantation durchgeführt. Außerdem werden Therapieansätze mit Lovastatin und 4-Phenylbutyrat untersucht.
Genetik
Die Adrenoleukodystrophie wird X-chromosomal vererbt und durch Mutationen im ABCD1-Gen verursacht. Dieses Gen liegt auf dem distalen langen Arm des X-Chromosoms (Xq28) und kodiert ein Polypeptid, welches in der Membran der Peroxisomen lokalisiert ist und für den Abbau der Fettsäuren benötigt wird.
Diagnostik
Labordiagnostisch kann bei betroffenen Männern eine Erhöhung der überlangkettigen Fettsäuren im Serum festgestellt werden. Auch bei Anlageträgerinnen lassen sich in 85% erhöhte VLCFA-Spiegel nachweisen. Für eine molekulargenetische Diagnostik werden 3-5 ml EDTA-Blut benötigt.