Schifffahrtsmedizin

Die Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin wird von Herrn Dr. Oldenburg als Arbeitsmediziner und Allergologen geleitet. Die wesentlichen Aufgaben dieser Arbeitsgruppe umfassen:
die Durchführung und Organisation der Medical Training Refresher Course: Herr Dr. Oldenburg, Herr Dipl.-Ing. Sevenich und Frau Ruppert (vertretungsweise Herr Hillmer)
die Durchführung von Forschungsprojekten: Herr Dr. Oldenburg in Zusammenarbeit mit den Arbeitsgruppen des ZfAM
die Pflege unserer Präsenzdokumentation für schifffahrtsmedizinische Literatur: Frau Fischer.
Nach der Cholera-Epidemie von 1892 wurde in Hamburg erstmals ein Hafenarzt, Bernhard Nocht, eingestellt. Die Abteilung Schifffahrtsmedizin entstand 1966 als Teil des Bernhard-Nocht-Institutes. 1990 wurde sie an das Zentralinstitut für Arbeitsmedizin angegliedert. 1996 entstand aus der Schifffahrtsmedizin und dem Hafen- und Flughafenärztlichen Dienst das Hamburg Port Health Center (HPHC), welches im Jahre 2000 erneut mit dem Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM) verbunden wurde.
Seit 1974 finden die einwöchigen Medizinischen Wiederholungslehrgänge in dem traditionsreichen alten Hafenkrankenhaus statt.
Unter Leitung der Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin findet sechs- bis zehnmal pro Jahr ein jeweils einwöchiger medizinischer Wiederholungslehrgang für Schiffsoffiziere (Medical Training Refresher Course, Medical Care Training) statt. Bei Bedarf werden weitere Lehrgänge und auch zweitägige Kurse angeboten.
Unsere Medizinischen Wiederholungslehrgänge sind vom Bundesverkehrsministerium anerkannt.
Der Arbeitskreis der Küstenländer für Schiffshygiene (AkKü) hat die Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin des Hamburg Port Health Centers mit der Definition und Festlegung von Ausbildungsinhalten und Minimalvoraussetzungen eines medizinischen Auffrischungslehrganges für Schiffsoffiziere beauftragt.
In der Neufassung der Krankenfürsorgeverordnung, an dem die Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin mitgewirkt hat, ist festgelegt, dass alle Kauffahrteischiffe (nach Verzeichnis A) mit einer fünfjährigen Übergangsfrist einen halbautomatischen Defibrillator (Herzstromstoßgerät) an Bord mitführen müssen. Die ersten Reedereien haben diese Geräte bereits angeschafft, um die Notfallbehandlung beim Herz-Kreislaufstillstand auf hoher See auf ihren Schiffen zu optimieren. Angesichts des bestehenden Informations- und Ausbildungsbedarfes in der Laiendefibrillation wurden entsprechende Lehrinhalte bereits in das Unterrichtsprogramm unseres schifffahrtsmedizinischen Ausbildungszentrums integriert. So kann den Schiffsoffizieren als Anwendern dieser Geräte frühzeitig ein Basisverständnis zu diesem Thema vermittelt werden. Die Erfahrungswerte der Kursteilnehmer beim Umgang mit verschiedenen Defibrillatoren wurden wissenschaftlich ausgewertet und werden in eine Eignungsempfehlung der diversen Halbautomaten für die Reeder einfließen. Ferner haben die Reeder die Gelegenheit, sich mit Hilfe des Flyers "Defibrillator an Bord" über die rechtlichen Anforderungen im Umgang mit Defibrillatoren zu informieren.
Download des Faltblattes "Defibrillator an Bord" Deutsch
Das Hamburg Port Health Center hat im Jahr 2007 in einem Arbeitsgruppen übergreifenden Projekt die medizinische Ausstattung von 307 Kauffahrteischiffen erfasst und die tatsächliche Ausrüstung der Bordapotheke mit Schmerzmitteln mit den internationalen Empfehlungen und Vorschriften verglichen. Hierbei zeigte sich, dass etwa 70% aller untersuchten Bordapotheken nicht ausreichend mit starken Schmerzmitteln ausgestattet waren. Bei Erkrankungen oder Unfällen an Bord, die mit starken Schmerzen einher gehen, ist in diesen Fällen eine fachgerechte Versorgung des Patienten nicht möglich.
Um für die Notwendigkeit des weltweit als Standard akzeptierten Schmerzmittels Morphium Verständnis zu schaffen, hat das Hamburg Port Health Center ein Aufklärungsfaltblatt entwickelt. In diesem Faltblatt finden Sie Informationen zu der oben erwähnten Untersuchung, Erklärungen zum Umgang mit dem Wirkstoff Morphin, sowie Hinweise zum rechtlichen Hintergrund. Desweiteren gibt Ihnen das Faltblatt Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema. Sie können die gedruckte Form des Faltblattes bei uns anfordern oder nutzen die nachfolgenden Download-Links.
Download des Faltblattes "Morphin an Bord?" Deutsch Englisch
Die Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin ist neben vielen anderen Aufgaben in Zusammenarbeit mit dem Hafen- und Flughafenärztlichen Dienst und dem Arbeitskreis der Küstenländer für Schiffshygiene in der Bearbeitung von Grundsatzfragen zur Trinkwasserhygiene an Bord von Schiffen und Flugzeugen engagiert.
Mit dem Ziel, Schiffsbesatzungen den sinnvollen Hintergrund der gesetzlich vorgeschriebenen Trinkwasserkontrollen näherzubringen, wurde ein Faltblatt mit dem Thema "Fresh water on board?" erstellt. Hierin finden Sie Informationen zu den von den Hafenärztlichen Diensten analysierten Parametern und deren Bedeutung für Ihre Trinkwasseranlage, sowie Tipps und Hinweise zur Pflege Ihrer Anlage an Bord.
Download des Faltblattes "Fresh water on board?" Englisch
Auch mobile Trinkwasseranlagen auf Wasserfahrzeuge unterliegen natürlich den gesetzlichen Überwachungsverpflichtungen, die aus der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) entstehen. Eine Forderung der TrinkwV ist hierbei, dass die Analyse der Wasserproben nur von speziell akkreditierten Laboren durchgeführt werden darf, die in entsprechenden Listen der zuständigen Landesbehörden geführt werden. Solche Listen existieren aber nur für Labore in den jeweiligen Bundesländern. Schiffe unter deutscher Flagge, die auf Grund ihres Fahrtgebietes nicht in der Lage sind einen deutschen Hafen anzulaufen, können kein deutsches Labor beauftragen. Um dennoch eine bestmögliche Beratung zu gewährleisten, muss sichergestellt sein, dass eine Probennahme und Analyse des Trinkwassers im Ausland unter definierten Qualitätsstandards durchgeführt wird. Um den Reederein kompetente Informationen und Hilfestellungen zur Trinkwasserprobennahme in ausländischen Häfen zu geben, hat die Unterarbeitsgruppe Trinkwasser des Arbeitskreises der Küstenländer für Schiffshygiene (AkKü) am 11.11.2009 eine Vollzugsempfehlung zu diesem Thema veröffentlicht.
Download der Vollzugsempfehlung zur Trinkwasserprobennahme im Ausland Deutsch
Bei Fragen zum Thema Trinkwasser steht Ihnen der Ingenieur der Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin, Herr Christoph Sevenich, zur Verfügung.
Die Arbeitsgruppe Schifffahrtsmedizin beschäftigt sich mit anwendungsbezogenen maritimen Forschungsprojekten. Dabei erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den anderen Arbeitsgruppen des ZfAM. Schwerpunktthemen sind aktuell die psychische und physische Belastung an Bord, Herzinfarktrisiko unter Seeleuten, die Gesundheitsgefährdung durch begaste Containern und Waren, die interne und externe Qualitätssicherung von medizinischen Wiederholungslehrgängen, Eignung verschiedener Geräte zur Laiendefibrillation auf Schiffen. Das Ziel der Arbeitsgruppe ist es, durch Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, die z. B. im Rahmen von Reihenuntersuchungen auf Schiffen gewonnen werden, den Sicherheitsstandard und die Prävention gesundheitlicher Risiken an Bord und im Hafen zu verbessern. Bei Fragen oder Anregungen, z. B. zur Optimierung der Schiffssicherheit oder zu Forschungsprojekten, steht Ihnen die Arbeitsgruppe gerne zur Verfügung.
(Kontakt: marcus.oldenburg@bsg.hamburg.de)
Weiterhin verfügt die AG Schifffahrtsmedizin über die weltweit größte Präsenzdokumentation für schifffahrtsmedizinische Literatur (aktuell 30400 Artikel), die fortlaufend gepflegt und aktualisiert werden muss. Die Dokumentation ist im Gebäude des alten Hafenkrankenhauses (Seewartenstr. 10) untergebracht und hält für den Schifffahrtsinteressierten zahlreiche historische und aktuelle Nachschlagewerke bereit. Die Dokumentation ist stets bemüht, Ihnen bei der Suche maritimer Literatur zu Seite zu stehen.
(Kontakt: jana.fischer@bsg.hamburg.de)